13.März 2013

Lächerlicher Populismus

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Ok jetzt werdet ihr staunen: Ich halte wirklich gar nichts von einer Begrenzung von Managergehälter und ich finde die ganze Diskussion über die Begrenzung dieser für einen lächerlichen Populismus. Als die Partei DIE LINKE dies schon in ihrem ersten Bundestagswahlkampf 2005 auf die Fahnen schrieb, fand ich das schon nicht so dolle aber in einer gewissen Art nachvollziehbar. Das nun aber die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die EU von einer Begrenzung von Managergehälter reden und dies als eine Art gerechte Krisenlösung vorstellen ist mehr als ein lächerlicher Populismus. Es ist ein Ablenkungs- und Blendmanöver.

Denn ganz ehrlich, was bringt eine solche Begrenzung als einzig die Befriedung der Subalternen und das Ende einer bestimmten Neiddebatte. Nicht ein europäischer Arbeiter wird davon profitieren, dass die Deutsche Bank jetzt ihren Managern nicht mehr 100.000€ als Gehalt zahlt. Vielmehr wird die Entlohnung der Manager(Innen) in anderen Formen passieren und bspw. in einer anderen Form als Geld überwiesen. Ansonsten wird sich durch ein Verbot nichts ändern. Die da oben werden dann immer noch die da oben sein.

Vielmehr wäre eine Erbschaftssteuer und eine Vermögenssteuer in einer ordentlichen Höhe viel angebrachter und effizienter. Letzteres müsste man nicht mal mehr einführen, sondern einfach nur noch wieder aktivieren, weil das Vermögenssteuergesetz noch in Kraft ist. Allein eine Steuer von einem Prozent auf das Nettovermögen (nach Abzug von Schulden) oberhalb eines Freibetrags von 1 Millionen Euro würde dem Staat etwa 20 Milliarden Euro im Jahr einbringen. Gekoppelt mit einer Erbschaftssteuer von 100% bei einem Freibetrag von 1 Millionen Euro + einer Immobilie, wären das Einnahmen, wo es wirklich eine Umverteilung von oben nach unten geben würde. Die Begrenzung von Managergehälter sind nur hohle Phrasen und die Informellisierung von Einkommen der herrschenden Elite.

11.März 2013

Schlechtes Geballer

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Gestern habe mehr als 12 Millionen Menschen den neuen Tatort mit Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller gesehen und damit der ARD eine Rekordquote beschert. Auch ich war einer der 12 Millionen ZuschauerInnen, die sich diesen Krimi/Actionfilm angeschaut haben. Um es vorweg zu sagen, bin ich ein großer Fan der Tatortreihe und sitze mehr oder weniger jeden Sonntag vor dem Fernseher. Ich habe also einen bestimmten Anspruch an die altehrwürdige Krimireihe.

Dieser wurde gestern nicht nur arg enttäuscht, sondern gleichzeitig auch noch ziemlich strapaziert. Was hatten sie nicht im Vorfeld geschrieben? Man solle Schweiger eine Chance geben und der Tatort wird kein typischer Schweigerfilm und schon gar nicht eine Mixtur aus Keinohrhase und seinem letzten Ballerfilm. Heute kann man darauf antworten: „Alles gelogen!“.

