Büchermesse Leipzig 2012

Mhm, schon die zweite Messe innerhalb von zwei Wochen, über die ich hier berichte. Vielleicht ist das doch ein wenig zu viel des Guten, gerade wenn dabei die ganzen politisch relevanten Themen hinten runterfallen. Schlecker, Gauck und der Terror in Frankreich wären auch lohnende Themen. Außerdem stapelt sich bei mir auch schon der ein oder andere Kinofilm, den ich gerne kritisieren würde. Nun ja, vielleicht zeigt das aber auch, dass die Messesaison begonnen hat und jetzt eine Messe nach der anderen ihre Pforten öffnet. Für mich war es dieses Jahr aber wohl die Letzte, wenn nicht noch im Oktober die Büchermesse in Frankfurt hinzukommt.

Die Messe in Leipzig ist an sich, von ihrer Konzeption her, schon allein als eine Besuchermesse angelegt, richtet sich vor allem an die Leser und weniger an die Fachbesucher. Diese Ausrichtung hat die Messe auf der einen Seite sympathisch gemacht, weil nicht allzu viel hinter den Kulissen gespielt wurde, als beispielsweise bei der CeBit. Dennoch ziehen solche Messen aber auch meistens ein sehr breites Spektrum an Leser_Innen an, was oftmals dazu führte, dass es Show bzw. eine Verkaufsveranstaltung war, als eine Messe.

Gleichzeitig muss man konstatieren, dass diese Messe sehr deutlich die Krise im Buchmarkt wiedergespiegelt hat. Die Stände waren klein und kompakt und oftmals dem Ansturm der Besucher gar nicht gewachsen. Selbst die großen Verlage wie Suhrkamp und Fischer hatten, für ihre Größe, kleine Stände und präsentierten auch nur eine sehr kleine Auswahl ihrer Neuerscheinungen. Zu Gute halten muss man jedoch, dass es an fast jedem Stand Lesungen gab und man so sehr offen an die Autoren herankam und mit ihnen reden konnte, auch wenn dann die Stände so überfüllt waren, dass man sich weder bewegen noch wirklich wohl fühlen konnte. Sehr gut und geräumig waren dagegen die Bühnen der Messe Leipzig, wo unter dem Motto “Leipzig liest”, den ganzen Messetag Lesungen und Diskussionen veranstaltet wurden und wo auch der ein oder andere berühmte Autor aus seinen Büchern vorlas.

Für mich war die Halle 5 ein absolutes Highlight, weil in dieser die linken Buch- und Zeitschriftenverlage sich sammelten und man sehr gut mit den Verleger_Innen und Autor_Innen ins Gespräch kam. So sprach ich mit der Verlegerin des VSA-Verlages über die aktuellen Neuerscheinungen und über das Marx-Buch von David Harvey. Auch andere Verlage wie der Unrast, der Schmetterlings-Verlag, der Nautilus-Verlag und und und waren auf der Messe vertreten. Sehr clever von den linken Verlagen war, dass sie sich unter dem Motto “rote Bühne” zusammenschlossen und auch jeden Tag gemeinsame Veranstaltungen und Lesungen im aber auch außerhalb des Messegeländes anboten. Da es einen 30%igen Messerabatt gab, habe ich mich auch mit neuen Büchern eingedeckt. Diese sind natürlich auch meine Buchtipps. Einmal das Buch “Gramsci Global – Neogramscianische Perspektiven in der Internationalen Politischen Ökonomie ” von Benjamin Opratko und Oliver Prausmüller, das, wie der Name schon sagt, eine neogramscianische, also kritische Perspektive auf die aktuelle IPÖ wirft. Außerdem ist in meinem Bücherregal noch zwei Theorie.org Bände gelandet, nämlich “Internationalismus” und “kritische Theorie”, sowie, und das ist jetzt mein absoluter Tipp, das neue Buch von David Harvey über das Kapital von Karl Marx (Marx »Kapital« lesen: Ein Begleiter für Fortgeschrittene und Einsteiger). Das Buch, so die Verlegerin des VSA-Verlags, eignet sich vor allem für Menschen, die das Kapital schon ein oder zwei Mal gelesen haben, das es auch auf wichtige Fußnoten hinweist und bestimmte Stellen besonders erklärt. Ich bin auf jedenfalls gespannt.

Letztendlich kann man wohl als Fazit ziehen, dass sich der Buchmarkt in einem riesen Wandel befindet. Gerade die Belletristik, das ja oft die größte Einnahmequelle der Verlage darstellt, bricht ein und gleichzeitig findet ein Wandel hin zum elektronischen Buch. Kindle und Ipad haben den Buchmarkt wohl umgekrempelt bzw. krempeln ihn gerade um. Auch wenn ich es nicht gutheiße aber wahrscheinlich wird es bald wohl mehr digital als echte Bücher geben. Ansonsten nehme ich eine ganze Menge guter Bücher mit, die ich mir wohl noch irgendwie besorgen muss und eine Menge guter Gespräche. Ob ich nächstes Jahr wieder in Leipzig bin weiß ich noch nicht. Vielleicht…

Die Cebit 2012

Nach einem Jahr Pause, war ich dieses Jahr nun zum 14. Mal auf der weltweit größten Computermesse in Hannover. Cebit, das bedeutete früher für immer mich immer eine Art Abenteuer und einen Einblick (oder Ausblick?) in die Zukunft. Der jährliche Besuch auf der Cebit war für mich etwas Besonderes, wo ich schauen konnte was es irgendwann bald geben wird und was theoretisch möglich ist aber noch in sehr ferner Zukunft liegt.

