Was ganz Neues – 178 Tage Obama

Seit genau 178 Tagen ist Barack Obama der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Und wenn man diese 178 Tage Revue passieren lässt so lässt sich feststellen, dass es bisher keinen großen “Change” gab. Er hat bisher den Abzug der amerikanischen Soldaten aus dem Irak nicht beschleunigt und neue Truppen in den aussichtslosen Krieg nach Afghanistan geschickt. Er hat sich nicht vom amerikanischen Wirtschaftsliberalismus distanziert und die Verluste der Unternehmen sozialisiert.

Dennoch sieht Barack Obamas bisherige Bilanz nicht schlecht aus. Er ist der modernste Präsident, den die Vereinigten Staaten seit Jahren hatten. Sieht man sich die Bilanz seiner demokratischen Vorgänger Carter und Clinton an, so muss man erkennen mit welcher Progressivität Obama seine ersten knapp 200 Tage angegangen ist. Carter war ein Wirtschaftsliberaler, der außenpolitisch dafür verantwortlich war, dass der Kalte Krieg wieder neu entflammt wurde. Clintons Bilanz sieht noch trüber aus: Er steht für die Verschärfung des Strafrechts, die Abschaffung der Sozialhilfe sowie die Einführung des Freihandelsabkommen NAFTA. Außenpolitisch hat Clinton die Militäroperationen im Irak, im Sudan, im Kosovo und in Afghanistan, die alle ohne UN-Mandat stattfanden zu verantworten.

Gerade in dem Rückblick auf seine Vorgänger innerhalb der demokratischen Partei ist das Engagement Obamas zu loben. So arbeitet das Weiße Haus gerade an Gesetzten, die die gewerkschaftlichen Rechte in den Betrieben stärken wird und 46 Millionen Menschen eine staatliche Krankenversicherung zusichert. Auch schnürte Obama das größte Konjunkturprogramm der Welt und stützt damit nicht nur die amerikanische, sondern auch die weltweite Wirtschaft. Außenpolitisch ist er der erste Präsident, der offensiv auf die arabische Welt zugeht und versucht den Israel-Palästina Konflikt mit ganz anderen Mitteln als sein Vorgänger George W. Bush zu lösen. So kritisierte er die Siedlungspolitik Israels und nannte sie einen “Teufelskreislauf des Misstrauens”. Er gestand der Hamas zu, dass sie in der breiten palästinensischen  Gesellschaft “Vertrauen” genieße und erkannte damit ihre politische Eigenständigkeit an. Auch verurteilte er als erster amerikanischer Präsident den Putsch im Iran und in Chile, was ein großer Schritt der Annäherung ist.

“Amerika maßt sich nicht an, zu wissen, was das Maß aller Dinge ist!” sagte er in seiner Kairoer Rede vom 4.Juni 2009. Diese Satz scheint zum Leitsatz der Regierungspolitik zu werden. Natürlich sind die strategischen und monetaristischen Interessen der USA so groß und schwer, dass sich auch ein Barack Obama nicht davor drücken kann diese zu verfolgen. Sollte er jedoch einige Dinge weiterhin so souverän hinterfragen, werden die nächsten vier Jahre doch angenehmer als vergangen. Gerade Frieden kann diese Welt gut gebrauchen!

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