Archiv für die Kategorie „Kultur“
Zizek im Gespräch
Da 3Sat die Sternstunden der Philosophie immer zu relativ komischen Zeiten (11 Uhr oder 3:45 Uhr) sendet, möchte ich hier die Sendung mit dem slowenischen Philosoph Slavoj Zizek dokumentieren. Ich lese gerade Zizeks Buch “Auf verlorenem Posten” und bin begeistert von ihn. Also unbedingt anschauen, auch wenn es 60 Minuten lang geht:
Tour? Welche Tour?
Ok, ich weiß das die Tour de France vorbei ist. Dies weiß ich aber auch nur, weil der gelbe Balken “TOUR LIVE” bei SPIEGEL ONLINE verschwunden ist. Ich weiß weder, wer die Tour gewonnen hat, noch wer in Grün ins Ziel eingefahren ist, noch sonst irgendetwas mehr, als dass sie vorbei ist. Dies ist das erste Mal, dass ich die Tour de France nicht durchgehend, ja gar nicht geschaut habe. Nicht, weil ich es nicht hätte können, sondern weil ich einfach kein Interesse daran hatte.
Noch vor drei Jahren habe ich jeden Tag mit gefiebert und der Mannschaft Gerolsteiner die Daumen gedrückt und selbst als diese im Jahr 2008 aus dem Radsport ausgestiegen sind, hatte ich mir 2009 vorgenommen die Tour zu verfolgen. Als dann jedoch schon drei Tage vor der Tour ein Radfahrer (Wikipedia sagt Dekker) wegen Dopings disqualifiziert wurde, da hatte ich keinen Bock mehr auf diesen Sport. Warum soll ich mir die Tour anschauen, wenn deren “unmenschliche Leistungen” wirklich unmenschlich ist, wenn durch diesem ganze gedope Leistungen erbracht werden können, die diesen Sport unglaubwürdig erscheinen lassen.
Warum soll ich die Tour de France schauen, wenn die Leistungen eh nicht von den Sportlern, sondern von irgendwelchen Präparaten erbracht werden. Wenn ich mir Sport anschaue, möchte ich ehrliche Leistung sehen, sonst könnte ich mir auch Motorsport anschauen, wo nicht die Menschen, sondern irgendwelche Maschinen um die Wette fahren.
Die Tour kommt für mich erst wieder in Betracht, wenn über längere Zeit, von einer unabhängigen Instanz keine Dopingfälle mehr ermittelt werden. Aber eine Frage hätte ich noch:
Wer hat eigentlich gewonnen?
Staatsfragen
Was ist eigentlich der bürgerliche Staat? Welche Auswirkungen hat er auf die Akkumulation des Kapitals und vor allem warum gibt es ihn? Dies sind Fragen, die Theoretiker seit jeher beschäftigen und dessen Antworten immer sehr verschieden ausfallen. Von Machiavelli über Max Weber bis Nicos Poulantzas haben Politik- und SozialwissenschaftlerInnen versucht eine Theorie zu formulieren, die den Staat und seine Apparate einordnet, sortiert und in einen bestimmten Kontext stellt.
Die materialistische Staatstheorie, die im Hintergrund der Studentenrevolte in den 1968er Jahren wieder in den öffentlichen Diskus rückte, wurde mehr oder weniger von der Staatsableitungsdebatte, einer Debatte deutscher Politologen, vor allem in Westdeutlich, geprägt. Der sowjetische Rechtswissenschaftler Eugen Paschukanis hatte im Jahr 1929 ein Werk vorgelegt, in dem er den Staat aus dem kapitalistischen Produktionsprozess “ableitete”. Ausgehend von der Frage, warum der Kapitalismus sich diesen spezifisch bürgerlichen Staat ausgesucht und keine reine, offene Klassenherrschaft installiert hat, analysiert Paschukanis anhand eines Zitates von Karl Marx aus dem Kapital die sogenannte Rechtsform:
„Die Waren können nicht selbst zu Markte gehen und sich nicht selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehn, den Warenbesitzern. Die Waren sind Dinge und daher widerstandlos gegen den Menschen. […] Um diese Dinge als Waren aufeinander zu beziehen, müssen die Warenhüter sich zueinander als Personen verhalten, deren Willen in jenen Dingen haust, so dass der eine nur mit dem Willen des anderen, also jeder nur vermittelst eines, beiden gemeinsamen Willensakts sich der fremden Ware aneignet, indem er die eigne veräußert. Sie müssen sich daher wechselseitig als Privateigentümer anerkennen. Dies Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder nicht, ist ein Willensverhältnis, worin sich das ökonomische Verhältnis widerspiegelt. Der Inhalt des Rechts- oder Willensverhältnis ist durch das ökonomische Verhältnis selbst gegeben“ (Marx, 2008, S.99).
