Gefängnis und Zivildienst

Eigentlich wollte ich schon viel früher einen Artikel darüber schreiben, aber ich dachte dann, dass es vielleicht besser wäre sich als ehemaliger Zivildienstleistender erst später in die Debatte einzumischen. Die öffentliche Diskussion fing nach der Unterschrift des Koalitionsvertrags zwischen CDU/CSU und FDP an. Kaum war die Tinte unter diesem neoliberalen Bollwerk trocken, da fingen auch schon die ersten Medien an zu krähen und sich über den Wehrdienstkompromiss aufzuregen. Dort, im Koalitionsvertrag, steht nämlich geschrieben, dass sich FDP und CSU/CDU darauf verständigt haben, die Zeit des Wehrdienstes und damit auch des Zivildienstes um 3 Monate auf 6 Monate zu kürzen. Sofort meldeten sich verzweifelte Mitglieder von Krankhäusern, Behinderteneinrichtungen und anderer “nichtkommerzieller” Wohltätigkeitsorganisationen aus dem “sozialen Bereich” und schimpften darüber, dass man in 6 Monaten keinen richtigen Zivildienst ableisten kann, dass die richtige Arbeitszeit viel zu kurz und die Anlernzeit viel zu lang ist und das eigentlich das ganze Pflegesystem und Gesundheitssystem zusammenbrechen wird.

Und eigentlich haben diese Menschen Recht. Die Zeit wäre wirklich viel zu kurz, als dass man noch wirklich einen Bezug zu den Menschen, die man pflegt, bekommen kann. Eigentlich ist das in 6 Monaten nicht zu schaffen! Es war schon in 9 Monaten relativ schwierig. Und wahrscheinlich haben diese Menschen auch Recht damit, dass das ganze Gesundheitssystem und Pflegesystem zusammenbrechen würde, denn es sind vor allem die Zivildienstleistenden, die in vielen Bereichen die Scharniere zwischen den verschiedenen Arbeiten sind. Sind sind oftmals, bzw. in der Regel, eine vollständige Arbeitskraft, die zu Hungerlöhnen 8 Stunden am Tag arbeiten und vor allem bedingungslos gehorchen muss, da ansonsten bis zu 3 Jahren Gefängnis drohen.

Und hier zeigt sich die Krux am ganzen System Zivildienst. In der Theorie sollten Zivildienstleistende nur eine “ergänzende Tätigkeit” haben. In der Praxis übernehmen Zivis jedoch eine volle Stelle und sind damit deutlich günstige Arbeitskräfte, die für nicht mal 2€ die Stunde vom demokratischen Staat BRD zur Arbeit gezwungen werden. Die Forderungen der FDP sind richtig und wichtig, doch gehen sie, wie so oft bei der FDP, einfach nicht weit genug. Der Wehr-und Zivildienst gehört abgeschafft! Da den Wehrdienst eh keiner mehr braucht, kann man das Geld einsparen und damit Pflegepersonal einstellen. Diese können nicht nur besser und professioneller mit den zu pflegenden Menschen umgehen, sondern man kann mit ihnen auch noch besser planen als mit Zivis, braucht sie nur einmal einzuarbeiten und vor allem tut man etwas gegen die Arbeitslosigkeit und klaut jungen männlichen Menschen nicht ein Jahr ihres Lebens. Desweiteren entfällt die Entwürdigung bei der Musterung.

Der Wehrdienst gehört endlich abgeschafft!


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2 Kommentare zu „Gefängnis und Zivildienst“


  1. Sebastian sagt:

    100% agree
    Hab über die Festtage einen Brief vom Bund bekommen und soll zur Musterung. Fällt denen auch früh ein, jetzt wo ich 21 und im Studium bin…

    AntwortenAntworten

  2. Thomas G. sagt:

    Mache im moment genau die selben Erfahrungen in meiner Stelle.
    Anfangs wurde mir gesagt ich habe lediglich eine unterstützende
    Funktion und solle die Rechte Hand der Pfleger sein.

    Ende vom Lied is, das ich nun eine 4 wöchige Einweisung bekomme,
    in der ich alle wichtigen Abläufe, etc. erlenen soll um am Ende
    den gleichen Status wie ein Hilfspfleger zu haben. Daraus resultierend werde ich dann anstelle eines anderen Mitarbeiters eingesetzt, bin somit also als “vollwertige” Arbeitskraft zu sehen.

    Der Zivildienstregionalbetreuer ist erst gar nicht zum Einführungsgespräch erschienen, da er es nicht für wichtig hielt. Somit wurde ich alleine vom Chef belehrt und mein Fragenkatalog hat sich um weitere 100 Fragen erweitert…

    Eine Änderung oder Abschaffung wäre wirklich wünschenswert.

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