Die spinnen, die Spitzel!

Ich bin ein sogenanntes Wende-Kind. Aufgewachsen in den Wirren nach dem Mauerfall, in einer post-sowjetischen Gesellschaft, die sich jedoch, aufgrund der sich durchsetzenden neoliberalen Ideologie, immer mehr auflöste. In der Schule wurde mir erklärt, dass mit dem Ende des real existierenden Sozialismus, nun auch die Geschichte zu Ende ist und wir alle nun endlich in einer Gesellschaft lebten, in der wir keine Angst mehr haben brauchten, da es jeder und jede schaffen könnte.

Auch wenn unsere Lehrer_Innen lange Zeit selbst Teil dieses Systems gewesen waren, dessen Trümmer nun vor ihren Füßen lagen, so bläuten sie uns in jeder Geschichtsstunde und auch immer wenn dieses Thema irgendwie auf den Plan trat, ein, das die Deutsche Demokratische Republik ein Unrechtsstaat war. Ein Staat, in dem jeder 7. Staatsbürger für den Inlandsgeheimdienst arbeitete, in dem man nicht frei seine Meinung sagen durfte und in dem es Berufsverbote gab und andere schlimme Repressalien existierten im Falle einer “freien Meinungsäußerung”. Der Staat und das Kollektiv waren alles und das Individuum wurde dadurch negiert. Eine eigene Meinung war nicht erlaubt. All dies machte die DDR zu einem Unrechtsstaat und damit zu einem Staat, den es zu verurteilen gilt. Die DDR war der böse Staat, den den es zu dämonisieren gilt, während der Staat, in dem wir jetzt leben, eine weiße Weste hat. Hier gab es mal den Radikalenerlass und früher auch mal Repression gegen die 68er Bewegung ABER eine Überwachung der Mitbürger_Innen, nur weil sie eine abweichende Meinung hatten gab es nicht. Nie sowas ist in unserem Staat undenkbar. Hier kann jeder sich frei äußern und seine eigene Meinung sagen ohne irgendetwas befürchten zu müssen.

Das dies nicht zutrifft bzw. auch nie zutraf, wissen wir und es wird uns jetzt wieder einmal bestätigt. Denn während der Verfassungsschutz es nicht schafft eine mordende Bande von Neofaschisten unter Kontrolle zu behaltene, fokussiert dieser sich vielmehr auf die Partei DIE LINKE und ihre Repräsentanten. 24 Mitglieder der Bundestagsfraktion wurden und werden vom Verfassungsschutz überwacht, obwohl sie eine Immunität besitzen und das Verfassungsgericht eine Überwachung von “politischen Gruppierungen im Bundestag” verboten hat. Sie werden vom Bundesverfassungsschutz überwacht, weil sie “verfassungsfeindliche” Tendenzen in der Partei bemerkt haben. Wie Wolfgang Wipperman gerade in seiner Kolumne im FREITAG geschrieben hat, gibt es deutliche Unterschiede zwischen Verfassungsfeindlich und Verfassungswidrig. Denn was Verfassungswidrig ist, dass steht im Grundgesetz und ist mehr oder weniger klar definiert. Was jedoch als Verfassungsfeindlich gilt, liegt im Ermessen des jeweiligen Behördenleiters und der politischen Hegemonie innerhalb der Staatsapparate. Denn während in Brandenburg die LINKE mitregiert und vom Verfassungsschutz nicht beobachtet wird, gilt sie in Bayern und anderswo als hochgradig verfassungsfeindlich. Dies liegt aber nicht an der heterogenen Mitgliederstruktur innerhalb der Partei, denn dann hätte sich der Verfassungsschutz nicht vor allem auf die Reformer in der Bundestagsfraktion eingeschossen, sondern, wie eben schon erwähnt, an der Weltauffassung der jeweiligen Behörde. Eingerahmt und unterstützt werden solche rein subjektiven Einschätzungen durch Extremismustheorie von Backes und Jesse, die eine Gleichsetzung von (neo-)faschistischen und sozialistischen/kommunistischen Strukturen vorsieht, gleichzeitig aber durch empirische Fehler und politisches Kalkül, die Einflussmöglichkeiten rechter Strukturen ab- und die linker Strukturen aufwertet. Nur dadurch ist es einem Innenminister Friedrich möglich die Partei DIE LINKE und die neofaschistische NPD in einem Atemzug zu nennen.