„Wollen sie mich ficken?“
Dieser Krimi war nicht nur schlecht, sondern einfach miserabel. Die Handlung war unlogisch, unverständlich und unrealistisch. Die schauspielerische Leistung der meisten Akteure war über lange Strecken unerträglich und die Darstellung klischeehaft. Bei letzterem scheint sich Til Schweiger eine Brecht’sche Regel zu Herzen genommen haben, Frauen nur als Prosituierte, Töchter oder Mütter vorkommen zu lassen. Das Geschlechterverhältnis jedenfalls war im gestrigen Tatort klar verteilt: Frauen waren schmückendes Beiwerk, Opfer oder Nervensägen, während Schweiger und sein „Partner“ die „Scheiße gerockt“ haben. Dabei ist Tschiller der „typische Mann“, der zwar nicht kochen und sich um seine Tochter kümmern kann (Familie und so scheint ja für Frauen reserviert), dafür aber drei Menschen im Nuh umlegt und coole Stunts machen kann. Seine „Ex“ welche selbst kaum über dreißig gewesen sein muss, nervt dagegen immer, wie ungesund Tschiller sich und seine 15jährige Tochter ernährt. Frauen als handelnde Subjekte? Fehlanzeige! Selbst die Staatsanwältin, welche wegen dem ganzen Rumgeballer mit Tschiller ermittelt, muss am zulassen, dass dieser ihr den letzten Zeugen rettet und damit ihre Karriere. Das Filmzitat dazu: „Wer ist denn die Brosche?“ Einfach widerlich!

„Papa, man kann alles sehen!“
Genau wie die Dialoge des Films. Die Menschen bei der Hamburger Polizei scheinen sich nur über Fäkalien zu unterhalten und sich gegenseitig bestimmte Sexualpraktiken und Neuigkeiten über ihre Geschlechtsteile auszutauschen. Während es noch einigermaßen erträglich ist, dass die 16jährige Zwangsprostituierte ständig über das „Blasen“ spricht und damit die sexuelle Praxis des „Oralverkehrs“ meint, beginnen die Machodialoge zwischen Tschiller und seinem „Partner“ sowie zwischen dem Großteil der anderen SchauspielerInnen mächtig zu nerven. „Ganz knapp neben meinen Eiern, ey“ mag man dabei nur den „Partner“ zu zitieren, welcher selbst seine ganze Wohnung mit Kameras verwanzt hat, weil seine Freundin ständig DVDs klaut. Aber „hey, ich bin kein Spanner!“. Man war die ganze Handlung des Films lang an die Dialoge des Nachmittagsprogramms von RTL und Sat1 erinnert. Porno an! Witz, Logik und Intelligenz aus!

„Ein echter Mexican!“
Die Handlung an sich ist leicht erzählt und doch fiel die Darstellung unlogisch und unrealistisch aus. Kommissar Tschiller hebt ein Bordell aus, weil er dort den Kopf einer Menschenhändlerbande vermutet. Dabei legt er erstmal drei Menschen um und entdeck seinen alten „Partner“, der sich etwas später als Kopf der Bande herausstellt, weil er das Zeichen nicht einhält. Ihm läuft eine 16jährige Prostituierte zu, die verfolgt und umgebracht werden soll, die sich am Ende einen Chip aus der Schlagader schneidet, mit der sie die Menschenhändler die ganze Zeit orten konnten. Am Ende kommt es zu einem Showdown, bei der Tschiller und sein Partner, der im Rollstuhl sitzt, da dieser noch verletzt ist, das „Frauenlager“ hochnehmen und dabei gleichzeitig noch den letzten Zeugen gegen die Frauenhändlerbande retten. Was dabei und dazwischen jedoch für ein Klamauk gemacht wurde, war in weiten Teilen einfach lächerlich. Beispielsweise wie Tschiller immer mehr Verletzungen im Gesicht bekam oder wie er todesmutig einen fahrenden VW-Bus joggend einholte um das Mädchen zu retten. Auch wie sich sein „Partner“ aus dem Krankenhaus heraus in Computer und Telefonanlagen hakten und durchgehend über ein Headset verbunden waren. Noch viel schlimmer wurde es als Tschiller das „Prostituiertenhaus“ verließ und hinter ihm die Mädchen in Scharren folgten. Ein Bild wie damals bei Top Gun mit Tom Cruise. Nur diesmal für kulturell Verarmte.

