Mit Bad Banks aus der Krise?

Der Bundestag verabschiedete heute mit Stimmen von SPD und CDU die gesetzliche Regelung für zwei Bad Bank-Modelle. Das eine ist für Privatbanken und das andere für Landesbanken zugeschnitten. Grund für die Schaffung von solchen Bad Banks ist die schleppende Kreditvergabe zwischen den Banken selbst sowie an kleine und mittelständische Betrieben. Mit den beiden Modellen können die Banken ihre “toxischen” Wertpapiere in sogenannte Zweckgesellschaften oder auch Bad Banks auslagern. Dadurch werden können die Bilanzen der Banken bereinigt werden, sie müssen nicht mehr soviel Geld zurückhalten und können wieder Kredite vergeben. Der staatliche Bankenrettungsfond “SoFFin” übernimmt die volle Garantie über die Papiere und übergibt den Banken sogenannte “Schuldverschreibungen”, für die die Bank dann eine Gebühr bezahlt. Dafür gibt es keine Neubewertung der Papiere sondern nur einen Risikoabschlag von 10%. Die Postbank sowie die Commerzbank haben schon angekündigt von dem nun verabschiedeten Gesetz gebrauch zu machen.

Die Frage ist nun, wie hoch ist der Einsatz, den die Bundesregierung und damit auch wir als Steuerzahler für diesen Vertrauensbeweis in das neoliberale System des Finanzmarktes bezahlen? Immerhin wird das Volumen der “toxischen” Wertpapiere auf rund 230 Milliarden Euro geschätzt und letztendlich trägt der Bund dafür dann die Verantwortung. Da es keine NULL-Wert Bewertung für diese Risikopapiere gibt und die Bundesregierung den Stichtag, also den Tag ab dem die Bundesregierung für toxische Papiere haftet,auf den 30.Juni 2008, also noch vor der Leman-Pleite gelegt hat, sind diese Papiere überbewertet. Selbst der Risikoabschlag kann daran nichts mehr ändern. Dieses enorme Risiko ist kaum zu kontrollieren und wird wahrscheinlich zu Mehrkosten für den Steuerzahler beitragen.

Was in meinen Augen aber noch viel schlimmer ist, dass der Bund trotz dieser großen Investitionen weiterhin kein Mitspracherecht hat. Er rettet Banken und nimmt ihnen jetzt auch noch die Risikopapiere ab ist aber trotzdem immer noch nicht am Steuer. Verantwortungsvoller wäre es, statt Geld in Bad Banks zu stecken Banken mit Eigenkapital auszustatten. Denn nur durch staatlichen Einfluss kann gewährleistet werden, dass die Bank überhaupt wieder Kredite vergibt. Was ist, wenn die Banken weiterhin Kredite wie zurzeit nur unter schwierigen Bedingungen vergeben und die Zinsen für Privatleute weiterhin in enormen Höhen sind obwohl der EZB-Leitzins bei 1,0% ist. Was ist, wenn Banken ihre riskanten Geschäfte weiterführen und weiterhin spekulieren? Niemand kann dagegen intervenieren. Denn die viel geforderte Regulierung der Finanzmärkte steht immer noch aus!

Der Subventionsacker

 Der Subventionsacker von Rangsdorf

Nun war es endlich soweit! Die deutsche Bundesregierung musste nach langem Streit mit der EU offenlegen an welchen Agrarkonzern wie viel Geld an EU-Hilfen geht. 6 Wochen nach Ende der offiziellen Frist hat Deutschland die Empfänger der EU-Subventionen veröffentlicht. Unter der Internetadresse www.agrar-fischerei-zahlungen.de kann ab sofort jeder nachschauen wie viel Geld der Bauer von nebenan an Subventionen pro Jahr aus Brüssel bekommt.

Demnach sind Lebensmittelkonzerne die größten Nutznießer der Brüssler Hilfen.  So bekam die Deutsche Südzucker AG Mannheim rund 34,4 Millionen Euro allein im Jahr 2008. Das Unternehmen hat 18 000 Beschäftigte und machte letztes Jahr einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro. Deutlich dahinter liegt das Land Schleswig Holstein, was rund 11 Millionen Euro bekam. Mein Bauer von nebenan, die Agrargenossenschaft Groß Machnow erhielt im Jahr 2008 751.485,72€, also rund eine Millionen Euro.

