Modell Deutschland!

“Und so stellt sich in der Geschichte der kapitalistischen Produktion die Normierung des Arbeitstags als Kampf um die Schranken des Arbeitstags dar – ein Kampf zwischen dem Gesamtkapitalisten, d.h. der Klasse der Kapitalisten, und dem Gesamtarbeiter, oder der Arbeiterklasse.” (MEW 23, S.249)

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Und weil es so schön ist, hier noch ein Zitat: "There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning” (Waren Buffet in der NYT)

20 Jahre kritische politische Bildung

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Seit genau 20 Jahren existiert nun die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in der großen Welt der parteinahen Stiftung. Neben der Hans-Seidel-Stiftung (CSU), der Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), der Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP), der Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) und der Heinrich-Böll-Stiftung (B90/Die Grünen) gründete sich am 16.November 1990 die PDS-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung, damals noch unter dem Namen "Gesellschaftsanalyse und politische Bildung". Nach einem langen Hin und Her, mehreren gewonnenen Gerichtsverfahren und viel Streit, wurde die RLS im Jahr 1999 im Bundesetat mit bedacht. Obwohl die PDS seit 1990 in zwei freigewählten Volkskammern und 2 Bundestagen vertreten war, erhielt sie erst am 27. September Geld aus dem Bundeshaushalt, so wie jede Stiftung, dessen Partei im Bundestag vertreten ist.

Seitdem wuchs die Stiftung unaufhörlich, abgesehen von dem Krisenjahr 2002, als die PDS aus dem Bundestag flog. Gab es für die RLS 1999 nur 4,5 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt sind es heute im Jahr 2011 rund 40 Millionen, also fast das 10fache. luxlike-flyerGleichzeitig wuchsen mit den Zuwendungen auch die Strukturen der Stiftung. Aus den damaligen  33 Mitarbeiter_Innen sind 136 geworden und auch die Stipendiant_Innenzahl wurde ausgeweitet. Waren es 1999 gerade einmal 5 Stipendiant_Innen, so sind es heute ganze 782 Studierende, die durch die RLS gefördert werden. Unter ihnen bin auch ich :-) .

Im Jubiläumsjahr wird mit “Lux like Studium” ein neues Stipendienprogramm der RLS an den Start gehen. Es soll Schüler_Innen, die nicht aus einem nicht-akademischen Elternhaus kommen, ein Studium ermöglichen bzw. den Zugang dazu erleichtern. Unter dem Motto “Zukunft statt Herkunft” steht ein Programm, dass neben der materiellen Förderung auch eine ideelle Förderung vorsieht, sowie eine Studienbegleitung. Mehr Informationen zu diesem Programm gibts hier und hier. Mehr Informationen zur Stiftung selbst, coole Glückwünsche zum 20jährigen Bestehen von noch cooleren Leuten (wie z.B. Antonio Negri) gibts hier und hier!

Terror-Test

Ich weiß nicht, wie ich das nur verpassen konnte. Dabei gucke ich eigentlich jede Sendung von extra3 aber irgendwie scheint diese Folge mir irgendwie durch die Lappen gegangen zu sein. Wirklich unglaublich. Der Moderator Tobias Schlegl macht einmal Aufnahmen von “sicherheitsrelevanten” Orten in Berlin mit seiner Kamera als “normaler” westeuropäisch gekleideter Tourist und einmal als “arabischer” Tourist. Zwei mal gleicher Ort, Zwei mal gleiche Aktionen ABER zwei mal unterschiedliche Reaktionen von den Repressionsorganen. Wirklich sehr guter Clip!

PS: Vielen Dank an Annalist deren Blog ich auch nur wärmsten empfehlen kann!

Die Bahn….

Eigentlich bin ich ein ganz lieber Bahnfahrer. Da ich viel und oft Bahn fahre, versuche ich oft aus manch doofen Situationen, dass Beste zu mache. Wenn beispielsweise ein Wagen ausgefallen oder der komplette Zug überfüllt ist, weil die DB AG immer noch nicht mitbekommen hat, dass Freitags viele Studierende, Pendler_Innen und Bundeswehrsoldaten nach Hause fahren, dann setzte ich mich halt den Restaurantwagen und trinke gemütlich ein Bier. Mich regt es auch nicht auf, wenn mich ein Schaffner auf dem Weg von Marburg nach Hannover rund 5-mal nach der Fahrkarte fragt. Man gewöhnt sich ja an alles und wenn man auf die Bahn angewiesen ist, so wie ich, dann sieht man vor allem die positiven Seiten des Verkehrsmittel wie die oft ruhige und entspannte Atmosphäre oder die zusätzliche Zeit, die man fürs Lesen geschenkt bekommt.

Aber heute ist mir der Kragen geplatzt! Als ich in meinen Briefkasten guckte, sah ich einen Brief der DB AG. Darin stand, dass ich meine Bahncard noch nicht bezahlt habe und dies schleunigst tun soll. Beim lesen dieser Zeilen fragte ich mich, ob dies ein Versehen oder einfach nur Böswilligkeit von Seiten der Deutschen Bahn war. Also rief ich die “Servicehotline” an und erklärte der Dame am Telefon, dass ich meine neue Bahncard schon am Schalter verlängert lassen und diese auch gleich per Kreditkarte bezahlt hatte.

