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Irgendwie musste es ja so kommen. Dresden verliert seinen Status als Weltkulturerbe und Deutschlands Image als selbsternannte Kulturnation ist dahin. Und das alles nur, weil die Stadt den Bau der sogenannten “Elbtalbrücke” weiter vorantrieb. Das diese Brücke den einzigartigen Blick auf die barocke Altstadt mit der Frauenkirche, der Semperoper und der Uferpromenade verschandelt hatte die UNESCO schon im Jahr 2006 hingewiesen. Damals landete Dresden nämlich schon auf der Roten Liste. Letztes Jahr wurde der Status “Weltkulturerbe” nur unter Vorbehalt verlängert. Selbst die Intervention deutscher Intellektueller wie Günter Grass oder Martin Walser an die Kanzlerin Angela Merkel haben nichts gebracht. Tja, nun ist er weg der Titel und Dresden ist ab sofort kein Weltkulturerbe mehr. Damit ist Dresden die zweite Region, nach einem Naturschutzgebiet im Oman, den die UNESCO den Titel aberkannte.
Doch wer trägt nun die Schuld an dem ganze Theater, der Deutschlands Ruf als Kulturnation deutlich beschädigt hat. Zum einen sind dort die Regierungsparteien im Bund SPD und CDU. Sie schauten tadellos zu, wie die Regierungspartei im Dresdner Stadtparlament CDU, jede Warnung der UNESCO ignorierte. Man wollte darauf hoffen, dass der UNESCO-Rat erst nach dem Bau der Brücke über den Status entscheidet. Anstatt in Dresden zu intervenieren hat Angela Merkel und Franz Müntefering rein gar nichts unternommen um ihren Parteifreunden vom Bau der Brücke abzuraten. Desweiteren trägt natürlich auch die Bürgermeisterin von Dresden, Helma Orosz (CDU) den Großtel der Schuld. Sie hat alles ignoriert und den Status der Stadt leichtsinnig aufs Spiel gestellt.
Was nun? Das der Titel weg ist, ist eine Blamage für Dresden, für Sachsen und für Deutschland. Doch anstatt etwas daraus gelernt zu haben machen die Parteien weiter und sehen in der Kultur nur einen bürokratischen Aufwand. Der Antrag der Grünen, dass die UNESCO-Welterbekonvention ins nationales Recht geschrieben hätte, so dass die Verpflichtung der Bundesrepublik künftig festgeschrieben wäre wurde von den Regierungsparteien im Bundestag abgelehnt. Naja dann gute Nacht Kulturnation Deutschland.
Ich wohne jetzt seit einem guten Jahr in Dresden und kann mich nicht so eindeutig zu der Brücke positionieren.
Inhaltlich:
Die Grundannahmen, die von den unterschiedlichen Seiten in die Diskussion getragen werden sind sehr unterschiedlich. Das Dresden eine weitere Elbquerung benötigt, da stimme ich (als Nicht-Autofahrer) zu. Kaum jemand, der die Situation kennt, ist da anderer Meinung. Wobei man im Internet ja auch viele Spinnerein findet.
Das der Tunnel (politisch) gescheitert ist, ist zu bedauern. Aber vielleicht haben die Brückenbefürworter auch damit Recht, dass er kaum umzusetzen gewesen wäre. Der Aufwand wäre ohne Zweifel gigantisch und er würde auch viele negative Auswirkungen haben. Vielleicht wäre ein Tunnel dennoch die bessere Lösung gewesen, nur wer soll das bei dem Wald an Argumenten noch entscheiden können.
Wichtiger ist mir jedoch folgendes:
1. Es geht nicht um den Titel. Dass er weg ist, ist zwar ärgerlich, aber es geht um die Sache, um den deutschlandweit einzigartigen Stadt-Landschaftsraum Elbauen und darum lohnt es sich zu klagen. Der UNESCO geht es im Wesentlichen um den Blick auf die Altstadt, den die Brücke verbaut, und das ist doch Quatsch. Zumal: Von der Brücke aus, wird der Blick noch viel toller sein, so wie man im Moment den besten Blick auf die Altstadt hat, wenn man mit dem Zug über die Eisenbahnbrücke fährt.
2. Es gibt einen gültigen Bürgerentscheid. Soll man den missachten, um einen Titel zu erhalten?
Ich sag es mal frei nach dem Autor: “Naja dann gute Nacht deutsche Demokratie.”
Ich bin zwar nicht einverstanden, wie solche Entscheidungen durch Bürgerentscheide gefällt werden (zuviel Macht im lokalen Medien-Parteien-Geflecht), aber es wäre eine Katastrophe gewesen, diese Entscheidung nicht zu respektieren.
Sehe das ähnlich wie der Vorschreiber (auch wenn ich kein Dresdner und damit quasi aus der Bewertung und Entscheidung raus bin): Wenn die Brücke vom “Volk” gewollt ist & auch noch gebraucht wurde = richtige Entscheidung!
So ein Titel? Naja, am Ende vermutlich doch nur Schall und Rauch.
Im übrigen find ich eigentlich (rein vom obigen Bild und ein paar schnell gegoogelten her
), dass die Brücke das Bild nichtmal wirklich verschandelt. Gliedert sich doch eigentlich recht hübsch ins Stadtbild.
Der Eifelturm war doch auch mal Hassobjekt Nr.1 aller Pariser – und heute? Wahrzeichen!