30.August 2013

Wohnungssuche in Berlin

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Bald wohnen wir alle in Womos?

Wohnungssuche in Berlin. Ich hatte schon ein bisschen Angst, als uns meine Bekannten und Freunde erzählten, wie schlimm das alles sein soll. Man findet nichts und das was man findet, soll schrecklich teuer sein. “Viel Spaß!” hatten sie uns gewünscht. Jetzt, nach einer Woche des Suchens in Berlin muss sagen, dass es nur halb so schlimm ist, wie es mir aus Marburg bekannt war. Während in Marburg akute Wohnungsnot herrscht und man allgemein froh ist, überhaupt eine Wohnung in der Woche besichtigen zu können, gibt es in Berlin erstmal genug Wohnungen. Dennoch ist der Wohnungsmarkt in Berlin angespannt.

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21.Juni 2013

Citavi? Argh!

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So, jetzt ist sie gedruckt die Bachelorarbeit. Alles fertig formatiert, fertig geschrieben, fertig an die Seiten angepasst. Worüber ich aber eigentlich schreiben möchte ist das Zitierprogramm Citavi, was mir auf der Schlussgerade nicht nur nochmal viel Arbeit gemacht, sondern mich auch ein wenig zum Verzweifeln brachte.

Erst einmal ist es ja eine ziemlich gute Idee, dass Literaturverzeichnis bei einer größeren Arbeit auszulagern. Wenn man verschiedene Teile hat, an denen man arbeitet und bei denen man selbst am Ende nicht genau weiß, was gekürzt werden muss und was nicht ist ein solches Programm wirklich Gold wert. Außerdem besitzt Citavi noch ganz viele andere tolle Funktionen, wie etwa direkt aus Amazon Bücherdaten zu beziehen oder Texte, welche man als PDF-Datei besitzt zu archivieren. Es ist eigentlich ein Traum für jeden Geisteswissenschaftler zur Ordnung, Sortierung und Archivierung seiner (benutzten) Literatur. Ein Allrounder in der Literaturverwaltung sozusagen.

Es lief auch alles super, bis zu dem Zeitpunkt, als ich mein Literaturverzeichnis erstellt habe. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich vorher nicht allzu viel Zeit hatte, mich in dieses Programm einzuarbeiten, jedoch spuckte mir Citavi ein sehr komisch formatiertes Literaturverzeichnis raus. Ok, so kann es nicht bleiben, dachte ich mir und begann im Internet zu recherchieren. Ich fand auch relativ rasch die Lösung für mein Problem und musste zur Kenntnis nehmen, dass das Literaturverzeichnis, welches ich mir vorstellte, ich mir auch nur selbst zusammenbauen musste. Dazu muss gesagt werden, dass der Service vom Citavi-Team wirklich großartig ist und auch die Möglichkeit, eine eigene Formatierung für das Literaturverzeichnis zu erstellen auch ein wirklich gutes Gadget ist.

Nun fingen jedoch meine Probleme mit Citavi an. Zum einen verarbeitete der WYSIWYG-Editor von Citavi meine Formatierungsvorschläge sehr Fehlerhaft. So waren für ihn die Variablen “Heftnummer” und “Bandnummer” dasselbe, so dass ich in einer Monographie auf einmal “Heftnummer” drinstehen hatte. Das war ärgerlich und raubte Nerven, zumal ich es erst relativ spät checkte, dass für Citavi beides eine Variable war. Nun gut, damit musste ich dann leben. Aber dann bemerkte ich, dass auch andere Variablen gleich waren und ich beschloss am Ende, das Literaturverzeichnis noch stark zu überarbeiten, so dass ich “Heft” aus Monographie rauskürzte, Punkte die sich verschoben, wieder richtig ausrichtete usw. usf..
Nun ja, als ich dann gestern vor dem Literaturverzeichnis saß und es formatieren wollte, fiel mir auf, dass nicht diese Bugs waren, die ich schon kannte. Nein, Nein. Zum allen Überfluss war nun auch dazu gekommen, dass Citavi den VSA-Verlag mal als VSA angab, aber auch als VSA-Verl., VSA-VERL. oder gar als VSAVERLG. Gleichzeitig war bei vielen Publikationen der Vorname vor dem Nachnamen, was dann mein ganzes Literaturverzeichnis durcheinanderbrachte.