Eigentlich zeigt beschreibt Marx in diesem Abschnitt den sogenannten Austauschprozess innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Paschukanis erkannte jedoch, dass Marx darin gleichzeitig Voraussetzungen für eine erfolgreiche kapitalistische Warenproduktion impliziert. Durch das Warenhüter-Theorem, also das die Waren nicht selbst zum Markte gehen können, sondern das man sich nach ihnen umschauen sollte, beschreibt Marx eine Rechtsform, die es erlaubt, dass beide Warenbesitzer frei sind und in Besitz einer Ware sind, was wiederum bedeutet, dass eine dritte Instanz das wechselseitige Recht auf Privateigentum gewährleisten muss. Tritt diese dritte Instanz nicht zu Tage, kann dies im Konfliktfall schlimme Auswirkungen haben (Man stelle sich vor, wie Pepsi und Coca Cola mit Panzern um ihre Marktanteile in Berlin kämpfen). Dies zeigt, das ohne eine dritte Instanz, die sogenannte Politische Form oder der bürgerliche-kapitalistische Staat, eine erfolgreiche Reproduktion des kapitalistischen Produktionsprozesses nicht möglich ist. Ohne das Gewaltmonopol des Staates zur Aufrechterhaltung des Produktionsprozesses, kann sich die, über den Markt vermittelte Gesellschaft nicht aufrechterhalten, d.h. ohne die politische Form bzw. Rechtsform gibt es keine Wertform und ohne diese keine kapitalistische Produktion. Der Staat lässt sich, wie Max Weber es schon schrieb, nicht über seinen Inhalt, sondern über sein spezifisches Mittel, nämlich des Gewaltmonopols definieren.
Gleichzeitig gibt es nicht nur eine Abhängigkeit des Marktes vom Staat. Auch der Staat ist abhängig von einer erfolgreichen Produktion und Reproduktion des kapitalistischen Austauschprozesses. Am Besten lässt sich dieses antagonistische Verhältnis mit dem “Steuerstaat” erklären. Der Steuerstaat ist eine der weitverbreitesten Staatsformen auf der Welt. Der Staat bezieht seine Handlungsfähigkeit aus dem Steueraufkommen der Bevölkerung. Dieses bemisst sich vor allem durch die gelungene Kapitalakkumulation, d.h. je mehr die Menschen in einer Nationalökonomie verdienen (Das Wort Verdienen, soll hier zu Vereinfachung benutzt werden), desto mehr Steuern bezahlen sie. Daher gibt es ein reges Interesse des Staates an einer gelungen Kapitalakkumulation. Dieser Zustand bedeutet also, dass es auf der einen Seite eine Trennung von Staat und Ökonomie gibt und auf der anderen Seite eine Verbindung der beiden Ebenen.
Dies sollte nur ein kleiner Einstieg in die materialistische Staatstheorie sein und euch dazu anregen, vielleicht noch mehr darüber zu lesen. Denn auch innerhalb der Linken sind sich die Theoretiker nicht einig darüber was der Staat nun sei. Ist er das Instrument der herrschenden Klasse, wie Engels es im Ursprung beschrieb, oder ist er eine Burg, die man erobern muss um die Macht zu übernehmen, wie Antonio Gramsci es beschrieb. Oder ist der Staat eine materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen, wie Nicos Poulantzas argumentierte und dessen Vorstellungen vom Staat, die aktuelle politische Debatte innerhalb der wissenschaftlichen Linken dominiert. Für alle die mehr wissen wollen, empfehle ich den Reader der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus Bremen, der unter dem Titel “Staatsfragen – Einführung in die materialistische Staatskritik” in diesem Jahr erschienen ist und den man auch als PDF herunterladen kann. Neben vielen interessanten Wissenschaftler schreibt auch der Marburger Professor John Kannankulam in diesem Reader zu den Themen:
“Zur westdeutschen Staatsableitungsdebatte der siebziger Jahre.
Hintergründe, Positionen, Kritiken”
sowie
“Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus”
Ich habs getan!
So, nun habe ich es getan, ich bin umgestiegen. Ich habe mich nach langer Zeit von ihr verabschiedet. Ich habe zu ihr gesagt: “So geht es nicht weiter! Ich mache Schluss, ich gehe!”. So sitze ich nun hier und schreibe meinen ersten Text auf meinem frischen Ubuntu Betriebssystem und bin immer begeisterter, je länger ich es nutze.