In einer Stellungnahme sagte der Leiter des Bundesverfassungsschutz, das die Fraktion nur “beobachtet”, nicht jedoch überwacht wurde. Auch hier übt sich der Verfassungsschutz in seiner Taktik und gibt nur das zu, was man ihm schon längst beweisen kann. Denn heute ist herausgekommen, dass von der 1000 Seiten starken Akte von Gregor Gysi rund 130 Seiten entfernt, mehr als 500 Seiten teilweise geschwärzt und rund 200 Seiten ausgetauscht wurden. Der Grund dafür sei, dass Quellen geschützt werden müssen, da hier geheimdienstlich gearbeitet wurde, was bedeutet, dass Gregor Gysi als Fraktionsvorsitzender der viertgrößten Fraktion im deutschen Parlament von einer Bundesbehörde systematisch abgehört und überwacht wurde. Der einzige Grund, der dafür ins Feld geführt wird ist, dass Gregor Gysi in den Augen der Behörde “verfassungsfeindlich” sei oder um es in anderen Worten auszudrücken, eine Gefahr für die herrschende Politik und Ideologie darstellt. Und hier ist nicht nur Gregor Gysi zu nennen, sondern auch Petra Pau, die als stellvertretende Bundestagspräsidentin agiert und alle anderen Abgeordnete der Bundestagsfraktion.

Und selbst wenn man an nicht selbst verfassungsfeindlich ist, wie etwa der Bundestagsabgeordnete Bodo Ramelow, heißt das noch lange nicht, dass man vor den Augen des Verfassungsschutzes geschützt ist. Denn, so im Falle Ramelow, wäre es ja möglich, dass sich verfassungsfeindliche Subjekte in der Nähe von Ramelow aufhalten und das man so Erkenntnis über diese Personen erlangen könnte. Tja, der Bundestagsabgeordnete muss es sich also gefallen lassen, als Köder zu dienen, selbst wenn er gar nicht das Ziel der Überwachung ist.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass viele dieser Abgeordneten auch schon in der DDR von der Stasi überwacht wurden und Repressionen ausgesetzt waren, dann erschließt sich das Ausmaß dieser Überwachungsaktion. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Verfassungsschutz ein “Pfeiffenverein” (Gregor Gysi) ist, der auf Grundlage einer konfusen Theorie, willkürlich Leute überwacht und sie öffentlich unter dem Begriff “Extremismus” diffamiert.

Wenn man dies alles ganz nüchtern und im Kontext der Telefonüberwachungen in Dresden und Berlin sowie der Pannen im NSU-Fall sieht, so muss es einem deutlich kalt den Rücken runtergehen. Ich bin gespannt, was wir als nächstes sehen werden.

Madame Le Pen

Sie war wohl die auffälligste Person während meines ganzen Aufenthalts in Frankreich. Eigentlich war sie omnipräsent und man konnte ihr, las man denn Zeitung, hörte man Radio oder sah man Fern, eigentlich nicht entkommen. Marine Le Pen, die Tochter des “bretonischen Monsters” Jean-Marie Le Pen, ist zurzeit auf allen Kanälen in den französischen Medien zu hören und gibt zu jedem Thema ihren Senf zu irgendeinem Thema. Ob es der Verlust des AAA-Status ist, das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat von 1905 oder zur Eurokrise, um nur die derzeitig aktuellsten Themen zu nennen (vgl. Le Monde, 2012a; Le Monde, 2012b).

