Das konnte ich in letzter Zeit öfter beobachten. Die Menschen reden mittlerweile gar nicht mehr so viel über die Krise. Am Rande war noch ein bisschen Opel und ein bisschen Magna aber den Grossteil machte wieder irgendwelcher Kommerzmist aus.
Ich weiß nicht, ob es euch auch so vorkam aber mir erscheint das sehr bedenklich. Wenn die Menschen jetzt schon keine Lust mehr haben sich über die Krise zu unterhalten, was hat uns die Krise dann gebracht?
Aber vielleicht ist es ja gar nicht so verwunderlich das das passiert. Die Macht der Medien zeigt wieder einmal, dass man die Menschen leichter mit dem Finale von Germany´s Next Topmodel vor den Fernseher kriegt als mit einer Sendung über die Dialektik der Finanzkrise.
Zugegeben ist das Konstrukt Krise nicht leicht zu durchschauen, vor allem wenn jeder sog. Finanzexperte einen anderen Umstand zur Ursache erklärt.
Auch sind die Herren und Damen in den teuren Anzügen mit dem Talent für katastrophales Missmanagement aus dem Fokus der öffentlichkeit verschwunden. Stattdessen demonstrieren die Mitarbeiter von Opel und Arcandor für staatliche Hilfen und wollen auch was vom Kuchen; zum erlauchten Kreise derer gehören, die der Staat für würdig erklärt. Ich denke es dauert nicht lange bis neue Firmen auftauchen, die die Krise angeblich in den Ruin getrieben hat.
Wie kam es aber zu den oben beschriebenen Situationen? Anscheinend widmet man sich wieder den Dingen die einem keine schlechte Laune bereiten oder man versucht seine Schäfchen ins trockene zu bringen. Jetzt geht’s darum noch so schnell wie möglich Staatshilfen zu fordern. Jetzt werden wieder die Ellbogen gehoben und sich die Sympathien von Merkel und zu Guttenberg erkämpft.
Mir scheint die Krise schweißt die Menschen nicht zusammen sondern steigert den Egoismus. Die Menschen gehen jetzt mit noch größeren Scheuklappen durch die Welt und versuchen erstmal ihre eigenen Probleme zu lösen – und das ist die wahre Krise! Das kapitalistische System hat versagt, es liegt am Boden, Hirntod. Die Wirtschaft und Politik gaukelt uns noch den Herzschlag vor, den sie mit Monopoly Geld bezahlen. Es gibt keine Finanzkrise mehr, die Krise ist den Köpfen.
Es gibt keine Legitimation für die Regierungen und Wirtschaftsunternehmen mehr. Sie sind pleite und auf ihrem Weg ins Nichts wollen sie uns alle Mitreißen!
Aber solange die Menschen das nicht begreifen wird sich nichts ändern…
Euer Madde
Mhmh, also ich hab auch schon darüber sinniert, was hier eigentlich los ist in Deutschland? Woher kommt plötzlich die Gelassenheit im Angesicht der Krise? Es liegt in meinen Augen nicht an den Medien, die habens nämlich versucht mit Panikmache. Mit fast schon penetranten Untergangsphantasien wollten sie ständig große Schlagzeilen machen, aber hier in Deutschland hat das nicht ganz so gut geklappt.
Das könnte daran liegen, dass Deutschland tatsächlich weit weniger von der Weltwirtschaftskrise getroffen wurde, als beispielsweise Großbritannien oder die USA, aber darüber lässt sich denke ich ganz toll streiten.
Fakt ist, dass die Deutschen den ersten Schritt aus der Krise gemacht haben, indem sie erst mal ruhig geblieben sind. Völlige Panik bringt nichts, ein “Die-Krise-schafft-uns-nicht-wir-schaffen-die Krise” in den Köpfen hilft doch in so einer Situation schon mal weiter.
Denn der Kapitalismus ist mitnichten am Ende, dazu ist er zu flexibel und irgendwie wäre er ja dann schon bei der letzten Weltwirtschaftskrise am Ende gewesen. Der Kapitalismus wurde leider schon so oft totgesagt und passiert ist letztlich nichts, bzw. am Ende eines Zyklus stand eine neue Form des Kapitalismus.