Diesmal war es für mich irgendwie nüchterner. Nicht das ich nicht wieder dieses Kribbeln im Magen gespürrt hätte als ich mein e-ticket vorgezeigt habe und die heiligen Hallen betrat. Nein, es war vielmehr das Gefühl, dass ich ein Fremdkörper

Ein Roboter beim tanzen auf der diesjährigen Cebit - Quelle: Andi Möller http://www.flickr.com/photos/andimoe/6964946201/

geworden bin, in dieser Welt des ITs. Ich konnte mich noch mit den Mitarbeiter_Innen unterhalten und ja ich verstand auch eigentlich alles aber irgendwas sagte mir, dass ich nicht mehr hier hin gehörte, dass ich mich mit meinem Studienbeginn entschiedenen hatte nicht Weg in die IT einzuschlagen, sondern Politikwissenschaften zu machen.

Nun ja, abgesehen von diesem doofen Gefühl was ich hatte, war es diesmal doch eine nette CeBit. Nicht zu showlastig (abgesehen von Halle 23 und 22) aber auch nicht zu businessmäßig, alles relativ nüchtern und entspannt. Meine Highlights auf der diesjährigen CeBit waren:

1. Der Roboter vom KIT der Uni Karlsruhe: In Halle 9 waren diesmal die Universitäten und Forschungseinrichtungen, die einen Blick in die Zukunft zuließen. Neben der drahtlosen Bremse gab es auch einen Roboter des Karlsruher Institut of Technology (KIT) der mich stark beeindruckte. Dieser Roboter erkannte Sprachbefehle und reagierte darauf. Wenn der Wissenschaftler diesen ansprach und sagte, dass er ihm die Müslipackung reichen soll, dann tat er dies. Gleichzeitig konnte der Roboter angelehrnt werden und konnte sich unbekannte Objekte merken und danach abrufen. Es war wirklich ein wenig gruselig, als er nach das Buch schon im Speicher hatte und es dann zwischen anderen Büchern wiedererkannte. Ich war stark beeindruckt, auch wenn es mich doch stark erschreckte und ich mir über die sozialen Folgen einer Serienproduktion dieser Roboter Gedanken gemacht habe.

2. Der Laptop von Angela Merkel: Nein, es war nicht DER echte Laptop von Angela Merkel, der dort auf der CeBit vorgestellt wurde, sondern nur ein anderer Hochsicherheitslaptop, der aber so auch in den Bundesbehörden und von den Mitgliedern der Bundesregierung wie auch von der Bundeskanzlerin benutzt wird. Auf dem Stand des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik konnte man sich von wirklich kompetenten Mitarbeitern erklären lassen wie ein solcher Laptop funktioniert ohne Spuren zu hinterlassen. Das BSI ist daber wirklich geschickt, denn der Laptop kann nur gestartet werden, wenn er mit einem externen USB-Stick entschlüsselt wird. Gleichzeitig ist ein Passwort nötig um die Entschlüsselungsfunkion im Stick selbst zu entschlüsseln. Gleichzeitig arbeitet im Rechner nochmal ein Hardware-Encrypter, der die Festplatte ständig neu verschlüsselt. Dabei werden die Daten gar nicht auf der Festplatte gespeichert, sondern auf einem externen Server der Bundesregierung. Der Datenflussdahin ist durch drei VPN-Tunnel gesichert, wobei immer andere Tunnels genutzt werden. Eigentlich ist nämlich gar kein Betriebssystem auf dem Rechner, sondern wird über eine RPT-Verbindung erst auf den Rechner gespielt bzw. anders formuliert, ruft Angela Merkel mit ihrem Rechner das Betriebssystem vom Server über eine sichere RPT Verbindung ab. So hinterlässt sie keine Spuren und ihre Daten sind vor anderen sicher, selbst wenn sie ihren Laptop einmal verliert.

3. Telefone mit Bildschirm: Ich dachte ja erst, sowas ist dank Skype nicht mehr zu erwarten und zu alt aber nein, ich wurde eines besseren belehrt. Telefone mit Bildschirm und Kamera sind voll im Trend und man sah sie echt sehr viel auf der diesjährigen CeBit. Viele IP-Telefone hatten sogar eine Skype Unterstützung, so dass man selbst jemanden mit seinem Rechner auf dem Telefon hat anrufen können. Ich fand es echt interessant und bin gespannt, wann diese Telefone auch bei uns zu finden sind.

