18.Mai 2013

Sparen für die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Kapitals

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Autoritäre Austeritätspolitik in der Eurokrise

Anbei dokumentiere ich hier einen Artikel aus der aktuellen ak von Niko und mir.

Als am 15.03.2013 die europäischen Staats- und Regierungschefs nach einem zweitägigen Gipfel in Brüssel vor die Presse traten, hatten sie wenig zu verkünden. Keine konkreten Beschlüsse und auch keine neuen Vereinbarungen Hinter den verschlossenen Türen wurde jedoch über den Pakt für Wettbewerbsfähigkeit verhandelt, dessen Grundzüge die deutsche Kanzlerin schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos skizziert hatte. Dieser soll nach den Wünschen der deutschen Bun-desregierung, ähnlich wie der Fiskalpakt, abseits des europäischen Rechts als völkerrechtlicher Ver-trag zwischen den Mitgliedsländern und der Europäischen Kommission geschlossen werden. Darin sollen sich die Mitgliedsländer verpflichten, bestimmte Elemente ihrer Volkswirtschaften anzupas-sen oder umzubauen, d.h. Strukturreformen in Bereichen durchzuführen, die „nicht dem notwen-digen Stand der Wettbewerbsfähigkeit entsprechen“. Hier wird es sich dann hauptsächlich „um Dinge wie Lohnzusatzkosten, Lohnstückkosten, Forschungsausgaben, Infrastrukturen und Effizienz der Verwaltungen gehen“, wie Angela Merkel in Davos erklärte. Der Pakt für Wettbewerbsfähig-keit ist der bisher letzte Baustein auf europäischer Ebene, mit dem der neoliberale Drei-klang aus Liberalisierung, Privatisierung und Sozialabbau europaweit (wo nötig autoritär) als zentrale Krisen-lösungsstrategie der EU institutionell verankert werden soll.
Krisen des Kapitalismus
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13.Mai 2013

Eine Tabelle

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Hier mal eine Tabelle, welche im Zuge meiner Bachelorarbeit (ja, das ist der Grund, weshalb ich so wenig gebloggt habe in der letzten Zeit) entstanden ist. Sie zeigt den Anstieg der Staatsschuldenquote (Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP) in den einzelnen Ländern des BIP. Dabei wird deutlich, dass die Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise der Hauptverursacher der sogenannten Staatsschuldenkrise war. Vor allem bei Spanien wird sehr deutlich, wie sehr die Bankenrettung zu einem Schuldendesaster führte.
Staatsverschuldung seit 2005

27.März 2013

Nix gelernt

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Das die deutsche Bundeskanzlerin aus der Krise nicht wirklich etwas gelernt hat und das sie bis heute nicht erkannt hat, wo die Wurzeln dieser multiplen Krise liegen, kann man sehr gut an ihrer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos am 24.1.2013 erkennen. Da es mich so sehr beeindruckt hat, mit welcher Vehements die deutsche Kanzlerin die Worte “Wettbewerbsfähigkeit” und “Strukturreformen” verteidigte, möchte ich hier kurz ein paar Ausschnitte aus ihrer Rede dokumentieren. Die vollständige Rede findet ihr hier oder als Video hier.

“Wir wollen in Europa – und darüber sind wir uns in der Europäischen Union auch einig – die Wirtschafts- und Währungsunion zu einer Stabilitätsunion fortentwickeln. Das ist das Gegenteil von einer kurzfristigen Notoperation. Es ist vielmehr ein dauerhaft angelegter Weg – ein Weg, dessen Leitplanken Strukturreformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit auf der einen Seite und Konsolidierung der Staatsfinanzen auf der anderen Seite sind.”

