Preise gegen Linksextremismus

Die unsägliche Extremismustheorie hat wieder zugeschlagen und zeigt wie unsinnig das Familienministerium, auf Kosten des Kampfes gegen den Faschismus, das Geld aus dem Fenster wirft. Es wurden Preise verliehen an “Projekte und Ideen [...] die den Linksextremismus bei der Extremismusprävention besonders berücksichtigen” (Ausschreibungstext der Zeitbildstiftung). Diese haben auf ihrer Internetseite “www.augen-auf-gegen-extremismus.de” in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium dazu aufgerufen Projekte zu erarbeiten, die , “die Jugendliche zur kritischen Auseinandersetzung mit (links)extremistischen Ideologien anregen und die demokratische Teilhabe unterstützen”.

Nun sind die Preise vergeben wurden, 20mal 500€. Gewonnen haben unter anderem eine Weiterbildungseinrichtung für Polizist_Innen mit ihrem Seminar “Gewaltbereiter Linksextremismus” (Platz 5), das Planspiel “Demokratie und Extremismus” vom niedersächsischen Verfassungsschutz (Platz 8), sowie der Ausbildungsgang “Lagerlogistik” am Alfred-Müller-Armack-Berufskolleg zu Köln. Insgesamt 3 Auszeichnungen gingen nach Dresden. Wahrscheinlich an die Staatsanwaltschaft, die Polizisten und Richter, die die Nazis in Dresden als “schätzenswerte Minderheit” eingestuft haben.

Gerade vor dem Hintergrund der “Zwicker Zelle” und ihren Morden, wirkt diese ganze Extremismustheorie einfach nur lächerlich und würden die Initiativen gegen Rechts das Geld nicht dringend gebrauchen und Menschen aufgrund dieser Theorie keine Repression erfahren, so müsste man darüber eigentlich lachen.

Zitat des Tages

“Wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, mit dem Stalinismus abzurechnen. Unsere politische und theoretische Tradition ist nicht von einem Individuum namens Stalin oder einer historischen Periode, in der er herrschte, deformiert worden, sodass es genügte, das Erbe in seiner früheren ›Reinheit‹ wieder aufzugreifen. Im Verlauf einer langen Prüfung, als wir Marx, Lenin und Gramsci wiederlasen, um den lebendigen Marxismus zu suchen, den die Formen und Praktiken Stalins erstickt hatten, mussten wir uns wie alle anderen – jeder auf seine Weise – einer Wahrheit beugen: Dass unsere theoretische Tradition nicht ›rein‹ ist, dass der Marxismus entgegen dem voreiligen Ausspruch Lenins kein ›stählerner Block‹ ist, sondern dass er Brüche, Irrtümer, Widersprüche und Lücken enthält, die […] seine Krise hervortreiben mussten. Wir stehen heute vor der Notwenigkeit, eine bestimmte Vorstellung, die wir uns im Laufe der Geschichte und der Kämpfe von Marx, Lenin und Gramsci gebildet haben, sehr sorgfältig zu revidieren – eine Vorstellung, die sich offensichtlich auf die Forderung unserer Parteien nach ideologischer Einheit gründet und von der wir allzu lange gezehrt haben, ja eigentlich immer noch zehren. Diese Autoren haben uns ein beispielloses und wertvolles Ensemble von theoretischen Elementen hinterlassen […]. Sie haben uns das Gerüst einer Theorie über Bedingungen und Formen des Klassenkampfs in der kapitalistischen Gesellschaft vermacht, aber weder eine ›reine‹ noch eine ›vollstädige‹ Theorie.”

Louis Althusser
PS: Danke an Ingo Stützle

Auf Reisen

Liebe Freund_Innen,

nun bin ich schon länger als 2 Monate nicht mehr zuhause gewesen und ich muss zugeben, dass mir Deutschland, Berlin und auch Marburg schon ein wenig fehlt. Aber nun ja, ich habe mich dafür entschieden auf Reisen zu gehen und wenn man auf Reisen ist, ist man eben nicht zuhause. Rennes, da wo ich mich gerade aufhalte, ist eine sehr schöne und alte französisch-bretonnische Stadt, die doch irgendwie ihren ganz eigenen Charme hat und weder als typisch französisch, noch als typisch bretonnisch bezeichnet werden kann. Rennes ist auf der einen Seite bretonnisch rustikal und auf der anderen Seite aber auch französisch leicht.

