Wird das Saarland geentert?

Heute wird gewählt im Saarland! Nachdem sich die schmierige Jamaika-Koalition aus FDP, Grüne und CDU unter der Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zerstritten hatte, steht heute wieder alles auf Anfang oder, nein eigentlich steht alles auf große Koalition zwischen SPD und CDU. Denn Heiko Maas hat schon bei der Auflösung des Landtages erklärt, dass er eine Koalition mit den LINKEN unter Oskar Lafontaine ausschließt, weil diese, so Heiko Maas wörtlich, “nicht regierungsfähig” sind und das obwohl die LINKE in Umfragen mehr als 15% bekommt. Außerdem kommen B90/Die Grünen sowie die FDP wohl erst gar nicht in den Landtag, womit wir wahrscheinlich, wie früher, vor einem Drei-Parteien-Parlament stehen, nur das diesmal nicht die FDP die kleinste der drei Parteien ist, sondern die LINKE. Und das in einem westdeutschen Parlament (wobei ich hier betonen muss, dass die Person Lafontaine, wohl dazu beitragen wird. Die Leute wählen halt nicht die Partei, sondern den Oschkar).

Wer für eine Überraschung sorgen kann bei dieser Landtagswahl sind die Piraten. Ihnen werden 6% prognostiziert, womit die Piraten in ihren zweiten Landtag einziehen würden und das auch noch in einem Land wie das Saarland, dass dem Land Berlin in seiner Wähler_Innenzusammensetztung so gut wie gar nicht ähnlich ist. Im Saarland findet man die digitale Boheme, die ja zu den natürlichen Wählern der Piratenpartei gehört, wohl genauso wenig wie die Techniknerds. Hier sieht man, dass die Piraten sich als bundesdeutsche Protestpartei neuartigen Typs bundesweit gerade durchsetzten. Gleichzeitig profitieren sie von dem Hype, der nach der Berlin-Wahl entstanden ist, sowie von der Schwäche der FDP.

Apropos FDP! Kann man da eigentlich noch von einer Schwäche reden oder sollte man vielleicht doch richtig sagen, dass diese Partei im sterben liegt und eigentlich nicht mal mehr einen Blumentopf gewinnen kann? Ich weiß es nicht und vor allem will ich nicht voreilig die FDP als Tod erklären, gerade auch, weil Todgesagte ja bekanntlich länger leben und das will ich im Fall der FDP eigentlich nicht. Traditionell ist die FDP im Saarland relativ schwach (bis auf die 50er Jahre und 2009, wo die FDP vom Bundestrend mitgerissen wurde) und auch der diesjährige Spitzenkandidat Oliver Luksic ist in meinen Augen auch ein schwacher Kandidat. Ich denke wir können nach der NRW-Wahl, die ja immer auch eine kleine Bundestagswahl ist, besser beurteilen können, ob die FDP untergeht oder ob sie nur eine längere Schwächephase hat. Denn dort ist mit Christian Lindner ein Spitzenkandidat aufgestellt worden, der auf jeden Fall das Format hat, die FDP in den Landtag zu bekommen. Wir können gespannt sein, was in zwei Stunden für Ergebnisse über den Bildschirm flimmern werden.

Ein neues Kabinett…

und noch mehr Sorgen um den sozialen Frieden, wobei ich den auch schon seit 2003 gefährdet sehe.  Als ich am 24.10 um 2.20 Uhr die E-Mail vom Tagesschau-Ticker bekam und Guido Westerwelle im Amt des Außenminister sah, dachte ich es kann nicht schlimmer kommen. Aber meistens kommt es ja schlimmer…

Und als ich mich so durch die neuen Kabinettmitglieder klickte entdeckte Dirk Niebel von der FDP. Als ich sah, dass dieser Wirtschaftslobbyist Entwicklungshilfeminister werden sollte, da drehte sich mein Magen um. Natürlich bin ich froh, dass dieses Ministerium weiter existiert und nicht dem Wirtschaftsministerium unterstellt wurde aber das es jetzt Dirk Niebel und damit die FDP inne hat beängstigt mich schon. Denn die FDP und Dirk Niebel als deren Generalsekretär waren es, die im Wahlkampf groß für die Streichung der Entwicklungshilfe zugunsten eines nationalen Konjunkturpaketes plädierten. So sagte der jetzige Entwicklungshilfeminister gegenüber der Osnabrücker Zeitung: “Gerade wenn die öffentlichen Kassen strapaziert sind, sollte man sehr genau hinschauen, wofür der Staat Geld ausgibt“ und prangerte an, dass zu viel Geld in Entwicklungsländer fließt.