Dies zeigt ganz deutlich, dass es vor allem Großbetriebe sind, die von den EU-Agrarhilfen profitieren und nicht der kleine Bauer neben an. Es bestätigt die Spekulationen von Entwicklungshilfeexperten, das durch die Agrarsubventionen versucht wird den Preis für Agrarprodukte allgemein so niedrig zu halten, dass er gegen die afrikanische und asiatische Konkurrenz standhalten kann. Das dies jedoch auch auf die Kosten der kleinen Bauernbetriebe geht nicht miteinkalkuliert. Immer mehr Bauern, vor allem traditionelle Familienunternehmen kämpfen ums überleben. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise macht für viele die aktuelle Lage nicht besser.

Ziemlicher Irrsinn sind jedoch die Agrarzahlungen an gut dotierte Daxunternehmen, die eigentlich gar nichts mit Landwirtschaft zutun haben wie Lufthansa und RWE. So erhält beispielsweise RWE 470.000 Euro Direktzahlung aus dem Subventionstopf, weil ehemalige Braunkohlegruben rekultiviert hatten. Und die Lufthansa kassierte 106.000 Euro Exportsubventionen für Zucker und Kaffesahne, die sie bei Linienflügen als Service ihren Fluggästen anbietet. Dad dies jedoch total an den Zielen dieser Subventionen vorbei geht ist dabei wohl jedem klar.

Allgemein sollte man die Eu-Agrarhilfen sehr kritisch sehen. So verteilt die EU jährlich rund 55 Milliarden Euro an Subventionsempfänger. Diese kostenintensive Agrarpolitik hat zur Folge, dass Bauern in den sogenannten 3.Weltländern nicht mit den niedrigen Preisen mithalten können, was zu deutlichen Abhängigkeiten afrikanischer Länder zu europäischen Lebensmittelimporten führt. So ist es nichts ungewöhnliches, dass man auf dem Markt von Adis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien, Tomaten aus den Niederlanden und Kartoffeln aus Deutschland deutlich günstiger bekommt als Kartoffeln und Tomaten aus Äthiopien. Das dies weder gesund für den internationalen Markt und der Zukunft Afrikas sowie für unsere Ökologie braucht man wahrscheinlich nicht erklären.

Die Krise wird weggespart

Wäre es nicht so schlimm für unsere Zukunft, so müsste man eigentlich darüber lachen. An diesem Freitag hat der Bundesrat die sogenannte “Schuldenbremse” gebilligt. Wie in einem anderen Artikel von mir schon erklärt, wird den öffentlichen Haushalten faktisch jegliche Verschuldung per Gesetz verboten. Nicht umsonst haben die Länder, die dem Paket nicht zustimmt haben, schon verfassungsrechtliche Bedenken angemeldet.Sie sehen ihre Kompetenzen beschnitten. Gerade Länder, die in den letzten Jahren große Anstrengungen gemacht haben ihren Haushalt zu konsolidieren fühlen sich unfair behandelt. Sie haben auf wichtige Investitionen in Infrastruktur und Bildung verzichtet nur um ihren Schuldenberg ein wenig kleiner zu bekommen und jetzt werden ihnen diese Investitionen verboten.

Genau da ist der Haken an diesem Gesetz. Anstatt Schulden für Investitionen in Bildung und Infrastruktur zuzulassen wird dieses Wort an sich schon verteufelt. Es ist so als würde man ein Feld ernten wollen, was man vorher nie bestellt hat, weil das Saatgut zu teuer war. Es gehe um die Kreditwürdigkeit Deutschlands und diese Schuldenbremse sein ein Signal an die Wirtschaft so Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Man wolle, so Steinbrück weiter, für nachfolgende Generationen wirtschaften. Nun ja, die nachfolgenden Generationen sitzen dann wohl nicht auf einem großen Berg Schulden sind aber folglich verdummt, weil die Schulen zusammengefallen sind oder der Schulbus es nicht mehr bis zur Schule geschafft hat, weil Straßen nicht mehr existieren.