Dabei bietet sie eigentlich immer nur die gleichen rassistischen und nationalistischen Parolen als Lösungen für sämtliche Probleme an. Raus aus der Eurozone, Einwanderungsstop und Stärkung der französischen Nation im Inland und im Ausland. Mit neokolonialen und imperialistischen Ideen möchte sie Frankreich zu seiner alten Stärke in der Welt verhelfen (vgl. marinelepen2012.fr, 2012a). Frankreich, als ehemalige Grand-Nation, wurde durch die PS und der UMP und allen anderen vorherigen Regierungen geschwächt, da diesen, so Marine Le Pen, das Geld wichtiger war als die “Volksgemeinschaft und die französische Nation” (vgl. Le Monde, 2012b). Genauso analysiert sie auch die derzeitige Eurokrise und das Phänomen der Globalisierung. Die Krise komme nicht von ungefähr, sondern sei die Konsequenz aus der Vereinheitlichung der Völker und die Negierung der Nationen und ihren Kulturen. Diese Dynamik, die dem Geld die Vorfahrt gibt und dadurch den Menschen ihre nationalen Wurzeln nimmt, nennt sie Globalisierung bzw. mondialisation. Wenn die Nation Frankreich wieder Vorfahrt in der nationalen Politik hat und die Einwanderung und somit die Vermischung gestoppt wird, dann wird auch Frankreich wieder zu seiner alten Stärke finden.

Dieser Nationalismus und Rassismus wird dann weiterhin durch eine permanente Islamophobie unterstützt, die sich Le Pen von den Islamhassern aus den Niederlanden und Belgien usw. abgeguckt hat. Während ihr Vater vornehmlich gegen Juden wetterte, steht der Hauptfeind für Le Pen in Mekka und bedroht die französische Nation (vgl. marinelepen2012.fr, 2012b). Dieser will die Scharia in Frankreich einführen und die französische Öffentlichkeit dazu zwingen kein Schweinefleisch mehr zu essen. Deshalb ist eines ihrer wichtigsten Ziele ein neues Ministerium für Säkularismus einzuführen, die die Finanzierung von Glaubensgemeinschaften durch das Ausland kontrolliert und verbietet, wenn es gegen die Interessen der französischen Nation ist. Und dieses Bild, welche Religion die wirkliche französische Religion ist, dass hat sie heute erst betont. “La France plongeait “ses racines dans le christianisme. C’est (…) notre histoire, notre identité” (Frankreich hat seine Wurzeln im Christentum… Das ist unsere Geschichte, unsere Identität) (vgl. Le Monde, 2012b).

Das eigentlich bemerkenswerte ist aber nicht, dass es Rechts von den Konservativen noch eine Partei gibt, die den Ideen der Nazis schon sehr nahe ist, sondern die mediale Aufmerksamkeit, die ihr gewährt wird. Sie ist nicht nur überall präsent, wie ich es oben schon erwähnt habe, sondern sie wird zitiert und behandelt wir eine ganz normale Politikerin, die sich zu bestimmten politischen Sachverhalten äußert. Eine der größten Gratiszeitungen Frankreich, die Direct Martin, hat Le Pen im November sogar einen dreiseitigen Artikel über sich und ihre Positionen gewidmet. Man stelle sich einmal vor, wenn Holger Apfel oder Udo Voigt von der NPD, mit der die Front National wohl am vergleichbarste ist, jeden Tag zitiert werden würde und wenn man die Tagesschau anmacht eines dieser hässlichen Gesichter ansehen müsste.

Le Pen stößt mit ihren rassistischen und nationalistischen Parolen auf fruchtbaren Boden. Frankreich ist seit jeher eine durch und durch nationalistische Gesellschaft, die, meiner Meinung und Erfahrung nach, ungesund stolz auf ihre Sprache, Geschichte und Kultur ist und der größte Teil seiner Einwohner, ihr Land heute noch als Mittelpunkt der Erde ansehen. Der Führungsanspruch Deutschlands in der Eurokrise, die Aberkennung des “tripple A” Status sind ein Schock für das französische Nationalgefühl und wohl auch ein Stich ins Herz eines jeden stolzen Franzosens. In einer Umfrage, machen mehr als 2/3 den Präsidenten Nicola Sarkozy persönlich dafür verantwortlich, dass sie „ihr“ “triple A” verloren haben (vgl. SPIEGEL ONLINE, 2012). Aus dieser Sicht heraus, dass das Frankreich eigentlich eine große Nation sei, ist es leicht die Einwanderer zu den Schuldigen zu erklären, die die französische Nation in den Ruin getrieben haben.