Auf der anderen Seite ist die politische Erfahrung, dass für politische Strukturreformen oft Druck gebraucht wird. Zum Beispiel war auch in Deutschland die Arbeitslosigkeit auf eine Zahl von fünf Millionen Arbeitslosen angestiegen, bevor die Bereitschaft vorhanden war, Strukturreformen durchzusetzen. Meine Schlussfolgerung ist also: Wenn Europa heute in einer schwierigen Situation ist, müssen wir heute Strukturreformen durchführen, damit wir morgen besser leben können.

Was uns aber noch fehlt – und daran müssen wir in diesem Jahr 2013 arbeiten –, ist eine Antwort auf die Frage: Wie können wir sicherstellen, dass wir in den nächsten Jahren auch eine Kohärenz in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der gemeinsamen Währungsunion erreichen? Und damit meine ich nicht eine Kohärenz in der Wettbewerbsfähigkeit irgendwo im Mittelmaß der europäischen Länder, sondern eine Wettbewerbsfähigkeit, die sich daran bemisst, ob sie uns Zugang zu globalen Märkten ermöglicht. Denn die Staaten des Euroraums können natürlich nur dann wachsen, wenn sie auch Produkte anbieten, die global verkäuflich sind. Deshalb ist das Thema Wettbewerbsfähigkeit so wichtig.

[...] analog zum Fiskalpakt einen Pakt für Wettbewerbsfähigkeit beschließen, in dem die Nationalstaaten Abkommen und Verträge mit der EU-Kommission schließen, in denen sie sich jeweils verpflichten, Elemente der Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, die in diesen Ländern noch nicht dem notwendigen Stand der Wettbewerbsfähigkeit entsprechen. Dabei wird es oft um Dinge wie Lohnzusatzkosten, Lohnstückkosten, Forschungsausgaben, Infrastrukturen und Effizienz der Verwaltungen gehen – also um Dinge, die in nationaler Hoheit der Mitgliedstaaten der Europäischen Union liegen. Das heißt also, die nationalen Parlamente müssten solche Verträge legitimieren. Diese Verträge müssen dann verbindlich sein, sodass wir feststellen können, inwieweit sich im Euroraum die Wettbewerbsfähigkeit verbessert.

Wie muss der europäische Binnenmarkt gestaltet sein, damit er ein wirklich wichtiger Spieler auf den Weltmärkten sein kann? Das heißt, wir dürfen unseren europäischen Binnenmarkt nicht nur aus der internen europäischen Perspektive anschauen, sondern wir müssen vor allen Dingen dafür Sorge tragen, dass wir in Europa Unternehmen haben, die als schlagkräftige Akteure auch weltweit agieren können. Auch da muss sich die Betrachtungsweise innerhalb der Europäischen Union und der Europäischen Kommission sicherlich noch besser den globalen Herausforderungen anpassen.

[..]das Thema Wettbewerbsfähigkeit ein zentrales Thema für den Wohlstand Europas in der Zukunft. Deshalb reden wir in diesen Jahren nicht nur über die Frage, ob Investoren, die in Staatsanleihen oder Unternehmen Europas investieren wollen, die Sicherheit und das Vertrauen haben, dass sie eine gute Investition tätigen. Vielmehr haben wir aus europäischer Sicht auch den Anspruch, so wettbewerbsfähig zu werden, dass wir unseren Wohlstand erhalten und weiterentwickeln können. [...]Da haben wir noch nicht den Zustand erreicht, an dem man Entwarnung geben kann. Aber es ist sehr viel in Europa passiert.

Wir haben alles getan, um den Binnenkonsum zu erhöhen. Aber wenn man uns vorwirft, dass es immer noch Ungleichgewichte gibt, dann muss man aufpassen, worauf diese Ungleichgewichte zurückzuführen sind. Wenn wir uns in Europa bei den Lohnstückkosten genau in der Mitte treffen würden, beim Durchschnitt aller europäischen Länder, dann würde ganz Europa nicht mehr wettbewerbsfähig sein und Deutschland nicht mehr exportieren können. Das kann nicht das Ziel unserer Bemühungen sein. Deshalb sind Überschüsse in den Leistungsbilanzen zum Teil natürlich auch Ausdruck einer guten Wettbewerbsfähigkeit. Und diese dürfen wir auf gar keinen Fall aufs Spiel setzen.