Ganz allgemein habe ich mich mit der Bretagne nicht für Frankreich als Erasmusland entschieden, sondern für eine ganz eigene Mischung. Dies erkennt man schon allein an den Demonstrationen, wo neben der NPA und der PCF auch die front liberation Breithz mitläuft, also die Bretonnische Brefreiungsfront. Und auch beim Essen erkennt man diese merkwürdige, aber symphatische Mischung aus französischen Patriotismus und bretonnischen Seperatismus. So gibt es Galette als Hauptspeiße und Crepes zum Desert. Und Cidre statt Rotwein.

Allgemein habe mich mit Rennes arrangiert und so langsam finde ich es wirklich schön. Die große Liebe wird es wohl nicht, weil ich doch lieber mehr Frankreich als Bretagne hätte, aber an die Bretonen in ihrer eigenen Art habe ich mich gewöhnt. Allgemein finde ich mich zurecht und genieße den Aufenthalt in Frankreich. Ich merke wie mein Französisch besser wird und ich jede Woche mehr Wörter kenne und mich immer mehr verständigen kann. Auch wenn es mir immer noch schwer fällt die Professor_Innen zu verstehen, wenn sie schnell und mit Akzent über 2 Stunden durchgehend sprechen, aber selbst das wird besser. Und dies war ja auch mein eigentlicher Grund ins Eramsus zu gehen: Französisch zu lernen.

Dabei lasse ich mich von meiner Uni schon ganz schön stresse, gerade wenn man daran denkt, dass ich ja eigentlich keine ECTS-Punkte machen muss. Ich muss einen Vortrag über das super spannende Thema “Protestanten in Frankreich im 19. Jahundert” halten, der ungefähr 20 Minuten dauern soll und ich soll mehrere Paper schreiben. Auf französisch. Natürlich denke ich mir, so gut müssen die ja nicht sein, da du die Klausur ja eh nicht überstehst bzw. die Note nicht anrechnen lässt in Deutschland. Aber dann denke ich mir wieder: Mhm du willst dich ja auch nicht blamieren. Also setzte ich mich ran und arbeite und arbeite und arbeite. Naja, ich glaube ich muss da ruhiger werden.

Aber ich bin ja in diesen vier Monaten nicht nur in Rennes. So schreibe ich diesen Artikel auch aus meinem “zweiten Erasmusplatz”. Nun schon zum zweiten Mal bin ich knapp 10 Tage in Istanbul und besuche Inga. Istanbul ist wirklich aufregend und so ganz anders als Rennes. Viel Viel größer aber auch viel viel lauter und schmutziger als meine bretonnische Metropole.

Nun ja, so ist es fürs Erste. Habe keine Lust und Zeit mehr, mehr zu schreiben. Bis dann.

Nochmal von vorne

Ok, wie lange habe ich jetzt nichts mehr von mir hören lassen? 2 Monate? Nein viel viel mehr. Insgesamt wahr ich wohl mehr als ein halbes Jahr nicht mehr wirklich hier und habe auch nicht wirklich mehr etwas geschrieben. Eigentlich sehr schade, weil ich es wirklich liebe Artikel zu publizieren und in der Bloggersphäre mich aufzuhalten. Aber irgendwie bin ich in den letzten Monaten nicht dazu gekommen.

Viel zu viel war los. Auf der einen Seite waren da meine drei Hausarbeiten, die ich unbedingt noch fertig kriegen wollte, bevor die Semesterferien anfingen. Auf der anderen Seite war da mein Erasmussemester, was immer näher auf mich zukam und ich immer mehr dafür machen musste.

Nun ja, jetzt bin ich in hier in Rennes und studiere nun nicht mehr an der Lahn sondern an der Villiane. Nicht mehr an der Phillipps-Universität sondern an der SciencePo Rennes. Darum habe ich jetzt auch mal das Design geändern, wobei es, wie ihr seht, nicht fertig ist. Außerdem hat der Blog noch ein Redesign nötig gehabt. Dennoch wird er weiter Lahnblog heißen, da ich ja jetzt nicht für immer hier in Rennes bleibe, sondern auch bald wieder in meiner hessischen Zwangs Wahlheimat studieren werde. Was dannach passiert, dass steht noch in den Sternen.

So, dann hoffe ich, dass ich mich sobald wie möglich wieder melden werde. Immerhin gibt es viel zu erzählen und zu kommentieren. Aus Frankreich, aus Deutschland und aus der Welt. Ich sage nur Occupy Wall Street, die Präsidentschaftswahlen, Atomenergie, Castortransporte, usw. usf..