Es war zum aus der Haut fahren und ich musste am Ende ganze 3 Stunden über meinem Literaturverzeichnis hocken, Kommas entfernen, Punkte umstellen, Orte verschieben und Namen verändern. Alles also nicht unbedingt spaßig und sehr ärgerlich. Nun Ja, jetzt isse fertig und ich erleichtert… trotz Citavi.

17.Juni 2013

Taksim ist überall!

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Türkei

“Her yer Taksim, her yer direniş” schallt es durch die gesamte Türkei! Taksim ist überall, überall ist Widerstand. Widerstand gegen die neoliberale und islamistische AKP, Widerstand gegen die immer weitere Erosion der Trennung zwischen Staat und Religion und Widerstand gegen eine Politik, welche eine neoliberale Umstrukturierung der Türkei und Istanbul anstrebt.

Der Konflikt, der nun zu solch großen Protestwellen führte, entzündete sich am geplanten Abriss des Gezi-Parks und wurde Stellvertreter für einen viel größeren und viel strukturelleren Konflikt. Die Frage, wie die Türkei in Zukunft aussehen und funktionieren soll wird gerade an diesem Konflikt verhandelt. Sollte er von der Opposition, welche sich von Linken, Studierenden und Kurden, bis hin zu Kemalisten und türkischen Nationalisten erstreckt verloren werden, so ist eine Demokratisierung in eine noch weitere Ferne gerückt.

Dennoch scheint es mir so, dass die Erfahrungen, welche auf dem Taksim-Platz und im Gezi-Park aber auch in der gesamten Türkei, in Ankara oder in Izmir gesammelt wurden, diese Generation prägen werden. Die Solidarität untereinander, die Pluralität sowie die Momente des kollektiven Widerstandes werden nicht so einfach mehr aus der Erinnerung gestrichen werden können. Vielmehr hat die Repression und der autoritäre Regierungsstil Erdogans die Widersprüche und Streitigkeiten zwischen den Demonstrierenden noch viel mehr verdeckt und zu Bildung einer gemeinsamen oppositionellen Identität geführt. Den Widerstand, den Erdogan durch die Räumung des Gezi-Parks nun provoziert hat, wird ein noch stärkerer und verdichteter sein, als zu Beginn der Proteste überhaupt zu denken war. Denn auch vor der Besetzung des Gezi-Parks, waren die Proteste in der Türkei lebendig und zahlreich, jedoch wurden sie nicht gehört und waren oftmals nicht aufeinander bezogen. Die Revolte im Gezi-Park wird dies ändern.

Gerade die internationale Solidarität, welche aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt für die Protestierenden artikuliert wurde, hat die Widerstandskraft der Menschen verstärkt. Ein Freund aus der Türkei schrieb mir: “We are so proud of you and your solidarity. Thanks a lot. We need your solidarity because it’s a weapon against Erdogan and his AKP”.

Auch in Marburg hat sich ein Solidaritätsbündnis unter dem Namen “Taksim ist überall” gegründet und hält derzeit aus Protest gegen die Gewalt in Istanbul und der Türkei den Rudolfsplatz besetzt. Ziel des Aktionsbündnis ist es, die Solidarität mit dem Taksim-Protest in Marburg besser zu organisieren und zu vernetzten sowie die Protest in der Türkei vermehrt auch lokal in der Presse zu positionieren. Auch ziehen sie Parallelen zwischen der neoliberalen Umstrukturierung Istanbuls mit der Umstrukturierung in Marburg, v.a. der Nordstadt.

