Die nackte ELENA im Jahr 1984

Wie fühlt es sich eigentlich an, komplett gläsern zu sein, komplett überwacht und kontrolliert? Was für ein Gefühl muss es sein, wenn man über den Alexanderplatz läuft und man genau weiß, dass dich jetzt jemand beobachtet und dein ganzes Leben abrufen kann. Derjenige weiß, wie viel Stunden du die letzten Jahre wo gearbeitet hast, welcher Religion du angehörst, wann du wie gestreikt hast, warum du wann aus welchem Grund gekündigt wurdest, welche Internetseite du dir angesehen hast usw…

Was sich anhört wie ein unglaubliches Szenario aus dem bekannten Buch “1984” vom britischen Autor George Orwell könnte in naher Zukunft Wirklichkeit werden. Durch die Schaffung der Datenbank ELENA (für Elektronischer Entgeldnachweis), die am 1.Januar ihren Betrieb aufgenommen hat, wurde eine Grundlage ins Leben gerufen, die einen Überwachungsstaat möglich macht. Seit dem 1.1.2010 müssen die Arbeitgeber die Beschäftigungsdauer sowie ihr jeweiliges Einkommen an diese Datenbank schicken. Neben diesen werden auch noch sensiblere Daten wie Entlassungsgrund, Streiktage, Abmahnungen und Kündigungen. Insgesamt 41 Seiten ist der Abfragekatalog dick und macht aus einem ehemaligen guten Projekt ein Datenmonster, in der das gesamte Berufsleben von 40 Millionen Beschäftigten gespeichert ist.

Zwar soll dieser Fragebogen nach Angaben der Arbeitsministerin Ursula von der Leyen nochmal überarbeitet werden, aber er zeigt mit welche Intention diese Datenbank angelegt wurde. Die Intention ist eben kein “Elektronischer Entgeldnachweis” sondern eine umfangreiche Vorratsdatenspeicherung. Und diese kann man mit Laufe der Zeit, ganz langsam, so dass es der gemeine Bürger es gar nicht mitbekommt, immer weiter ausbauen und mit anderen Datenbanken verknüpfen und so Daten zentralisieren. So entstehen Profile von jedem einzelnen Bürger und jeder einzelnen Bürgerin, die nicht nur für werbezwecke benutzt werden können.

Gleichzeitig will die Deutsche Bundesregierung als Reaktion auf den vereitelten Terroranschlag von Detroit flächendeckend Nacktscanner auf deutschen Flughäfen aufstellen, damit Flüge von Deutschland aus deutlich “sicherer” werden sollen. Die gleichen Nacktscanner, die 2008 noch als “Angriff auf die  persönlichen Würde” (Eva Lichtenberger) gewertet wurden, sollen jetzt wieder eingeführt werden. Anstatt für mehr Personal und vor allem für eine bessere Bezahlung setzt sich die Bundesregierung für entwürdigende Geräte ein. Warum erlässt die Bundesregierung nicht gleich ein Gesetz, dass vorschreibt, dass alle Passagiere nur Nackt mit dem Flugzeug fliegen dürfen. Das wäre wahrscheinlich die sicherste und kostengünstigere Variante.

“Ich habe nichts zu verbergen” wird sich jetzt der ein oder andere sagen und verständnislos den Kopf schütteln. Dem sei jedoch gesagt, dass man sehr schnell in die Lage kommt etwas zu haben oder zu wissen, was eigentlich niemand erfahren sollte. Außerdem lassen sich solche Datenbanken manipulieren oder missbrauchen. Wer nichts zu verbergen hat, der hat auch nichts zu verlieren!

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3 thoughts on “Die nackte ELENA im Jahr 1984

  1. Die große Schwester
    Das ELENA-Konzept geht auf einen Vorschlag der Hartz-Kommission Daher verwundert es nicht, das selbst die Arbeinehmervertreter (Gewerkschaften) bisher so zögerlich reagierten.

    Gegen das Datenmonster ELENA gibt es jetzt eine Online-Petition, von Peter Casper. Die E-Petition kann über die Seiten des Deutschen Bundestages erreicht werden. Ende der Mitzeichnungsfrist 02.03.2010

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=8926

    Bitte mitzeichnen und weitersagen!

  2. Das ELENA-Konzept geht auf einen Vorschlag der so genannten Hartz-Kommission (JobCard) und auf Forderungen von Arbeitgeberverbänden zurück! Das Thema wurde von Datenschützern, Medien und selbst von den Arbeitnehmervertretern (Gewerkschaften) leider völlig verschlafen. Der elektronische Entgeltnachweis (ELENA) ist ein tiefer Einschnitt in die informationelle Selbstbestimmung.

    Gegen die Datenkrake ELENA gibt es eine Online-Petition, sie kann über die Seiten des Deutschen Bundestages erreicht werden. (Ende der Mitzeichnungsfrist 02.03.2010)

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=8926

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