Ich habe das neue Ubuntu 10.4 auf mein kleines Samsung-Netbook installiert, da das Hochfahren eine gefühlte halbe Stunde gedauert hat, mein Windows XP immer mehr anfing zu streiken und ich allgemein immer unzufriedener wurde. Mal ging der Grafikkartentreiber nicht mehr, dann streikte der Explorer und zu guter Letzt wollte sich Windows nicht mehr in mein Uninetz einloggen. Da ich die WM-Spiele während meinen Vorlesungen jedoch über einen Livestream auf Rechner schaue, war dies nun der große Grund den Umstieg zu wagen, den ich schon ewig plante, mich jedoch nie traute. Nachdem am Wochenende, mich mein bester Freund Tim besuchte, der Informatik studiert und nebenbei ein riesen Fan von Linux-Distributionen ist, war auch die Absicherung durch einen Experten gegeben und dem Umstieg stand nichts mehr im Wege.
Seitdem ich Politik hier in Marburg studiere, muss für mich ein Rechner mehr oder weniger funktionieren. Ich finde einfach nicht mehr die Zeit, mich ewig lange an einem Rechner aufzuhalten, an ihm rumzubasteln und ewig irgendwelche Programme zu installieren. Das darunter meine Fachkenntnis in´der EDV ein wenig leiden, muss ich dadurch leider in Kauf nehmen (aber Gott sei Dank habe ich ja meinen Blog noch nebenher, wo ich wenigstens noch ein wenig in PHP und MySQL drin bleibe). Und da so ein Rechner nun eben für mich funktionieren muss, habe ich nun mit Ubuntu wohl die beste Wahl getroffen.
Denn in der Distribution ist eigentlich so alles erhalten, was ein normaler Student so brauch. Die Installation lief ohne Probleme. Nach der Formatierung der Festplatte, richtete der Installationsmanager ganz automatisch das Linux neben dem Windows XP ein, so dass ich nun auch immer noch auf meine Daten im Windows zugreifen kann. Nach der Installation, die wirklich fix verlief, bootete ich den Rechner zum ersten Mal und war sehr erstaunt, wie schnell mein Netbook doch sein kann und dabei hat es alles, was der Student von heute braucht. Mit OpenOffice ist eine komplette Office-Suite dabei, mit Firefox ein guter Browser (habe mir dennoch Opera installiert, weil meiner Meinung nach besser) und ein Musikplayer sowie Brenner, Taschenrechner und mehr rahmen das Angebot ein. Und für alle, denen noch was fehlt, für den steht die Synaptic-Paketverwaltung bereit, wo man wohl alles finden kann, was das Herz begehrt.
Einen Fehler hat das Linux jedoch noch. Im Akkumodus ist mein Bildschirm ziemlich dunkel und ich habe bisher auch noch nicht herausgefunden, wie ich ihn heller machen kann. Zwar schreiben etliche Foren, dass dies am BIOS liegt und man einfach die Einstellung dort auf Manuel umstellen muss. Ich habs gemacht, funktioniert nur leider nicht! Aber mal schaun, vielleicht finde ich ja eine Lösung.
Ansonsten bekommt Ubuntu 10.4 auf meinem Samsung NC 10 eine 1, weil es für Studierende wohl das Beste, Einfachste, Schnellste und vor allem Günstigste ist!
Bücher, Bücher, Bücher
„Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.”
Herman Hesse
Die Semesterferien haben nun auch für mich begonnen und Ferienzeit heißt Bücherzeit. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen Lenin zu lesen, nun aber werden es drei andere Bücher sein, die ich versuchen werde in dem einen Monat, der mir noch bleibt, zu lesen.
Rudi Dutschke – Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen
Dieses Buch ist die Dissertation des Studentenführers Rudi Dutschke dort drin den sowjetischen Weg zum Sozialismus analysiert und kritisiert. Er zerpflückt die leninistische Politik als eine “Vergewaltigung der asiatischen und bäuerlichen Wirklichkeit Rußlands” und weißt der Linken einen “Hang zur Glorifizierung autoritärer Modelle” nach. Mit den neomarxistischen Theorien von Georg Lukás versucht Dutschke gleichzeitig eine Perspektive, eine von ihm benannten “aufrechten Gang”, weg vom sozialistischen Weg, hin zu einer freiheitlichen sozialistischen Gesellschaft, aufzuzeigen. Ich jage diesem Buch schon seit einer Ewigkeit hinterher, da es leider nicht mehr gedruckt und auch nicht mehr auf dem freien Markt zu bekommen ist. Ich habe zu meiner Erquickung ein Exemplar in der Universitätsbibliothek Marburg gefunden und ausgeliehen und muss demnach dieses Buch unbedingt durcharbeiten. Auf jeden Fall freue ich mich!
