“Keine Hälfte der Welt kann ohne die andere Hälfte überleben” hat einmal der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizäcker in einer Rede gesagt. Der Satz würde wahrer werden, wenn er “Die eine Hälfte der Welt lebt von der anderen Hälfte der Welt” lauten würde. Auf dem oberen Bild seht ihr Frauen aus Sansibar bei der Arbeit. Sie haben sich zu sogenannten Frauenkooperativen zusammengeschlossen, um zusammen einen kleinen Beitrag zum Familieneinkommen beizusteuern. Die Frauen bauen Seetang an, den sie dann versuchen an die Kosmetik oder Pharmaindustrie zu verkaufen. Der Seetang wird erst am Strand oder im Meer gesammelt und dann, auf einer Leine gespannt, zwischen zwei Pfosten ins Meer gehangen. Nach 3 Monaten ist er dann so groß, dass man ihn zum trocknen an den Strand legen und danach verkaufen kann. Pro Kilo kriegen die Frauen rund 160 Tshilingi, was soviel ist wie 0,08 Euro sind. Der Weltmarktpreis für getrockneten Seetang liegt jedoch bei rund 70 Dollar was rund das 100fache des Erlöses der Frauen ist.
Da die Frauen aber weder die Bildung noch die Infrastruktur haben um ihre Waren auf dem Weltmarkt anbieten zu können, müssen sie sich mit dem sehr niedrigen und auch nicht überlebensfähigen Preis zufrieden geben. Die Großhändler, die vor allem aus dem Auslandkommen und große Menge Seetang kaufen, machen ein sehr gutes Geschäft. Sie verdienen rund 69 Dollar an einem Kilo. Die Frauen jedoch arbeiten den ganzen Tag unter schwersten und gesundheitsgefährdenden Umständen und bekommen pro Monat nicht einmal 20 000 Tshilingi (12 Euro).
Und genau hier liegt die Krux! Denn diese Frauen sind nicht die einzigen Arbeiter_Innen, die deutlich unter dem Weltmarktpreis arbeiten. Wenn die Menschen für eine sehr harte Arbeit nicht mal einen Lohn zum leben bekommen, dann ist das ein Kreislauf aus dem sie niemals ausbrechen können. Sie sind in der Armut gefangen und selbst wenn sie noch so hart arbeiten werden sie immer arm bleiben. Die einzigen die daran etwas ändern können sind wir. Wir, die Bewohner der anderen Hälfte der Welt. Wir können Fair Trade Produkte kaufen und vor allem können wir versuchen Druck auf die politisch Verantwortlichen auszuüben. Denn das einzige was Afrika aus diesem Würgegriff befreien könnte wäre eine Reform des Weltwirtschaftssystem.