Die Cebit 2012

Nach einem Jahr Pause, war ich dieses Jahr nun zum 14. Mal auf der weltweit größten Computermesse in Hannover. Cebit, das bedeutete früher für immer mich immer eine Art Abenteuer und einen Einblick (oder Ausblick?) in die Zukunft. Der jährliche Besuch auf der Cebit war für mich etwas Besonderes, wo ich schauen konnte was es irgendwann bald geben wird und was theoretisch möglich ist aber noch in sehr ferner Zukunft liegt.

Diesmal war es für mich irgendwie nüchterner. Nicht das ich nicht wieder dieses Kribbeln im Magen gespürrt hätte als ich mein e-ticket vorgezeigt habe und die heiligen Hallen betrat. Nein, es war vielmehr das Gefühl, dass ich ein Fremdkörper

Ein Roboter beim tanzen auf der diesjährigen Cebit - Quelle: Andi Möller http://www.flickr.com/photos/andimoe/6964946201/

geworden bin, in dieser Welt des ITs. Ich konnte mich noch mit den Mitarbeiter_Innen unterhalten und ja ich verstand auch eigentlich alles aber irgendwas sagte mir, dass ich nicht mehr hier hin gehörte, dass ich mich mit meinem Studienbeginn entschiedenen hatte nicht Weg in die IT einzuschlagen, sondern Politikwissenschaften zu machen.

Nun ja, abgesehen von diesem doofen Gefühl was ich hatte, war es diesmal doch eine nette CeBit. Nicht zu showlastig (abgesehen von Halle 23 und 22) aber auch nicht zu businessmäßig, alles relativ nüchtern und entspannt. Meine Highlights auf der diesjährigen CeBit waren:

1. Der Roboter vom KIT der Uni Karlsruhe: In Halle 9 waren diesmal die Universitäten und Forschungseinrichtungen, die einen Blick in die Zukunft zuließen. Neben der drahtlosen Bremse gab es auch einen Roboter des Karlsruher Institut of Technology (KIT) der mich stark beeindruckte. Dieser Roboter erkannte Sprachbefehle und reagierte darauf. Wenn der Wissenschaftler diesen ansprach und sagte, dass er ihm die Müslipackung reichen soll, dann tat er dies. Gleichzeitig konnte der Roboter angelehrnt werden und konnte sich unbekannte Objekte merken und danach abrufen. Es war wirklich ein wenig gruselig, als er nach das Buch schon im Speicher hatte und es dann zwischen anderen Büchern wiedererkannte. Ich war stark beeindruckt, auch wenn es mich doch stark erschreckte und ich mir über die sozialen Folgen einer Serienproduktion dieser Roboter Gedanken gemacht habe.

2. Der Laptop von Angela Merkel: Nein, es war nicht DER echte Laptop von Angela Merkel, der dort auf der CeBit vorgestellt wurde, sondern nur ein anderer Hochsicherheitslaptop, der aber so auch in den Bundesbehörden und von den Mitgliedern der Bundesregierung wie auch von der Bundeskanzlerin benutzt wird. Auf dem Stand des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik konnte man sich von wirklich kompetenten Mitarbeitern erklären lassen wie ein solcher Laptop funktioniert ohne Spuren zu hinterlassen. Das BSI ist daber wirklich geschickt, denn der Laptop kann nur gestartet werden, wenn er mit einem externen USB-Stick entschlüsselt wird. Gleichzeitig ist ein Passwort nötig um die Entschlüsselungsfunkion im Stick selbst zu entschlüsseln. Gleichzeitig arbeitet im Rechner nochmal ein Hardware-Encrypter, der die Festplatte ständig neu verschlüsselt. Dabei werden die Daten gar nicht auf der Festplatte gespeichert, sondern auf einem externen Server der Bundesregierung. Der Datenflussdahin ist durch drei VPN-Tunnel gesichert, wobei immer andere Tunnels genutzt werden. Eigentlich ist nämlich gar kein Betriebssystem auf dem Rechner, sondern wird über eine RPT-Verbindung erst auf den Rechner gespielt bzw. anders formuliert, ruft Angela Merkel mit ihrem Rechner das Betriebssystem vom Server über eine sichere RPT Verbindung ab. So hinterlässt sie keine Spuren und ihre Daten sind vor anderen sicher, selbst wenn sie ihren Laptop einmal verliert.

3. Telefone mit Bildschirm: Ich dachte ja erst, sowas ist dank Skype nicht mehr zu erwarten und zu alt aber nein, ich wurde eines besseren belehrt. Telefone mit Bildschirm und Kamera sind voll im Trend und man sah sie echt sehr viel auf der diesjährigen CeBit. Viele IP-Telefone hatten sogar eine Skype Unterstützung, so dass man selbst jemanden mit seinem Rechner auf dem Telefon hat anrufen können. Ich fand es echt interessant und bin gespannt, wann diese Telefone auch bei uns zu finden sind.

Ja, das war die CeBit im diesem Jahr und man kann konstantieren, dass sie nicht ganz so schlimm war, wie manche SPIEGEL Redakteure die CeBit fanden. Ja, sie war mehr businessmäßig als noch vor vier oder fünf Jahren und wahrscheinlich auch mehr als 2010 aber das machte sie nicht unbedingt schlechter. In Halle 9 waren die Erfindungen und in den anderen Hallen halt anderes interessantes Zeug. Und auch wenn viele interessante und namenhafte Unternehmen gefehlt haben, so hat mir die diesjährige CeBIT doch Spaß gemacht. Nächstes Jahr, bin ich wohl wieder da.