Der Staat der Bürgerlichen Gesellschaft – Zum Staatsverständnis von Karl Marx
In diesem Sammelband zum Thema des marxistischen Staatsverständnisses schreiben viele gute Autoren über Marx, Marxismus und die Frage des Staates. Da es keine tiefgründige und systematische Analyse des bürgerlichen Staates in den Werken von Karl Marx und Friedrich Engels gibt, ist es für jeden Marxisten die Staatsfrage traditionell eine schwierige. Aufgrund meiner Hausarbeit über Antonio Gramsci und seiner Theorie des integralen Staates, die ich in diesem Semester geschrieben habe, interessiere ich mich aber brennend für die Frage. Ist der Staat wirklich nur der Überbau einer allmächtigen Basis oder besteht er eben doch aus Festungsanlagen und Kasematten? Die Antwort auf diese Frage und noch viele neue Anregungen erhoffe ich mir von diesem Buch.
u.a. Elmar Altvater und Jörg Huffschmid – Krisen Analysen
Als ich dieses Buch im Buchladen “Roter Stern” in Marburg stehen sehen habe, konnte ich nicht einfach daran vorbei gehen. Dieser Sammelband vereint einen Großteil der wichtigsten “linken” Ökonomen, die dort jeweils die derzeitige Weltwirtschaftskrise analysieren. Gerade auf die Analyse von Jörg Huffschmid, der leider am 5. Dezember 2005 verstorben ist und zu den größten aber auch anerkanntesten alternativen Ökonomen gehörte, freue ich mich. Als ich zu meiner Hausarbeit über die Krisen seit Bretton Woods sein Buch “Politische Ökonomie der Finanzmärkte” gelesen habe, war ich hin und weg von seiner analytischen Präzision. Aber auch Elmar Altvater ist jemand, den man eigentlich immer wieder lesen kann. Besonders gespannt bin ich auf die Analyse von Karl Georg Zinn, der unter dem Titel “Krisenerklärung: Drei verlorene Jahrzehnte” das Thema meiner Hausarbeit aufgreift und das Ende von Bretton Woods zum einem Startpunkt dieser Weltwirtschaftskrise macht.
John Kannankulam – Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus – Zur Staatstheorie von Nicos Poulantzas
Dieses Buch liegt bei mir nun schon seit Weihnachten auf dem Nachtschrank und ich habe es auch schon geschafft rund 87 Seiten zu lesen. Es ist bisher genial und vor allem flott geschrieben, so dass es bisher Spaß macht dieses Buch zu lesen. Es ist die Dissertation meines Professors für Politische Ökonomie, John Kannankulam, der dort einen Zusammenhang des Neoliberalismus und der neuen europäischen Sozialdemokratie mithilfe der neomarxistischen Staatstheorie von Nicos Poulantzas nachweist. Ich bin gespannt was mich auf den nächsten 264 Seiten erwartet.
Die neuen Alphamädchen?
Der neue Job von vielen meiner Kommilitoninnen, scheint die Prostitution zu sein. Jedenfalls kann man dies glauben, wenn man derzeit in einen Buchladen geht und sich die Bücher unter der Rubrik Belletristik anschaut. Dort stehen in letzter Zeit immer mehr Bücher in den Regalen, wo Studentinnen über ihren Job als “Teilzeithure” schreiben, der Bafög und Mamas Überweisungen alt auslassen soll, wie der Unispiegel in seiner neusten Ausgabe berichtete. Das Feuilleton jubelt diese Art von Literatur, wie schon der Ekelroman von Charlotte Roche als eine neue Art des Feminismus hoch, übersieht jedoch, dass diese Geschichten alles andere als feministisch oder emanzipatorisch sind noch das sie mit einem Tabu brechen. Aber beginnen wir am Anfang:
Angefangen in Frankreich
Der erste Roman dieser Rubrik erschien im Frühjahr 2008, wo eine französische Studentin in ihre autobiographischen Roman “Laura D. – Mein teures Studium: Studentin, 19 Jahre Nebenjob: Prostituierte” über Studentenarmut und die Verlockung des schnellen Geldes schrieb. In ihrem Roman schreibt sie, wie sie nach der Immatrikulation an einer Pariser Universität immer größere Geldprobleme bekommen hat und sich irgendwann auf eine Anzeige im Internet meldet, wo ein “junggebliebener Fünfzigjähriger" nach "gelegentlicher Masseuse, gerne Studentin" sucht. Sie schmeißt für den Stundenlohn von 250€ ihren Job in einem Call-Center und fängt an ihren Körper aber auch ihre Seele zu verkaufen. Laura D. schafft es in diesem Roman die gesellschaftspolitische Relevanz von Studentenarmut zu thematisieren und die Scheußlichkeit von Prostitution und deren Auswirkungen auf Körper und Seele zu beschreiben und eine Diskussion über rund 40 000 französische Studentinnen zu entfachen, die Frankreich als Prostituierte arbeiten