Fazit
Nein, Nein, Til Schweiger! Das war nix! Handlung und Darstellung, Dialoge und Witz können nur als mangelhaft bis schlecht eingestuft werden. Insgesamt war dies einfach nur schlechtes Geballer und dies auf dem Niveau des Privatfernsehens. Diese Einschaltquoten waren nur deshalb so hoch, weil die Presse diesen Krimi so promotet hatte und viele ZuschauerInnen einfach neugierig waren, wie dieser Tatort mit Til Schweiger wohl sein würde. Auf Twitter nannte ihn einer einen „Bruce Willes für Arme“ und wahrscheinlich hatte er damit Recht. Wer gute Krimis, wer intelligente und witzige Krimis gewöhnt ist, der war gestern Abend nicht nur enttäuscht, sondern beleidigt.

9.März 2013

Der falsche Mann

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zur falschen Zeit am falschen Ort. Ja so könnte man Hartmut Mehdorns neuen Job nennen. Mehdorn wird ist seit neustem der Chef des Pannenflughafens Berlin-Brandenburg International und scheint seit dem Debakel um Stuttgart 21, kaputten Zügen und einer desolaten Air Berlin, nun endlich ein Erfolgserlebnis bekommen zu wollen. Immerhin, so wird sich das auch Mehdorn gedacht haben, ist beim BER ja eigentlich schon alles dermaßen daneben und kaputt, dass man eigentlich nichts mehr falsch machen kann. Jede Tat ist schon mal besser als der bisherige Zustand bzw. Fortschritt beim Flughafenbau.

Aber davon mal abgesehen, zeigt sich hier sehr deutlich, welche Beziehungen Mehdorn immer noch in die deutsche Politik zu haben scheint. Immerhin ist er nach der Pleite bei Air Berlin, die nach x-ten Sparrunde kaum noch mehr abheben können aber immer noch rote Zahlen schreiben, in der freien Wirtschaft “politisch” tot gewesen. Hartmut Mehdorn hätte man doch nicht mal mehr die Leitung einer Bäckerei in Bitterfeld anvertraut, weil dann mit der Zeit die Brötchen deutlich kleiner und teurer gleichzeitig jedoch auch die Backmaschienen immer älter und maroder geworden wären. Aber Mehdorn hat nun mal noch seine Kontakte und somit den Posten bekommen, wo man eigentlich nichts mehr falsch machen kann.

Aber bei Mehdorn darf man trotzdem gespannt bleiben…

7.März 2013

Adios Chavez

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Am Dienstag, den 5.März 2013 starb der Präsident Venezuelas, Hugo Chavez an seiner schweren Krebserkrankung. Mit ihm starb ein Mann, der sich in seinem Engagement und seinem Leben für die Lösung der Sozialen Frage eingesetzt hat und der trotz aller Widerstände und Rückschlägen an seiner Vision eines Sozialismus des 21. Jahrhunderts festgehalten hat. Ohne ein Experte über Lateinamerika zu sein, hat mich die Person Chavez in den Jahren meines bisherigen politischen Lebens fasziniert und beeindruckt.

CC-Lizenz von quecomunismo

CC-Lizenz von quecomunismo

Die vielen Diskussionen über ihn haben auch in meinem Leben Zeit gekostet und ja, ich habe auch immer wieder zugegeben, dass Chavez kein widerspruchsfreier Mensch war, dass er oft (vor allem in Wahlkämpfen) eine populistische Politik betrieben hat und auch, dass mir seine ölgeschmierte Politik in Anbetracht der ökologischen Nachhaltigkeit dieser nicht wirklich überzeugt. Doch bei all diesen Widersprüchen, war er kein Diktator sondern vielmehr ein Mensch, der Visionen hatte und versuchte seine Utopie von einem emanzipatorischen, demokratischen und partizipatorischen Sozialismus umzusetzen. Chavez steht für einen Sozialismus von unten, einen konstituierenden Prozess, in dem die Bevölkerung der gesetzgebende Faktor ist und nicht der Souverän. Die Idee des Poder Popular und die dezentrale politische Organisation in kommunalen Räten ist vielmehr ein Beweis dafür, dass die gesellschaftliche wie die parlamentarische Linke aus den Niederlagen gelernt und ihre alleinige Fokussierung auf den Staat abgelegt hat. So erklärt bspw. Dario Azzellini in der Arranca! #41:

“Poder Popular kann also nicht vom Staat aus verstanden werden, aber auch nicht ohne ihn. Es ist die Frage der Souveränität, zum Beispiel die Kontrolle der Ressourcen, die dazu zwingt, die Frage des Staates in die Poder Popular zu integrieren, auch wenn der Staat mit dem gesamten historischen Ballast des Repräsentation, Nationalismus, Ausschluss, Zentralismus, Institutionelle Politik, Teilung der Sphären usw. daher kommt.”
Azzellini, 2010

Die Idee eines Miteinanders gegen den Imperialismus und der Kampf gegen ein ausbeuterisches System, welches gerade in Lateinamerika ihre Hochphasen hatte, macht Hugo Chavez und die mit ihm verknüpfte Bewegung des Sozialismus des 21. Jahrhunderts die großen Akteure eines demokratischen Sozialismus sind. Sie haben es geschafft auch über Venezuela wirkungsmächtig zu werden und dem neoliberalen Dogma des “There is no alternative” (Magret Thatcher) eine demokratische Alternative entgegen zusetzten. Die Ausstrahlungskraft der Idee eines populären Sozialismus war so enorm, dass andere Länder begangen dem venezolanischen Vorbild zu folgen. Die neue Einigung des südamerikanischen Kontinents und die relative Unabhängigkeit von den USA ist einer der größten Verdienste von Hugo Chavez. Die damit verbundene Aufwertung Kubas sowie die solidarische Umgehensweise untereinander müssen dem noch dazu gerechnet werden.

Wie geht es nun weiter? Raul Zelik schreibt in den Blättern für deutsche und internationale Politik, dass der Tot von Chavez die Chance einer Erneuerung mit sich bringt aber gleichzeitig auch die Gefahr besteht, dass “sozialpolitische und gesellschaftliche Aspekte” in den Hintergrund geraten werden. Es wird also spannend und gefährlich für den konstituierenden Prozess in Venezuela und für die emanzipatorischen Bestrebungen in Lateinamerika. Auf jeden Fall wird der Commandante Hugo Chavez der internationalen Linken, Venezuela, wie dem gesamten südamerikanischen Kontinent fehlen.

6.März 2013

Cebit 2013

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Ja das war sie nun wieder, die CeBit für dieses Jahr. Die größte Computermesse der Welt, das schon mal vorweg, ist ganz schön klein geworden. Aus dem großen Event ist eine bodenständige Messe geworden, die nur noch ab und zu an ihre früheren Tage erinnert. Dies tut der Messe auf der einen Seiten schon ganz gut, denn die kreischenden Kiddies und die gröhlenden Marktschreier sind mehr oder weniger von der Messe verschwunden. Andererseits sind mit ihnen auch die großen und kleinen Namen der IT-Welt gegangen und so sind nur noch 2/3 aller Hallen im Vergleich zum Jahr 2001 zugänglich. Die Ausstellerzahlen nehmen seit Jahren kontinuierlich ab, so dass man auch in diesem Jahr wieder in Hallen stand und sich fragte, wo denn die ganzen Aussteller seien, die hier eigentlich doch über Computerarchitektur informieren sollten. Dies nur vorneweg, jetzt aber zu den Highlights, die auch diese CeBit wieder hatte:

1.) Überwachung!
Es ist wirklich krass was sich in der Überwachungungs-IT so getan hat. Als wir an den Stand der Firma DERMALOG besuchten, stockte uns fast der Atem. Wir sahen uns auf einem großen Fernseher und über unseren Gesichtern war ein grüner, roter oder blauer Erkennungsfilm gelegt, der unser Gesicht, d.h. unsere Augen, Nase, Ohren und den Mund erkannte. Dies ist auf den ersten Blick noch nicht so wild, da ja eigentlich jede neuere Digitalkamera solche eine Erkennung heute schon integriert hatte. Das Besondere an dieser Gesichtserkennung war, dass die integrierte Software aus meinen Gesichtszügen mein Alter, mein Geschlecht sowie