Na dann! Viel Spaß in der Zukunft!

26.März 2013

Die besten Bücher über…

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… Antonio Gramsci

GramsciDa ich mich derzeit wieder sehr intensiv mit der Lektüre der Gefängnisheften von Antonio Gramsci witme und dazu oftmals auch Sekundärliteratur heranziehe, habe ich mir gerade gedacht: Mensch, wahrscheinlich setzten sich auch noch andere Menschen mit Gramsci auseinander und würden sich freuen, wenn ich mal die, aus meiner Sicht natürlich, besten Bücher über Gramsci hier aufführe. Daher hier meine kleine Liste der drei besten Bücher über die Theorie des italienischen Marxisten Antonio Gramsci:

Nr.1) Perry Anderson: Gramsci. Eine kritische Würdigung, 1979, 112 Seiten
Dieses Buch ist wirklich das Beste, was man über Gramsci finden kann. Es setzt sich kritisch mit der Theorie von Gramsci auseinander, benennt Blindstellen und macht auf Probleme aufmerksam. Gleichzeitig bekommt man einen sehr guten Überblick über die Vorgeschichte des Hegemoniebegriffes und seine Entwicklungen. So wird deutlich, dass der Hegemoniebegriff aus den Debatten zwischen den Ökonomisten Eduart Bernstein und Rosa Luxemburg entstanden sind und dann von der russischen Sozialdemokratie über Lenin zu Gramsci gelangt sind. Also ein sehr interessantes und informatives Buch, was in keiner Arbeit über Gramsci fehlen sollte. Leider ist das Buch nur noch antiquarisch zu erhalten und das nicht immer günstig. Leider.

Nr. 2) Benjamin Opratko: Hegemonie, 2012, 220 Seiten, 19,90€
Benjamin Opratko gibt in diesem Buch eine sehr leicht verständliche Einführung in den Hegemoniebegriff und seine Entwicklung nach Gramsci. Dabei wird die Theorie von Antonio Gramsci im ersten Drittel sehr gut und verständlich erklärt und man bekommt einen Einblick wie wirkungsstark die theoretischen Konzeptionen von Gramsci sind. Der Bogen den Opratko dabei spannt ist sehr weit und geht von Gramsci über die neogramscianische Perspektive in der Internationalen Politischen Ökonomie zu poststrukturalistischen Theorie von Laclau und Mouffe bis zur postkolonialen Theorien. Der Teil über Gramsci ist dabei sehr klar und spannend, auch weil der Autor immer wieder auf Kritik und Schwachpunkte in der gramscianischen Theorie eingeht. Ein wunderbares Buch, was in Verbindung mit dem Buch von Perry Anderson fast alles abdeckt, was über den Hegemoniebegriff bzw. in Anlehnung an diesen, geschrieben wurde. Also eine wunderbare Übersicht und sehr sehr zu empfehlen.

Nr. 3) Sonja Buckel, Andreas Fischer-Lescano: Hegemonie gepanzert mit Zwang, 2007, 210 Seiten, 29€
Dieser Sammelband ist in seiner Gliederung wirklich sehr gut aufgebaut. So ist das Buch in drei Teile gegliedert, die jeweils einen bestimmten Aspekt der gramscianischen Theorie betrachten: Staat, Recht, Transnationalisierung des Staates. Dabei gibt es einen ersten Beitrag von Alex Demirovic, der einen einführenden Charakter hat, während sich alle anderen Artikel mit der Weiterentwicklung der gramscianischen Theorie befassen. Die Artikel sind alle sehr kompliziert geschrieben und einigen sich leider nur für Menschen, die Vorkenntnisse zur Gramsci besitzen. Jedoch gibt der Sammelband einen Einblick in welch unterschiedlichen akademischen Disziplinen mit der Theorie von Gramsci gearbeitet wird und in wie fern er in den letzten Jahrzehnten eine Weiterentwicklung erfahren hat. Guter Band aber leider ohne Vorkenntnisse unverständlich.