Ja, das war die CeBit im diesem Jahr und man kann konstantieren, dass sie nicht ganz so schlimm war, wie manche SPIEGEL Redakteure die CeBit fanden. Ja, sie war mehr businessmäßig als noch vor vier oder fünf Jahren und wahrscheinlich auch mehr als 2010 aber das machte sie nicht unbedingt schlechter. In Halle 9 waren die Erfindungen und in den anderen Hallen halt anderes interessantes Zeug. Und auch wenn viele interessante und namenhafte Unternehmen gefehlt haben, so hat mir die diesjährige CeBIT doch Spaß gemacht. Nächstes Jahr, bin ich wohl wieder da.

Ich bin der Präsident

Da hat mir Jan vom Zementblog aber eine Vorlage gegeben! Präsident lautet das  Stichwort von Projekt 42 diesmal und eigentlich habe ich meinen Artikel zu Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck schon geschrieben und somit das Thema aus deutscher Sicht eigentlich schon abgearbeitet. Denn Deutschland hat, aus politisch-institutioneller Sicht nur eine Präsidenten und zwar einen Bundespräsidenten. Was also schreiben, wenn das Bundespräsidentendrama der letzten Tage nicht mehr zu Verfügung steht? Wie wäre es mit einer Kritik am Bundespräsidentenamt überhaupt?

“Ich bin der Präsident und ich flieg in meinem Heli!” Diesen Satz singt Reinhold Grebe in seinem satirischen Lied “Der Präsident” über den damals amtierenden Horst Köhler und seine Kompetenzen in der deutschen Politik. Der deutsche Präsident war, mit Ausnahme von Christian Wulff, immer ein beliebter Politiker in Deutschland, dessen offizielle Aufgabe es ist Deutschland zu repräsentieren und manchmal die Politik der herrschenden politischen Klasse abzunicken, indem er ab und zu seine Unterschrift unter bestimmte Gesetze setzt. An sich also ein nicht unbedingt spannender Job, so dass er sich in den letzten Jahren eher als Belohnungsamt für abgehalfterte und verdiente Berufspolitiker gedient hat. Meistens hatten alle Bundespräsidenten irgendetwas auf dem Kerbholz aber das wurde, war derjenige erst einmal im Amt, ganz schnell wieder vergessen und er galt als einmalig und wunderbar. Nur Christian Wulff ist hier wieder einmal die Ausnahme.

Eigentlich habe ich mich schon immer gefragt, warum wir einen Bundespräsidenten überhaupt brauchen? Eigentlich sollte er ja parteipolitisch neutral sein, jedoch war er bisher immer Mitglied einer Partei und hat deren Politik meistens unterstützt oder sogar aktiv verfolgt. Er ist niemand der eine wirkliche Richtungskompetenz hat, wie etwa die Kanzlerin, die jedoch direkt vom deutschen Parlament gewählt wird und somit eine deutlich höhere demokratische Legitimierung hat als etwa ein Bundespräsident, der nur durch die Wahl einer Bundesversammlung gewählt wird und sich vor niemanden zu rechtfertigen hat. Warum haben wir also einen Bundespräsidenten, wenn er Geld kostet, keine politischen Kompetenzen besitzt sowie kaum eine demokratische Legitimierung? Und wenn man sich die Politik derjenigen anguckt, die das vor Wulff gemacht haben, dann ist es mit einer Präsentation Deutschlands auch nicht gut bestellt („Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger“ – Heinrich Lübke).

Schlussendlich gibt es keinen guten Grund das Amt des Bundespräsidenten weiter aufrecht zu erhalten und wahrscheinlich haben diejenigen Recht, die das Amt mit Verweis auf die Königshäuser anderer Nationen begründen. Denn genauso wie die Royals aus England, Holland, Spanien usw. usf. ist auch der Bundespräsident ein Relikt aus alten Zeiten, wo es in Deutschland noch einen Kaiser gab. Ganz frei nach dem Spruch von Wilhelm II: “Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!” soll auch der Präsident eine nationale Einigungsperson für die obrigkeitsliebenden Deutschen darstellen, die die Bevölkerung fern jeglicher Klassenwidersprüche einigen soll und ggf. als monolithischer Block gegen den “Anderen” in Stellung zu bringen. Nicht umsonst war die Aufregung um Christian Wulff groß, weil er dem gemeinen Staatsbürger in vieler Hinsicht zu ähnlich war, als das er mit “deutschen Idealen” von Ehrlichkeit und Fleiß eine Einigungsfigur hätte darstellen können.

Wulff war, durch den Skandal um seine Figur, zu “normal”, als das er sich als Repräsentant der “deutschen Kultur” geeignet hätte. Der Rubikon war einfach überschritten…

Ausgeburnt – Studieren im Neoliberalismus

Alles muss effizienter und schneller werden. Studieren, sich auf ein Thema einlassen oder vielleicht sogar zusätzliche Literatur lesen? Alles Schnee von gestern! Heute zählt es schnell oberflächliche Texte zu schreiben, für 4 Klausuren in drei Tagen zu büffeln um dann mit 21 Jahren als “Hochschulabsolventin” mit einem Bachelorabschluss dem Arbeitsmarkt zu Verfügung zu stehen. Studieren ist nach den Bologna-Reformen kein Studium eines Faches mehr, sonder mehr oder weniger eine Überblicksveranstaltung, wo man so viel wie möglich in kürzester Zeit in seinen Kopf knallen sollte, um es dann zu Klausur wieder zu vergessen.