Kopien auf dem deutschen Markt
Was erfolgreich ist, dass kann auch kopiert werden, dachten sich die deutschen Verlage und werfen nun massenweise an “Studentin-und-Prostituierte”-Romane auf den Buchmarkt. Ob “Fucking Berlin” von Sonia Rossi oder “33 Männer in 33 Nächten” von Tina Schneider kopieren alle mehr oder weniger aber vor allem deutlich schlechter, dröger und unkritischer die Geschichte von “Laura D.”. Die Kritik an den Gesellschaftsverhältnissen, scheint beim Import nach Deutschland irgendwo verloren gegangen zu sein, genau wie Spannung und schriftstellerische Qualität. So schreibt die 20 jährige Sonia Rossi, dass ihr dieser Nebenjob “viel Spaß” gemacht habe und sie “so eine Arbeitsstelle […] nie wieder finden werde”. Gleichzeitig ist die Geschichte einfach nur langweilig, wirkt mehr oder weniger endlos zu sein und scheint eher Menschen anzusprechen, die einen zwei-zeiligen Satz nicht mehr verstehen würden.
Und was hat das mit Feminismus zu tun?
Das frage ich mich auch. Diese Bücher würden wahrscheinlich als billige Schmuddelpornos über die Ladentheke gehen, wenn sie nicht von Studentinnen geschrieben worden wären. Die Mischung aus Prostitution und Intelligenz, aus Studentin und Sex scheint das schmuddelige abzustreifen und etwas Verruchtes zu erzeugen. Die Vorlage von Charlotte Roche, die ihr Buch “Feuchtgebiete” selbst als feministisch promotete, schien für das nationale Feuilleton zu erfolgreich gewesen zu sein, als das man nun diesen Unimädchenreport ignorieren könnte. Jedoch sind diese Bücher alles andere als feministisch! Sie reproduzieren erfolgreich Geschlechterstereotypen und propagieren mehr oder weniger die Unterwerfung unter den Mann für ein paar Euro. Gerade die deutschen Romane sind nicht einmal gesellschaftskritisch, sondern könnten gut und gerne in die Rubrik “Sex Sells” eingeordnet werden. Prostitution ist meistens nicht freiwillig und gerade als Studentin müsste man so viel Stolz haben, sich nicht als Ware anbieten zu müssen. Diese Bücher unterstützen die geheimen Phantasien von pubertierenden Schuljungen oder die der alternden Männer, von einer Studentin, die sich freiwillig und mit Spaß an der Sache sich ihnen hingibt und diese jeden Tag wieder von neuem konsumieren können und dabei nebenher ein ruhiges Familienleben organisieren. Ich persönlich würde sogar soweit gehen, dass diese Bücher, genau wie die Tat über die sie berichten, reaktionär und antifeministisch sind. Redakteure, die in Feuilletons diese Bücher als neue Frauenbewegung abfeiern, haben von Feminismus und Gesellschaftskritik wenig verstanden und sind genauso im neoliberalen Mainstream verhaftet wie die Autorinnen selbst.
A Photo every Day
Eigentlich schreibe ich hier ja vor allem über Politik, meiner großen Leidenschaft. Jedoch möchte ich heute einmal meiner zweit größten Leidenschaft in diesem Blog ein wenig Raum widmen. Vor kurzem habe ich auf kwerfeldein einen tollen Fotographen kennengelernt, der auf seinem Blog jeden Tag ein Foto veröffentlicht.
Sein Name ist Markus Schwarze und er macht jeden Tag ein gutes Foto und stellt es auf seinen Blog online. Zurzeit arbeitet er an einer Portraitserie, bei der er jeden Tag in Hamburg auf die Straße geht, Menschen anspricht und von ihnen dann ein Portrait anfertigt. Die Bilder, die dann daraus entstehen sind voller Farben und Details und sagen sehr viel über diese Menschen aus. Vor allem der Kontrast zwischen Objekt und Hintergrund ist, wie ich finde sehr gelungen. Dazu schreibt Markus unter seine Bilder, wie sie entstanden sind und was für Geschichten sich hinter dem Bild verstecken. Schaut man ins Archiv, so findet man noch weitere Bilder, die wie wahre Schätze wirken. Auffällig ist, dass er fast nur im Querformat fotografiert.