Gleichzeitig setzt Marine Le Pen nicht auf alte Rezepte oder kommt altbackend, offen faschistisch und antisemitisch rüber wie ihr Vater es einst getan hat. Nein, sie schafft es ihre Islamophobie, ihren Rassismus und ihren Chauvinismus so zu verpacken, dass er modern und hip bei den Franzosen rüberkommt und ihnen scheinbar als Alternative plausible ist. Sie versteckt oder verschleiert ihre Absichten nicht, wie es die islamophoben Parteien in Deutschland versuchen, sondern sie äußert sie offen und kommt damit aber auch bei den Menschen an und schafft es in die französische Medien. Sie erreicht dabei dann auch nicht nur alte und patriotische Menschen, sondern vor allem junge und scheinbar moderne und intelligente französische Bürger. Sie ist auf Facebook und hat einen Channel auf Youtube und wenn man es ertragen kann, dann kann man auch ihre Tweets auf Twitter lesen. Sie begeistert die Menschen, spricht ihre Ängste an und gibt ihnen scheinbar Hoffnung, dass man auf Frankreich wieder stolz sein kann. So bezahlten ihre Anhänger sogar 10€, nur allein um sie zu hören und sie zu sehen (vgl. Le Monde Magazin, 2012).

Mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen scheint gerade alles offen zu sein und man sollte auf jeden Fall mit Marine Le Pen rechnen. Denn während Nicolas Sarkozy gerade mächtig strauchelt und ihm die Aberkennung des “trible A” Status die Füße vom Boden gerissen hat, wird Francois Holland, der Kandidat der PS, nicht mal in seiner eigenen Partei wirklich ernst genommen. Beide gelten sie als Lachfiguren und Technokraten, über die im Fernsehen Witze gemacht werden und denen man die Restaurierung Frankreichs zur “Grande Nation” und schon gar nicht die Rettung Europas zutraut. Marine Le Pen stellt dagegen für viele eine seriöse Alternative dar, die viele Ängste und Sorgen der Franzosen anspricht und einfache Lösungen anbietet. Zwar wird sie in der Öffentlichkeit zumeist noch als Schmuddelkind behandelt aber auch dies hat sich deutlich geändert und wird sich in den nächsten Wochen und Monaten auch noch ändern. Die Frage, die sich in den nächsten Tagen stellt ist also, wie die UMP und Sarkozy agieren und reagieren und vor allem in wie fern wieder rassistische Stereotypen, wie in den letzten Jahren, von der Regierungspartei bedient werden.

Literatur:

Le Monde Online, (2012a), La sortie de l’euro alourdirait encore la dette de la France, 13.01.2012, http://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2012/article/2012/01/13/la-sortie-de-l-euro-alourdirait-encore-la-dette-de-la-france_1629305_1471069.html, [15.01.2012 23:16], Paris, 2012.

Le Monde Online, (2012b), „Marine Le Pen prend pour cible les “intégristes” au nom de la laïcité“, 15.01.2012, http://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2012/article/2012/01/15/marine-le-pen-prend-pour-cible-les-integristes-au-nom-de-la-laicite_1629953_1471069.html [15.01.2012 23:15], Paris, 2012.

Le Monde Magazin (2012), J’y étais… à la “galette présidentielle” de Marine Le Pen, http://www.lemonde.fr/m/article/2012/01/13/j-y-etais-a-la-galette-presidentielle-de-marine-le-pen_1628778_1575563.html, 8.Januar 2012, Paris, 2012.

Marinelepen2012.fr, (2012a), Politique etranger, http://www.marinelepen2012.fr/le-projet/politique-etrangere/politique-etrangere [15.01.2012 23:21], Nanterre, 2012.

Marinelepen2012.fr, (2012b), Refondation Republicaine – Laicite, http://www.marinelepen2012.fr/le-projet/refondation-republicaine/laicite [15.01.2012 23:25], Nanterre, 2012.

SPIEGEl ONLINE, (2012), Sarkozy bangt um seinen Job im Élysée, www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809060,00.html [15.01.2012 23:28], Hamburg, 2012.

Frankreichs AAA

Liebe Leser,

gestern wurde Frankreich von der Rating Agentur Standart and Poor auf AA+ heruntergestuft. Ich habe für euch mal eine kurze Presseschau zusammengestellt. Ein Kommentar zu diesem, für die französische Nation wohl erschütterndes Ereignis, gibt’s demnächst.