Ein System was krank macht!

Nicht das wir das schon wüssten, denn immerhin hat doch eine Studie im letzten Jahr herausgefunden, dass die Unternehmen nicht viel von den Bachelorabschlüssen halten und Absolventen wie Fachhochschüler behandeln. Nein, dieses System macht durch seine ständige Vergleichbarkeit und dem Wissen, dass jede Note für den Abschluss gezählt wird, die Studierenden krank. Durch den ständigen und das ganze Semester anhaltenden Leistungsdruck und der ständig aufrecht erhaltenden Konkurrenzsituation um die weiterführenden Masterplätze sind immer mehr Studierende ausgebrannt und kaputt, obwohl das eigentliche Arbeitsleben noch nicht einmal angefangen hat.

Durch diesen Erfolgsdruck und die immer wiederkehrende Frustration über die eigenen Leistungen und der fehlenden Zeit, greifen aber immer mehr Studierende zu sogenannten Leistungsdrogen wie Ritalin oder Antidepressiver um nicht durch den Erwartungs-, Leistungs-, und Erfolgsdruck unterzugehen. Um Nächte durcharbeiten zu können und keine Müdigkeit zu spüren, werden reihenweise Koffeintabletten genommen. Auch Koffeinpulver, was derzeit verstärkt in Berlin in kleinen Tütchen verkauft wird, liegt bei Studierenden derzeit voll im Trend.

Hegemonie des neoliberalen Projekts

Wachmacher, Leistungsdrogen und Burnout – der Neoliberalismus scheint in den Universitäten nun endlich angekommen zu sein, nachdem sich diese hartnäckig gegen wehrten. In manchen Universitäten scheint es dabei deutlich schlimmer getroffen zu haben, als andere. Ich selbst kenne aus Marburg auch den Leistungsdruck, eine Hausarbeit nach der anderen zu schreiben und immer Topleistungen zu absolvieren. Jedoch hat mein Fachbereich versucht die Härte des Bachelor-/Mastersystems in der Form abzuschwächen, dass man nicht gleich von der Universität fliegt, wenn man Prüfungen nicht besteht. Auch die Einführung einer Reading-Week hat dazu geführt, dass gelernte zu reflektieren und ggf. vertiefen zu können. Ich weiß aber auch von Fachbereichen und Universitäten, in denen es ganz anders zu geht, in denen der Leistungsdruck enorm ist und der Konkurrenzkampf zwischen den Studierenden von Dozent_Innen und Professor_Innen noch zusätzlich angeheizt wird.

Nein, das kann und sollte nicht unser Ideal von Bildung und Leben sein. Ich sehe die Gefahr, dass wir Zombies ausbilden, die neben ihrer persönlichen Karriere kaum mehr etwas Menschliches an sich haben. Die anderen, die da nicht mithalten können, brechen unter dem Druck zusammen und landen als labile und gestörten Gestalten irgendwo an den Rand dieser Gesellschaft. Wir sollten achtsam sein.

„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster“ – Antonio Gramsci

Der Pastor der Freiheit

Nach dem Schnäppchenjäger nun der Freiheitsprediger. Nachdem man Christian Wulff erst die Staatsanwaltschaft ins Schloss Bellevue schicken musste, damit dieser dieses endlich verlies, kommt nun der Bundespräsident der Herzen von 2010. Was haben wir nicht alles über gelesen und gehört: Der Freiheitskämpfer, der Friedensfirst, der Befreier, Volkes Stimme oder der Mann mit der eigenen Meinung sind nur einige Bezeichnungen, den die Presse für unseren neuen Bundespräsidenten gefunden hat. Und diesen Argumenten konnte sich wohl auch Angela Merkel nicht entziehen, jedenfalls hat sie nach ihrer anfänglichen Ablehnung gegenüber Joachim Gauck am Ende dem Druck der Spartenpartei FDP, sowie von SPD und B90/Grünen nachgegeben. Wahrscheinlich hatte sie Angst nach dem Desaster mit Christoph Wulff schon wieder eine Niete, diesmal aber gegen den Widerstand der FDP, zu ziehen und die nächste Koalitionskrise zu provozieren. Lieber hat sie sich an den griechischen Verhältnissen orientiert und eine Koalition der “nationalen Einheit” mit Ausschluss der dolchstoßenden Linken, gebildet, allein auch schon aus dem Grund, dass wenn Gauck scheitert, nicht sie zu Verantwortung gezogen wird.

Nun also der Freiheitskämpfer und ehemalige Leiter der Behörde zu Aufarbeitung der Stasiverbrechen Joachim Gauck. Doch was haben wir jetzt von diesem Präsidenten zu erwarten? Mhm, ich denke, dass er schlimmer als Wulff wahrscheinlich nicht werden wird, einfach schon aus dem Grund, dass Gauck wenigstens Profil hat, was Wulff allerdings schon als Ministerpräsidenten von Niedersachsen gefehlt hat. Aber Wulff kann auch nicht der Maßstab sein, denn wie wir in den letzten Wochen gelesen haben, war Wulff nicht geeignet für das Amt des Bundespräsidenten. Aber ist es Gauck?

