Genau 2 Jahre ist es jetzt her, dass die Wirtschaftskrise Deutschland erreicht hat. Im Juli 2007 musste die IKB als erste Bank zugeben, dass sie sich an faulen Krediten verhoben hat. Seitdem ist einiges passiert. Unternehmen wie Karstadt, OPEL oder Merklin, die seit teilweise mehr als hundert Jahre in Deutschland Geschäfte machten, sind in die Insolvenz gegangen bzw. wurden übernommen, Der weltweite Leitzins der Zentralbanken liegt auf einem historischen Tiefstand zwischen 0% und 1% und der Deutsche Aktien Index (DAX) hat rund die Hälfte seines Wertes verglichen mit 2007 verloren. Insgesamt pumpte die Staaten 2 Billionen Euro in die Wirtschaft um Unternehmen und Arbeitsplätze zu sichern, bis 2013 will allein Deutschland rund eine halbe Billionen Euro in seine Wirtschaft investieren.Gleichzeitig reagieren sie neben den Firmenrettungen mit direkten Wirtschaftshilfen für Arbeitnehmer (Kurzarbeit) und einzelnen Branchen (Abfrackprämie).
Schuld sind die gierigen Manager und das System an sich! Selbst Peer Steinbrück (SPD) sagte nach dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers, das “gewisse Teile der marxistischen Theorie doch nicht so verkehrt” seinen. Die Gesellschaft ist sich einig: “Dem Kapitalismus müssen wieder Ketten angelegt werden”!
Die ganze Gesellschaft? Nein, ein kleines Magazin zeigt weiterhin Widerstand und wehrt sich gegen den allgemeinen Kurs hin zum Keynianismus. Das Zentralorgan des Kapitalismus, die Wirtschaftswoche hält weiterhin an den Theorien von Adam Smith und Milton Friedmann fest und fordert gegen die gesellschaftliche Mehrheitsmeinung mehr Markt statt mehr Staat. So fordert Malte Fischer in der Juli-Ausgabe mehr wirtschaftliche Freiräume, verurteilt den Glauben an den Staat als “naiv” und warnt davor, dass “der Staat […] immer mächtiger” wird. Am krassesten wird er jedoch, wenn er die Schuld an der Weltwirtschaftskrise dem Staat zuordnen möchte. So schreibt er, dass “die Finanzkrise ihren Ausgangspunkt nicht im unregulierten Spiel der Marktkräfte […] sondern in staatlichen Fehlsteuerungen” hat. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Wirtschaftswoche und Malte Fischer mit den altbackenden Argumenten der Neoliberalen versuchen die Schuld an der Wirtschaftskrise nicht der Wirtschaft sondern dem Staat, der zu viel reguliert hat in die Schuhe zu schieben. Ganz nach der Theorie von Adam Smith, dass die unsichtbare Hand die Wirtschaft schon im Lot halten wird und Krisen, wie die heutige, nur durch das eingreifen in die Wirtschaft entstehen können und das Wohlstand nur mit der kompletten Freiheit des Marktes langfristig gesichert werden kann.
Dies ist jedoch ein Trugschluss, den man nicht nur historischen an Beispielen wie die Weimarer Republik, Chile oder Argentinien zeigen kann. Auch geht die Gleichung Freiheit des Marktes = Wachstum = Wohlstand nicht auf. Ich möchte nicht die Studie der Heritage Foundation anzweifeln, die besagt: Je höher der Grad wirtschaftlicher Freiheit ist desto höher fällt auch das Pro-Kopf-Einkommen aus. Diese führt Malte Fischer nämlich an um seine Hypothese zu stützen. Er verschweigt aber, dass das Pro-Kopf-Einkommen nur oberflächlich etwas über den Wohlstand der Bevölkerung aussagt. Nach der Rechnung von Fischer würde das Pro-Kopf-Einkommen errechnet durch eine kleine sehr reiche Clique und eine große und sehr arme Gruppe. Das dies jedoch kein gesamtgesellschaftlicher Wohlstand ist sondern die Umverteilung des monetaristischen Wohlstandes von unten nach oben sollte Fischer eigentlich wissen.
Nein, wir brauchen nicht noch mehr Markt! Nein, diese Weltwirtschaftskrise, aber auch die Beispiele Argentinien, Chile und Deutschland haben gezeigt, dass der Raubtierkapitalismus nicht zum allgemeinen Wohlstand führt sondern immer wieder ganz gewaltige Krisen hervorruft und die Menschen verarmen, verhungern und verelenden lässt. Was wir brauchen ist eine demokratisch regulierte Wirtschaft, die in der Lage ist Gewinne wie Verluste zu sozialisieren und Wohlstand für alle zu schaffen!