Gestern habe mehr als 12 Millionen Menschen den neuen Tatort mit Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller gesehen und damit der ARD eine Rekordquote beschert. Auch ich war einer der 12 Millionen ZuschauerInnen, die sich diesen Krimi/Actionfilm angeschaut haben. Um es vorweg zu sagen, bin ich ein großer Fan der Tatortreihe und sitze mehr oder weniger jeden Sonntag vor dem Fernseher. Ich habe also einen bestimmten Anspruch an die altehrwürdige Krimireihe.
Dieser wurde gestern nicht nur arg enttäuscht, sondern gleichzeitig auch noch ziemlich strapaziert. Was hatten sie nicht im Vorfeld geschrieben? Man solle Schweiger eine Chance geben und der Tatort wird kein typischer Schweigerfilm und schon gar nicht eine Mixtur aus Keinohrhase und seinem letzten Ballerfilm. Heute kann man darauf antworten: „Alles gelogen!“.
„Wollen sie mich ficken?“
Dieser Krimi war nicht nur schlecht, sondern einfach miserabel. Die Handlung war unlogisch, unverständlich und unrealistisch. Die schauspielerische Leistung der meisten Akteure war über lange Strecken unerträglich und die Darstellung klischeehaft. Bei letzterem scheint sich Til Schweiger eine Brecht’sche Regel zu Herzen genommen haben, Frauen nur als Prosituierte, Töchter oder Mütter vorkommen zu lassen. Das Geschlechterverhältnis jedenfalls war im gestrigen Tatort klar verteilt: Frauen waren schmückendes Beiwerk, Opfer oder Nervensägen, während Schweiger und sein „Partner“ die „Scheiße gerockt“ haben. Dabei ist Tschiller der „typische Mann“, der zwar nicht kochen und sich um seine Tochter kümmern kann (Familie und so scheint ja für Frauen reserviert), dafür aber drei Menschen im Nuh umlegt und coole Stunts machen kann. Seine „Ex“ welche selbst kaum über dreißig gewesen sein muss, nervt dagegen immer, wie ungesund Tschiller sich und seine 15jährige Tochter ernährt. Frauen als handelnde Subjekte? Fehlanzeige! Selbst die Staatsanwältin, welche wegen dem ganzen Rumgeballer mit Tschiller ermittelt, muss am zulassen, dass dieser ihr den letzten Zeugen rettet und damit ihre Karriere. Das Filmzitat dazu: „Wer ist denn die Brosche?“ Einfach widerlich!
„Papa, man kann alles sehen!“
Genau wie die Dialoge des Films. Die Menschen bei der Hamburger Polizei scheinen sich nur über Fäkalien zu unterhalten und sich gegenseitig bestimmte Sexualpraktiken und Neuigkeiten über ihre Geschlechtsteile auszutauschen. Während es noch einigermaßen erträglich ist, dass die 16jährige Zwangsprostituierte ständig über das „Blasen“ spricht und damit die sexuelle Praxis des „Oralverkehrs“ meint, beginnen die Machodialoge zwischen Tschiller und seinem „Partner“ sowie zwischen dem Großteil der anderen SchauspielerInnen mächtig zu nerven. „Ganz knapp neben meinen Eiern, ey“ mag man dabei nur den „Partner“ zu zitieren, welcher selbst seine ganze Wohnung mit Kameras verwanzt hat, weil seine Freundin ständig DVDs klaut. Aber „hey, ich bin kein Spanner!“. Man war die ganze Handlung des Films lang an die Dialoge des Nachmittagsprogramms von RTL und Sat1 erinnert. Porno an! Witz, Logik und Intelligenz aus!
„Ein echter Mexican!“
Die Handlung an sich ist leicht erzählt und doch fiel die Darstellung unlogisch und unrealistisch aus. Kommissar Tschiller hebt ein Bordell aus, weil er dort den Kopf einer Menschenhändlerbande vermutet. Dabei legt er erstmal drei Menschen um und entdeck seinen alten „Partner“, der sich etwas später als Kopf der Bande herausstellt, weil er das Zeichen nicht einhält. Ihm läuft eine 16jährige Prostituierte zu, die verfolgt und umgebracht werden soll, die sich am Ende einen Chip aus der Schlagader schneidet, mit der sie die Menschenhändler die ganze Zeit orten konnten. Am Ende kommt es zu einem Showdown, bei der Tschiller und sein Partner, der im Rollstuhl sitzt, da dieser noch verletzt ist, das „Frauenlager“ hochnehmen und dabei gleichzeitig noch den letzten Zeugen gegen die Frauenhändlerbande retten. Was dabei und dazwischen jedoch für ein Klamauk gemacht wurde, war in weiten Teilen einfach lächerlich. Beispielsweise wie Tschiller immer mehr Verletzungen im Gesicht bekam oder wie er todesmutig einen fahrenden VW-Bus joggend einholte um das Mädchen zu retten. Auch wie sich sein „Partner“ aus dem Krankenhaus heraus in Computer und Telefonanlagen hakten und durchgehend über ein Headset verbunden waren. Noch viel schlimmer wurde es als Tschiller das „Prostituiertenhaus“ verließ und hinter ihm die Mädchen in Scharren folgten. Ein Bild wie damals bei Top Gun mit Tom Cruise. Nur diesmal für kulturell Verarmte.
Fazit
Nein, Nein, Til Schweiger! Das war nix! Handlung und Darstellung, Dialoge und Witz können nur als mangelhaft bis schlecht eingestuft werden. Insgesamt war dies einfach nur schlechtes Geballer und dies auf dem Niveau des Privatfernsehens. Diese Einschaltquoten waren nur deshalb so hoch, weil die Presse diesen Krimi so promotet hatte und viele ZuschauerInnen einfach neugierig waren, wie dieser Tatort mit Til Schweiger wohl sein würde. Auf Twitter nannte ihn einer einen „Bruce Willes für Arme“ und wahrscheinlich hatte er damit Recht. Wer gute Krimis, wer intelligente und witzige Krimis gewöhnt ist, der war gestern Abend nicht nur enttäuscht, sondern beleidigt.