Die Frage ist doch, was macht einen “guten” Bundespräsidenten überhaupt aus bzw. was braucht es um ein “guter” Bundespräsident zu sein? Viele Menschen meinten, dass der Bundespräsident aufgrund seiner repräsentierenden Funktion, ein Vorbild und glaubwürdig sein sollte. Dies war bei Wulff offensichtlich nicht der Fall, was sich jetzt aber, glaubt man den Zeitschriften, ändern wird. Er sei natürlich ein Vorbild, weil er sich gegen die “Diktatur des SED-Regimes” aufgelehnt hat und jahrelang die Verbrechen der Stasi aufgearbeitet hat. Gleichzeitig ist er somit eine wichtige Stimme gegen “Extremismus” und für Demokratie und schon allein aufgrund seines nicht-parteipolitischen Images glaubwürdig.

Das diese Aussagen so aber nicht ganz richtig sind, wird leider oftmals von der Presse verschwiegen. Denn die “Revolutionsgeschichte” um Joachim Gauck ist umstrittener als manch einer glauben mag. So war es nämlich nicht Gauck, der 1989 als erstes auf die Straße gegangen ist, um für mehr Freiheit und eine Reformation der DDR zu protestieren, sondern andere. Gauck war zu diesem Zeitpunkt noch unter dem sicheren Dach der Kirche. Erst als es mehr zu gewinnen galt als zu verlieren sah man ihn plötzlich. Gauck war nicht derjenige, der sich in die erste Reihe stellte oder sich von VoPos (Volkspolizisten) verhauen lies. Er war es nicht der die DDR zu Fall gebracht hatte, aber er war derjenige, der davon profitiert hat.

Nach dem Fall der Mauer wurde Gauck auf einem Listenplatz des Neuen Forums in die letzte Volkskammer der DDR gewählt und wurde dann im Laufe der Wendejahre zum Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Dort machte er sich einen Namen damit, dass er die Behörde als “politische Waffe” (Wolfgang Wippermann) gegen jegliche sozialistische oder kommunistische Gruppierung ausbaute. Denn sein Kampf gegen die Stasi und alles linke in dieser Welt ist nämlich kompatibel mit seiner Definition von “Freiheit”, mit der er nun quer durch die Republik tingelt. Sein Freiheitsbild, was er wahrscheinlich von den Chicago Boys abgeschaut hat, ist nämlich durch keine sozialen Sicherungen unterfüttert. Jede Kapitalismuskritik, jeder Ruf nach staatlichen Hilfen ist für ihn eine Rückkehr in die Zeiten der DDR und somit völlig fremd und verhasst. So ist es auch kein Wunder, dass er die Occupy-Bewegung für “vollkommen lächerlich” und die Beobachtung der LINKEN durch den Verfassungsschutz als Gerechtfertigt ansieht. Denn sein Bild von Demokratie ist ein starres und eingefahrenes Bild.

Gauck ist kein Gutmensch und kein Freiheitskämpfer! Vielleicht beschreibt man ihn mit den Worten “Trittbrettfahrer” oder “Karrierist” viel besser. Er ist ein Mensch von gestern und mit den Idealen und Vorstellungen von einem guten Leben nicht vereinbar. Er hatte ganz Recht, als er meinte, dass es ein Armutszeugnis für diese Institution sei, wenn sie auf ihn zurückgreifen würde. Dennoch scheint er dort angekommen zu sein, wo er immer hin wollte: Ins Zentrum der Macht!

Zum Pranger mit ihm!!

Eigentlich bin ich schon viel zu müde um noch einen Artikel zu verfassen aber das muss ich doch wirklich noch veröffentlichen. Die Zossener Rundschau ist nicht wirklich das, was man als ehrwürdige Zeitung bezeichnen könnte. Es wurde schon viel über sie berichtet, zuletzt widmete sich das NDR-Magazin ZAPP um sie und beklagte mangelnde Pressefreiheit in Zossen aufgrund der unausgewogenen Berichterstattung der Provinzpostille.

Nun schießt die Zossener Rundschau aber den Vogel ab. In einem Kommentar vom 13.Februar fordert die Redakteurin Jutta Abromeit den öffentlichen Pranger für Randalierer und Vandalierer. Da in Ludwigsfelde in der letzten Zeit vermehrt Einrichtungen der öffentlichen Hand zerstört worden sind, worauf scheinbar die Versicherung der Stadt den Vertrag kündigte, fühlen sich die Menschen nicht mehr sicher, so Abromeit. Deshalb will die Stadt nach dem Vorbild Frankfurt am Mains, sogenannte “schwarze Sherifs” einsetzten, also Sicherheitsdienste, die in Zivil auf Patrouille gehen.