Die Frage ist jetzt, wie wird es mit der Entwicklungshilfe in Zukunft weitergehen. Die FDP unterstützt massiv die Liberalisierung der Binnenmärkte in den Entwicklungsländern sowie die Privatisierung von Staatseigentum. Wahrscheinlich wird sie versuchen die Weltbank und die IWF wieder stärker in ihre neoliberale Vergangenheit zu drängen und versuchen Kredite nur noch unter den üblichen Privatisierungs- und Liberalisierungsvereinbarungen zu vergeben. Dies bedeutet nach meiner Ansicht, dass die Schere zwischen Arm und Reich, also das Gefälle zwischen Nord und Süd noch größer werden wird und die deutschen Unternehmen noch bessere Bedingungen zur Ausbeutung der Entwicklungsländer haben werden.

Hier gibts übrigens den Koalitionsvertrag zu bewundern. Auf Seite 119 steht was zu Entwicklungshilfe.

Interessant ist das Interview von Hellmut Königshaus, dem Entwicklungspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im 16.Bundestag  mit der Initiative “Deine Stimme gegen Armut”. Dort sei vor allem dem letzten Satz eine große Bedeutung zugeordnet.

Auf in eine strahlende Zukunft

Die Bundestagswahlen sind vorbei und als Ergebnis steht nun eine Schwarz-Gelbe Koalition an der Spitze der Bundesrepublik. Was diese Koalition für die Zukunft unseres Landes, Europas und auch der Welt bedeutet mag noch reine Spekulation sein, eines kann man jedoch schon sagen: Es wird kalt!

Was zurzeit durch die Medien geistert, lässt mich persönlich nur zittern und lässt mich nur hoffen, dass diese Gerüchte auch Gerüchte bleiben. Es ist dort die Rede von der Abschaffung des Krankengeldes, von der Erhöhung des Eingangssteuersatzes, der Abschaffung der Pendlerpauschale, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Kürzung des Kindergeldes und Abschaffung der Pendlerpauschale und der Arbeitsagentur. Dies alles lässt eigentlich darauf schließen, dass die geistigen Urheber dieser Krise genauso, wenn nicht noch schlimmer weitermachen wollen wie bisher.

Ich möchte hier keine Apokalypse heraufbeschwören und auch keine Panik machen aber mich persönlich ängstigt die Vorstellung davon, dass der neoliberale Kurs der FDP bald Regierungsprogramm werden wird. Gleichzeitig schäme ich mich vor meinen Freunden im Ausland, dass sie bald Guido Westerwelle als Außenminister besuchen wird. Das die FDP wieder in Regierungsverantwortung ist, mit diesem Ergebnis und vor allem in dieser Zeit ist peinlich und eigentlich unverantwortlich.

Gleichzeitig hat die ehemalige Volkspartei SPD eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die Quittung für 11 Jahre unsoziale Politik und einen farblosen wie machtgeilen Spitzenkandidaten ist hart und zeigt dass die SPD sich in diesen Krisenzeiten überflüssig gemacht hat! Die Frage lautet jetzt, wie sich die Sozialdemokraten in der Opposition aufstellen werden und welchen Kurs sie verfolgen. Rücken sie nach links und werden wieder Sozialdemokratisch dann könnten sie es vielleicht schaffen wieder eine ernstzunehmende Rolle einzunehmen. Verfolgen sie jedoch weiter den Kurs als Partei der “Mitte” zu fungieren und damit die rechteste Oppositionspartei zu sein, werden sie gnadenlos untergehen und irgendwann von der FDP überholt werden. Nach den Interviewpartnern von ARD und ZDF zu urteilen sehe ich eher die erste These. Fast nur Mitglieder des linken Flügels der SPD (“Demokratische Linke 21”) wurden nämlich heute in den Brennpunkten zu Wort gebeten.