Die Überwachung per Video

Die Überwachung per Video

mein “Happyness-Faktor” abzulesen versuchte. Während letzteres wohl eher ein Spaß-Gimmick war, schockten mich die anderen Angaben, weil sie auf das Jahr stimmte. Und auch mein Begleiter wurde mehr oder weniger richtig eingeschätzt. Dies schockte mich auf jedenfall, weil dadurch möglich ist, Menschen nicht nur abzufilmen, sondern sie auch noch zu erkennen und automatisch in Gruppen zu ordnen. Sowas macht mir Angst.

2.) Sicherheit?

Zu den Dingen, die mir auf dieser CeBIT Angst gemacht haben, gehören auch die Tricks, die die Menschen vom Institut für Internet-Sicherheit gezeigt haben. Diese haben nämlich in einer Live-Hacking Session gezeigt, wie einfach ein Smartphone mit Hilfe eines gefälschten WLAN gekarpert werden kann und welch eine Informationsquelle über den Benutzer dieses darstellt. Auch die Möglichkeit das Mobiltelefon mit Hilfe der stillen Rufannahme zur Wanze zu machen, hat mich sehr beeindruckt.

3.) 3D-Drucker
Jaja die 3D-Drucker haben schon so manchen alten Theoretier vom Kommunismus träumen lassen. Auf der Cebit hat man ihn sehr oft gesehen, wie er irgendwelche Teile oder Figuren gebaut hat.

Ich drucke mir heute ein...

Ich drucke mir heute ein…

Sehr interessant, gerade was auch den Preis betrifft. Denn 3D-Drucker rücken in den Privatanwenderbereich vor und werden “bezahlbar”. Sie kosten zwar immer noch 2.800$ aber dies immerhin ein Anfang.

4.) Sonstiges
Ich kann dieses Word nicht mehr hören nach dem heutigen Tag: Cloud. Überall, aber wirklich überall war dieses Wort zu sehen oder zu hören. Jeder sprach davon und jeder meinte die beste, die tollste, die schnellste Cloud der Welt anzubieten. Ich finde das alles ein bisschen lächerlich und vor allem teuer und auch gefährlich, gerade im Hinblick darauf, dass man seinen ganzen Computer darin lagern soll. Da arbeite ich lieber an meinem Raspberry Pi weiter und hoffe irgendwann meine eigene Cloud im Wohnzimmer zu besitzen.

5.März 2013

Der Fall Zypern

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Wenn man sich die Handlungslogik der deutschen Bundesregierung anschaut, so könnte man meinen, dass die Bundesrepublik sich ein neues Griechenland konstruieren möchte. So äußerte sich der Finanzminister Schäuble im SPIEGEL Interview, dass er keine Gründe erkennen kann, weshalb Zypern “systemrelevant” sei und deshalb eine ungeordnete Zahlungsunfähikeit des Landes verhindert werden muss.

Bild unter CC-Lizenz von Laura Schlepper by jugendfotos.de

Bild unter CC-Lizenz von Laura Schlepper by jugendfotos.de

Der Inselstaat Zypern benötigt noch in diesem Monat ein Tranche von acht bis zehn Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsschirm um seine angeschlagenen Banken zu rekapitalisieren zu können. Des Weiteren werden für die Rückzahlung von Krediten und die Begleichung von Zinsen knapp sieben Milliarden Euro nötig. Die Diskussion in der EU über den Fall Zypern zieht sich jedoch nun schon mehr als zwei Monate hin, weil dem Land vorgeworfen wird (auch sehr plakativ in der Bildzeitung) das Problem der “Geldwäsche” nicht konsequent genug anzugehen. Deswegen hält der Rat die Geldmittel aus dem ESM auch weiterhin zurück.