21.März 2013

Das zypriotische Drama

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Licht

Licht am Ende des Tunnels? CC-Lizenz von Berndbalu

Da haben wir nun den Salat liebe EU. Das zypriotische Parlament hat die Vorschläge der Eurogruppe zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise in Zypern, welche eine Zwangsabgabe der BankkundInnen mitgebracht hätte abgelehnt und somit ein klares Zeichen gegen den Austeritätskurs der Troika gesetzt: “Nein wir wollen uns nicht in einen Würgegriff nehmen lassen – Wir wollen nicht so Enden wie Griechenland”. Die Botschaft ist also klar und deutlich und sollte in der EU zum Umdenken für weitere Schritte führen. Das diese klare Botschaft wohl noch nicht bei den europäischen Eliten angekommen ist, zeigt nun die Reaktion der EZB, welche Zypern ein Ultimatum setzte.

Die europäischen Eliten sollten sich daher nicht wundern, dass ein solch politischer Druck eher das Gegenteil von dem Gewünschten bewirkt: Sie treibt das betroffene Land in die Hände von scheinbar freundlichen Geldgebern, die die Probleme des Landes nicht lösen, sondern nur von ihnen profitieren wollen. Dass Zypern sich jetzt Russland nähert und hofft mit russischem Geld den Klauen der europäischen Austeritätspolitik zu entkommen ist daher kein Zufall sondern vielmehr Logik. 29% aller Direktinvestitionen in Zypern kommen aus Russland, Russische Millionäre lieben das Steuerparadies Zypern und außerdem ist die geteilte Insel der ideale Militärstützpunkt für Russland, sollte bald der Stützpunkt in Syrien wegbrechen.

Anstatt nach dem Debakel der europäischen Rettungspolitik ein Umdenken einzuleiten und ggf. die bisherigen Maßnahmen zu verwerfen, tritt nun die EZB mit vollem Selbstbewusstsein an Zypern heran und formuliert ein Ultimatum: “Ohne Rettungspakete auch kein weiteres Geld für eure kaputten Banken”. Das es genau diese Politik ist, die die Eurozone in ihrer Existenz bedroht, das es genau diese Politik ist, welche die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandertreibt und das genau diese Politik es ist, welche das Projekt Europa am Ende wieder zu einer Utopie werden lässt, verstehen die herrschenden Eliten in Europa nicht. Es ist jedoch spätestens jetzt die Zeit umzudenken!

18.März 2013

Das Ende des Privatvermögens

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Zypern

CC-Lizenz von derwerkmeister

Wie ich gestern schon geschrieben habe, ist die Krise der Europäischen Union wie der Eurozone in eine neue Phase eingetreten. Die Verteilung von unten nach oben wird nicht mehr verdeckt über Strukturreformen und Kürzungen im sozialen Sektor vorgenommen, sondern nun offen durch die Enteignung privater Vermögen, auch der Kleinsparer, durchgesetzt. 6,75% sollen alle SparerInnen unter einem Bankenvermögen von 100.000€ für die Rettung der zypriotischen Banken aufbringen. Über 100.000€ werden 9,9% erhoben. Gleichzeitig scheint diese Bankenabgabe der SparerInnen von vorhinein geplant gewesen, da die Bankkonten ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe eingefroren waren und niemand mehr Geld von seinem Konto hatte abholen können.