Ein riesen Erfolg war diese Wahl jedoch für meine Partei. Die LINKE holte 11,9% und damit 76 Sitze im Deutschen Bundestag. Damit ist sie die 2 stärkste Partei in der Opposition mit einem deutlichen Vorsprung vor den Grünen. Dieses Ergebnis für DIE LINKE, gerade auch in den westlichen Bundesländern zeigt wie stark doch die Sehnsucht nach der alten SPD ist. DIE LINKE ist eine wirkliche Alternative geworden und hat sich vor allen in den ostdeutschen Bundesländern als Volkspartei etabliert. Jedoch muss sie aufpassen, dass sie gerade in Brandenburg und Thüringen nicht unter die sozialdemokratischen Räder des Sozialabbaus gerät wie in Berlin. Jedoch freue ich mich über das Ergebnis und bin gespannt wie es weiter geht!

Ein Satz noch zu den Piraten. Ihr Abschneiden mit 1,95% zeigt, dass viele Menschen um ihre persönlichen Freiheiten nicht nur im Internet fürchten. Es zeigt aber auch, dass die Piratenpartei inhaltlich noch zu schwach aufgestellt ist und zurzeit einem Überraschungsei gleicht. Für die Partei ist es jetzt wichtig den Wahlkampf zu analysieren und ihr Profil über die Netzpolitik hinaus zu schärfen und ihre Auffassung von dem  Begriff  Freiheit zu analysieren und zu diskutieren. Denn eine Partei, die der Jungen Freiheit Interviews gibt und homophobe Sätze twittert ist für mich nicht wählbar, ganz egal wie sie zu den Freiheitsrechten im Internet steht!

Zu demselben Thema hat übrigen Moritz vom Sockenblog unter dem Titel “Und alle so: “Heilige Kacke, was geht denn da ab?” auch eine Analyse mit einem herrlichen Interview veröffentlicht!

Ein erster Kommentar zur Wahl

Die Wahlen sind offiziell noch nicht beendet und alle Wahlkreise sind auch noch nicht ausgezählt. Jedoch kann man schon sagen, dass die Frage “Wer regiert Deutschland in den nächsten 4 Jahren” beantwortet ist! Es wird “Schwarz-Gelb” mit einem Außenminister Guido Westerwelle und einer Kanzlerin Angela Merkel. Die Zeit, die jetzt kommt wird sehr schwer und hart. Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird größer werden. Darauf muss und kann nur eine Radikalisierung der außerparlamentarischen wie parlamentarischen Opposition als Antwort geben.

Mein Kommentar zu dieser Bundestagswahl:

Morgen: DIE LINKE wählen

Am 27.September sind Bundestagswahlen und die Aussicht auf eine Schwarz-Gelbe Regierung lässt das Land erzittern. Um nicht den gleichen Fehler wie vor 12 Jahren zu machen und der Meinung von Frank-Walter Steinmeier zu sein, dass eine Rot-Grüne Koalition ganz anders regieren würde, rufe ich hiermit zur Wahl der Partei DIE LINKE auf.

DIE LINKE ist die einzige Partei im Deutschen Bundestag, die sich konsequent gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr, für den Mindestlohn, gegen die Rente mit 67, gegen die Vorratsdatenspeicherung, fürt die Bewahrung der Bürgerrechte, gegen eine höhere Belastung für mittlere und kleine Einkommen, für die Reichensteuer, gegen die Restistenzpflicht, für bessere und nachhaltige Umweltpolitik, gegen die G8 und für eine bessere und gerechtere Umverteilung des Reichtums in unserer Gesellschaft eingesetzt hat.