Die Äußerungen von Schäuble erinnern derzeit erinnern sehr stark an die Verschärfung der griechischen Krise im Jahr 2009/10, wo es Angela Merkel war, die sich weigerte großzügige Kredite an den verschuldeten griechischen Staat zu vergeben und danadurch die Spekulationen mit zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen erst angeheizt hat. Das Zypern nicht systemrelevant ist, was auch immer dieses Wort bedeutet, konterte nun der EU-Währungskommissar Oli Rehn und nannte die Äußerung von Schäuble indirekt als gefährlich.

Und das ist sie auch. Denn sollte der Eindruck erweckt werden, dass die europäische Gemeinschaft Zypern mit seinen maroden Banken, die der Hauptgrund für die schlimme Lage des Landes sind, untergehen lässt, ist das kein gutes Zeichen an die Finanzmärkte wie auch die AnlegerInnen. Es ist zu befürchten, dass es dann zumindest einen sogannnte Banken-Run gibt. Die daraus resultierenden Konsequenz kann dann nur der Austritt aus der Währungsunion und am Ende auch aus der Europäischen Union sein.

PS: Wie ihr vielleicht schon gesehen habt, hat der Lahnblog nun endlich ein neues Design. Ich werde wahrscheinlich noch ein wenig dran rumbasteln aber mehr oder weniger wird er nun so bleiben.
PSS: Der Lahnblog wird am 27.05 5 Jahre alt und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr, die treuen LeserInnen meines Blogs vielleicht einen kleinen Artikel verfassen könntet. Bitte meldet euch doch bei mir unter webmaster@lahnblog.de

4.März 2013

Portugal auf den Barrikaden

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In Portugal sind am Wochenende mehr als 1,5 Millionen Menschen gegen die Sparpolitik der Europäischen Union auf die Straße gegangen. Allein in der Hauptstadt Lissabon waren es 400.000 Menschen, die gemeinsam gegen die autoritäre Austeritätspolitik demonstrierten. Dabei sangen die Menschen immer wieder das Lied “Grandola, Vila Morena”, was als Revolutionslied in der Nelkenrevolution gegen die portugiesische faschistische Diktatur bekannt wurde.

LissabonPortugal ist das ärmste Land der Europäischen Union und wurde durch die Weltwirtschaftskrise stark getroffen. Schon 2009 gehörten sie zu denjenigen Ländern, die sich für eine koordinierte europäische Wirtschaftspolitik einsetzten. Auch waren es portugiesische Regierung, welche als erste harte soziale Einschnitte beschloss. Nachdem Portugal unter dem ESFS-Rettungsschirm schlüpfte wurde dem Land noch mehr Sparanstrengungen abgerungen, welche jedoch nicht zu einer Konsolidierung des Staatshaushaltes, sondern vielmehr zu einem Abwürgen der Wirtschaft führte. Ähnlich wie in Spanien, Griechenland und Zypern sind es auch in Portugal die schwächeren sozialen Klassen, die unter dem Spardiktat aus Brüssel leiden. Allein die Steuererhöhungen, die das portugiesische Parlament letztes Jahr beschlossen hatte, waren die höchsten in der Geschichte des Landes und sollten Mehreinnahmen von 4,3 Milliarden Euro generieren. Für einen normalen Arbeiter schluckten diese Erhöhungen rund 3 Monatsgehälter.

Wenn ich mir die Bilder anschaue, so bekomme ich eine Gänsehaut. 400.000 Menschen, die in den Straßen von Lissabon “Grandula, Vila Morena” singen und gemeinsam die Faust in die Höhe strecken. Wenn in einem Land, dass nur 10 Millionen Einwohner hat, mehr als eine Millionen Menschen gegen die Regierung demonstrieren und die ganze Scheiße nicht mehr mitmachen wollen. Das alles macht Mut und muss uns zur Solidarität führen! Keine Zukunft ohne Solidarität!