Konstatiert kann ich euch den Fotoblog von Markus nur empfehlen. Wer jeden Tag ein schönes Foto sehen möchte, der sollte seinen Blog besuchen.
PS: Am 3. März gibt es einen Eintrag aus Hannover von der weltgrößten Computer- und Technologiemesse der Welt, CeBit!
Welche der besten 100 Filme habe ich gesehen?
Da nun seit vorgestern dieses Stöckchen durch die Gegend fliegt, habe ich es heute aufgefangen und mache es nun Moritz vom Sockenblog und der Autorenkcrew von et-jeht-so gleich und stelle hier mal vor, welche Mainstream Filme auch ich mir angeguckt habe (die Filme, die ich gesehen habe sind fett markiert. In den Klammern steht, auf welchem Medium ich den Film zum ersten Mal gesehen habe):
001. Avatar – Aufbruch nach Pandora 2009 James Cameron
002. Titanic 1997 James Cameron (VHS)
003. Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs 2003 Peter Jackson
004. Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2 2006 Gore Verbinski
005. The Dark Knight 2008 Christopher Nolan
006. Harry Potter und der Stein der Weisen 2001 Chris Columbus
007. Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt 2007 Gore Verbinski
008. Harry Potter und der Orden des Phönix 2007 David Yates
009. Harry Potter und der Halbblutprinz 2009 David Yates
010. Der Herr der Ringe – Die zwei Türme 2002 Peter Jackson
011. Star Wars Episode 1 – Die dunkle Bedrohung 1999 George Lucas (Kino)
012. Shrek 2 2004 Andrew Adamson, Kelly Asbury, Conrad Vernon
013. Jurassic Park – 1993 Steven Spielberg
014. Harry Potter und der Feuerkelch 2005 Mike Newell
015. Spider-Man 3 2007 Sam Raimi
016. Ice Age 3 2009 Carlos Saldanha, Mike Thurmeier
017. Harry Potter und die Kammer des Schreckens 2002 Chris Columbus
018. Der Herr der Ringe – Die Gefährten 2001 Peter Jackson
019. Findet Nemo 2003 Andrew Stanton
020. Star Wars Episode 3 – Die Rache der Sith 2005 George Lucas (Kino)
021. Transformers – Die Rache 2009 Michael Ba
022. Spider-Man 2002 Sam Raimi
023. Independence Day 1996 Roland Emmerich (TV)
024. Shrek der Dritte 2007 Chris Miller
025. Krieg der Sterne 1977 George Lucas (TV)
026. Harry Potter und der Gefangene von Askaban 2004 Alfonso Cuaron
027. E.T. – Der Außerirdische 1982 Steven Spielberg (TV)
028. Der König der Löwen 1994 Roger Allers, Rob Minkoff (Kino)
029. Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels 2008 Steven Spielberg
030. Spider-Man 2 20204 Sam Raimi
031. 2012 2009 Roland Emmerich (Kino)
032. The Da Vinci Code – Sakrileg 2006 Ron Howard
033. Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia 2005 Andrew Adamson
034. Matrix Reloaded 2003 Andy & Larry Wachowski (Kino)
035. Oben 2009 Pete Docter, Bob Peterson
036. Transformers 2007 Michael Bay
037. New Moon – Biss zur Mittagsstunde 2009 Chris Weitz
038. Forrest Gump 1994 Robert Zemeckis (TV)
039. The Sixth Sense 1999 M. Night Shyamalan
040. Fluch der Karibik 2003 Gore Verbinski (Kino)
041. Ice Age 2 2006 Carlos Saldanha
042. Star Wars Episode 2 – Angriff der Klonkrieger 2002 George Lucas (Kino)
043. Kung Fu Panda 2008 Mark Osborne, John Stevenson
044. Die Unglaublichen 2004 Brad Bird
045. Hancock 2008 Peter Berg
046. Ratatouille 2007 Brad Bird
047. Vergessene Welt – Jurassic Park 1997 Steven Spielberg
048. Die Passion Christi 2004 Mel Gibson
049. Mamma Mia! 2008 Phyllida Lloyd (DVD)
050. Madagascar 2 – 2008 Eric Danell, Tom McGrath