Ich wähle DIE LINKE, damit es gerechter in unserem Land zugeht und das den Nazis hier wirklich etwas entgegengesetzt wird und nicht nur Lichterketten!

AM 27.September 2009 WÄHLEN GEHEN! BEIDE STIMMEN FÜR DIE LINKE!

am 27.September - DEN SOZIALEN WECHSEL WÄHLEN

PS: Ich mache auch mit bei der Aktion: 100 Blogs für die Linke, wie auch der Sockenblog!

Wahlkampf mit Loriot

Die Grünen haben wie immer die besten Ideen was Wahlkampfspots angeht und somit haben sie sich einen der wohl berühmtesten Zeichentrickspots von Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow alias Loriot als Vorlage für ihren wirklich gelungen Werbespot.

Hier das Original:

Dieses Video kennt wahrscheinlich jeder und jeder assoziiert damit sicherlich auch irgendeine Situation in seinem eigenen Leben. Das machen sich die Grünen zu nutze und aus der Hermann wird Angela und aus seiner Ehefrau wird Guido!

Die Fassung der Grünen:

Ich muss jetzt jedoch dazu fügen, dass man nicht unbedingt die Grünen wählen muss um diese Ehe zu verhindern. Das geht nämlich auch mit den LINKEN und man bekommt dann nicht noch eine Sozialkürzungs- und Kriegspartei dazu!

Ein Thema fehlt

Der Wahlkampf plätschert so vor sich hin, niemand tut dem anderen weh und eigentlich wissen alle Parteien das diese Wahl eigentlich nur auf eine Große Koalition hinauslaufen kann. Natürlich gibt es hier und dort auch ein paar Seitenstiche und so sagt Guido Westerwelle, dass er nur mit der Union will und Frank-Walter Steinmeier legt sich fest, dass er bestimmt nicht mit den LINKEN nach der Wahl koalieren wird. Nebenbei wird ein wenig über Mindestlöhne, Reichensteuer und Afghanistan diskutiert. Aber so richtig interessiert das die wenigsten Spitzenpolitiker.

Und bei diesem ganzen Rumgeplätscher fällt ein Thema unter den Tisch, dessen Behandlung eigentlich von enormer Wichtigkeit ist. Der Entwicklungshilfeetat für den Haushaltsplan 2010. Deutschland hat sich nämlich seit 1971, als die erste entwicklungspolitische Konzeption der Bundesregierung entwickelt wurde, zum Ziel gesetzt einen Entwicklungshilfeetat von 0,7% in den Haushaltsplan zu schreiben. Auf der UNO-Millenniumskonferenz legte man sich sogar auf einen Zeitplan fest und verpflichtete sich bis zum Jahr 2010 den Entwicklungshilfeetat auf 0,51% und bis 2015 auf 0,71% zu steigern. Heute stehen wir bei 0,35%. Die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder, die damals auf dem UNO-Millenniumsgipfel so lauthals getönt hatte, steigerte den Etat in ihrer ganzen Regierungszeit von 0,26% auf 0,30%. Frau Merkel schaffte in der Hälfte der Zeit eine Erhöhung von 0,05%.

Das alles ist nicht viel und zum Erreichen der UNO-Millenniumsziele viel zu wenig. Diese sehen nämlich die Halbierung der Armut bis 2015, die Abschaffung des weltweiten Hungers bis 2030, die Ausbreitung von Malaria und AIDS stoppen sowie die deutliche Verringerung der Kinder- und Muttersterblichkeit. Wer mehr über diese Ziele erfahren möchte sollte mal beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorbeigucken.

Nach den Bundestagswahlen wird über den Haushalt 2010 verhandelt und bisher hat sich noch keine Partei öffentlich zu den Forderungen in ihren Wahlprogrammen geäußert, geschweige denn, dass darüber diskutiert wurde. Selbst im Kanzlerduell wurde über dieses Thema geschwiegen. Alle im Bundestag vertretenden Parteien verpflichten sich zwar in ihren Wahlprogrammen für die Einhaltung der 0,7% bis 2015, jedoch verspricht nur die SPD in ihrem Wahlprogramm das Zwischenziel von 0,5% bis 2010 zu erreichen.