3.März 2013

Wenn Wohnraum zu Ware wird

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“Das Produkt Wohnraum wird derzeit immer noch unter seinem Wert verkauft” sagt der Immobilienmakler Rolf Elgeti letztens in der ZDF-Sendung “Peter Hahne”, welche sich um das Thema “Hohe Mieten” drehte. Das “Produkt Wohnraum” wird in deutschen Groß- und Universitätsstädten immer teurer und für viele nicht mehr bezahlbar. In Berlin steigen die Mieten seit 2007 um mehr als 27% im Durchschnitt, was eine Explosion des Wohnraummarktes darstellt. Doch warum haben wir es in den letzten zwei bis drei Jahren so einen Aufwertungsprozess von Wohnraum?

foto0329bSehr interessant ist der Sprech, den Rolf Elgeti und viele andere neoliberale Politiker_Innen und Immobilienhaie draufhaben. Das “Produkt Wohnen” ist für sie nichts andere als eine Ware, welche einen bestimmten Wert besitzt. Ihr Immobilienbesitz stellt eine Investition dar, welche ihnen eine möglichst hohe Rendite versprechen soll. Wohnraum ist eine Bedingung für ein menschenwürdiges Leben, sondern ein Spekulationsobjekt, welches Gewinn abwerfen muss.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade seit den Jahren 2007 und 2008 Wohnraum immer mehr zu Anlageobjekten geworden sind. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise haben die Notenbanken eine Niedrigzinspolitik eingeleitet, welche dazu führte, dass klassische Anlageformen wie das Tagesgeld oder das klassische Sparbuch kaum mehr als 1,5% Zinsen abwarfen. Gleichzeitig sind viele Anleger durch die Krise der Staatsanleihen verschreckt und befinden sich nun auf der Suche sichere und hochrenditäre Anlageformen. Diese finden sie nun in dem sogenannten “Betongold”, dass in Berlin, Marburg und anderswo in Europa durch steigende Miete, eine scheinbar sichere und kontinuierlich hohe Rendite verspricht. Wo sonst kann man heute noch sein Geld investieren und mit regelmäßigen monatlichen Zahlungen sowie einer Rendite von bis zu 40% nach 2 bis 3 Jahren rechnen?

Gleichzeitig führt diese veränderte Wohnraumpolitik, welche Mieten als Rendite und Wohnraum als Anlageobjekte ansieht, zu Verdrängung und erzwungenen Veränderungsprozessen. Während in Marburg kaum noch ein Studierender eine Wohnung in der Innenstadt findet und dort die Mieten auf dem Niveau von München liegt, werden in Berlin ganze Stadtteilbevölkerungen durch massenhafte Zwangsräumungen an den Stadtrand nach Lichtenberg oder Marzahn verdrängt. Die Stadt, die Innenstädte, so der Tenor der Verantwortlichen dieser Prozesse, gehört denjenigen, die das Geld haben sie sich zu leisten, also den Vermögenden, den Maklern und den großen Unternehmen. Für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen ist kein Platz.

Und auch für Geschichte und Denkmäler wie es derzeit in Berlin scheint. Wie schon seit Beginn des Kapitalismus untergräbt dieser die Natur und die Arbeitskraft und zerstört, was ihm in den Weg kommt. Und so muss derzeit die East-Side-Gallery, der einzige Ort, welcher noch an die Mauer zwischen Berlin und Berlin erinnert, einem vierzehnstöckigen Hochhaus mit Luxuswohnungen weichen. Geschichte wird gemacht mag man sich bei dieser Wohnungspolitik von Rot-Schwarz denken.

Doch dagegen beginnt Widerstand sich zu regen. Die Menschen fangen an diese Prozesse nicht mehr einfach hinzunehmen und ungefragt passieren zu lassen. Sie verstehen langsam, dass Gentrifizierung kein Naturphänomen ist, sondern dass auch diese Verdrängung von Menschen gemacht wird. Während derzeit hunderte vor der East-Side-Gallery stehe und den Abriss der Mauer verhindert, machten mehrere hunderte Menschen in Reinickendorf und Kreuzberg Zwangsräumungen zum Desaster. Und auch hier in Marburg haben am zweiten Februarwochenende die Menschen die Nase voll gehabt von Makler und Hohen Mieten und nach einer Demonstration ein Haus besetzt. Das alles passierte mit dem Spruch, dass alle ein Recht auf Stadt hätten und das dieses Recht ein Menschenrecht ist.