Doch scheinbar haben die europäischen Finanzminister die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zum zweiten Mal hat das Parlament die Entscheidung über das Enteignungspaket vertagt und nun auf morgen datiert. Da heute ein Feiertag in Zypern ist, waren die Banken eh geschlossen. Nun aber sollen sie auch noch zwangsweise bis Mittwoch geschlossen bleiben, da sich das Parlament nicht unter Druck setzten lassen möchte, um alles in Ruhe durchsprechen zu können. Anders als in den vergangenen Rettungsaktionen, wo sich die nationalen Parlamente hetzten lassen haben, scheint das zypriotische Parlament nun das wirklich Richtige zu machen, seine Muskeln zu zeigen und weiter bzw. nach zu verhandeln. SPIEGEL ONLINE berichtet, dass das Parlament und der Ministerpräsident versuchen einen Freibetrag von 20.000€ sowie eine Absenkung des Enteignungsbetrages bei Kleinsparern von 6,75% herauszuhandeln. Dies ist ein wichtiger Schritt aber er zeigt auch, was für ein Bild sich hier für die Menschen aufzeigt: Die böse EU gegen den guten Nationalstaat.

Und vielleicht ist es genau dieses Bild, was auch die Wahrheit darstellt. Die Menschen in Zypern haben vor nicht einmal einem Monat einen neuen Präsidenten gewählt, dessen Wahlversprechen es waren, die Kleinanleger zu schützen und die Einlagen zu garantieren. Kurz nach seiner Wahl wird er jedoch von der Europäischen Kommission und den nordeuropäischen Ländern erpresst und vor die Wahl “Kleinanleger enteignen oder Untergehen” gestellt. Eine Botschaft, die verheerend für die europäische Demokratie ist, denn sie sagt nicht viel weniger, als dass die Zyprioten wählen können wen sie wollen und doch von Brüssel aus, von undemokratischen und intransparenten Institutionen regiert werden oder “in your face: Eure Demokratie ist nichts Wert in Europa!”. Schon allein die Tatsache, dass eine Veränderung der Vereinbarung nur durch alle europäischen Finanzminister getroffen werden und nicht durch das nationale Parlament, erzeugt schon das Bild eines kolonialen Politikstils.

Dazu kommt nun der Tabubruch einer Teilenteignung der Kleinsparer und das Antasten der privaten Vermögen. Dieser Tabubruch ist, wie es der CAPITAL-Autor Christoph Schütte in seiner Kolumne schreibt “eine harte und ungeschminkte Kampfansage. Sie sind ein Schlag ins Gesicht einer großen Zahl von Menschen. Und damit eine riesige politische Dummheit.” Was hier für ein Risiko eingangen wird, ist heute noch nicht abschätzbar und wird irgendwann in den Geschichtsbüchern als wichtiger Einschnitt in der europäischen Rettungspolitik vorkommen. Während Angela Merkel 2007 noch davon sprach, dass die Privatvermögen sicher sind, so macht dies nun deutlich, dass man sich auf Politikerreden nicht verlassen darf. Wackelt das Finanz- und Bankensystem, dann wackeln auch unsere Einlagegarantien und -sicherheiten. Man darf gespannt sein, wie sich dieses Verhalten in der Zukunft auswirken wird.

Weiterhin interessant wird die Reaktion der griechischen (Finanz-)Wirtschaft auf diese Enteignung werden und wie die Menschen darauf reagieren. Immerhin ist diese sehr stark mit der zypriotischen verworren und ein Eingriff in das jeweilige Bankensystem des anderen trifft auch immer das eigene. Dies war schon sehr stark beim griechischen Schuldenschnitt zu sehen, wo die zypriotischen Banken ganz einfach verspekuliert hatten und anfingen zu wanken.

Mann kann nun also gespannt sein, wie sich diese Situation nun weiter entwickelt. Eine Durchsetzung des zypriotischen Parlaments wäre jedoch schon ein erster Erfolg.

