Die Bahn….

Eigentlich bin ich ein ganz lieber Bahnfahrer. Da ich viel und oft Bahn fahre, versuche ich oft aus manch doofen Situationen, dass Beste zu mache. Wenn beispielsweise ein Wagen ausgefallen oder der komplette Zug überfüllt ist, weil die DB AG immer noch nicht mitbekommen hat, dass Freitags viele Studierende, Pendler_Innen und Bundeswehrsoldaten nach Hause fahren, dann setzte ich mich halt den Restaurantwagen und trinke gemütlich ein Bier. Mich regt es auch nicht auf, wenn mich ein Schaffner auf dem Weg von Marburg nach Hannover rund 5-mal nach der Fahrkarte fragt. Man gewöhnt sich ja an alles und wenn man auf die Bahn angewiesen ist, so wie ich, dann sieht man vor allem die positiven Seiten des Verkehrsmittel wie die oft ruhige und entspannte Atmosphäre oder die zusätzliche Zeit, die man fürs Lesen geschenkt bekommt.

Aber heute ist mir der Kragen geplatzt! Als ich in meinen Briefkasten guckte, sah ich einen Brief der DB AG. Darin stand, dass ich meine Bahncard noch nicht bezahlt habe und dies schleunigst tun soll. Beim lesen dieser Zeilen fragte ich mich, ob dies ein Versehen oder einfach nur Böswilligkeit von Seiten der Deutschen Bahn war. Also rief ich die “Servicehotline” an und erklärte der Dame am Telefon, dass ich meine neue Bahncard schon am Schalter verlängert lassen und diese auch gleich per Kreditkarte bezahlt hatte.

Diese schaute nur in den Computer und meinte zu mir, dass ich die Bahncard nicht verlängert habe, sondern eine NEUE Bahncard in Auftrag gegeben habe. Gleichzeitig sei meine ALTE Bahncard verlängert worden und somit hätte ich zwei Bahncards parallel auf den gleichen Namen für mich bestellt und sollte daher auch für beide Bahncards bezahlen. Ich persönlich hatte mich ja schon gewundert, warum ich zwei Bahncards zu geschickt bekommen hatte, dachte aber, dass sich dies wahrscheinlich um einen Verwaltungsfehler der Deutschen Bahn gehandelt hätte, da man ja eh nur EINE Bahncard benutzen kann, also wozu braucht man da zwei? Nun, dem sei nicht so versicherte mir die unfreundliche Dame am Servicetelefon der DB AG. Man kann 5 oder 10 Bahncards haben und müsste auch für alle bezahlen. Der Bahn AG sei ziemlich egal, was man damit macht, Hauptsache sie verdient Geld damit.

Ich weiß nicht ob euch diese Logik einleuchtet, aber für mich ist sie nicht vorhanden. Eine Bahncard 50 reicht mir. Eine zweite Bahncard 50 würde ich nur nehmen, wenn ich 100% auf den Fahrpreis kriegen würde, aber dies, so die Hotline Mitarbeiterin, würde nicht gehen.

Also liebe Bahn AG, wozu brauche ich dann zwei Bahncards?

Anstoß zur Diskussion

Ich hatte vor 1-2 Wochen eine lange, und interessante Diskussion mit Christian. Im Prinzip ging es darum ob wir tatsächlich in der Krise sind, ob es tatsächlich sowas wie eine Krise gibt bis zur Frage ob der Begriff Krise überhaupt zutreffend sei. Gut. Das ganze war für mich in dem Moment unheimlich interessant, weil ich gerne diskutierte, hat aber hierfür überhaupt gar keine Bedeutung. Denn, ehrlich gesagt, an die Hälfte erinnere ich mich gar nicht mehr und die andere könnte ich schon garnicht mehr schriftlich wiedergeben.

Gegen Ende gab ich jedenfalls ein Beispiel dafür, dass bei den Politikern eben vieles doch nicht ganz so intelligent und doch durch und durch menschlich abläuft. Jedenfalls möchte ich dieses schöne Beispiel auch hier zur Diskussion freigeben. Das Thema mag zwar schon so ziehmlich verdrängt sein von anderen Problemen, ist aber trotzdem noch interessant: Veräußerung von Staatseigentum.

Nehmen wir mal an wir an der kluge Hans besitzt eine Immobilie. Ein schönes Haus – abbezahlt und sauber – das schon seit ein paar Jahrzehnten der Familie gehört . Also, denkt sich der kluge Hans, wenn ich jetzt weiter die Miete kassiere bekomme ich jeden Monat ein paar läppische Hundert Euro – die kriegt sowieso nur mein Sohn. Warum verkauf ich das Haus nicht einfach und habe sofort ein paar Hunderttausend! Davon kann ich mir ein schickes Auto kaufen und kann die Nachbarn beeindrucken!

Im Prinzip ist es auch so beim staatlichen Besitz abgelaufen: Nur, das Haus ist das “Die Bahn”-Unternehmen, das schicke Auto ist jetzt die Zahl der Schulden die plötzlich entsprechend abgenommen haben müßte und jeder Wirtschaftsprofi würde sich jetzt am liebsten das Bein abbeißen (oder jubeln, kommt auf die Seite an auf der er steht). Vetter Hans ist eigentlich Politiker, nach 4 Jahren plötzlich nicht mehr in seinem Posten, kann aber mit Fug und Recht behaupten: Er häbe die Schulden gedrückt.

Die Frage ist überhaupt garnicht ob man solche Institutionen verkauft, ob sie marode seien oder was auch immer – in dem Moment wo sich andere Menschen dafür interessieren müßte auch dem letzten klar sein, dass ganz gleiche Kosten man jetzt zusätzlich investiert, das alles für die Zukunft lohnt, irgendwann ist Bonus drin! So denken Politiker nur leider nicht. Warum wird Staatseigentum veräußert? Sprich, warum Privatisierung von Bahn, Post und so weiter: Politiker sind in der Regel nicht für immer am Drücker, also für einen bestimmten, oft kurzen, Zeitraum. Woran misst man Politiker? Bis vor der aktuellen Krise medial verstärkt vor allem daran wie stark sie die Zahl der Schulden verringert, oder erhöht haben.

Weitere Vor- und Nachteile: Erstmal fielen in den realen Beispielen dazu noch jede Menge Nebenkosten an für Verwaltung, und so weiter, die meist allesamt der Staat tragen durfte und so den vermeintlichen Gewinn im Übrigen noch auf eine kleinere Summe gedrückt haben als es anfangs schien. Dazu für den Politiker: Er hat sich einen guten Namen gemacht bei seinen Freunden in der Wirtschaft, und kann nach seinen paar Jährchen zufrieden in eine Zukunft blicken – als Berater irgendeiner Firma mit angenehmem Gehalt.

Das Schöne hieran: Das alles ist schon passiert. Und um mal Christians Worte zu benutzen: “Traurig, wenn das alles so passiert ist!”.

mfg Celle