Nun hat es Frankreich getroffen und wie schon damals bei versehentlichen Abwertung, wühlt es das ganze Land auf. Le Monde hat eine ganz gute Zusammenfassung von Artikel gemacht und sie in den Kontext der Präsidentschaftswahlen gestellt:

http://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2012/

Interessant ist, in Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen, auch, was der Figaro zusammengestellt hat. Er stellt die Aussagen der Präsidentschaftskandidaten zur Abwertung gegenüber:

http://www.lefigaro.fr/conjoncture/2012/01/13/04016-20120113ARTFIG00582-triple-a-la-france-est-une-valeur-sure-selon-pecresse.php

DIe linksliberale Tageszeitung Liberation hat sogar einen Liveticker eingerichtet und berichtet von Statements und aktuellen Einschätzungen. Sarkozy wird dort offiziell als der “degradierte Präsident” bezeichnet.

http://www.liberation.fr/politiques/01012383401-la-degradation-de-la-note-de-la-france-en-direct

Was vielleicht noch bemerkenswert ist, ist das S&P Frankreich genau 100 Tage vor den Präsidentschaftswahlen abgestuft hat und so spekuliert nicht nur die Liberation darüber, ob dies ein klares Zeichen der Ratingagenturen gegen den aktuellen Kurs der Regierung Sarkozy bedeutet. Allgemein hatte Sarkozy in der Eurokrise versucht sich profilieren und die aktuelle Abstufung trifft ihn im Kern seiner Kampagne, die ihn in den letzten Monaten als “Euroretter” darstellte. Wahrscheinlich muss man jetzt damit rechnen, dass Sarko sich auf seine Wurzeln als Law and Order Politiker besinnt und versuchen wird mit rassistischen Aktionen und Parolen der Front National Wähler abzuwischen. Man kann gespannt sein.

Übrigens ist es bemerkenswert, wie viel Aufmerksamkeit Marine Le Pen vom Front National in den französischen Nachrichten generell und gerade jetzt nach der Abstufung bekommt. Die Le Monde fasst ihre Aussagen dazu sogar zusammen, wo sie wieder betonen kann, dass sie die einzige Kandidatin ist, die aus der Euro Zone aussteigen würde, damit Frankreich unabhängig wird:

http://www.lemonde.fr/election-presidentielle-2012/breve/2012/01/13/marine-le-pen-c-est-la-premiere-etape-de-l-eclatement-de-la-zone-euro_1629585_1471069.html

Die fetten Jahre sind vorbei

Um drei Prozent ist die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr gewachsen und damit ist Deutschland eines, der am meisten gewachsene Industrieländer der Welt. Mitten in der großen Krise der Eurozone sticht Deutschland mit ganzen drei Prozent heraus, während man in Frankreich höchstens ein Wachstum von 1,75% erreicht. Und dies in der Eurozone auch noch ein super Wert.

Doch auch in Deutschland werden sich über kurz oder lang die Wolken dunkel färben, denn die Bundesrepublik ist wirtschaftlich mit den anderen Euroländern zu sehr verknüpft als dies keine Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnte. Dies wurde im letzten Jahr noch mit gesteigerten Exporten nach Asien kompensiert, aber eine Volkswirtschaft wie Deutschland, die sich innerhalb eines einheitlichen Binnenmarktes befindet, wird über kurz oder lang die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Gerade auch, weil Deutschland einer der Hauptprofiteure dieses Wirtschaftsraumes war und auch in der Krise immer noch ist. Die autoritäre Austeritätspolitik der EU gegenüber den peripheren Ländern im Süden (Italien, Spanien, Portugal, Griechenland) führt gerade zu einer Rezession in diesen, die sich auch auf die gesamte Eurozone auswirken wird. Ein Indikator, wenn auch ein sehr vager, sind die Wirtschaftszahlen im vierten und letzten Quartal 2011. Dort nämlich ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,25 Punkte zurückgegangen. Das heißt Minuswachstum, zum ersten Mal seit 2009 und damals war es der Höhepunkt der Finanzkrise.