Und genau da fängt es nämlich an, wenn nach den Wahlen über den Haushalt verhandelt wird. Anders als vor einem, als die Banken alle reihenweise in sich zusammenbrachen, wird kein Geld da sein um dieses Zwischenziel zu erreichen. Die große oder Schwarz-Gelbe Koalition wird auf die aktuelle Finanzkrise hinweisen und vielleicht ganz gutmütig den Etat auf 0,37% erhöhen.

Naja ich bleib dran an dem Thema!

Eine gute Übersicht über die verschiedenen entwicklungspolitischen Versprechen der Parteien findet ihr:

http://www.one.org/c/de/politische_analysen/3010/

http://www.deine-stimme-gegen-armut.de/fileadmin/BILDER/2009/Wahl/Sie-haben-die-Wahl_Parteienstudie-DSGA_A4.pdf

Man sollte sich erinnern können!

Am 27.September, also in 27 Tagen sind alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen, einen neuen “Deutschen Bundestag” zu wählen. Anders als der Sockenblog und die FINANCIAL TIMES werden wir jedoch  keine Wahlempfehlung aussprechen.

Dennoch möchten wir daran erinnern, dass alle Parteien, die in den letzten 10 Jahren auf Bundesebene in Regierungsverantwortung waren, mit ihrer Politik der Deregulierung und Privatisierung dazu beigetragen haben, dass  die derzeitige internationale Finanzkrise entstehen konnte. So sollte daran erinnert werden, dass auf der einen Seite Hedge- und Private Equity Fonds als Heuschrecken gebrandmarkt und auf der anderen Seite Schranken für diese abgebaut wurden. Auch wurde eine Vermögenssteuer seit 1997 nicht mehr erhoben und stattdessen  2005 der Spitzensteuersatz von 53% auf 42% gesenkt.  Eine Tobinsteuer hat es jetzt erst, wenn auch in sehr abgespeckter Version, 11 Jahre nach dem Eintritt in die Bundesregierung, in das Wahlprogramm der SPD geschafft.

Allgemein ist die Reaktion von Seiten der Bundesregierung auf die aktuelle Finanzkrise verhalten geblieben. Zwar wurden Konjunkturpakete und sinnlose, antiökologische “Umweltprämien” geschnürrt, doch eine Regulierung der Wirtschaft fand nicht statt. Mehr das Gegenteil war der Fall. So wurden mehr als 1 Milliarde Euro in die HRE gepumpt und das Casino am Laufen gehalten bevor die Bundesregierung das Investmenthaus endlich übernahm.

Gleichzeitig wurden den mittleren und unteren Einkommen immer weitere und stärkere Einschnitte zugemutet. Entgegen der Wahlversprechen der SPD wurde die Mehrwertsteuer von 16% auf 19% erhöht und die Rente mit 67 auf den Weg gebracht. Die Abstufung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau erhöhte den Angstfaktor und schwächte gleichzeitig die Gewerkschaften, die in den letzten Jahren einen Einbruch der Reallöhne hinnehmen mussten.  Außerdem wurden in vielen Bundesländern Studiengebühren erhoben, die dazu führen, dass viele Kinder aus unteren und mittleren Einkommensverhältnissen sich aus finanzieller Gründen gegen ein Studium entscheiden müssen. Die Wenigen, die dann noch studieren, sehen sich den Ergebnissen des Bologna Prozesses – enormen Leistungsdruck sowie einer Verschulung des Studiums – ausgesetzt.

Trotz oder gerade wegen diesen Ergebnissen der letzten 10 Jahre rufen wir all unsere Leser_Innen auf, am 27.September zur Wahl zu gehen und nicht denen die Stimme zu überlassen, die sie schon in der letzten Weltwirtschaftskrise missbrauchten. Geht wählen!