Infos zur Recht auf Stadt in Marburg
http://ras-marburg.wordpress.com
http://www.facebook.com/pages/Recht-auf-Stadt-Marburg/264910856955085
http://squatmarburg.wordpress.com/

1.März 2013

Zitat zum Monatsbeginn

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Mal wieder ein Zitat:

Heute [...] sind Politikwissenschaftler mehrheitlich nur noch Technokraten, die daran arbeiten, quantitative Probleme zu lösen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, und im Übrigen begeben sie sich von den Fluren ihrer Universitäten zu den Schaltstellen der Macht, damit der Souverän ihnen ein Ohr leihen möge und sie ihm Ratschläge zuflüstern können.

(Hardt, Negri, Multitude, 2004, S.49f)

1.März 2013

Raspberry Pi Teil 1

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Ich habe mir vor kurzem einen neuen Computer gekauft. Er hat 44€ gekostet plus Stromkabel und SD-Karte. Gemeint ist hier nicht irgendein Computer, sondern der wohl berühmteste Kleinstcomputer der Welt: Der Raspberry Pi. Er besteht eigentlich nur aus einer Platine, auf denen verschiedene Anschlüsse drauf sind. Unter anderem befinden sich auf der Platine ein digitaler Videoanschluss, zwei USB-Anschlüsse, ein Netzwerkanschluss sowie ein Audio- und ein normaler Videoausgang. Als Stromversorgung ist ein Mini-USB-Port vorgesehen, welchen man von den Aufladegeräten der neuen Smartphones kennt. Die Festplatte ist eine SD-Karte, wo auch das Betriebssystem drauf läuft.

Der Raspberry Pi

Der Raspberry Pi

Zwar habe ich eigentlich gar keine Zeit in der Phase meines Studiums gerade, jedoch konnte ich mich nicht verwehren und habe jetzt schon ein Linux installiert. Auf der Seite des Raspberry Pi gibt es mehrere Distributionen, wo man sich eine nach seinen Bedürfnissen aussuchen und herunterladen kann. Ich habe mich für die Distribution “Raspian Wheezy”, entschieden, die eine abgespeckte Debian Version ist. Man muss sich ein wenig reinlesen, was aber allgemein bei Linux wohl nötig ist. Als alter Windows und Neu-Mac-User hatte ich nicht wirklich eine Ahnung von Linux und habe die meiste Zeit des Abends in irgendwelchen Linux/Unix-Foren verbracht und nach Lösungen für meine Probleme gesucht. Dennoch habe ich es geschafft die Distribution zu installieren und mich ein wenig zu Recht zu finden.

Nachdem ich dann auch noch meinen Raspberry Pi ins Internet gebracht hatte, schaffe ich es auch einen Apache-Webserver zu installieren und diesen mit PHP und MySQL auszustatten. Nun bin ich dabei, sobald ich wieder mal Zeit habe, auf dem Webserver die Software “OwnCloud” zu installieren und dann meinen eigenen Cloud-Server zu haben, meine persönliche Dropbox sozusagen. Und sollte das funktionieren, überlege ich gerade, ob ich meinen Blog langfristig dann über den Raspberry Pi laufen lassen. Es hat ja irgendwie schon etwas, seinen eigenen Webserver im Zimmer stehen zu haben, der keinen Ton von sich gibt und kaum Strom zieht.

Einziger Nachteil ist jedoch die Leistungsfähigkeit des Minicomputers. Immer wieder habe ich in Foren gelesen, dass der Raspberry Pi aufgrund seiner Leistung nicht wirklich als Webserver taugen kann, weil er zu langsam ist und das Hochladen von größeren Dateien einfach zu lange dauert. In wie fern das stimmt habe ich aber noch nicht ausprobiert. Ich bin gespannt und halte euch weiter von meinen Experimenten auf dem Laufenden.