Mein Kommentar zu den Riots in London!
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indignez vous–empört euch!
Europa brennt!
Europa brennt! Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man sich derzeit die Nachrichten anschaut. Ob London, Rom oder Athen, ob Paris oder Gorleben, überall ist es nur noch die Polizei, die die Menschen davon abhält Parlamente bzw. Parteizentralen zu stürmen, Schotter aus den Gleisen zu entfernen oder Politiker_Innen zusammenzuschlagen. Gleichzeitig avanciert ein mit “Der kommende Aufstand” ein Buch zum Bestseller, was die Aufhebung des herrschenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystem verlangt. Europa gleicht 3 Jahre nach dem Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise einem Schlachtfeld, wo es darum geht, wer für die Krise bezahlen muss.
Derzeit werden die Kosten für die Rettung der Banken auf die Ärmsten und Armen abgeschoben, während die Gewinner des letzten Aufschwungs nun auch die Gewinner der Krise sind. Während die Freiheitsrechte der normalen Menschen weiter beschnitten werden und sich das Leistungsprinzip in den Sozialversicherungen weiter verfestigt, bleiben die Banken und Finanzdienstleiter von jeglichen Einschnitten befreit. Und selbst das Basel III Abkommen, was nur eine Erhöhung der Eigenkapitaleinlagen erhöhen sollte, kann mit einfachen Tricks umgangen werden. Gleichzeitig werden europaweit Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke beschlossen, Studiengebühren eingeführt bzw. erhöht, Renten gekürzt, Sozialhilfen an Gegenleitungen gekoppelt, Lobbyinteressen durchgedrückt usw.. Während kriselnden Branchen, wie der Automobilbranche, mit Subventionspaketen unter die Arme gegriffen wird ist für Schulen und Universitäten kein Geld mehr da. Und um der Wirtschaftskrise etwas entgegen zu setzten, waren sich alle G20 Staaten einig, doch bei der weltweiten Klimakrise wird nichts unternommen.
Letztendlich zeigen diese Bilder des Protests, dass die Europäische Integration immer vor allem eine Integration von Wirtschaftseliten war, die Europapolitik in ihrem Sinne betrieben. Gerade die deutsche Wirtschaftselite profitierte und profitiert noch immer sehr stark an dem gemeinsamen europäischen Binnenmarkt. Die Bilder zeigen aber auch, wie zersplittert die einzelnen Proteste gegen die herrschenden europäischen Kapitalfraktionen und die herrschende Regierungspolitik ist. Die Proteste, ob in Irland oder Frankreich finden getrennt und isoliert voneinander statt. Es gibt weder eine europäische Koordination, noch eine europäische Vernetzung. Die nationalstaatliche Verfasstheit der Gewerkschaften und Protestbewegungen ist innerhalb eines wirtschaftlich geeinten Europas, was als Ganzes in der Krise steckt, für einen erfolgreichen Protest ein riesen Hindernis. Während griechische Arbeiter_Innen streiken, gehen die restlichen europäischen Arbeiter_Innen der Lohnarbeit nach. Während Rom brennt, ist in Athen und London alles ruhig und umgekehrt. Gleichzeitig spielen die einzelnen nationalen Gewerkschaften, das Spiel der Standortkonkurrenz mit, anstatt gemeinsam für ein soziales bzw. sozialistisches Europa zu kämpfen. Wäre der Protest koordiniert und einheitlich europäisch organisiert, so könnte er letztendlich die Systemfrage stellen. Dies muss auch letztendlich die Perspektive der europäischen Protest- und Gewerkschaftsbewegung sein.
Das Ende des Euros
So, nun hat es auch Irland getroffen. Neben Griechenland muss nun auch ein zweites Land aus den sogenannten PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) durch Kredite der Europäischen Union gerettet werden. Insgesamt wird die Rettung der Irlands, was eigentlich eine Rettung der irischen Banken ist, rund 100 Milliarden Euro kosten. Gleichzeitig schwächeln auch die anderen Staaten, gerade Portugal und Spanien, die mehr und mehr Schwierigkeiten haben, ihre Kredite zu refinanzieren. Sollten diese auch beiden auch noch an der Last der Schulden zusammenbrechen und aus eigener Kraft keine Umschuldung erreichen, wird es eng für den Europäischen Währungsraum und damit auch eng für die Gemeinschaftswährung Euro. Und wie wir aus dem Beispiel Griechenland wissen, kann dieser Fall relativ schnell eintreten, sollten mehrere Ratingagenturen die beiden Staaten herabstufen. Doch könnte sich Deutschland einen solchen Kollaps Europas überhaupt leisten? Und würde ein Ende des Währungsraums auch ein Ende der Europäischen Union bedeuten?