Für Abromeit ist das nicht genug um die Sicherheit in Ludwigsfelde wieder herzustellen. Ganz genüsslich schreibt sie: “Es gäbe noch wirkungsvolle Varianten wie den Pranger” und fügt hinzu: “eine Stunde vor aller Augen auf dem Rathausplatz zu stehen, ließe manch Zerstörer nie wieder rückfällig werden”. Am Ende muss sie aber doch, deutlich enttäuscht, eingestehen, dass vor solchen Methoden leider das “heutiges Persönlichkeitsrecht” steht.

Ich weiß zwar nicht was solche Forderungen sollen aber ich finde sie mehr als geschmackslos. Denn vor dem Pranger steht nicht nur das “heutige Persönlichkeitsrecht”, sondern auch das Menschenrecht und das Grundgesetz. Nur um daran zu erinnern, steht im Paragraph 1 des Deutschen Grundgesetztes, dass die Würde des Menschen unantastbar ist! Vielleicht ist das in der Redaktion der Zossener Rundschau noch nicht angekommen. Vielleicht sollte sich der Verfassungsschutz mal mit einer solchen Zeitung beschäftigen, in der man sich öffentlich und ohne Probleme für öffentliche Zuschaustellung und Folter aussprechen kann.

Orignalartikel aus der Zossener Rundschau vom 13.02.2012

ACTA ad acta legen

Berlin-Alexanderplatz, es ist 13 Uhr und vor dem Neptunbrunnen sammeln sich Menschen um gegen ein Abkommen zu demonstrieren. Neben einigen Demonstrant_Innen, die man öfters auf Demonstrationen sieht, stehen dort Menschen, die man eigentlich nicht auf Demonstrationen erwarten würde. Wahrscheinlich hätten sie sich früher selbst nicht mal vorstellen können, dass sie irgendwann einmal auf der Straße stehen würden um für “Freiheit” zu demonstrieren. Es sind Menschen mit “World of Warcraft”-Hemden und Pac-Men-Mützen, die sich bei -10 Grad von ihrem Computer wegbewegt haben um in Berlin-Mitte zu demonstrieren und ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen.

Insgesamt waren es knapp 10.000 Menschen allein in Berlin und mehr als 30.000 Deutschlandweit, die gestern auf die Straße gegangen sind um gegen die Unterzeichnung des internationalen Anti-Piraterie Abkommen ACTA zu demonstrieren. Dieses sieht die internationale Durchsetzung von Eigentumsrechten vor, ist aber aufgrund seiner Entstehung und seiner einseitigen Betonung auf die Wahrung von Urheberrechten umstritten.

Der Grund für diesen Artikel ist aber nicht dieses Abkommen, sondern die gestrige Demo, die ich in ihrer Zusammensetzung bemerkenswert finde. Denn es waren nicht die üblichen Verdächtigen, die dort gegen Überwachung und die Einschränkung ihrer Grundrechte demonstrierten, sondern ein ganz unterschiedliches Milieu an Menschen. Es waren Nerds, die auf mich wirkten, dass sie zum ersten Mal ihren Platz vor dem Computer verlassen haben, die zusammen mit scheinbar unpolitischen junge Leute, zwischen 13 und 18 und den typischen “Otto Normalverbrauchern” für die Erhaltung eines Freiraumes eintraten, der bis heute noch sehr vielen Menschen als fremd und diffus gilt. Auch sonst einte sie nicht wirklich viel, als das sie noch für etwas anderes hätten kämpfen können. Sie gehörten weder einer gemeinsamen ökonomischen Klasse, noch hätten sie einer gemeinsamen politischen Strömung zugeordnet werden können. Sie einte eigentlich nichts, außer das sie “gegen” etwas waren und dieses “etwas” stellte eine Bedrohung für ihre Lebensrealität dar.

Denn obwohl diese Menschen so unterschiedlich und verschiedenen sind, bewegen sie sich doch in den gleichen Räumen, nutzen die gleichen Dienste und genießen etwas, was ihnen im echten Leben beschränkt wird: Die Freiheit ihre Meinung, ihr Leben, ihre Lieblingskunstwerke zu teilen, zu publizieren und mit anderen zu diskutieren. Es sind die Räume in denen sie Geld verdienen aber auch ihr Leben leben und über die sie auch zu dieser Demonstration mobilisiert wurden. Twitter, Facebook und Tumblr, verschiedene Blogs und Videos zu Youtube warben für die Demonstrationen und trieben sogar in Augsburg ganze 3500 Menschen auf die Straße.

Doch wie soll man diese Demonstration werten? Kann man den Widerstand gegen ACTA in eine Reihe mit den Demonstrationen gegen die Vorratsdatenspeicherung sehen und damit auch als Bewegung bezeichnen? Ist es möglich auch die Anonymousbewegung als Teil dieser Bewegung zu sehen und vor allem, ist dieses ganze Milieu, dass sich derzeit im Internet tummelt, als eine revolutionäre Masse zu sehen?

Ich bin gespannt, wie sich diese “Bewegung” weiter entwickeln, organisieren und formieren wird. Das untere Video zeigt aber erstmal, warum man ACTA ablehnen und auch als “Nicht-Nerd” auf die Straße gehen sollte.

Die spinnen, die Spitzel!