17.März 2013

Ein Schnitt

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Erst letztens hatte ich ja schon mal über den Fall Zypern geschrieben gehabt und um den Streit, den es zwischen den EU-Mitgliedsstaaten über Milliardenhilfen für das angeschlagene Land gab. Nun haben sich die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel in Brüssel darauf geeinigt dem Inselstaat 10 Milliarden Euro für ihre maroden Banken zu überweisen und einen Exodus, was auch einen Austritt Zyperns aus der Eurozone bedeuten würde, zu verhindern. Im Gegenzug dazu sollen die Kunden zur Rettung ihrer zypriotischen Banken herangezogen werden. Auf alle angelegten Beträge wird eine Zwangsabgabe von 6,75% erhohen, bei Guthaben über 100.000€ sogar von 9,9%. Gleichzeitig verpflichtet sich das Land die Auflagen des ESM zu erfüllen, also gegen die Geldwäsche vorzugehen aber auch Steuern zu erhöhen und neoliberale Strukturreformen wie in Griechenland durchzusetzen.

Die größte Last zahlt also auch im Fall Zypern wieder die ärmere Bevölkerungsschicht und macht deutlich mit welchen offensichtlichen Mitteln die Umverteilung von unten nach oben im Zuge der Eurorettung nun von statten geht. Anstatt durch eine Vermögensabgabe oder eine Erbschaftssteuer werden die Banken nun mit dem Geld der kleinen Leute bezahlt, welche durch die Krise auch schon keine Gewinne erzielen konnten. 6,75% auf alle Einkommen unter 100.000€ ist ein großer Haufen Geld und für manche ein herber Schlag. Man muss es immer wieder betonen, hier wird nicht enteignet, weil Schulen saniert oder die Gesundheitsversorgung sichergestellt werden muss, sondern weil Banken und Kreditsysteme sich mit griechischen Staatsanleihen und Subprimekrediten verspekuliert haben und vom zypriotischen Staat gerettet werden mussten. Zypern, was als Paradies für Geldanlagen aus aller Welt bekannt ist, geht an die Konten der armen Menschen ran. Würden alle Ersparnisse über 250.000€ mit 20% besteuert worden, wäre die Situation meiner Meinung nach gerechter gewesen.

Aber hier geht es auch um ein bisschen mehr. Wie eben schon gesagt ist Zypern ein Paradies für Geldanleger. Gleichzeitig haben uns die europäischen Eliten von Beginn an versprochen, dass die Ersparnisse der Menschen nicht angetastet werden. Was nun aber passiert ist genau das. Mit dieser Aktion wird das Vertrauen der Bevölkerung auf Kosten des Vertrauens der Finanzmärkte verspielt, was schlimme Auswirkungen auf die Stabilität der Währung haben könnte. Wenn wir am Montag alle unser Geld von den Banken holen – und das wird in Zypern (Dienstag) und auch in anderen südeuropäischen Ländern wohl passieren – dann kann das Bankensystem aufgrund von Liquiditätsmangel zusammenbrechen.

Der Schritt die Banken an ihrer eigenen Rettung zu beteiligen ist meiner Meinung nach vollkommen richtig und diese sollten meines Erachtens auch das Geld, welches für ihre Rettung nötig war auch wieder zurückzahlen müssen. Nicht richtig ist es die Kleinanleger und Kleinsparer zur Kasse für die Rettung von Banken zu bitten. Das ist Klassenpolitik.

13.März 2013

Lächerlicher Populismus

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Ok jetzt werdet ihr staunen: Ich halte wirklich gar nichts von einer Begrenzung von Managergehälter und ich finde die ganze Diskussion über die Begrenzung dieser für einen lächerlichen Populismus. Als die Partei DIE LINKE dies schon in ihrem ersten Bundestagswahlkampf 2005 auf die Fahnen schrieb, fand ich das schon nicht so dolle aber in einer gewissen Art nachvollziehbar. Das nun aber die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die EU von einer Begrenzung von Managergehälter reden und dies als eine Art gerechte Krisenlösung vorstellen ist mehr als ein lächerlicher Populismus. Es ist ein Ablenkungs- und Blendmanöver.