Wie wird es 2012? Tja, wenn man kein Geld hat, dann kann man keines ausgeben, so oder so ähnlich wird ständig die stereotype schwäbische Hausfrau zitiert und mit (bösen) Blick auf den Schuldenstand der peripheren Länder aber auch hierzulande die Schere an die sozialen Errungenschaften der Arbeiterbewegung gesetzt. Das Problem an dieser Geldwerten und überaus neoliberalen Sichtweise ist, dass ein Staat nunmal nicht funktioniert wie eine schwäbische Hausfrau. Denn wenn soziale Leistungen gekürzt werden, nicht mehr in die öffentliche Infrastruktur investiert wird und weiterhin Investitionen kleinerer und mittlerer Betriebe nicht mehr unterstützt werden, dann nimmt die Nachfrage rapide ab und mit der Nachfrage sinkt dann auch das BIP. Bis ins Bodenlose, wie man gerade in Griechenland sehr gut beobachten kann. Aber wenn es keine Nachfrage mehr gibt in Europa, dann gibt es sie auch nicht mehr nach deutschen Produkten und gerade die sind es ja, die einen Großteil dieses Wirtschaftswachstums ausmachen.

Ein berühmter Satz, denn ich immer wieder gerne zitiere, stammt von Joachim Bischoff, der zu Beginn der Krise geschrieben hat: “Aus einer Krise kann man sich nicht heraus sparen!” was gerade auch wieder bewiesen wird an den peripheren Ländern. Dies hätte man aber, nach den Erfahrungen, die man in Argentinien gemacht hat, wissen müssen.

Zitat des Tages

“Wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, mit dem Stalinismus abzurechnen. Unsere politische und theoretische Tradition ist nicht von einem Individuum namens Stalin oder einer historischen Periode, in der er herrschte, deformiert worden, sodass es genügte, das Erbe in seiner früheren ›Reinheit‹ wieder aufzugreifen. Im Verlauf einer langen Prüfung, als wir Marx, Lenin und Gramsci wiederlasen, um den lebendigen Marxismus zu suchen, den die Formen und Praktiken Stalins erstickt hatten, mussten wir uns wie alle anderen – jeder auf seine Weise – einer Wahrheit beugen: Dass unsere theoretische Tradition nicht ›rein‹ ist, dass der Marxismus entgegen dem voreiligen Ausspruch Lenins kein ›stählerner Block‹ ist, sondern dass er Brüche, Irrtümer, Widersprüche und Lücken enthält, die […] seine Krise hervortreiben mussten. Wir stehen heute vor der Notwenigkeit, eine bestimmte Vorstellung, die wir uns im Laufe der Geschichte und der Kämpfe von Marx, Lenin und Gramsci gebildet haben, sehr sorgfältig zu revidieren – eine Vorstellung, die sich offensichtlich auf die Forderung unserer Parteien nach ideologischer Einheit gründet und von der wir allzu lange gezehrt haben, ja eigentlich immer noch zehren. Diese Autoren haben uns ein beispielloses und wertvolles Ensemble von theoretischen Elementen hinterlassen […]. Sie haben uns das Gerüst einer Theorie über Bedingungen und Formen des Klassenkampfs in der kapitalistischen Gesellschaft vermacht, aber weder eine ›reine‹ noch eine ›vollstädige‹ Theorie.”

Louis Althusser
PS: Danke an Ingo Stützle

Auf Reisen

Liebe Freund_Innen,

nun bin ich schon länger als 2 Monate nicht mehr zuhause gewesen und ich muss zugeben, dass mir Deutschland, Berlin und auch Marburg schon ein wenig fehlt. Aber nun ja, ich habe mich dafür entschieden auf Reisen zu gehen und wenn man auf Reisen ist, ist man eben nicht zuhause. Rennes, da wo ich mich gerade aufhalte, ist eine sehr schöne und alte französisch-bretonnische Stadt, die doch irgendwie ihren ganz eigenen Charme hat und weder als typisch französisch, noch als typisch bretonnisch bezeichnet werden kann. Rennes ist auf der einen Seite bretonnisch rustikal und auf der anderen Seite aber auch französisch leicht.

