Zitat des Tages

“Wir dürfen uns nicht damit zufriedengeben, mit dem Stalinismus abzurechnen. Unsere politische und theoretische Tradition ist nicht von einem Individuum namens Stalin oder einer historischen Periode, in der er herrschte, deformiert worden, sodass es genügte, das Erbe in seiner früheren ›Reinheit‹ wieder aufzugreifen. Im Verlauf einer langen Prüfung, als wir Marx, Lenin und Gramsci wiederlasen, um den lebendigen Marxismus zu suchen, den die Formen und Praktiken Stalins erstickt hatten, mussten wir uns wie alle anderen – jeder auf seine Weise – einer Wahrheit beugen: Dass unsere theoretische Tradition nicht ›rein‹ ist, dass der Marxismus entgegen dem voreiligen Ausspruch Lenins kein ›stählerner Block‹ ist, sondern dass er Brüche, Irrtümer, Widersprüche und Lücken enthält, die […] seine Krise hervortreiben mussten. Wir stehen heute vor der Notwenigkeit, eine bestimmte Vorstellung, die wir uns im Laufe der Geschichte und der Kämpfe von Marx, Lenin und Gramsci gebildet haben, sehr sorgfältig zu revidieren – eine Vorstellung, die sich offensichtlich auf die Forderung unserer Parteien nach ideologischer Einheit gründet und von der wir allzu lange gezehrt haben, ja eigentlich immer noch zehren. Diese Autoren haben uns ein beispielloses und wertvolles Ensemble von theoretischen Elementen hinterlassen […]. Sie haben uns das Gerüst einer Theorie über Bedingungen und Formen des Klassenkampfs in der kapitalistischen Gesellschaft vermacht, aber weder eine ›reine‹ noch eine ›vollstädige‹ Theorie.”

Louis Althusser
PS: Danke an Ingo Stützle

Marx _ reloaded

Zwar habe ich mich schon ewig nicht mehr gemeldet, was damit zutun hat, dass ich nebenbei 4 Hausarbeiten a 20 Seiten geschrieben habe und daher keine Kapazität mehr für diesen Blog da war. Dies wird sich aber sicherlich bald ändern. Dafür gibts heute eine Filmempfehlung:

Marx – reloaded am 11.April 2011 auf ARTE – unbedingt anschauen!

Bücher: Zeit des Zorns

Ab sofort stelle ich hier ab und an Bücher vor, die ich gerade lese oder schon gelesen habe und euch empfehlen kann. Heute möchte ich euch als Premiere das neue Buch von Jutta Ditfurth vorstellen, dass den Namen “Zeit des Zorns – Streitschrift für eine gerechte Gesellschaft” trägt und dieses Jahr im DROEMER Verlag erschienen ist. [singlepic id=31 w=320 h=240 float=left]

AutorIn: Jutta Ditfurth ist eine Diplomsoziologin aus Frankfurt am Main und war Mitbegründerin der Partei DIE GRÜNEN. Sie war deren Bundesvorsitzende von 1984 bis 1988 und trat 1991, aus Protest gegen die Neuausrichtung der Partei aus. Im selben Jahr gründete sie die Ökologische Linke und war seitdem in der außerparlamentarischen Bewegung aktiv. Von 2001 bis 2008 war sie Stadtverordnete der ÖkoLinX-Antirassistische Linke im Frankfurter Stadtparlament. In den letzten zwei Jahren erschienen von ihr eine Biographie über Ulrike Meinhof sowie das Buch “Rudi und Ulrike – Geschichte einer Freundschaft”

Worum gehts? Die Wissenschaft würde dieses Buch als “vulgär Marxistisch” bezeichnen, das Jutta Ditfurth desöfteren Sätze aus Werken von Karl Marx, Friedrich Engels oder auch Lenin zitiert. Das dies aber auch kein wissenschaftliches Buch sondern eine Streits chrift sein soll, die die Fehler der kapitalistischen Akkumulation benennt und Beispiele bringt, sieht man schon auf dem Cover. In diesem Buch geht um den derzeitigen politischen wie ökonomischen und ökologischen Zustand Deutschlands, Europas und der Welt. Es geht um die Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt, um US-Hegemonie und Imperialismus, über Rot-Grün und die Sackgasse Linkspartei, über die Schaffung des Überwachungsstaat und um die Ökonomische wie Ökologische Krise, analysiert und interpretiert aus der marxistischen Sicht von Jutta Ditfurth.

Erster Satz: “Auf dem Weg zu einem Rockkonzert steigt der Mann in den Bus Richtung Taunus”.

Letzter Satz: Das soll Marx beantworten: “Die Weltgeschichte wäre allerdings sehr bequem zu machen, wenn der Kampf nur unter Bedingung unfehlbar günstiger Chancen aufgenommen werden würde.”

Lahnblog-Urteil: Dieses Buch ist eine Streitschrift die mit sehr viel Wut im Bauch geschrieben wurde. Selten habe ich ein solches Buch in der Hand gehabt, was so ansteckend ist. Ditfurth schreibt auf, was andere nur denken und sich nie getraut hätten zu schreiben. Sie stellt sich gegen die kapitalistische Globalisierung, die sie leninistisch als Imperialismus entlarvt. Sie ist gegen die neoliberale Krisenbeschuldigung der Bänker und zeigt auf, dass eine kapitalistische Produktion immer auf Überakkumulation und damit zu Krisen führt. Ein wunderbares Buch, was wütend und zornig macht! Nur zu empfehlen!