Bleib passiv?

K1024_IMG_7193 Heute war der erste Tag der Linken Medienakademie, die auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin stattfand. Nach einem rund 7 stündigen Workshop zu Adobe InDesign, wo ich wohl so alle Grundlagen des Layoutprogrammes kennengelernt habe, bin ich zu der Diskussion “Meine Strasse! Mein Blog!” gegangen, die unter der Fragestellung “Wie lassen sich Online-Aktivismus und Straßenprotest miteinander verknüpfen?” organisiert wurde. Teilnehmer waren unter anderen der ehemalige Pressesprecher von Greenpeace  Jan Haase sowie Klaus Lippsteiger, der Vertreter von Attac Berlin und des Berliner Wassertisch war. Moderiert wurde die Diskussion von dem Bleib-passiv.de- Redaktionsteam.

Jan Hasse sprach über die Verknüpfung von Online- und Offlineaktivismus am Beispiele der Greenwaschingaktion von Vattenfall. Nach dieser Aktion hat Greenpeace die Onlineplattform Greenaction.de online gestellt um Lösungen für komplexe Probleme, wie der Klimawandel, gemeinsam zu finden und eine medienunabhängige Gegenöffentlichkeit dadurch aufzubauen. Ziel der Plattform soll eine Vernetzung von Aktivisten und dadurch eine gleichzeitige Aktivierung anderer Menschen zu schaffen.  Auf dieser Plattform ist keine Werbung erlaubt und auch die Aktivitäten von Parteien und Unternehmen verboten. Die erste große Aktion von Greenaction war eine Twitterwall vor dem Brandenburger Tor´, als zur gleichen Zeit der Weltklimagipfel der UN in Kopenhagen stattfand. Klaus Lippsteiger sprach über die Kampagne von attac gegen Privatisierung und das Konzept der PPP.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde klar, dass Onlineprotest den direkten Offlineprotest nicht ersetzten kann. Es ist sehr dienlich als Instrument des politischen Protests. Als Beispiele wurde die Blockierung der Neonazidemonstration in Dresden und die von attac aufgelegte “ZEIT mit guten Nachrichten” genannt. Es wurde damals massiv durch das Internet nach Dresden mobilisiert, jedoch wären die Neonazis niemals durch eine Onlinepetition blockiert worden. Jedoch gab Jan Hasse zu bedenken, dass die konzentrierte Aktionen vor allem in Berlin stattfinden und das man als Großstädter auch bedenken soll, dass es nicht überall Großdemonstrationen gibt und das man mit dem Internet neue Protestwege gehen kann. Gerade durch Twitterwalls und Blogs kann Protest "vom Sofa ausgehen”. Internet. Das Problem des Internets sei jedoch, so ein Publikumsteilnehmer sei, das es eine massive Quantität bietet, worunter auch die Qualität der Informationen leidet.

Zum Ende der Diskussion kam die Frage auf, in wie fern wirklicher Protest aussieht und ob nicht der Onlineprotest nur eine “postmoderne spätrömische Dekadenz” ist von Leuten, die sich in “diesem System eingerichtet” hat. Als Gegenargument wurde die Aktion gegen die Lufthansa vorgetragen. Letztendlich kam man auf das Ergebnis, dass das Internet als neue Arena innerhalb der Zivilgesellschaft aufgefasst werden kann indem organische Intellektuellen um Hegemonie ringen. Damit würde die Möglichkeit eröffnet Medienkonzentration zu brechen und selbst die Themen und Inhalte zu bestimmen.


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