Gerhard Richter in Berlin

Um gleich zu Beginn mit der Verteidigung meiner Person zu starten, muss ich sagen, dass ich kein Experte der Kunst bin. Ich gehe gerne zu Ausstellungen und genieße die Kultur so, wie sie auf mich wirkt. Ich schaue sie an und versuche zu deuten, Geschichten und Botschaften raus zu lesen und manchmal genieße ich auch einfach nur die Schönheit dieser Werke ohne sie großartig zu hinterfragen. Ich liebe die Kultur und ich lasse mich gerne auf Neues ein, solange es interessant zu sein scheint.

Heute war ich in der neuen Nationalgalerie um mir die Ausstellung “Panorama” mit den Bildern von Gerhard Richter auszuschauen. Viel wurde in den Medien über diese Ausstellung geschrieben und berichtet. Immerhin ist Richter einer der erfolgreichsten deutschen Maler und Künstler und was die Verkaufserlöse angeht, sogar DER erfolgreichste. Seine Bilder hängen im New Yorker Museum of Modern Art, dass ihm zu seinem 70.Geburtstag sogar eine eigene Ausstellung widmete. 10 Jahre später also war Berlin dran, ihm eine Ausstellung zu widmen und zeigte dies mit einer unaufgeregten, ja teilweise langweiligen Art.

Die Komposition der Bilder war verwirrend und unlogisch. Neben abstrakten Bildern von ihm, hingen Landschaftsaufnahmen, neben Portraits hing Popkunst. Alles wirkte irgendwie als würde es nicht an den Platz gehören, wo es gerade stand. Vielmehr noch wirkte es unaufgeräumt aber durch die Aufstellung in den Räumen als unaufgeregt. Schon allein weil die Bilder in vielen Fällen so nichtssagend waren und man in ihnen nicht erkennen konnte, keine Message, keine Geschichte in ihnen zu entdecken war, ist die Überraschung, was auf einmal daneben hing, die einzige Unterhaltung in dieser Ausstellung.

Nun ja, ich will auch nicht alles schlecht machen und manche Bilder gefielen mir. Die zwei Betty-Bilder, wo Richter seine Tochter unglaublich realistisch gemalt hatte und man meinte, es wäre eine Vergrößerung einer Fotographie, waren schon atemberaubend. Und auch die “Leserin” und der “Ferrari” sind zwei Bilder, die wirklich einmalig sind und wo das Genie dieses Künstlers zum Vorschein kam. Dort malt Richter mit einer Genauigkeit und einem Auge, dass es einem wirklich der Atem wegbleibt und man es eigentlich nicht fassen kann, dass sie von Menschenhand gemalt wurde. Und auch das Bild “Stripes”, wo Richter eine riesige Leinwand mit Streifen unterschiedlicher Farbe bemalt hat fand ich sehr schön. Selbst das Bild 4098 Farben war es Wert ausgestellt zu werden und man konnte sich länger davor aufhalten, es betrachten und sich seine Gedanken dazu machen.

Die Mehrzahl der Bilder aber fand ich nichtssagend. Sie stellten war dar, gaben etwas wieder aber nicht mehr. In ihnen war kein Geheimnis, kein Geist und keine Geschichte. Teilweise dachte ich, dass Richter sich über das Publikum lustig machen will, wenn er einen Spiegel aufhängt oder Glasplatten hintereinanderstellt. Bilder mit dem Namen “Tourist mit 2 Löwen” waren einfach nur grau oder blau. Also nein, das war nicht mein Ding und ehrlich gesagt, konnte ich mit dieser Art von Kunst nichts anfangen. Man hat Richter mal den “Picasso des 21.Jahrhunderts” genannt, aber ich muss sagen, von Picasso hat er weder das politische noch das malerische und ich fragte mich während der Ausstellung des Öfteren, warum Richter seine Bilder für Millionenbeträge verkaufen kann. Klar er hat jetzt einen Namen: “Ein echter Richter” aber ganz ehrlich, ich würde mir so was nicht ins Wohnzimmer hängen. Ich war so enttäuscht von der Ausstellung, dass ich danach lieber nochmal in die Dauerausstellung “Zwischen zwei Himmeln” gegangen bin, die mir wirklich gut gefallen hat und wo das Bild “Die rote Wolke” von Renato Guttuso zu sehen ist, der im spanischen Bürgerkrieg gekämpft hat. Ein wirklich wunderschönes Bild.

Kunst ist aber bekanntlich subjektiv und darf, wie die Satire, alles. Ich persönlich kann die Ausstellung “Panorama” von Gerhard Richter nicht empfehlen, trotz des Hypes um seine Person.

Was? “Panorama” Sonderausstellung mit den Bildern von Gerhard Richter
Wo? In der neuen Nationalgalerie zu Berlin
Wann? 12.Februar 2012 – 13.Mai. 2012

Kulturnation?

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Foto by srmurphy

Irgendwie musste es ja so kommen. Dresden verliert seinen Status als Weltkulturerbe und Deutschlands Image als selbsternannte Kulturnation ist dahin. Und das alles nur, weil die Stadt den Bau der sogenannten “Elbtalbrücke” weiter vorantrieb. Das diese Brücke den einzigartigen Blick auf die barocke Altstadt mit der Frauenkirche, der Semperoper und der Uferpromenade verschandelt hatte die UNESCO schon im Jahr 2006 hingewiesen. Damals landete Dresden nämlich schon auf der Roten Liste. Letztes Jahr wurde der Status “Weltkulturerbe” nur unter Vorbehalt verlängert.  Selbst die Intervention deutscher Intellektueller wie Günter Grass oder Martin Walser an die Kanzlerin Angela Merkel haben nichts gebracht. Tja, nun ist er weg der Titel und Dresden ist ab sofort kein Weltkulturerbe mehr. Damit ist Dresden die zweite Region, nach  einem Naturschutzgebiet im Oman, den die UNESCO den Titel aberkannte.

Doch wer trägt nun die Schuld an dem ganze Theater, der Deutschlands Ruf als Kulturnation deutlich beschädigt hat. Zum einen sind dort die Regierungsparteien im Bund SPD und CDU. Sie schauten tadellos zu, wie die Regierungspartei im Dresdner Stadtparlament CDU, jede Warnung der UNESCO ignorierte. Man wollte darauf hoffen, dass der UNESCO-Rat erst nach dem Bau der Brücke über den Status entscheidet. Anstatt in Dresden zu intervenieren hat Angela Merkel und Franz Müntefering rein gar nichts unternommen um ihren Parteifreunden vom Bau der Brücke abzuraten. Desweiteren trägt natürlich auch die Bürgermeisterin von Dresden, Helma Orosz (CDU) den Großtel der Schuld. Sie hat alles ignoriert und den Status der Stadt leichtsinnig aufs Spiel gestellt.

Was nun? Das der Titel weg ist, ist eine Blamage für Dresden, für Sachsen und für Deutschland. Doch anstatt etwas daraus gelernt zu haben machen die Parteien weiter und sehen in der Kultur nur einen bürokratischen Aufwand. Der Antrag der Grünen, dass die UNESCO-Welterbekonvention ins nationales Recht geschrieben hätte, so dass die Verpflichtung der Bundesrepublik künftig festgeschrieben wäre wurde von den Regierungsparteien im Bundestag abgelehnt. Naja dann gute Nacht Kulturnation Deutschland.