Die Abrechnung

In meinem Artikel vom 21.November 2009 habe ich schon über die Schmutzkampange gegen den Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine berichtet. Damals konnte man nur mutmaßen in wie fern die Vorwürfe aus der eigenen Partei gekommen sind. Meine Spekulation, dass die Informationen über Lafontaine  aus dem Umkreis des “Forums Demokratischer Sozialismus” (FdS), einer reformistischen Strömung innerhalb der Partei DIE LINKE, haben sich letztendlich als richtig erwiesen. Der Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch soll nicht nur in einem Interview mit der Ostseezeitung über die Nachfolge von Lafontaine spekuliert haben, sondern auch Informationen zu seinen Rücktrittsgründen an die Presse geliefert haben.

Jetzt scheint der Vorstoß von Bartsch als massive Kritik zurückzukommen. Die westdeutschen Landesverbände, die vor allem von den Strömungen Sozialistische Linke und Antikapitalistische Linke dominiert werden, schrieben einen Brandbrief an Bartsch und forderten seinen Rücktritt. Nur die ostdeutschen Landesverbänden stellten sich hinter den Bundesgeschäftsführer und kritisierten stattdessen die interne Diskussionskultur.

Und genau hier sieht man, dass dieser ganze Vorstoß, keiner war, der von Bartsch alleine kam. Dieser Konflikt ist kein Konflikt zwischen Bartsch und Lafontaine sondern ein Konflikt zwischen den beiden größten Strömungen innerhalb der LINKEN, nämlich zwischen Sozialistischer Linken und des Forums Demokratischer Sozialismus. Der Angriff von Bartsch auf Lafontaine war ein Versuch des FdS ihre Position vor der Programmdiskussion zu stärken, indem sie Lafontaine, einem Sympathisanten der Sozialistischen Linke der mächtige Position hat, aus dem politischen Geschäft zu kegeln. Dieser Vorstoß lässt erkennen, wie stark sich der FdS gerade fühlt und mit welcher Aggressivität er in die zukünftige Programmdiskussion geht. Es scheint mir sogar, dass dies allgemein ein Vorgeschmack auf diese ist.

Drecksjournalismus

Da hat der SPIEGEL diesen Montag aber eine Story gehabt. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende und derzeitige Parteivorsitzende der Partei die LINKE, Oskar Lafontaine hat eine Affäre mit der Vorsitzende der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht. Der Grund für seinen Rückzug aus dem Fraktionsvorstand soll ein persönlicher Grund gewesen sein. Lafontaine wäre wohl einen “Kuhhandel” eingegangen, damit Wagenknecht einen sicheren Listenplatz bekommt. Er dafür würde sich aus den Spitzenpositionen der Partei zurückziehen und im Saarland den Oppositionsführer mimen. Dies alles sei auch auf betreiben seiner Frau Christa Müller zurückzuführen, die die Affäre zwischen “der Kommunistin” und ihrem Mann ein Ende setzten wollte.

Angefangen mit diesen Gerüchten hat das “Fachblatt für politische Partnerschaften”, die Bunte. Sie schrieb in ihrer Ausgabe 45 vom 29.Oktober 2009: “Scharfe Berliner Kommunistinnen müssen ohne ihn auskommen”. Dies nahm die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Ausgabe vom 1.November in ihrer Satirerubrik “Herzblatt-Geschichten” unter dem Titel “Lafo und die Kommunistin” auf und macht sich dort ein wenig über die Bunte lustig. “Lafo hat was am Laufen mit Sahra Wagenknecht! Hammer, oder?” schrieb sie mehr oder weniger satirisch. Das die SPIEGEL-Mitarbeiter wahrscheinlich Satire und Ernst nicht auseinander halten können, zeigt sich, dass sie in ihrem Blut- und Spermaartikel in der aktuellen Ausgabe, sich auf die FAZ als Quelle beziehen, um ihre niveaulose Hetze gegen Lafontaine auch noch belegen zu können.

In wie fern diese Geschichte von “Genossen” aus der eigenen Partei lanciert wurde, um Lafontaine und Wagenknecht zu schaden, darüber kann man wohl nur spekulieren. Sarah Wagenkecht, die den Reformern (“Forum Demokratischer Sozialismus”) innerhalb der Partei schon lange ein Dorn im Auge ist, war in den letzten Jahren immer wieder Ziel von parteiinternen Angriffen. Und auch Lafontaine ist innerhalb der Partei, vor allem in den ostdeutschen Bundesländern, aufgrund seiner kritischen Haltung zu Rot-Roten Bündnissen umstritten. Das viele Spekulationen, auf die sich der SPIEGEL bezieht, vom Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch kamen, macht die ganze Sache auch nur wenig transparenter. Gerade weil er unmittelbar nach dem bekannt werden der Krebserkrankung Lafontaines in der Ostseezeitung weiter zu Spekulationen einlädt. Dort schloss er nämlich aus, dass Lafontaines Rücktritt etwas mit seiner Erkrankung zutun hat.

Dieser Artikel im SPIEGEL zeigt einmal mehr, dass die bürgerliche Presse, den Kopf der Partei DIE LINKE, Oskar Lafontaine nicht nur politisch, sondern auch psychisch fertigzumachen versucht. Es geht aber wahrscheinlich um mehr, wenn sich ein “Leitmedium” wie der SPIEGEL, dass sich selbst die Auszeichnung “Qualitätsjournalismus” verleiht, auf ein solches Niveau, was man sonst nur vom “Blut-, Schweiß-, und Spermamagazin BILD kennt, herunterzulassen. Es geht viel mehr um die Marginalisierung der gesamtdeutschen Linken, die von vielen noch als der "Angstgegner”, gerade in Krisenzeiten, gesehen wird!