Ich bin ein sogenanntes Wende-Kind. Aufgewachsen in den Wirren nach dem Mauerfall, in einer post-sowjetischen Gesellschaft, die sich jedoch, aufgrund der sich durchsetzenden neoliberalen Ideologie, immer mehr auflöste. In der Schule wurde mir erklärt, dass mit dem Ende des real existierenden Sozialismus, nun auch die Geschichte zu Ende ist und wir alle nun endlich in einer Gesellschaft lebten, in der wir keine Angst mehr haben brauchten, da es jeder und jede schaffen könnte.

Auch wenn unsere Lehrer_Innen lange Zeit selbst Teil dieses Systems gewesen waren, dessen Trümmer nun vor ihren Füßen lagen, so bläuten sie uns in jeder Geschichtsstunde und auch immer wenn dieses Thema irgendwie auf den Plan trat, ein, das die Deutsche Demokratische Republik ein Unrechtsstaat war. Ein Staat, in dem jeder 7. Staatsbürger für den Inlandsgeheimdienst arbeitete, in dem man nicht frei seine Meinung sagen durfte und in dem es Berufsverbote gab und andere schlimme Repressalien existierten im Falle einer “freien Meinungsäußerung”. Der Staat und das Kollektiv waren alles und das Individuum wurde dadurch negiert. Eine eigene Meinung war nicht erlaubt. All dies machte die DDR zu einem Unrechtsstaat und damit zu einem Staat, den es zu verurteilen gilt. Die DDR war der böse Staat, den den es zu dämonisieren gilt, während der Staat, in dem wir jetzt leben, eine weiße Weste hat. Hier gab es mal den Radikalenerlass und früher auch mal Repression gegen die 68er Bewegung ABER eine Überwachung der Mitbürger_Innen, nur weil sie eine abweichende Meinung hatten gab es nicht. Nie sowas ist in unserem Staat undenkbar. Hier kann jeder sich frei äußern und seine eigene Meinung sagen ohne irgendetwas befürchten zu müssen.

Das dies nicht zutrifft bzw. auch nie zutraf, wissen wir und es wird uns jetzt wieder einmal bestätigt. Denn während der Verfassungsschutz es nicht schafft eine mordende Bande von Neofaschisten unter Kontrolle zu behaltene, fokussiert dieser sich vielmehr auf die Partei DIE LINKE und ihre Repräsentanten. 24 Mitglieder der Bundestagsfraktion wurden und werden vom Verfassungsschutz überwacht, obwohl sie eine Immunität besitzen und das Verfassungsgericht eine Überwachung von “politischen Gruppierungen im Bundestag” verboten hat. Sie werden vom Bundesverfassungsschutz überwacht, weil sie “verfassungsfeindliche” Tendenzen in der Partei bemerkt haben. Wie Wolfgang Wipperman gerade in seiner Kolumne im FREITAG geschrieben hat, gibt es deutliche Unterschiede zwischen Verfassungsfeindlich und Verfassungswidrig. Denn was Verfassungswidrig ist, dass steht im Grundgesetz und ist mehr oder weniger klar definiert. Was jedoch als Verfassungsfeindlich gilt, liegt im Ermessen des jeweiligen Behördenleiters und der politischen Hegemonie innerhalb der Staatsapparate. Denn während in Brandenburg die LINKE mitregiert und vom Verfassungsschutz nicht beobachtet wird, gilt sie in Bayern und anderswo als hochgradig verfassungsfeindlich. Dies liegt aber nicht an der heterogenen Mitgliederstruktur innerhalb der Partei, denn dann hätte sich der Verfassungsschutz nicht vor allem auf die Reformer in der Bundestagsfraktion eingeschossen, sondern, wie eben schon erwähnt, an der Weltauffassung der jeweiligen Behörde. Eingerahmt und unterstützt werden solche rein subjektiven Einschätzungen durch Extremismustheorie von Backes und Jesse, die eine Gleichsetzung von (neo-)faschistischen und sozialistischen/kommunistischen Strukturen vorsieht, gleichzeitig aber durch empirische Fehler und politisches Kalkül, die Einflussmöglichkeiten rechter Strukturen ab- und die linker Strukturen aufwertet. Nur dadurch ist es einem Innenminister Friedrich möglich die Partei DIE LINKE und die neofaschistische NPD in einem Atemzug zu nennen.

In einer Stellungnahme sagte der Leiter des Bundesverfassungsschutz, das die Fraktion nur “beobachtet”, nicht jedoch überwacht wurde. Auch hier übt sich der Verfassungsschutz in seiner Taktik und gibt nur das zu, was man ihm schon längst beweisen kann. Denn heute ist herausgekommen, dass von der 1000 Seiten starken Akte von Gregor Gysi rund 130 Seiten entfernt, mehr als 500 Seiten teilweise geschwärzt und rund 200 Seiten ausgetauscht wurden. Der Grund dafür sei, dass Quellen geschützt werden müssen, da hier geheimdienstlich gearbeitet wurde, was bedeutet, dass Gregor Gysi als Fraktionsvorsitzender der viertgrößten Fraktion im deutschen Parlament von einer Bundesbehörde systematisch abgehört und überwacht wurde. Der einzige Grund, der dafür ins Feld geführt wird ist, dass Gregor Gysi in den Augen der Behörde “verfassungsfeindlich” sei oder um es in anderen Worten auszudrücken, eine Gefahr für die herrschende Politik und Ideologie darstellt. Und hier ist nicht nur Gregor Gysi zu nennen, sondern auch Petra Pau, die als stellvertretende Bundestagspräsidentin agiert und alle anderen Abgeordnete der Bundestagsfraktion.