Wie der Protest weitergehen wird, wird sich zeigen. Derzeit protestieren über 100.000 Menschen in Istanbul gegen die AKP-Regierung und die Gewerkschaften hatten heute zu einem Generalstreik aufgerufen.

3.März 2013

Wenn Wohnraum zu Ware wird

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“Das Produkt Wohnraum wird derzeit immer noch unter seinem Wert verkauft” sagt der Immobilienmakler Rolf Elgeti letztens in der ZDF-Sendung “Peter Hahne”, welche sich um das Thema “Hohe Mieten” drehte. Das “Produkt Wohnraum” wird in deutschen Groß- und Universitätsstädten immer teurer und für viele nicht mehr bezahlbar. In Berlin steigen die Mieten seit 2007 um mehr als 27% im Durchschnitt, was eine Explosion des Wohnraummarktes darstellt. Doch warum haben wir es in den letzten zwei bis drei Jahren so einen Aufwertungsprozess von Wohnraum?

foto0329bSehr interessant ist der Sprech, den Rolf Elgeti und viele andere neoliberale Politiker_Innen und Immobilienhaie draufhaben. Das “Produkt Wohnen” ist für sie nichts andere als eine Ware, welche einen bestimmten Wert besitzt. Ihr Immobilienbesitz stellt eine Investition dar, welche ihnen eine möglichst hohe Rendite versprechen soll. Wohnraum ist eine Bedingung für ein menschenwürdiges Leben, sondern ein Spekulationsobjekt, welches Gewinn abwerfen muss.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass gerade seit den Jahren 2007 und 2008 Wohnraum immer mehr zu Anlageobjekten geworden sind. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise haben die Notenbanken eine Niedrigzinspolitik eingeleitet, welche dazu führte, dass klassische Anlageformen wie das Tagesgeld oder das klassische Sparbuch kaum mehr als 1,5% Zinsen abwarfen. Gleichzeitig sind viele Anleger durch die Krise der Staatsanleihen verschreckt und befinden sich nun auf der Suche sichere und hochrenditäre Anlageformen. Diese finden sie nun in dem sogenannten “Betongold”, dass in Berlin, Marburg und anderswo in Europa durch steigende Miete, eine scheinbar sichere und kontinuierlich hohe Rendite verspricht. Wo sonst kann man heute noch sein Geld investieren und mit regelmäßigen monatlichen Zahlungen sowie einer Rendite von bis zu 40% nach 2 bis 3 Jahren rechnen?

Gleichzeitig führt diese veränderte Wohnraumpolitik, welche Mieten als Rendite und Wohnraum als Anlageobjekte ansieht, zu Verdrängung und erzwungenen Veränderungsprozessen. Während in Marburg kaum noch ein Studierender eine Wohnung in der Innenstadt findet und dort die Mieten auf dem Niveau von München liegt, werden in Berlin ganze Stadtteilbevölkerungen durch massenhafte Zwangsräumungen an den Stadtrand nach Lichtenberg oder Marzahn verdrängt. Die Stadt, die Innenstädte, so der Tenor der Verantwortlichen dieser Prozesse, gehört denjenigen, die das Geld haben sie sich zu leisten, also den Vermögenden, den Maklern und den großen Unternehmen. Für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen ist kein Platz.

Und auch für Geschichte und Denkmäler wie es derzeit in Berlin scheint. Wie schon seit Beginn des Kapitalismus untergräbt dieser die Natur und die Arbeitskraft und zerstört, was ihm in den Weg kommt. Und so muss derzeit die East-Side-Gallery, der einzige Ort, welcher noch an die Mauer zwischen Berlin und Berlin erinnert, einem vierzehnstöckigen Hochhaus mit Luxuswohnungen weichen. Geschichte wird gemacht mag man sich bei dieser Wohnungspolitik von Rot-Schwarz denken.