Ich möchte euch bei diesem Thema übrigens noch ein Video des Redblogs empfehlen:

Verbesserung: Beim Spitzensteuersatz habe ich mich leider verguckt und nur die Senkung in der 2.Legislaturperiode von Rot-Grün genannt. Bevor Gerhard Schröder die Regierungsverantwortung übernahm lag der Spitzensteuersatz bei 53%. Als er ging waren es nur noch 42. Eine Steuersenkung für die Besserverdiener von mehr als 11%

Mit WUMS nach Europa

Man hätte doch denken können, dass bei der Europawahl diejenigen gewinnen, die schon vor Jahren den internationalen Finanzkapitalismus angeprangert und vor dem Platzen der Immobilienblase gewarnt haben. Es wäre eigentlich logisch, dass Europa nach der Wahl weiter links steht und das die kapitalismuskritischen Parteien deutlich gewinnen würden in Zeiten der Krise. Aber Nein, es sollte anders kommen.

Als am 7.Juni um 22.00 Uhr alle Wahllokale in der EU ihre Türen schlossen und das erste Wahlergebnis verkündet wurde stand fest, Europa ist nach Rechts gerutscht und der absolute Gewinner dieser Wahl waren europaweit die Grünen. Allein in Frankreich errang die von dem Alt-68er Daniel Cohn-Bendit angeführte Liste “Europe Écologie” 16,2% und damit ganze 14 Sitze im Europäischen Parlament. Das war das beste Ergebnis in der Geschichte der französischen Grünen. Aber auch in anderen Ländern gewannen die Grünen hinzu oder hielten ihr doch schon auf hohem Niveau stehenden Ergebnis der letzten EU-Wahl. In den Niederlanden holten die GroenLinks 8,9%, in Luxemburg gewannen die Partei Déi Gréng 2% dazu und holte 17%, In Finnland 12,4%, in Griechenland 7,1%, in Schweden 10,8%, in Österreich 9,5 und in Deutschland 12,1%. Damit erreichen die die europäischen Grünen 52 Sitze und sind damit eine der wenigen Fraktionen, die Parlamentssitze dazu gewinnt.

Doch woran liegt das, dass die Grünen in der Wirtschaftskrise profitieren und vor allem wie kommt es, dass die Grünen europaweit von der Bevölkerung akzeptiert wird als ökologische Friedenspartei, wo sie doch in ihrer Geschichte, denke man an Hamburg oder die Bundesregierung von 1998 bis 1005, teilweise das Gegenteil gemacht hat als sie versprochen hatten. Auch lehnen die Grünen den Kapitalismus nicht ab sondern sehen ihn als grundlegendes Element in ihrem ökologischen Konzept. Was waren jetzt die Faktoren, die so viele zu den Grünen trieb?

Wahrscheinlich lag es in erster Linie an dem Programm der Grünen, dem Green New Deal. In diesem forderten Sie, ähnlich wie in dem von US-Präsident Roosevelt initiierten New Deal in den 30er Jahren, ein “internationales Programm für massive Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz wie auch in die Bildung“. Dieses grün angehauchte neokeynsianische Programm war relativ gut geschrieben und mit einigen interessanten Forderungen wie eine konsequente Regulierung der Finanzmärkte und der progressiven Besteuerung von Kapitaleinkommen bestückt. Vor allem aber war es ein europäisches Programm, dass anders als bei den Mitkonkurrenten, wirklich auf Europa und nicht allein auf Deutschland ausgelegt war.

Weiterhin kommt hinzu, dass die Grünen ihr traditionelles Wählerklientel an die Wahlurne bringen konnten. Allgemein gingen am 7.Juni gut Gebildete, Besserverdiende und Rentner ins Wahllokal. Die beiden ersten gesellschaftlichen Gruppen sind typische Grünenwähler, die dritte Gruppe wählt vor allem konservative Parteien.

Es wird interessant werden wie viel von dem “Green New Deal” umgesetzt wird. Für Europa wäre es ein weiter Schritt nach vorn und könnte im Idealfall die derzeitige amerikanische Regierung mitziehen. Hoffen wir das Beste!