Und selbst wenn man an nicht selbst verfassungsfeindlich ist, wie etwa der Bundestagsabgeordnete Bodo Ramelow, heißt das noch lange nicht, dass man vor den Augen des Verfassungsschutzes geschützt ist. Denn, so im Falle Ramelow, wäre es ja möglich, dass sich verfassungsfeindliche Subjekte in der Nähe von Ramelow aufhalten und das man so Erkenntnis über diese Personen erlangen könnte. Tja, der Bundestagsabgeordnete muss es sich also gefallen lassen, als Köder zu dienen, selbst wenn er gar nicht das Ziel der Überwachung ist.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass viele dieser Abgeordneten auch schon in der DDR von der Stasi überwacht wurden und Repressionen ausgesetzt waren, dann erschließt sich das Ausmaß dieser Überwachungsaktion. Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Verfassungsschutz ein “Pfeiffenverein” (Gregor Gysi) ist, der auf Grundlage einer konfusen Theorie, willkürlich Leute überwacht und sie öffentlich unter dem Begriff “Extremismus” diffamiert.

Wenn man dies alles ganz nüchtern und im Kontext der Telefonüberwachungen in Dresden und Berlin sowie der Pannen im NSU-Fall sieht, so muss es einem deutlich kalt den Rücken runtergehen. Ich bin gespannt, was wir als nächstes sehen werden.

Die fetten Jahre sind vorbei

Um drei Prozent ist die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr gewachsen und damit ist Deutschland eines, der am meisten gewachsene Industrieländer der Welt. Mitten in der großen Krise der Eurozone sticht Deutschland mit ganzen drei Prozent heraus, während man in Frankreich höchstens ein Wachstum von 1,75% erreicht. Und dies in der Eurozone auch noch ein super Wert.

Doch auch in Deutschland werden sich über kurz oder lang die Wolken dunkel färben, denn die Bundesrepublik ist wirtschaftlich mit den anderen Euroländern zu sehr verknüpft als dies keine Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnte. Dies wurde im letzten Jahr noch mit gesteigerten Exporten nach Asien kompensiert, aber eine Volkswirtschaft wie Deutschland, die sich innerhalb eines einheitlichen Binnenmarktes befindet, wird über kurz oder lang die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Gerade auch, weil Deutschland einer der Hauptprofiteure dieses Wirtschaftsraumes war und auch in der Krise immer noch ist. Die autoritäre Austeritätspolitik der EU gegenüber den peripheren Ländern im Süden (Italien, Spanien, Portugal, Griechenland) führt gerade zu einer Rezession in diesen, die sich auch auf die gesamte Eurozone auswirken wird. Ein Indikator, wenn auch ein sehr vager, sind die Wirtschaftszahlen im vierten und letzten Quartal 2011. Dort nämlich ist das Bruttoinlandsprodukt um 0,25 Punkte zurückgegangen. Das heißt Minuswachstum, zum ersten Mal seit 2009 und damals war es der Höhepunkt der Finanzkrise.

Wie wird es 2012? Tja, wenn man kein Geld hat, dann kann man keines ausgeben, so oder so ähnlich wird ständig die stereotype schwäbische Hausfrau zitiert und mit (bösen) Blick auf den Schuldenstand der peripheren Länder aber auch hierzulande die Schere an die sozialen Errungenschaften der Arbeiterbewegung gesetzt. Das Problem an dieser Geldwerten und überaus neoliberalen Sichtweise ist, dass ein Staat nunmal nicht funktioniert wie eine schwäbische Hausfrau. Denn wenn soziale Leistungen gekürzt werden, nicht mehr in die öffentliche Infrastruktur investiert wird und weiterhin Investitionen kleinerer und mittlerer Betriebe nicht mehr unterstützt werden, dann nimmt die Nachfrage rapide ab und mit der Nachfrage sinkt dann auch das BIP. Bis ins Bodenlose, wie man gerade in Griechenland sehr gut beobachten kann. Aber wenn es keine Nachfrage mehr gibt in Europa, dann gibt es sie auch nicht mehr nach deutschen Produkten und gerade die sind es ja, die einen Großteil dieses Wirtschaftswachstums ausmachen.

Ein berühmter Satz, denn ich immer wieder gerne zitiere, stammt von Joachim Bischoff, der zu Beginn der Krise geschrieben hat: “Aus einer Krise kann man sich nicht heraus sparen!” was gerade auch wieder bewiesen wird an den peripheren Ländern. Dies hätte man aber, nach den Erfahrungen, die man in Argentinien gemacht hat, wissen müssen.