Denn ganz ehrlich, was bringt eine solche Begrenzung als einzig die Befriedung der Subalternen und das Ende einer bestimmten Neiddebatte. Nicht ein europäischer Arbeiter wird davon profitieren, dass die Deutsche Bank jetzt ihren Managern nicht mehr 100.000€ als Gehalt zahlt. Vielmehr wird die Entlohnung der Manager(Innen) in anderen Formen passieren und bspw. in einer anderen Form als Geld überwiesen. Ansonsten wird sich durch ein Verbot nichts ändern. Die da oben werden dann immer noch die da oben sein.

Vielmehr wäre eine Erbschaftssteuer und eine Vermögenssteuer in einer ordentlichen Höhe viel angebrachter und effizienter. Letzteres müsste man nicht mal mehr einführen, sondern einfach nur noch wieder aktivieren, weil das Vermögenssteuergesetz noch in Kraft ist. Allein eine Steuer von einem Prozent auf das Nettovermögen (nach Abzug von Schulden) oberhalb eines Freibetrags von 1 Millionen Euro würde dem Staat etwa 20 Milliarden Euro im Jahr einbringen. Gekoppelt mit einer Erbschaftssteuer von 100% bei einem Freibetrag von 1 Millionen Euro + einer Immobilie, wären das Einnahmen, wo es wirklich eine Umverteilung von oben nach unten geben würde. Die Begrenzung von Managergehälter sind nur hohle Phrasen und die Informellisierung von Einkommen der herrschenden Elite.

11.März 2013

Schlechtes Geballer

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Gestern habe mehr als 12 Millionen Menschen den neuen Tatort mit Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller gesehen und damit der ARD eine Rekordquote beschert. Auch ich war einer der 12 Millionen ZuschauerInnen, die sich diesen Krimi/Actionfilm angeschaut haben. Um es vorweg zu sagen, bin ich ein großer Fan der Tatortreihe und sitze mehr oder weniger jeden Sonntag vor dem Fernseher. Ich habe also einen bestimmten Anspruch an die altehrwürdige Krimireihe.

Dieser wurde gestern nicht nur arg enttäuscht, sondern gleichzeitig auch noch ziemlich strapaziert. Was hatten sie nicht im Vorfeld geschrieben? Man solle Schweiger eine Chance geben und der Tatort wird kein typischer Schweigerfilm und schon gar nicht eine Mixtur aus Keinohrhase und seinem letzten Ballerfilm. Heute kann man darauf antworten: „Alles gelogen!“.

„Wollen sie mich ficken?“
Dieser Krimi war nicht nur schlecht, sondern einfach miserabel. Die Handlung war unlogisch, unverständlich und unrealistisch. Die schauspielerische Leistung der meisten Akteure war über lange Strecken unerträglich und die Darstellung klischeehaft. Bei letzterem scheint sich Til Schweiger eine Brecht’sche Regel zu Herzen genommen haben, Frauen nur als Prosituierte, Töchter oder Mütter vorkommen zu lassen. Das Geschlechterverhältnis jedenfalls war im gestrigen Tatort klar verteilt: Frauen waren schmückendes Beiwerk, Opfer oder Nervensägen, während Schweiger und sein „Partner“ die „Scheiße gerockt“ haben. Dabei ist Tschiller der „typische Mann“, der zwar nicht kochen und sich um seine Tochter kümmern kann (Familie und so scheint ja für Frauen reserviert), dafür aber drei Menschen im Nuh umlegt und coole Stunts machen kann. Seine „Ex“ welche selbst kaum über dreißig gewesen sein muss, nervt dagegen immer, wie ungesund Tschiller sich und seine 15jährige Tochter ernährt. Frauen als handelnde Subjekte? Fehlanzeige! Selbst die Staatsanwältin, welche wegen dem ganzen Rumgeballer mit Tschiller ermittelt, muss am zulassen, dass dieser ihr den letzten Zeugen rettet und damit ihre Karriere. Das Filmzitat dazu: „Wer ist denn die Brosche?“ Einfach widerlich!

