Eine Milliarden Menschen leiden an Überfettung und eine Milliarde Menschen sind stark unterernährt. So oder so ähnlich kann man den letzte Woche erscheinenden Welthunger-Index 2009 der Welthungerhilfe verstehen, wenn man ihn mit dem European Association for the Study of Obesity Bericht aus dem Jahr 2007 vergleicht. Dieser Vergleich zeigt auch, wenn man sich die Berichte näher anschaut, dass es ein eindeutiges Nord-Süd-Gefälle gibt. So leiden die Menschen im Norden, vor allem den USA, Griechenland und Deutschland an gefährlicher Verfettungen, während in den Ländern des Südens, vor allem die Demokratische Republik Kongo, gefolgt von Burundi, Eritrea, Sierra Leone und dem Tschad, die Menschen hungern.
Im Jahr 2000 hat sich die Internationale Gemeinschaft die Halbierung des Hungers bis 2015 auf die Fahnen geschrieben. Mit den UN-Millenniumszielen wurden konkrete Schritte für die Bekämpfung der Armut formuliert und genaue Zwischenstufen bis 2015 entwickelt. Mit Blick auf den Armutsbericht, der von einer Steigerung der absoluten Zahl der Hungernden spricht, kann man sagen, dass das bescheidene Engagement der Industriestaaten mehr als gescheitert ist.
Schuld daran ist die neoliberale Politik der Entwicklungszusammenarbeit von Weltbank und IWF, die in den Entwicklungsländern Afrikas und Asien nur Absatzmärkte und billige Produktionsstätten sehen und nicht wirklich an einer Verbesserung der ärmsten Länder der Welt interessiert sind. Diese Entwicklungsprogramme helfen nicht den Menschen sondern können vielmehr als »als Konjunkturpakete für die Saatgut- und Düngerindustrie « angesehen werden, erklärte die FIAN-Geschäftsführerin, Ute Hausmann gegenüber der jungen Welt.
Die Aussicht auf Besserung der enormen Armut ist auch nicht in Sicht. Die weltweite Finanzkrise, die von den Industriestaaten verschuldet wurde, wird vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer treffen und die Armut dort weiter vergrößern. Aufgrund der weltweit steigenden Lebensmittelpreisen, die durch die anhaltende Nachfrage nach Biokraftstoffen und der Spekulationen westlicher Händler teilweise künstlich erzeugt wird, werden vor allem die Ärmsten der Armen noch schlimmer vom Hunger betroffen sein. Interessant ist desweiteren, dass vor allem in Ländern, in denen Frauen offen unterdrückt werden die Armut am größten ist. So sind 70 Prozent der 1,4 Milliarden Armen weltweit Frauen und insgesamt 76% der Bevölkerung Kenias hungern.
Dagegen kann nur eine wirkliche Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,7% des BIP und ein wirklich radikales Umdenken in der Weltfinanzordnung helfen. Anstatt einem Rettungspaket für die Banken brauchen wir ein „Rettungspaket für die Menschen“ (Ingeborg Schäuble) oder : „Keine Hälfte der Welt kann ohne die andere überleben“.