Diese schaute nur in den Computer und meinte zu mir, dass ich die Bahncard nicht verlängert habe, sondern eine NEUE Bahncard in Auftrag gegeben habe. Gleichzeitig sei meine ALTE Bahncard verlängert worden und somit hätte ich zwei Bahncards parallel auf den gleichen Namen für mich bestellt und sollte daher auch für beide Bahncards bezahlen. Ich persönlich hatte mich ja schon gewundert, warum ich zwei Bahncards zu geschickt bekommen hatte, dachte aber, dass sich dies wahrscheinlich um einen Verwaltungsfehler der Deutschen Bahn gehandelt hätte, da man ja eh nur EINE Bahncard benutzen kann, also wozu braucht man da zwei? Nun, dem sei nicht so versicherte mir die unfreundliche Dame am Servicetelefon der DB AG. Man kann 5 oder 10 Bahncards haben und müsste auch für alle bezahlen. Der Bahn AG sei ziemlich egal, was man damit macht, Hauptsache sie verdient Geld damit.

Ich weiß nicht ob euch diese Logik einleuchtet, aber für mich ist sie nicht vorhanden. Eine Bahncard 50 reicht mir. Eine zweite Bahncard 50 würde ich nur nehmen, wenn ich 100% auf den Fahrpreis kriegen würde, aber dies, so die Hotline Mitarbeiterin, würde nicht gehen.

Also liebe Bahn AG, wozu brauche ich dann zwei Bahncards?

Zurück zum Führer?

Jede_r zehnte deutsche Staatsbürger_inn träumt von einem „charesmatischen Führer, der Deutschland wieder mit harter Hand regiert“. Zu diesem Ergebnis kommt die SPD-nahe Friedrich-Erbert-Stiftung in ihrer neusten Untersuchung zu rechtsextremen Einstellungen innerhalb der deutschen Bevölkerung. Demnach weisen 25% aller deutschen Staatsbürger_innen ausländerfeindlich Einstellungen auf und 34,3% stimmen der Aussage zu, dass Ausländer_Innen nur nach Deutschland kommen, um den Sozialstaat auszunutzen. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger_Innen plädiert für eine Einschränkung der Religionsfreiheit für Muslime und damit für eine rassistische Beschneidung des Grundgesetzes für bestimmte gesellschaftliche Gruppen.

Diese Ergebnisse der Studie „Rechte Einstellungen in der Mitte“ sind nicht nur erschreckend und ein Alarmsignal, sondern müssen auch zusammen mit der Debatte um Sarrazin und Broder als empirischer Beleg für einen tendenziellen Rechtsruck innerhalb der Gesellschaft im Zusammenhang der Weltwirtschaftskrise gesehen werden. Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit sind Anzeichen für die Selbstaufwertung eines teilweise konstruiertes, teilweise aufgrund ökomischer Rahmenbedingungen erzeugtes Gemeinschaftsgefühl und einer damit gleichzeitig einhergehenden Abwertung von vermeindlich Fremden. Innerhalb der Weltwirtschaftskrise spielt dieses „nationale Zusammenhaltsgefühl“ eine strategisch wichtige Rolle für den ideologischen Staatsapparates (siehe Louis Althusser bzw. Nicos Poulantzas). Durch die nationale Identität werden Klassenantagonismen verschleiert und Klassenkämpfe verhindert, was innerhalb der kapitalistischen Särkularisierung überhaupt erst so etwas wie eine Gesellschaft entstehen lassen kann. Warum sollen Arbeiter_innen streiken bzw. sich gegen Maßnahmen des Chefs wenden, wenn sie beide, Arbeiterinnen wie Chefs, sich als „Deutsch“, was auch immer dies seien mag, definieren und damit einhergehend eine Verantwortung für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“ besitzen?

Die Friedrich-Ebert Stiftung weißt in gewissem Maß darauf hin, was aus dieser Logik und Definitionskonstruktion enstehen kann. Wenn innerhalb einer Krise die „Volksgemeinschaft“ zusammenstehen muss, um im Standortwettbewerb zu bestehen, dann haben vermeindlich Fremde innerhalb ihrer Traditions-Territoriums-Konstruktions nichts mehr zu suchen. Und dabei ist es bei den biologisch-deterministischen Argumentationsmustern Sarrazins und M. Broder auch egal, ob diese „Fremden“ einen Beitrag für die Gesellschaft leisten oder nicht. Sie werden von der verschworenen nationalen Gemeinschaft als „Parasiten am Volkskörper“ angesehen und müssen entfernt werden. Und genau hier sind wir wieder im Jahr 1933 angelangt, nur das es diesmal nicht explizit nur Juden sind, sondern Muslime (Hier mag auch wieder auf die FES verwiesen werden, die festegestellt hat, dass rund 15,8% der deutschen Staatsbürger_Innen antisemtische Einstellungen aufweisen). Die Ideologie der Nation ist immer auch eine Ideologie der Ungleichheit, mit der Ausgrenzung und Vertreibung einhergeht. Nationalismus bzw. die Ideologie des Nationalismus ist dabei in seiner Wurzel her rassitisch und sexistisch, da bestimmte Identitätsmuster propagiert und reproduziert werden, wobei es dabei unerheblich ist, ob sie durch biologisch-deterministische, kulturelle, ethnische oder ökonomische Argumente legitimiert werden. Innerhalb dieser Diskussion sind es Sarrazin und Co, die diese Ideologie salonfähig machen und legitimieren, um damit die gesellschaftliche Hegemonie der herrschenden Klasse zu sichern und nach Rechts zu verschieben.