Die Welt im Umbruch

„Was ist eigentlich mit der Welt los?“ könnte man meinen. Da ist man mal 2 Monate nicht wirklich anwesend, schreibt Hausarbeiten und dafür keinen Blog mehr und schwupps ist Guido Westerwelle als FDP-Parteivorsitzender abgesägt worden, ein Atomkraftwerk in Japan ist explodiert und in der arabischen Welt wird ein autoritäres Regime nach dem anderen gestürzt. Gleichzeitig wird Angela Merkel zu größten AKW-Gegnerin in der Geschichte der Bundesrepublik und Nicolai Sarkozy verliert die Kommunalwahlen in Frankreich. Apropos Kommunalwahlen – in Hessen wurde eine unsägliche Schuldenbremse von der Bevölkerung abgenickt, was weitere, deutliche Einsparungen im Bildungssektor bedeutet.

Ok, ich glaube jetzt ganz ehrlich, dass diese Ereignisse nicht meinetwegen Schlag auf Schlag gekommen sind, jedoch sollte man weit die Augen öffnen und erstaunt darüber sein, was in so kurzer Zeit alles passiert ist. Die Zeitungen kommen gar nicht mehr hinterher und wissen letztendlich nicht, welche Nachricht die spektakulärere ist und welche sie auf der Seite eins platzieren sollen. Die Welt scheint im Umbruch zu sein und es passieren die schrecklichen Ereignisse, vor denen die gesellschaftliche Linke immer gewarnt hatte. Abgesehen von der scheinbar erfolgreichen Revolution im Nahen Osten (hier sollte man Ägypten weiter beobachten), die ich sehr begrüße, fängt die Welt an Feuer zu fangen.

So explodierte in Japan, in Fukushima ein Kernkraftwerk, dass zu den Sichersten der Welt gehörte und über das die Atomlobby, aber auch die gesellschaftliche Mitte immer behauptete, es sei umweltschonend und man hätte, abgesehen von einem Restrisiko, alles unter Kontrolle. Dass das Restrisiko bei einem der öfters vorkommenden Erdbeben in dieser Region ausgeschöpft werden würde, dessen öffentliche Darstellung ein Kind mit einem viereckigen Kopf und dem Namen “Nuclear Boy” übernehmen würde, wurde in der öffentlichen Propaganda nicht gesagt. Genau 25 Jahre nach Tschernobyl erkennen wir wieder, dass Atomkraftwerke, auch westlich-kapitalistische und nicht nur sowjetisch-sozialistische, nicht beherrschbar und dazu mörderisch gefährlich sind. Das diejenigen, die diesen Satz schon im November 2010 verlautbaren ließen und sogar das Übertreten von Gesetzten in Kauf nahmen, als Kriminelle beschimpft wurden, erklärt sehr viel über ein System, in dem meistens diejenigen Illegal sind, deren Gedanken nicht diejenigen der Herrschenden sind.

Inwiefern die Welt auf diesen “größten anzunehmenden Unfall” reagiert bleibt offen. Jedoch haben wir sehr deutlich gesehen, dass die Aufgaben dieser Welt nicht mehr innerhalb von Nationalstaaten gelöst werden können. Wenn in Frankreich eins der vielen AKWs in die Luft geht, dann wird man die radioaktive Wolke auch in Deutschland, in Polen, in Spanien, in Portugal usw. bemerken. Jede Regierung dieser Welt und auf jede Zivilgesellschaft dieser Welt, die nach der Katastrophe von Fukushima, den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken als bestes Mittel zur Energiegewinnung ansieht, sollte sich demnach im Klaren sein, dass sie Verantwortung auch für den Rest der Welt übernimmt.

Dieses kosmopolitische Bewusstsein ist meiner Meinung notwendig, wenn wir als Weltgemeinschaft in Zukunft auf diesem Planeten weiter leben wollen. Wenn die verschiedenen Nationen der Weltgesellschaft sich nicht mehr als Konkurrenten, sondern viel mehr als Verbündete sehen würden, die einen gemeinsamen Kampf gegen die globale Erwärmung, gegen die Armut und den Hunger sowie gegen die Unterdrückung und Missachtung von Anerkennungsansprüchen zu führen haben, dann können Probleme, deren Ausmaß ihrer Grenzen in Weiten übertreffen, leichter, einfacher und mit der nötigen Geschwindigkeit gelöst werden.

Verfassungsschutz Brandenburg

So sieht also der Verfassungsschutz Brandenburg die linke Szene. Na dann…

“Belesenheit, intellektuelle Durchdringung und geistige Tiefe haben im Linksextremismus spürbar abgenommen. Konnte man mit dem DKP-Aktivisten der 1980er Jahre noch einen Diskurs über gesellschaftliche Verhältnisse führen, so schlägt der autonome Linksextremist sprachlos, aber mit Phrasen auf den Lippen blind zu.”