051. 007 – Casino Royale 2006 Martin Campbell (Kino)
052. Krieg der Welten 2005 Steven Spielberg
053. Men in Black 1997 Barry Sonnenfeld (TV)
054. 007 – Ein Quantum Trost 2008 Marc Forster (Kino)
055. I Am Legend 2007 Francis Lawrence
056. Iron Man 2008 Jon Favreau
057. Nachts im Museum 2006 Shawn Levy
058. Mission: Impossible 2 2000 John Woo
059. Armageddon 1998 Michael Bay
060. King Kong 2005 Peter Jackson
061. The Day After Tomorrow 2004 Roland Emmerich (Kino)
062. Das Imperium schlägt zurück 1980 Irvin Kershner (TV)
063. Wall-E – Der Letzte räumt die Erde auf 2008 Andrew Stanton
064. Kevin – Allein zu Haus 1990 Chris Columbus (TV)
065. Madagascar – 2005 Eric Darnell, Tom McGrath
066. Die Monster AG 2001 Pete Docter
067. Die Simpsons 2007 David Silverman (Kino)
068. Terminator 2 – Tag der Abrechung 1991 James Cameron
069. Ghost – Nachricht von Sam 1990 Jerry Zucker
070. Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich 2004 Jay Roach (TV)
071. Aladdin 1992 John Musker, Ron Clements
072. Troja 2004 Wolfgang Petersen
073. Twister – 1996 Jan De Bont
074. Indiana Jones und der letzte Kreuzzug 1989 Steven Spielberg
075. Illuminati 2009 Ron Howard
076. Toy Story 2 1999 John Lasseter (KIno)
077. Bruce Allmächtig 2003 Tom Shadyac (Kino)
078. Shrek – Der tollkühne Held 2001 Andrew Adamson, Vicky Jenson
079. Der Soldat James Ryan 1998 Steven Spielberg (DVD)
080. Mr. & Mrs. Smith 2005 Doug Liman (Kino)
081. Die Rückkehr der Jedi-Ritter 1983 Richard Marquand (TV)
082. Charlie und die Schokoladenfabrik 2005 Tim Burton
083. Gladiator 2000 Ridley Scott (DVD)
084. Der weiße Hai – 1975 Steven Spielberg
085. Hangover 2009 Todd Phillips
086. Mission: Impossible 1996 Brian De Palma
087. Pretty Woman 1990 Garry Marshall (TV)
088. Cars 2006 John Lasseter
089. Matrix 1999 Andy & Larry Wachowski
090. X-Men – Der letzte Widerstand 2006 Brett Ratner
091. Das Vermächtnis des geheimen Buches 2007 Jon Turteltaub
092. Last Samurai 2003 Edward Zwick
093. Tarzan 1999 Kevin Lima, Chris Buck (Kino)
094. 300 2007 Zack Snyder
095. Ocean’s Eleven 2001 Steven Soderbergh
096. Pearl Harbor – 2001 Micheal Bay (Kino)
097. Men in Black II 2002 Barry Sonnenfeld (TV)
098. Sherlock Holmes 2009 Guy Ritchie
099. Das Bourne Ultimatum 2007 Paul Greengrass (DVD)
100. Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen 1993 Chris Columbus
Insgesamt 31 Filme habe ich von den selbsternannten TOP 100 Filmen gesehen, was wohl weniger als 1/3 entspricht. Am meisten haben mich wohl die Star Wars Filme rausgerissen, die ich irgendwann mal alle gesehen habe.Aber mit den Leuten von et-jeht-so, wo buzze fast die 100 voll gekriegt hat, einfach nicht mithalten. Aber vielleicht sollten wir es das nächste Mal mit Büchern machen…
Denk ich an Deutschland in der Nacht
Es gibt die Bücherempfehlung #2 auf Lahnblog.de! Nachdem ich euch letztes Mal das neue Buch von Jutta Ditfurth, mit dem Titel “Zeit des Zorns” ans Herz gelegt habe, möchte ich euch nun ein relativ altes Buch empfehlen. Sein Titel wurde im WM-Sommer 2006 für eine Welle des deutschen Nationalismus und Patriotismus umgedichtet und missbraucht. Und gerade deshalb ist dieses Buch so aktuell wie noch nie, wenn man in Anbetracht der Fußball-WM in Südafrika dieses Jahr eine weitere Welle nationaler Gefühlausschüttung erwarten kann.
