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#unibrennt
Der Bildungsstreik greift nach Deutschland über. Nachdem die Uni Wien sowie andere Unis in Österreich seit 3 Wochen in der Hand der Studierenden sind werden nun auch in Deutschland Universitäten besetzt. Den Anfang hat Heidelberg gestern Abend nach einer Vollversammlung gemacht. Heute sind weitere Unis, unter anderem Münster und Potsdam dazugekommen.
Der Aufruf unter dem Motto “Der Herbst wird heiß” scheint sich zu bewahrheiten und somit scheint ein “Bildungsstreik Reloaded” in sehr naher Zukunft wohl vorprogrammiert! Im Rahmen der “Global Week of Action”, die vom 9.- bis 18. November ansteht, wird wahrscheinlich mehr als nur die normalen Demos durchgeführt werden. Die Unibesetzungen scheinen erst der Anfang für eine weltweite Studierendenbewegung zu sein.
Wenn man sich die Ergebnisse des letzten Bildungsstreik anschaut, so scheint auch nicht wirklich viel erreicht worden zu sein. Bei uns in Marburg wurden “Anwesenheitslisten” abgeschafft aber eine wirkliche Intervention in den Bolognaprozess ist misslungen. Immer noch ist der Bachelor viel zu verschult und auf “Ausbildung” statt auf “Bildung” fixiert. Immernoch gibt es Zugangsbeschränkungen für Masterstudiengänge und immernoch sind die Universitäten chronisch unterfinanziert.
Deswegen ist es auch nicht verwunderlich das der Bildungsstreik in eine neue Runde geht und nun zu radikaleren Mitteln wie Besetzungen zurückgreift. “Education is not for Sale” steht auf ihren Flyern und wie es aussieht werden die Studierenden ihren Elfenbeinturm gegen die Privatwirtschaft und gegen Angriffen aus dem Bildungsministerium verteidigen!
Die Frage nach den ganzen Besetzungen heute ist nur, wo bleiben die beiden Hauptakteure des letzten Bildungsstreiks? Weder in Berlin noch in Marburg hat sich gestern bzw. heute etwas getan und so wirklich etwas geplant scheint auch nicht zu sein. Beide Akteure mobilisieren zwar für die “Global Week of Action” doch eine wirkliche Aktion scheint nicht geplant. Falls es von Marburg etwas Aktuelles gibt, werde ich darüber schreiben!
Morgen: Demonstration für gute Bildung!
“Wir sind gekommen um zu bleiben” war ein Spruch bei dem diesjährigen Bildungsstreik, bei dem sich rund 300.000 Schüler_Innen und Studenten_Innen beteiligt haben. Das der Protest im Sommer Spuren hinterlassen hat, kann mensch nicht nur in dem G-Gang der Politikwissenschaften in der Philosophischen Fakultät sehen sondern auch daran, dass es in den Politik- und Sozialwissenschaften keine Anwesenheitslisten mehr gibt. Die Besetzung der Fakultät hat Ergebnisse gebracht, doch noch nicht alle Forderungen wurden erreicht.
Die Strukturen stehen hier und das “Bildungsstreikplenum” ist vorbereitet auf den “heißen Herbst” wie er im Aufruf angekündigt wird. Das neue Hessische Hochschulgesetz, versteckte Studiengebühren, der krasse Druck des Bachelors sowie die Verschulung des Studiums sind Ansatzpunkte, die es zu kritisieren gilt. Darum gibt es morgen, auch mit dem Blick auf Wien, wo morgen gleichzeitig die große Bündnisdemonstration stattfindet, eine Auftaktdemonstration für den heißen Herbst.
Der Treffpunkt ist das Foyer der Philosophischen Fakultät und um 14 Uhr geht es los.
"Leere Köpfe nicken leichter!"
Das Bildungssystem steckt in einer Krise! Und das nicht erst seit heute. Gestern sind in Berlin über 27.000 Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten sowie auch viele Lehrerinnen und Lehrer auf die Straße für eine Verbesserung ihrer Lehr- und Lernbedingungen gegangen. Bundesweit waren es mehr als 240 000 Menschen. Heute stürmten in Berlin mehrere hundert Menschen eine Filiale der Hypo Real Estate und forderten ihren Teil des Konjukturpaketes. Im Bundestag gab es eine aktuelle Stunde, wo alle Fraktionen Verständnis für die Proteste zeigten.
Der Bildungsstreik, der in dieser Woche in rund 90 Städten in Deutschland stattfindet zeigt so langsam Wirkung. Die Öffentlichkeit nimmt nicht nur die Proteste und Besetzungen wahr sondern reflektiert sie auch kritisch. Denn die Forderungen der Protestierenden sind nicht wirklich neu und schon gar nicht utopisch. Mehr Lehrer, weniger Stundenausfall, kleinere Klasse, keine Studiengebühren und freier Zugang zu den Masterstudiengängen. Das alles ist richtig, wichtig und dringend notwendig.
Das einzige was Deutschland hat sind seine klugen Köpfe. Wir haben keine Gold-, Öl- oder Uranvorkommen um unseren Status "Exportweltmeister" halten zu können. Wir haben diesen "Titel" nur gewonnen weil wir kluge Köpfe hatten aber auch immer noch haben, die Sachen, die unser aller Leben vereinfachen erfunden haben. Dies konnte aber nur geschehen, weil sie die Freiheit der Hochschulbildung und Forschung hatten. Eine Hochschulbildung, die aus ihren Studenten nur gleichförmiges Humankapital schafft ist weder für die Wirtschaft noch für die Politik gut. Gute Bildung braucht Zeit und Eigenverantwortung. Denn nicht nur Banken sind "Systemrelevant"! Oder wie stand es auf einem der Demoschilder:
Chuck Norris schafft sein Studium in der Regelstudienzeit!