Ganz allgemein habe ich mich mit der Bretagne nicht für Frankreich als Erasmusland entschieden, sondern für eine ganz eigene Mischung. Dies erkennt man schon allein an den Demonstrationen, wo neben der NPA und der PCF auch die front liberation Breithz mitläuft, also die Bretonnische Brefreiungsfront. Und auch beim Essen erkennt man diese merkwürdige, aber symphatische Mischung aus französischen Patriotismus und bretonnischen Seperatismus. So gibt es Galette als Hauptspeiße und Crepes zum Desert. Und Cidre statt Rotwein.

Allgemein habe mich mit Rennes arrangiert und so langsam finde ich es wirklich schön. Die große Liebe wird es wohl nicht, weil ich doch lieber mehr Frankreich als Bretagne hätte, aber an die Bretonen in ihrer eigenen Art habe ich mich gewöhnt. Allgemein finde ich mich zurecht und genieße den Aufenthalt in Frankreich. Ich merke wie mein Französisch besser wird und ich jede Woche mehr Wörter kenne und mich immer mehr verständigen kann. Auch wenn es mir immer noch schwer fällt die Professor_Innen zu verstehen, wenn sie schnell und mit Akzent über 2 Stunden durchgehend sprechen, aber selbst das wird besser. Und dies war ja auch mein eigentlicher Grund ins Eramsus zu gehen: Französisch zu lernen.

Dabei lasse ich mich von meiner Uni schon ganz schön stresse, gerade wenn man daran denkt, dass ich ja eigentlich keine ECTS-Punkte machen muss. Ich muss einen Vortrag über das super spannende Thema “Protestanten in Frankreich im 19. Jahundert” halten, der ungefähr 20 Minuten dauern soll und ich soll mehrere Paper schreiben. Auf französisch. Natürlich denke ich mir, so gut müssen die ja nicht sein, da du die Klausur ja eh nicht überstehst bzw. die Note nicht anrechnen lässt in Deutschland. Aber dann denke ich mir wieder: Mhm du willst dich ja auch nicht blamieren. Also setzte ich mich ran und arbeite und arbeite und arbeite. Naja, ich glaube ich muss da ruhiger werden.

Aber ich bin ja in diesen vier Monaten nicht nur in Rennes. So schreibe ich diesen Artikel auch aus meinem “zweiten Erasmusplatz”. Nun schon zum zweiten Mal bin ich knapp 10 Tage in Istanbul und besuche Inga. Istanbul ist wirklich aufregend und so ganz anders als Rennes. Viel Viel größer aber auch viel viel lauter und schmutziger als meine bretonnische Metropole.

Nun ja, so ist es fürs Erste. Habe keine Lust und Zeit mehr, mehr zu schreiben. Bis dann.

Nochmal von vorne

Ok, wie lange habe ich jetzt nichts mehr von mir hören lassen? 2 Monate? Nein viel viel mehr. Insgesamt wahr ich wohl mehr als ein halbes Jahr nicht mehr wirklich hier und habe auch nicht wirklich mehr etwas geschrieben. Eigentlich sehr schade, weil ich es wirklich liebe Artikel zu publizieren und in der Bloggersphäre mich aufzuhalten. Aber irgendwie bin ich in den letzten Monaten nicht dazu gekommen.

Viel zu viel war los. Auf der einen Seite waren da meine drei Hausarbeiten, die ich unbedingt noch fertig kriegen wollte, bevor die Semesterferien anfingen. Auf der anderen Seite war da mein Erasmussemester, was immer näher auf mich zukam und ich immer mehr dafür machen musste.

Nun ja, jetzt bin ich in hier in Rennes und studiere nun nicht mehr an der Lahn sondern an der Villiane. Nicht mehr an der Phillipps-Universität sondern an der SciencePo Rennes. Darum habe ich jetzt auch mal das Design geändern, wobei es, wie ihr seht, nicht fertig ist. Außerdem hat der Blog noch ein Redesign nötig gehabt. Dennoch wird er weiter Lahnblog heißen, da ich ja jetzt nicht für immer hier in Rennes bleibe, sondern auch bald wieder in meiner hessischen Zwangs Wahlheimat studieren werde. Was dannach passiert, dass steht noch in den Sternen.

