Das war die Cebit 2010

Also bevor ich hier anfange zu schreiben, möchte ich mich erst einmal beim WordPress-Deutschland Team bedanken, die mir dieses Jahr eine Freikarte für die CeBit haben zukommen lassen. Also vielen Dank.

04032010307 Dies war nun schon mein 13. Besuch auf der CeBit und ich bin dieses Jahr doch wieder einigermaßen zufrieden. Das die Branche ihre besten Zeiten in den späten 90ern und um das Milieniumsjahr 2000 herum hatte ist unbestritten, was man auch an den damaligen Messeauftritten der einzelnen Unternehmen gesehen hat. Das Jahr 2000 ist nun schon 10 Jahre vorbei und die Messe an sich ist deutlich kleiner geworden aber dadurch auch fachlicher und in weiten Teilen auch kompetenter. Empfand ich die CeBit in den letzten 3 Jahren als doch sehr nervig, zu showlastig und wenig kompetent, war sie dieses Jahr doch etwas nüchterner aufgebaut. Kaum Show (von der ESL in Halle 22 abgesehen) und dafür neue junge Projekte, viele Ausblicke in die Zukunft, gute Diskussionen und ein Open Source Park, der mir sehr gut gefallen hat, was jedoch wahrscheinlich an dem Thema lag.

Das Thema dieser CeBit lautete “Push your Buisness” hätte jedoch auch super “Digitize your Life” heißen können. So stand vor allem der neue elektronische Personalausweis, der ab November 2010 den normalen  Personalausweis ersetzten wird im Vordergrund. Der neue Personalausweis wird dann im Scheckkartenformat, inklusive einem integrierten RFID-Chip ausgegeben ,wo neben dem Fingerabdruck und dem Passbild auch der Name und die Adresse gespeichert sind und wo, falls gewünscht, auch ein zusätzliches Zertifikat Platz haben kann. Dies soll dann dazu führen, dass Internetbanking sicherer und schneller abla04032010310ufen kann, da man ja mit seinem digitalen Ausweis eine digitale Identität erhält. Ich finde diese neue “eID” doch bedenklich, da die diese Daten relativ einfach, durch ein mobiles Abfragegerät, abgerufen werden können. Da in der digitalen Welt nichts “unknackbar” ist, sehe ich es nur als eine Frage der Zeit, bis die neuen eIDs geknackt worden sind. Noch bedenklicher jedoch empfinde ich, dass diese vertrauenswürdigen Zertifikate nicht vom Staat herausgegeben und verwalten wird, sondern von privaten “Trust”-Firmen. Gerade im Hinblick auf die Datenpannen der letzten Jahre in etlichen privaten Firmen empfinde ich diese Vorgehensweise  als unsicher.

Desweiteren wurde auf den Dienst DE-Mail aufmerksam gemacht, dass in naher Zukunft den normalen Brief ersetzten soll. Er wird zertifiziert und durch eine 128 Bit Verschlüsselung geschützt und kann damit irgendwann einmal auch von Behörden genutzt werden. Es wäre sogar möglich, so ein Sprecher von DE-Mail, das irgendwann einmal auch Wahlbenachrichtigungen über den Dienst versendet und Wahlen über das Internet möglich währen. Dazu müsste es jedoch einen politischen Konsens geben, den es bisher (Gott sei Dank) dafür nicht gibt.

Ein anderes Thema war unter dem Wort “webciety” ganz gut zusammengefasst, was jedoch mehr oder weniger auch unter dem Slogan “Digitize your Life” hätte laufen können. Es ging vor allem um das Web 2.0, seinen Möglichkeiten und seinen Gefahren. Gerade die Social Communitys und deren Verknüpfung mit anderen Web 2.0-Anwendungen wie bspw. Twitter wurden als Innovationen gefeiert und deren vermehrte Nutzung durch mobile 04032010311 Geräte als Ziel für die Zukunft benannt. So prophezeite der Geschäftsführer von Myspace Deutschland, dass Social Communitys irgendwann einmal wie “Luft” seien würden, da man sein Profil d.h. seine Identität immer bei sich tragen wird. Dieses lasse sich dann wieder mit anderen “Apps” und Funktionen verbinden, was meiner Meinung nach zu einer vollständigen Digitalisierung der menschlichen Kontaktpflege führt, da man jederzeit an jedem Ort Zugriff auf ein Netzwerk von Freunden, Bekannten oder ähnliches haben kann. Im Umkehrschluss haben diese Menschen dann jedoch auch Zugriff auf dich.

Allem in Allem kann man konstatieren, dass wir uns auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung aller Lebensbereiche befinden. Neben Cloud-Computering, NAS-Homeservern und VoIP-Telefonanlagen scheint irgendwie der Mensch verloren gegangen zu sein. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe nach diesem Messebesuch das Gefühl, das wir mehr und mehr die Kontrolle über unsere eigenen Daten und damit auch über unsere eigene Identität verlieren. Die Möglichkeiten der Technik finde ich faszinierend aber in gewisser Weise auch erschreckend.

PS: Irgendwie vermisse ich die Möglichkeit Fußnoten zu setzten :-)


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3 Kommentare zu „Das war die Cebit 2010“


  1. Lille sagt:

    ganz schön viel kritik an der digitalen welt, für einen der sein leben vollständig auf twitter, studi, facebook und einem block verbreitet ;)

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  2. admin sagt:

    @Lille: Du hast ja Recht Lille! Aber zu meiner Verteidigung hat die CHIP in der aktuellen Ausgabe geschrieben, dass dies alles nur “Imagepflege” ist :-) Müsste man eigentlich auch mal was schreiben zu…

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