Doch dagegen beginnt Widerstand sich zu regen. Die Menschen fangen an diese Prozesse nicht mehr einfach hinzunehmen und ungefragt passieren zu lassen. Sie verstehen langsam, dass Gentrifizierung kein Naturphänomen ist, sondern dass auch diese Verdrängung von Menschen gemacht wird. Während derzeit hunderte vor der East-Side-Gallery stehe und den Abriss der Mauer verhindert, machten mehrere hunderte Menschen in Reinickendorf und Kreuzberg Zwangsräumungen zum Desaster. Und auch hier in Marburg haben am zweiten Februarwochenende die Menschen die Nase voll gehabt von Makler und Hohen Mieten und nach einer Demonstration ein Haus besetzt. Das alles passierte mit dem Spruch, dass alle ein Recht auf Stadt hätten und das dieses Recht ein Menschenrecht ist.

Infos zur Recht auf Stadt in Marburg
http://ras-marburg.wordpress.com
http://www.facebook.com/pages/Recht-auf-Stadt-Marburg/264910856955085
http://squatmarburg.wordpress.com/

24.Mai 2012

Studium? Schule!

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Gestern bin ich aus einem Seminar geflohen, weil ich es nicht länger ertragen habe. Es war in einem Seminar zur Friedens-und Konfliktforschung und wir waren in Gruppen eingeteilt und sollten einen Text diskutieren und dazu Fragen beantworten. Die Fragen waren aber vor allem als Orientierungshilfen zur Diskussion des Textes gedacht und waren weniger “Aufgaben”, die man in den 20 Minuten beantworten musste. Meine Gruppe sah dies jedoch anders und wollte so schnell und effizient wie möglich die Aufgaben lösen und sich bloß nicht mit Diskussionen aufhalten. Abgesehen davon, dass bei den vielen Kommiliton_Innen in meiner Gruppe, aufgrund ihrer niedrigen Semesterzahl (2 und 4) das spezielle Wissen fehlte, waren sie auch nicht willig sich auf eine Diskussion einzulassen.

Ich kam mir vor wie früher in der Schule, als wir von unserem Lehrer einen Text bekommen hatten und diejenigen, die ihn am schnellsten durchgearbeitete hatten, wurden damit belohnt, dass sie 10 Minuten Pause hatten. Jeder Versuch von mir, wurde mit einem “Das diskutieren wir später, jetzt machen wir erst einmal die Aufgaben” abgewürgt und die anderen Kommentare der Kommilition_Innen waren Aussprüche ihrer eigenen subjektiven Erfahrungen. Allen in allem ist der kritische Geist, der zu meinem Ersti-Zeiten noch in kleinen Doisen in Seminaren und Vorlesungen vorhanden war (und hier auch vor allem von den Studis eingefordert wurde) wohl verfolgen. Der ideologische Staatsapparat (vgl. Althusser u. Poulantzas) hat hier gute Arbeit geleistet und den Schüler_innen einen Arbeitsethos mitgegeben.

Aber man kann es ihnen auch eigentlich nicht verübeln. Die meisten kommen direkt von der Schule an die Universität, oft schon nach der 12.Klasse mit gerade einmal 18 Jahren. Sie wurden 12 Jahre in der Schule zugerichtet und ihnen wurde beigebracht wie sie zu denken und zu arbeiten haben. Die Leute aus meiner Arbeitsgruppe gestern waren auch erst aus dem zweiten Semester (hat mir Spiegel Online geflüstert) und haben nach dem Abi sofort mit der Uni begonnen. Und wir alle wissen, dass Denken und Verstehen mehr ist, als Wissen aufnehmen. Verstehen braucht Zeit und die haben die meisten jungen Leute heute nicht mehr bzw. die nehmen sie sich selbst nicht mehr.

Auf jedenfall bin und war ich ernüchtert und muss schauen, ob ich in Marburg überhaupt noch einmal ein Seminar besuchen möchte… oder ob ich nicht lieber in der Zeit ein Buch lese.