Hoffen wir, dass diese Schuldenbremse nie wirklich angewandt wird. In der Schweiz existiert auch eine solche Regulierung per Gesetz ist aber faktisch bedeutungslos.

Anstoß zur Diskussion

Ich hatte vor 1-2 Wochen eine lange, und interessante Diskussion mit Christian. Im Prinzip ging es darum ob wir tatsächlich in der Krise sind, ob es tatsächlich sowas wie eine Krise gibt bis zur Frage ob der Begriff Krise überhaupt zutreffend sei. Gut. Das ganze war für mich in dem Moment unheimlich interessant, weil ich gerne diskutierte, hat aber hierfür überhaupt gar keine Bedeutung. Denn, ehrlich gesagt, an die Hälfte erinnere ich mich gar nicht mehr und die andere könnte ich schon garnicht mehr schriftlich wiedergeben.

Gegen Ende gab ich jedenfalls ein Beispiel dafür, dass bei den Politikern eben vieles doch nicht ganz so intelligent und doch durch und durch menschlich abläuft. Jedenfalls möchte ich dieses schöne Beispiel auch hier zur Diskussion freigeben. Das Thema mag zwar schon so ziehmlich verdrängt sein von anderen Problemen, ist aber trotzdem noch interessant: Veräußerung von Staatseigentum.

Nehmen wir mal an wir an der kluge Hans besitzt eine Immobilie. Ein schönes Haus – abbezahlt und sauber – das schon seit ein paar Jahrzehnten der Familie gehört . Also, denkt sich der kluge Hans, wenn ich jetzt weiter die Miete kassiere bekomme ich jeden Monat ein paar läppische Hundert Euro – die kriegt sowieso nur mein Sohn. Warum verkauf ich das Haus nicht einfach und habe sofort ein paar Hunderttausend! Davon kann ich mir ein schickes Auto kaufen und kann die Nachbarn beeindrucken!

Im Prinzip ist es auch so beim staatlichen Besitz abgelaufen: Nur, das Haus ist das “Die Bahn”-Unternehmen, das schicke Auto ist jetzt die Zahl der Schulden die plötzlich entsprechend abgenommen haben müßte und jeder Wirtschaftsprofi würde sich jetzt am liebsten das Bein abbeißen (oder jubeln, kommt auf die Seite an auf der er steht). Vetter Hans ist eigentlich Politiker, nach 4 Jahren plötzlich nicht mehr in seinem Posten, kann aber mit Fug und Recht behaupten: Er häbe die Schulden gedrückt.

Die Frage ist überhaupt garnicht ob man solche Institutionen verkauft, ob sie marode seien oder was auch immer – in dem Moment wo sich andere Menschen dafür interessieren müßte auch dem letzten klar sein, dass ganz gleiche Kosten man jetzt zusätzlich investiert, das alles für die Zukunft lohnt, irgendwann ist Bonus drin! So denken Politiker nur leider nicht. Warum wird Staatseigentum veräußert? Sprich, warum Privatisierung von Bahn, Post und so weiter: Politiker sind in der Regel nicht für immer am Drücker, also für einen bestimmten, oft kurzen, Zeitraum. Woran misst man Politiker? Bis vor der aktuellen Krise medial verstärkt vor allem daran wie stark sie die Zahl der Schulden verringert, oder erhöht haben.

Weitere Vor- und Nachteile: Erstmal fielen in den realen Beispielen dazu noch jede Menge Nebenkosten an für Verwaltung, und so weiter, die meist allesamt der Staat tragen durfte und so den vermeintlichen Gewinn im Übrigen noch auf eine kleinere Summe gedrückt haben als es anfangs schien. Dazu für den Politiker: Er hat sich einen guten Namen gemacht bei seinen Freunden in der Wirtschaft, und kann nach seinen paar Jährchen zufrieden in eine Zukunft blicken – als Berater irgendeiner Firma mit angenehmem Gehalt.