In dem Buch “Deutschland – Ein Wintermärchen” rechnet der Autor Heinrich Heine mit seinem “Vaterland” Deutschland ab. Der im Jahr 1844 geschriebene Gedichtsband strotzt nur so vor antinationaler Poetik und ist somit jedem geneigtem Inter- (oder Anti-)nationalen Leser zu empfehlen. Eine Textzeile sei mir gestattet zu zitieren:
Zu Aachen, auf dem Posthausschild,
Sah ich den Vogel wieder,
Der mir so tief verhasst! Voll Gift
Schaute er auf mich nieder.Du hässlicher Vogel, wirst du einst
Mir in die Hände fallen,
So rupfe ich dir die Federn aus
Und hacke dir ab die KrallenDu sollst mir dann, in luft’gen Höh,
Auf einer Stange sitzen,
Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei
Die rheinischen Vogelschützen.Wer mir den Vogel herunterschießt
Mit Zepter und mit Krone belehn ich
Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
Und rufen: “Es lebe der König"!”Heinrich Heine
Heine schreibt leicht und locker und man merkt ihm die Wut an, die nur jemand schreiben kann, wenn er fern der Heimat in einem Exil sitzt. “Wenn Lächerlichkeit töten würde, gäbe es seit Heine keine preußischen Tyrannen mehr!” schreibt genau 100 Jahre später, Hermann Kesten im Jahr 1944 aus dem New Yorker Exil! Heine tötet und will auch verbal töten. Heute, mehr als 166 Jahre danach, ist “Deutschland – Ein Sommermärchen!” Weltliteratur und es gehört für jeden sogenannten Linken zu Standartlektüre! Zu kaufen gibt es das Buch in jedem Buchladen für 2,10€ im Reclam-Verlag
Erster Satz: “ Im traurigen Monat November war’s”
Letzter Satz: “Zu solcher Hölle verdammen!”
Die Utopie der Utopie mit Habermas
Heute Morgen um 8.30 Uhr hatte ich ein Seminar zur “politischen Theorie und Ideengeschichte”. Thema der heutigen Sitzung war Jürgen Habermas und seine Demokratietheorie. Das “Deliberatives Model” beinhaltet, ganz kurz gefasst, die Forderung, dass alle Menschen an der politischen Willensbildung teilhaben müssen. Die Bevölkerung (und Habermas geht hier auch von der Weltgemeinschaft aus) müsse sich in politischen und gesellschaftlichen Fragen auf einen Konsens (ja und nicht Kompromiss) einigen, bevor sie anfangen zu handeln. Ich finde die ganze Theorie ist an sich dem Contract Social von Rousseau sehr angelehnt, wo es jedoch keine wirkliche Konsensfindung gibt sondern vor allem eine Leitidee.
Nun gab es nach dem Referat eine Diskussion, die sich vor allem darum drehte, in wie fern, diese Theorie umsetzbar ist. Der ganze Kurs außer mir (und das sind alles Lehrämter) sprach Habermas jegliche Ernsthaftigkeit ab. Natürlich ist es unmöglich, allein in Deutschland 80 Millionen Menschen an einen Tisch zu bringen und vor allem auf eine Linie. Die Idee, die dann von meinem Referatsleiter eingebracht wurde, dass man die Leute ja delegieren könnte und meinen Zusatz, dass dies ja mit dem imperativen Mandat und einer Rätehirachie gehen könnte, wurden zurückgewiesen. Die Argumente gegen ihn fingen bei dem Vorwurf an, dass die Theorie von Habermas nicht Effektiv und sogar teilweise Illegitim sei und endeten darin, dass diese nicht umsetzbar und eine Utopie ist.
Und genau das ist es, was mich in Blick auf die Zukunft, vor allem der Schulzeit meiner Kinder, graut. Wenn Lehrer_Innen keinen Glauben in Utopien und politische Ideen mehr haben, wie sollen sie dann unsere, vor 200 Jahrhunderten total utopische, Demokratie verteidigen? Ich verzweifele an Menschen, die für keine Ideale und für keine Utopien mehr stehen. Ich verabscheue Menschen, die keinen Traum träumen, von einer freieren, besseren und gerechteren Welt. Oscar Wild sagte einmal
"Fortschritt ist nur die Verwirklichung von Utopien.”
Utopien bedeuten Zukunft, Wohlstand und Glück. Sie schaffen neue Maschinen, neue Ansichten und vor allem ein neues Denken. Als ich das letzte Mal mit einer französischen Freundin gechattet habe, da haben wir auch gesagt: “Wer hätte das im Jahr 1925 gedacht?”. War es nicht auch eine Utopie, dass die Länder Frankreich und Deutschland sich nicht mehr bekriegen sondern friedlich und freundschaftlich nebeneinander existieren? Und jedem dem man zur selben Zeit erklärt hätte, was chatten, was Computer ist oder wie die heutige Kommunikation aussieht, hätte es zu Utopie erklärt!
Utopien sind wichtig und kostbar. Utopien bringen uns voran und sie machen aus uns moderne Menschen. Wer an keine Utopien mehr glaubt, der glaubt auch nicht mehr an den Fortschritt und an sich selbst. Er hat aufgegeben für etwas zu kämpfen, an etwas zu glauben. Er sieht sich am Ende der Geschichte angekommen, was sehr gefährlich ist. Es gibt kein Ende der Geschichte!