So, dann hoffe ich, dass ich mich sobald wie möglich wieder melden werde. Immerhin gibt es viel zu erzählen und zu kommentieren. Aus Frankreich, aus Deutschland und aus der Welt. Ich sage nur Occupy Wall Street, die Präsidentschaftswahlen, Atomenergie, Castortransporte, usw. usf..

LINKE sind Verfassungsfeinde

Das Bundesverwaltungsgericht hat gesprochen: DIE LINKE darf bespitzelt werden und damit 80 000 Menschen in ganz Deutschland inklusive mir! Was eigentlich klingt wie ein schlechter Scherz ist pure Realität: DIE LINKE ist verfassungswidrig und das obwohl sie in 13 von 16 Landtagen sitzt und in Berlin wie Brandenburg sogar Regierungsverantwortung übernommen hat.

Angefangen hat es eigentlich ganz harmlos. Der heutige Fraktionsvorsitzende der LINKEN Thüringen Bodo Ramelow, hatte in den 80er Jahren, als Gewerkschaftsfunktionär, einen Aufruf der DKP unterschrieben und wurde seitdem als verfassungsfeindliches Subjekt geführt und beobachtet. Als dies 2003 herauskam, waren die Akten offiziell geschlossen. 2005 kam aber heraus, dass der Verfassungsschutz weiterhin Daten über ihn sammelt und ihn weiterhin unter Beobachtung hat. Nachdem er dagegen klagte, erklärte das Verwaltungsgericht Köln 2007, dass die Bespitzelung verfassungswidrig sei. Nach Revision vom BfV hat nun das oberste Verwaltungsgericht in Deutschland diesen Rechtsspruch aufgehoben und die Bespitzelung von Ramelow und damit von allen Parteimitgliedern für verfassungskonform erklärt.

Was dahinter steckt ist mehr als nur ein Richterspruch gegen ein Mitglied der einzigen Oppositionspartei, die kritisch gegenüber dem Kapitalismus steht. Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek nennt dies die „falsche Freiheit“ und meint damit den ideologischen Dogamatismus des neoliberalen Projektes. Du hast die Wahl zwischen Erdbeerkuchen und Apfelkuchen, du darfst dich aber nicht trauen mehr zu denken, als es die liberale Ideologie zulässt. Wer sich mehr vorstellen kann, als irgendwann einmal einen Mercedes zu fahren, wird als Verfassungsfeind eingestuft. Gerade in einer Zeit der Systemkrise, d.h. einer Hegemoniekrise der herrschenden Klasse, ist es von großer Bedeutung, nur den kleinsten Widerstand (und Ramelow ist nicht der größte Widerstandskämpfer gegen den Kapitalismus), zu kriminalisieren und damit zu marginalisieren. Dieses Urteil trifft nicht nur Ramelow und es tritt nicht nur die Partei DIE LINKE, sondern es trifft alle, die sich nicht mit dem abfinden wollen, was uns das liberale Dogma zu bieten hat. Der Begriff Verfassungsfeind ist wie Extremist oder Terrorist. Er marginalisiert damit Widerstand, er ist die ideologische Keule gegen jeden der noch an etwas mehr glaubt als Profitmaximierung.

Die Möglichkeit Fußnoten zu setzten

Gerade hier in der Universitätsstadt Marburg sind sie äußerst beliebt und es werden hier täglich hunderte von ihnen produziert: Fußnoten. Auch ich habe in meinem letzten Artikel[1. Gemeint ist hier der Artikel über die CeBit 2010] die Möglichkeit vermisst Fußnoten zusetzten. Fußnoten sind eine interessante Möglichkeit Zusatzwissen in einen Artikel zu schummeln, das dort eigentlich gar nicht reingehört, jedoch nach der Meinung des Autors irgendwie wichtig ist.

Und so habe ich mich auf die Suche begeben und das tolle Plugin FD Footnotes gefunden. Dies erleichtert das einfügen von sauberen Fußnoten in den WordPress Blog und macht es mir nun deutlich einfacher auch wissenschaftliche Texte auf diesen Blog zu veröffentlichen. Dies macht es auch deutlich einfacher, bestimmte Behauptungen mit Quellen zu belegen und auf weiterführende Links hinzuweisen.