Das Schöne hieran: Das alles ist schon passiert. Und um mal Christians Worte zu benutzen: “Traurig, wenn das alles so passiert ist!”.

mfg Celle

Was wird aus Karstadt

Mhm, da ist ja was los gerade. Gerade wurde OPEL die erste Rate im Wert von 300 Millionen Euro von insgesamt 15 Milliarden Euro in die Hand gedrückt, damit der bisher komplett unverbindliche Vorvertrag mit dem Autozulieferer Magna nicht platzt, da steht schon der nächste Konzern vor der Tür und bittet um Geld aus dem Deutschland-Fond. Der Karstadt Mutterkonzern Arcandor braucht bis zum 12.Juni über 650 Millionen Euro um ablaufende Kredite zu refinanzieren. Da das Unternehmen durch die Finanzkrise komplett vom Kapitalmarkt abgeschnitten ist, gilt jetzt der Staat als letzte Rettung.

In den Medien kursieren Namen von Firmen und Einzelpersonen und sogar der EU-Kommissionspräsident  José Manuel Barroso meldet sich zum Arcandorfall zu Wort. Aber was für Möglichkeiten gibt es denn Arcandor und damit auch Karstadt zu retten? Hier ein kleiner Überblick über die möglichen Optionen im Fall Arcandor:

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Wer hat Angst vor der Deflation

Die Inflationsrate ist im Mai in Berlin und Brandenburg um rund 0,2 Prozent gesunken. Deutschlandweit liegt die Teuerungsrate bei genau 0 Prozent. Damit wird ein Wert erreicht, den es seit 1987 nicht mehr gegeben hat. Vor allem die Preise für Heizöl und Kraftstoff sind im Vergleich zu Vorjahr um mehr als 54 Prozent bzw.. mehr als 15 Prozent gesunken. Aber auch Lebensmittel sind deutlich günstiger geworden. Insbesondere Molkerei- und Eierprodukte sind bis zu 8 Prozent billiger im Preis.

Dieses Phänomen nennen Volkswirte Deflation. Anders als bei der Inflation, wo das Preisniveau kontinuierlich steigt, sinkt das Preisniveau bei einer Deflation über einen längeren Zeitraum signifikant. Doch warum schreibt der Felix darüber? Was soll daran schlimm sein, dass die Preise sinken und die Produkte günstiger zu haben sind? Das ist doch toll. Wie hieß es doch gleich? Geiz ist Geil! Also wo ist jetzt das Problem? Was ist so schlecht an einer Deflation?

Das Problem an der Deflation ist, um es einfach zu beschreiben, dass durch die Berichte über die Krise, durch die Nachrichten über OPEL und Acandor, sich eine allgemeine Kaufzurückhaltung entwickeln und durch die jetzt schon sinkenden Preise weiter verschlimmert werden könnte. Eine Deflation beginnt immer mit einer Erschütterung des Konsumklimas. Nach dem die Konsumenten verunsichert sind halten sie sich mit größeren Investitionen zurück. Das senkt die Nachfrage und damit auch die Preise, was teilweise durch Spekulanten,die auf weiterhin sinkende Preise agiotieren noch verstärkt wird. Durch die sinkende Nachfrage verringern sich auch die Produktionskapazitäten und es kommt zu massiven Entlassungen. Durch diese massiven Entlassungen sinkt die Bereitschaft in der Bevölkerung zu konsumieren noch mehr, was wiederum schlecht für die Produktion ist usw… Ein Teufelskreislauf, aus dem nur schwer wieder raus zukommen ist. Und auch wenn die GfK in ihrem Konsumklimaindex einen stabilen Wert von 2,5 Punkten und damit einen relativ positiven Wert für Juni 2009 prognostiziert, ist die Gefahr einer Deflation noch lange nicht gebannt. Die Krise scheint bei den Menschen noch lange nicht angekommen zu sein. Es ist jedoch erschreckend, dass wir jetzt schon eine relativ niedrige Teuerungsrate haben. Ich gehe davon aus, dass wir ohne weitere Interventionen von Seiten des Staates in die Nachfrage in rund 4 bis 5 Monaten eine Deflation von 0,5% bis 1% haben.

Was dagegen helfen würde wäre ein massives Investitionsprogramm in die Nachfrage. Also ein antizyklisches Programm nach der Lehre von John M. Keynes. Doch dies wird weiterhin von den Neoliberalen in der Schwarz-Roten Bundesregierung verhindert, die immer noch auf die Selbstheilungskräfte des Marktes vertrauen. Ein Rettungsschirm für die Menschen wäre jetzt wichtig…