Die sogenannten “Wirtschaftsweisen” der Bundesregierung fordern eine 30% Absenkung des Hartz IV-Satzes. Auf einer Pressekonferenz sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Wolfgang Franz: "Wer Arbeitslosengeld II bezieht, gering qualifiziert ist und Kinder hat, steht einschließlich der Zuschläge häufig finanziell besser da als der Nachbar mit schlecht bezahlter Vollzeitstelle". Deshalb sollen Zuverdienstmöglichkeiten verbessert und Leistungen, die die Schule und Kinder betreffen auf eine “Gutscheinsystem umgestellt” werden. Gleichzeitig setzte gestern der Managementberater Reinhard K. Sprenger in der ARD-Talkrunde bei Anne Will den Missbrauch von Hartz IV mit gezielter Steuerhinterziehung gleich und nannte beides Asozial, wobei er Steuerhinterziehung noch verstehen könnte, weil dies ja Leistungsträger betreffe, die bei der Steuer ruhig mal “fünf gerade sein lassen können”.
Die ganze Diskussion um Hartz IV-Empfänger, die so grausam diesen Sozialstaat ausnehmen und nicht arbeiten wollen, zeigt eigentlich nur eins: Die hegemoniale Klasse bereitet uns darauf vor, dass sie bei den Sozialleistungen bald Einschnitte vornehmen wird. Die organischen Intellektuellen der hegemonialen Klassen, sei es Wolfgang Franz, Reinhard Sprenger oder die Journalisten der BILD-Zeitung, versuchen eine Stimmung in der Gesellschaft zu schaffen, die im Konsens mit der antisozialen Politik von Schwarz-Gelb übereinstimmt. Es soll ein Konsens in der Gesellschaft für Sozialkürzungen geschaffen werden. Dies geht am Besten, wenn man überall immer wieder die gleichen Sätze runter betet. “Hartz IV-Empfänger sind asozial, weil sie nicht arbeiten wollen. Sie nehmen und das Geld weg usw. usf.”.
Warum fordert denn der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz eine 30% Absenkung des Regelsatzes? Warum fordert er nicht einfach einen Mindestlohn, um den Niedriglohnsektor zu bekämpfen und jedem arbeitenden Menschen einen menschenwürdigen Lohn zu garantieren? Warum setzt Reinhard K. Sprenger “Hartz-IV-Betrüger” mit Steuerflüchtlingen gleich? Er will nämlich verschleiern, dass es für viele Menschen mit Hartz IV gar keinen anderen Ausweg gibt um irgendwie über die Runden zu kommen. Weil eine alleinerziehende Mutter, das Gesparte für ihre Altersvorsorge oder die Schulausbildung ihrer Kinder behalten will. Beides ist juristisches Unrecht! Ok! Aber im moralischen Unrecht sind nur die Steuersünder, die nämlich dieses Sozialsystem unterhöhlen, indem sie mit ihren Vermögen ins Ausland und den Fiskus hintergehen. Warum schreibt die Bild Zeitung von einer “Versuchung, komplett von Hartz IV zu leben und ganz aufs Arbeiten zu verzichten”. Warum schreiben sie nicht darüber, dass so viele Menschen gerne Arbeiten würden um auf eigenen Beinen zu stehen. Warum schreiben sie nix über die menschenunwürdige Behandlung in den Jobcentern und die Repressionen, die vom Staat ausgehen, wenn man seine Würde behalten möchte? Weil Stimmung machen wollen, wie damals 1968, nur das es diesmal nicht die Studenten oder die “langhaarigen Affen” sind, sondern die Ärmsten der Armen in unserer Gesellschaft!
Es wird spannend, wie die Politik der Schwarz-Gelben Regierung nach den Landtagswahlen in NRW aussehen wird. Die organischen Intellektuellen der neoliberalen Denkschule haben sich schon aufgestellt um harte Einschnitte ins Sozialsystem zu rechtfertigen.