13.Mai 2012

Ach Marburg…

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Die Uni hat wieder angefangen in Marburg und die Stadt ist endlich wieder voller Menschen, die von einem Seminar ins andere hetzen, sich in der Mensa niederlassen oder vollgepackt mit Büchern die Universitätsbibliothek verlassen. Marburg ist also endlich kein hessisches Dorf mehr, sondern eine lebendige Studentenstadt, deren Herzschrittmacher in den Semesterferien außer Betrieb zu sein schien.

Auch ich bin wieder hier und sitze in der Universitätsbibliothek und schreibe ein paar Zeilen für meine Gramsci-Hausarbeit für die Friedens- und Konfliktforschung. Irgendwie habe ich Marburg doch vermisst. Auch wenn ich es mir nicht eingestehen möchte, so habe ich diese Stadt in meinem Erasmussemester vermisst. Diese Idylle, diesen studentischen aber doch familiären Charme, die mittelalterliche Prägung der Oberstadt und dieses Bier, das mir am Anfang meines Studiums so gut geschmeckt hat, wie Haferschleim. Ich mag diese Stadt noch immer nicht so wirklich leiden aber doch habe ich meinen Frieden mit ihr gemacht.

Diese Stadt ist halt einfach nun mal eine Stadt, in der man eine bestimmte Zeit in seinem Leben studiert und sich auch nur aus diesem Grund dort aufhält. Dann geht man wieder und man wird Marburg immer in seiner Erinnerung als die Stadt behalten, in der man wohl so frei wie nirgendwo anders gewesen ist. Denn wann wird man wohl nochmal morgens um 5 bei Günther im Bolschoi sitzen und schlechtes Kellerbier trinken, nach dem man durchgeschwitzt aus dem Trauma gestolpert ist? Wann wird nochmal Nächte lang im Havanna8 sitzen und über die Welt und das Leben philosophieren und das alles ohne wirkliche Konsequenzen durchstehen.

Marburg, dass ist keine Stadt zum alt werden, auch wenn die ganzen Touristen und neuerdings auch die ganzen hippen Städteplaner das denken. Diese Stadt lebt davon, dass sie ewig jung bleibt, dass trotz ihrer Lage in der hessischen Provinz, am Puls der Zeit bleibt, allein durch die vielen tausenden Studierenden aus aller Welt. Ohne die Studierenden ist Marburg halt ein kleines hessisches Dorf, wie man es in den Semesterferien beobachten kann.

26.März 2012

Wissenschaftler gegen den Fiskalpakt

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Die Zeitung analyse und kritik ( die ich übrigens sehr empfehlen kann) zitiert in ihrem Artikel “Bloccupy Frankfurt” Nelli Kamouri, einer griechischen Aktivistin gegen die Sparpläne der Europäischen Union mit den Worten: “Egal was wir tun oder sagen, die griechische Polizei nebelt uns ununterbrochen mit Chemikalien zu”. An dieser Situation hat sich seit einem Jahr, als dieses Zitat entstand, nicht viel verändert. Genauso wie die autoritäre Sparpolitik der EU und des IWFs. Griechenland wird kaputt gespart und jeglicher Widerstand wird mit Polizeiknüppeln unterdrückt.

Umso mehr ist internationale Solidarität mit dem Widerstand in Griechenland sowie eigene Aktionen gegen die irrsinnigen Sparpläne wichtig. Dies haben sich auch die Aktivist_innen gedacht, die nun am 31.März zu einem “europäischen Aktionstag” aufrufen, sowie am 17.-bis 19. Mai zu Blockade der Europäischen Zentralbank aufgerufen haben. Eingerahmt werden diese Widerstandsaktivitäten von einem Aufruf von mehr als 100 Wissenschaftler_Innen, die sich in der Assoziation kritischer Wissenschaftler_Innen zusammengefunden haben. Unter den Unterzeichner_Innen sind auch mehrere Marburger Professoren. Unter anderem haben die Politikwissenschaftler John Kannankulam, Franz Segbers sowie Frank Deppe den Aufruf “Demokratie statt Fiskalpakt” unterschrieben. Diesen Aufruf möchte ich hier dokumentieren:

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29.Februar 2012

Ausgeburnt – Studieren im Neoliberalismus

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Alles muss effizienter und schneller werden. Studieren, sich auf ein Thema einlassen oder vielleicht sogar zusätzliche Literatur lesen? Alles Schnee von gestern! Heute zählt es schnell oberflächliche Texte zu schreiben, für 4 Klausuren in drei Tagen zu büffeln um dann mit 21 Jahren als “Hochschulabsolventin” mit einem Bachelorabschluss dem Arbeitsmarkt zu Verfügung zu stehen. Studieren ist nach den Bologna-Reformen kein Studium eines Faches mehr, sonder mehr oder weniger eine Überblicksveranstaltung, wo man so viel wie möglich in kürzester Zeit in seinen Kopf knallen sollte, um es dann zu Klausur wieder zu vergessen.

Ein System was krank macht!

Nicht das wir das schon wüssten, denn immerhin hat doch eine Studie im letzten Jahr herausgefunden, dass die Unternehmen nicht viel von den Bachelorabschlüssen halten und Absolventen wie Fachhochschüler behandeln. Nein, dieses System macht durch seine ständige Vergleichbarkeit und dem Wissen, dass jede Note für den Abschluss gezählt wird, die Studierenden krank. Durch den ständigen und das ganze Semester anhaltenden Leistungsdruck und der ständig aufrecht erhaltenden Konkurrenzsituation um die weiterführenden Masterplätze sind immer mehr Studierende ausgebrannt und kaputt, obwohl das eigentliche Arbeitsleben noch nicht einmal angefangen hat.

Durch diesen Erfolgsdruck und die immer wiederkehrende Frustration über die eigenen Leistungen und der fehlenden Zeit, greifen aber immer mehr Studierende zu sogenannten Leistungsdrogen wie Ritalin oder Antidepressiver um nicht durch den Erwartungs-, Leistungs-, und Erfolgsdruck unterzugehen. Um Nächte durcharbeiten zu können und keine Müdigkeit zu spüren, werden reihenweise Koffeintabletten genommen. Auch Koffeinpulver, was derzeit verstärkt in Berlin in kleinen Tütchen verkauft wird, liegt bei Studierenden derzeit voll im Trend.

Hegemonie des neoliberalen Projekts

Wachmacher, Leistungsdrogen und Burnout – der Neoliberalismus scheint in den Universitäten nun endlich angekommen zu sein, nachdem sich diese hartnäckig gegen wehrten. In manchen Universitäten scheint es dabei deutlich schlimmer getroffen zu haben, als andere. Ich selbst kenne aus Marburg auch den Leistungsdruck, eine Hausarbeit nach der anderen zu schreiben und immer Topleistungen zu absolvieren. Jedoch hat mein Fachbereich versucht die Härte des Bachelor-/Mastersystems in der Form abzuschwächen, dass man nicht gleich von der Universität fliegt, wenn man Prüfungen nicht besteht. Auch die Einführung einer Reading-Week hat dazu geführt, dass gelernte zu reflektieren und ggf. vertiefen zu können. Ich weiß aber auch von Fachbereichen und Universitäten, in denen es ganz anders zu geht, in denen der Leistungsdruck enorm ist und der Konkurrenzkampf zwischen den Studierenden von Dozent_Innen und Professor_Innen noch zusätzlich angeheizt wird.

Nein, das kann und sollte nicht unser Ideal von Bildung und Leben sein. Ich sehe die Gefahr, dass wir Zombies ausbilden, die neben ihrer persönlichen Karriere kaum mehr etwas Menschliches an sich haben. Die anderen, die da nicht mithalten können, brechen unter dem Druck zusammen und landen als labile und gestörten Gestalten irgendwo an den Rand dieser Gesellschaft. Wir sollten achtsam sein.

„Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster“ – Antonio Gramsci