Und die wird letztlich auch am Ende dieser Krise stehen, man darf ja die reinigende Wirkung einer solchen Krise nicht übersehen. Die Unternehmen die jetzt am Ende sind, haben schon vorher nicht solide gewirtschaftet. Die Karten werden jetzt neu Gemischt und es werden neue Global Player entstehen, die werden aber wahrscheinlich nach neuen Spielregeln spielen müssen.
Mhm also in einigen Punkten gebe ich dir recht in anderen weniger. Also erstmal hast du vollkommen Recht, dass der Kapitalismus noch lange nicht am Abgrund steht. Er schwächelt. Aber ich denke, dass jetzt, im Rücklblick auf die letzten Jahre, der beste Zeitpunkt ist ihn zu überwinden. Aber gut dazu braucht es Massen und die fehlen noch.
Wo ich dir aber gar nicht Recht gebe ist der Punkt, dass Deutschland weit weniger getroffen wurde als andere Staaten. Da kann ich aus folgenden 2 Punkten nicht mitgehen. Der 1. ist, dass die Weltwirtschaft, anders als die Politik schon lange global ist (Global Player und so) und deshalb meiner Meinung nach alle Staaten ziemlich einen vor dem Buck bekommen haben. Dass wir das jetzt noch nicht so merken (was aber auch schon langsam anfäng z.B. OPEL, Accandor, viele Mittelständische Unternehmen usw.) liegt meiner Meinung nach an der Kurzarbeit und vor allem an der Abfrackprämie. Diese beiden Instrumente haben aber einen Haken: Sie verzögern den richtigen Ausbruch der Finanzkrise sie lösen sie aber nicht. Meiner Meinnung nach, wird die wahre Talsohle erst nächstes Jahr passiert und dann sehe ich große Probleme, vor allem was Deflation und soziale Sicherungen angeht.
Schön wäre es aber natürlich. wenn wir jetzt schon am Ende der Krise stehen würden. Das mit der reinigenden Wirkung finde ich ein wenig makaber, weil doch ganz viele Arbeiter_Innen ihren Job und damit auch ihre Existenz verlieren. Und das ist gefährlich. Auch was den Ruck nach Rechts angeht!
Ich rede mal von mir bzw. meinem Medienkonsum… und abhängig von Krise und allem.
Wenn ich in den Nachrichten eine Meldung sehe/höre interessiert sie mich. Wenn ich tags drauf quasi die selbe Meldung noch einmal mitbekomme fange ich schon an abzuschalten. Je öfter über etwas berichtet wird umso, nunja, langweiliger wird es. Man kann sich natürlich auch weiterhin für ein Thema interessieren, jedoch muss dafür ja selber denken und Zeit investieren. Macht man natürlich ungern. Ich denke da geht es einfach vielen so.
Dieses Verhalten ist nicht der Hit und darf auch nicht verteidigt werden, aber es so schön einfach.
Ahhh, ich will ne Editierfunktion!!!111
Mh, nur um meine Denkweise nachzuvollziehen Felix. Ich denke, dass die derzeit in der Presse vertretenen Firmen genau deshalb pleite sind, weil sie nicht gut gewirtschaftet haben. Die Krise hat hier also in meinen Augen eher eine reinigenden Wirkung.
Arcandor (was für ein bescheuerter Name) hat mit seinen Wahrenhäusern schon lange Probleme und immer auf pump gewirtschaftet.
Das Dilemma ist, wie immer, wenn es um Subventionen geht, lassen wir die Betriebe lieber fallen und setzten damit Tausende von Arbeitnehmern auf die Straße, die uns dann allerdings auch im Konsumbereich fehlen oder Subventionieren wir Schlüsselindustrien, damit nicht noch mehr Betriebe pleite machen. Das hattest du ja an anderer Stelle auch schon so geschrieben.
Unternehmen, die bisher solide Gewirtschaftet haben, dürften gestärkt aus der Krise hervortreten, da der Markt so langsam bereinigt sein sollte. Wann wir die Talsohle erreicht haben, steht aber, wie du schon sagtest, in den Sternen. Ich glaube auch nicht, dass wir schon durch sind. Als Exportnation sind wir ja stark abhängig, was die anderen Staaten so tun.
Was Arcandor angeht, magst du wohl Recht haben! Und das wir vom Export abhänig sind, habe ich letztens erst mitbekommen. Als wir in Hamburg uns den Hafen angeguckt haben stand da nix mehr. Alles leer! Und heute die Zahlen 28,7% Einbruch des Exports. Lass mich daran zweifeln, dass es überhaupt eine Talsohle gibt.