„Papa, man kann alles sehen!“
Genau wie die Dialoge des Films. Die Menschen bei der Hamburger Polizei scheinen sich nur über Fäkalien zu unterhalten und sich gegenseitig bestimmte Sexualpraktiken und Neuigkeiten über ihre Geschlechtsteile auszutauschen. Während es noch einigermaßen erträglich ist, dass die 16jährige Zwangsprostituierte ständig über das „Blasen“ spricht und damit die sexuelle Praxis des „Oralverkehrs“ meint, beginnen die Machodialoge zwischen Tschiller und seinem „Partner“ sowie zwischen dem Großteil der anderen SchauspielerInnen mächtig zu nerven. „Ganz knapp neben meinen Eiern, ey“ mag man dabei nur den „Partner“ zu zitieren, welcher selbst seine ganze Wohnung mit Kameras verwanzt hat, weil seine Freundin ständig DVDs klaut. Aber „hey, ich bin kein Spanner!“. Man war die ganze Handlung des Films lang an die Dialoge des Nachmittagsprogramms von RTL und Sat1 erinnert. Porno an! Witz, Logik und Intelligenz aus!

„Ein echter Mexican!“
Die Handlung an sich ist leicht erzählt und doch fiel die Darstellung unlogisch und unrealistisch aus. Kommissar Tschiller hebt ein Bordell aus, weil er dort den Kopf einer Menschenhändlerbande vermutet. Dabei legt er erstmal drei Menschen um und entdeck seinen alten „Partner“, der sich etwas später als Kopf der Bande herausstellt, weil er das Zeichen nicht einhält. Ihm läuft eine 16jährige Prostituierte zu, die verfolgt und umgebracht werden soll, die sich am Ende einen Chip aus der Schlagader schneidet, mit der sie die Menschenhändler die ganze Zeit orten konnten. Am Ende kommt es zu einem Showdown, bei der Tschiller und sein Partner, der im Rollstuhl sitzt, da dieser noch verletzt ist, das „Frauenlager“ hochnehmen und dabei gleichzeitig noch den letzten Zeugen gegen die Frauenhändlerbande retten. Was dabei und dazwischen jedoch für ein Klamauk gemacht wurde, war in weiten Teilen einfach lächerlich. Beispielsweise wie Tschiller immer mehr Verletzungen im Gesicht bekam oder wie er todesmutig einen fahrenden VW-Bus joggend einholte um das Mädchen zu retten. Auch wie sich sein „Partner“ aus dem Krankenhaus heraus in Computer und Telefonanlagen hakten und durchgehend über ein Headset verbunden waren. Noch viel schlimmer wurde es als Tschiller das „Prostituiertenhaus“ verließ und hinter ihm die Mädchen in Scharren folgten. Ein Bild wie damals bei Top Gun mit Tom Cruise. Nur diesmal für kulturell Verarmte.

Fazit
Nein, Nein, Til Schweiger! Das war nix! Handlung und Darstellung, Dialoge und Witz können nur als mangelhaft bis schlecht eingestuft werden. Insgesamt war dies einfach nur schlechtes Geballer und dies auf dem Niveau des Privatfernsehens. Diese Einschaltquoten waren nur deshalb so hoch, weil die Presse diesen Krimi so promotet hatte und viele ZuschauerInnen einfach neugierig waren, wie dieser Tatort mit Til Schweiger wohl sein würde. Auf Twitter nannte ihn einer einen „Bruce Willes für Arme“ und wahrscheinlich hatte er damit Recht. Wer gute Krimis, wer intelligente und witzige Krimis gewöhnt ist, der war gestern Abend nicht nur enttäuscht, sondern beleidigt.