Das war die Cebit 2010

Also bevor ich hier anfange zu schreiben, möchte ich mich erst einmal beim WordPress-Deutschland Team bedanken, die mir dieses Jahr eine Freikarte für die CeBit haben zukommen lassen. Also vielen Dank.

04032010307 Dies war nun schon mein 13. Besuch auf der CeBit und ich bin dieses Jahr doch wieder einigermaßen zufrieden. Das die Branche ihre besten Zeiten in den späten 90ern und um das Milieniumsjahr 2000 herum hatte ist unbestritten, was man auch an den damaligen Messeauftritten der einzelnen Unternehmen gesehen hat. Das Jahr 2000 ist nun schon 10 Jahre vorbei und die Messe an sich ist deutlich kleiner geworden aber dadurch auch fachlicher und in weiten Teilen auch kompetenter. Empfand ich die CeBit in den letzten 3 Jahren als doch sehr nervig, zu showlastig und wenig kompetent, war sie dieses Jahr doch etwas nüchterner aufgebaut. Kaum Show (von der ESL in Halle 22 abgesehen) und dafür neue junge Projekte, viele Ausblicke in die Zukunft, gute Diskussionen und ein Open Source Park, der mir sehr gut gefallen hat, was jedoch wahrscheinlich an dem Thema lag.

Das Thema dieser CeBit lautete “Push your Buisness” hätte jedoch auch super “Digitize your Life” heißen können. So stand vor allem der neue elektronische Personalausweis, der ab November 2010 den normalen  Personalausweis ersetzten wird im Vordergrund. Der neue Personalausweis wird dann im Scheckkartenformat, inklusive einem integrierten RFID-Chip ausgegeben ,wo neben dem Fingerabdruck und dem Passbild auch der Name und die Adresse gespeichert sind und wo, falls gewünscht, auch ein zusätzliches Zertifikat Platz haben kann. Dies soll dann dazu führen, dass Internetbanking sicherer und schneller abla04032010310ufen kann, da man ja mit seinem digitalen Ausweis eine digitale Identität erhält. Ich finde diese neue “eID” doch bedenklich, da die diese Daten relativ einfach, durch ein mobiles Abfragegerät, abgerufen werden können. Da in der digitalen Welt nichts “unknackbar” ist, sehe ich es nur als eine Frage der Zeit, bis die neuen eIDs geknackt worden sind. Noch bedenklicher jedoch empfinde ich, dass diese vertrauenswürdigen Zertifikate nicht vom Staat herausgegeben und verwalten wird, sondern von privaten “Trust”-Firmen. Gerade im Hinblick auf die Datenpannen der letzten Jahre in etlichen privaten Firmen empfinde ich diese Vorgehensweise  als unsicher.

Desweiteren wurde auf den Dienst DE-Mail aufmerksam gemacht, dass in naher Zukunft den normalen Brief ersetzten soll. Er wird zertifiziert und durch eine 128 Bit Verschlüsselung geschützt und kann damit irgendwann einmal auch von Behörden genutzt werden. Es wäre sogar möglich, so ein Sprecher von DE-Mail, das irgendwann einmal auch Wahlbenachrichtigungen über den Dienst versendet und Wahlen über das Internet möglich währen. Dazu müsste es jedoch einen politischen Konsens geben, den es bisher (Gott sei Dank) dafür nicht gibt.

Ein anderes Thema war unter dem Wort “webciety” ganz gut zusammengefasst, was jedoch mehr oder weniger auch unter dem Slogan “Digitize your Life” hätte laufen können. Es ging vor allem um das Web 2.0, seinen Möglichkeiten und seinen Gefahren. Gerade die Social Communitys und deren Verknüpfung mit anderen Web 2.0-Anwendungen wie bspw. Twitter wurden als Innovationen gefeiert und deren vermehrte Nutzung durch mobile 04032010311 Geräte als Ziel für die Zukunft benannt. So prophezeite der Geschäftsführer von Myspace Deutschland, dass Social Communitys irgendwann einmal wie “Luft” seien würden, da man sein Profil d.h. seine Identität immer bei sich tragen wird. Dieses lasse sich dann wieder mit anderen “Apps” und Funktionen verbinden, was meiner Meinung nach zu einer vollständigen Digitalisierung der menschlichen Kontaktpflege führt, da man jederzeit an jedem Ort Zugriff auf ein Netzwerk von Freunden, Bekannten oder ähnliches haben kann. Im Umkehrschluss haben diese Menschen dann jedoch auch Zugriff auf dich.

Allem in Allem kann man konstatieren, dass wir uns auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung aller Lebensbereiche befinden. Neben Cloud-Computering, NAS-Homeservern und VoIP-Telefonanlagen scheint irgendwie der Mensch verloren gegangen zu sein. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe nach diesem Messebesuch das Gefühl, das wir mehr und mehr die Kontrolle über unsere eigenen Daten und damit auch über unsere eigene Identität verlieren. Die Möglichkeiten der Technik finde ich faszinierend aber in gewisser Weise auch erschreckend.

PS: Irgendwie vermisse ich die Möglichkeit Fußnoten zu setzten :-)