Die erste Frage lässt sich sehr einfach mit NEIN beantworten. Sollte der gemeinsame Währungsraum zusammenbrechen, wäre dies auch das Ende des gemeinsamen europäischen Währungsraums. Die verschiedenen Nationalstaaten würden wieder zurück zu ihrer nationalen Währung zurückkehren, die sie nach belieben auf und abwerten könnten. Dies würde für die deutsche Exportwirtschaft massive Verluste bedeuten, da deren Hauptexportbereich (kann man das so sagen?) zusammenbrechen würde. Denn die neuen alten Währungen würden mit einem Protektionismus einhergehen, der es dem deutschen Kapital äußerst erschweren würde, ihre Produkte auch weiterhin auf den ausländischen Märkten zu platzieren. Gleichzeitig würde ein zurück zur D-Mark ein deutliche Vertrauensverlust bedeuten und ein Rückschritt im Standortwettkampf mit den USA und China.
So mehr Zeit habe ich grad leider nicht um dies weiter auszuführen, aber ich denke, dass dieses Thema uns noch lange beschäftigen wird.
Aus der Krise sparen?
110 Milliarden Euro stellt die Europäische Union und der Internationale Weltwährungsfond dem verschuldeten Staat Griechenland zu Überwindung seiner Schuldenkrise zu Verfügung. Nach massiver Hetze von BILD, BamS und Privatfernsehen, hat sich nun auch Kanzlerin Merkel durchgeschlagen, noch vor der NRW-Wahl den Notkrediten zuzustimmen. Gekoppelt ist dieses Kreditpaket an ein stringentes Sparprogramm und einer neoliberalen Umstrukturierung, wie man es sonst nur aus Entwicklungsländern kennt. Das Renteneintrittsalter wird von 53 Jahren auf 67 Jahren hochgeschraubt, die Mehrwertsteuer zum zweiten Mal in diesem Jahr erhöht (von 21% auf 23%) und auch bei den Beamten wird massiv gespart (Kürzung des 14. Monatsgehalt, Streichung des Weihnachtsgeld sowie Lohnkürzungen um 8%). Ziel ist es das Haushaltsdefizit von heute 12% auf 3% runter zuschrauben und damit auf längere Sich eine Entschuldung einzuleiten.
Doch kann man sich wirklich so aus einer solchen Krise sparen? Wenn man sich die Sparmaßnahmen anschaut, so erkennt man, dass sie vor allem die mittleren und unteren Einkommen trifft, die hohen jedoch verschont. Gerade die Erhöhung der Mehrwertsteuer trifft die Ärmeren deutlich stärker als reichere Schichten der Gesellschaft. Doch eine solche klassenspezifische Sparpolitik führt nicht dazu, dass die Wirtschaft wächst und dadurch mehr Steuereinahmen in die Kassen gespült werden, sondern zu einer Schwächung des Binnenmarktes. Gerade Griechenland ist ein Land, dass seine Wirtschaftstruktur auf den Binnenmarkt zentriert hat. So importiert Griechenland deutlich mehr als das sie exportieren. Wenn nun die Inlandsnachfrage geschwächt wird, führt dies zu einem schrumpfen der Wirtschaftsleistung und auf längere Sicht zu einer schweren Rezession, die den Traum von einer Entschuldung Griechenlands auch zerplatzen lässt.
Der Ökonom Joachim Bischoff schrieb in der letzten Ausgabe der Zeitschrift “SOZIALISMUS” einen Satz, der sehr gut auf diese Situation innerhalb der Europäischen Union anzuwenden ist: “Aus einer Krise kann man sich nicht heraus sparen, man kann nur aus ihr herauswachsen!”