Preise gegen Linksextremismus

Die unsägliche Extremismustheorie hat wieder zugeschlagen und zeigt wie unsinnig das Familienministerium, auf Kosten des Kampfes gegen den Faschismus, das Geld aus dem Fenster wirft. Es wurden Preise verliehen an “Projekte und Ideen [...] die den Linksextremismus bei der Extremismusprävention besonders berücksichtigen” (Ausschreibungstext der Zeitbildstiftung). Diese haben auf ihrer Internetseite “www.augen-auf-gegen-extremismus.de” in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium dazu aufgerufen Projekte zu erarbeiten, die , “die Jugendliche zur kritischen Auseinandersetzung mit (links)extremistischen Ideologien anregen und die demokratische Teilhabe unterstützen”.

Nun sind die Preise vergeben wurden, 20mal 500€. Gewonnen haben unter anderem eine Weiterbildungseinrichtung für Polizist_Innen mit ihrem Seminar “Gewaltbereiter Linksextremismus” (Platz 5), das Planspiel “Demokratie und Extremismus” vom niedersächsischen Verfassungsschutz (Platz 8), sowie der Ausbildungsgang “Lagerlogistik” am Alfred-Müller-Armack-Berufskolleg zu Köln. Insgesamt 3 Auszeichnungen gingen nach Dresden. Wahrscheinlich an die Staatsanwaltschaft, die Polizisten und Richter, die die Nazis in Dresden als “schätzenswerte Minderheit” eingestuft haben.

Gerade vor dem Hintergrund der “Zwicker Zelle” und ihren Morden, wirkt diese ganze Extremismustheorie einfach nur lächerlich und würden die Initiativen gegen Rechts das Geld nicht dringend gebrauchen und Menschen aufgrund dieser Theorie keine Repression erfahren, so müsste man darüber eigentlich lachen.

Zurück zum Führer?

Jede_r zehnte deutsche Staatsbürger_inn träumt von einem „charesmatischen Führer, der Deutschland wieder mit harter Hand regiert“. Zu diesem Ergebnis kommt die SPD-nahe Friedrich-Erbert-Stiftung in ihrer neusten Untersuchung zu rechtsextremen Einstellungen innerhalb der deutschen Bevölkerung. Demnach weisen 25% aller deutschen Staatsbürger_innen ausländerfeindlich Einstellungen auf und 34,3% stimmen der Aussage zu, dass Ausländer_Innen nur nach Deutschland kommen, um den Sozialstaat auszunutzen. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger_Innen plädiert für eine Einschränkung der Religionsfreiheit für Muslime und damit für eine rassistische Beschneidung des Grundgesetzes für bestimmte gesellschaftliche Gruppen.

Diese Ergebnisse der Studie „Rechte Einstellungen in der Mitte“ sind nicht nur erschreckend und ein Alarmsignal, sondern müssen auch zusammen mit der Debatte um Sarrazin und Broder als empirischer Beleg für einen tendenziellen Rechtsruck innerhalb der Gesellschaft im Zusammenhang der Weltwirtschaftskrise gesehen werden. Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit sind Anzeichen für die Selbstaufwertung eines teilweise konstruiertes, teilweise aufgrund ökomischer Rahmenbedingungen erzeugtes Gemeinschaftsgefühl und einer damit gleichzeitig einhergehenden Abwertung von vermeindlich Fremden. Innerhalb der Weltwirtschaftskrise spielt dieses „nationale Zusammenhaltsgefühl“ eine strategisch wichtige Rolle für den ideologischen Staatsapparates (siehe Louis Althusser bzw. Nicos Poulantzas). Durch die nationale Identität werden Klassenantagonismen verschleiert und Klassenkämpfe verhindert, was innerhalb der kapitalistischen Särkularisierung überhaupt erst so etwas wie eine Gesellschaft entstehen lassen kann. Warum sollen Arbeiter_innen streiken bzw. sich gegen Maßnahmen des Chefs wenden, wenn sie beide, Arbeiterinnen wie Chefs, sich als „Deutsch“, was auch immer dies seien mag, definieren und damit einhergehend eine Verantwortung für den „Wirtschaftsstandort Deutschland“ besitzen?

Die Friedrich-Ebert Stiftung weißt in gewissem Maß darauf hin, was aus dieser Logik und Definitionskonstruktion enstehen kann. Wenn innerhalb einer Krise die „Volksgemeinschaft“ zusammenstehen muss, um im Standortwettbewerb zu bestehen, dann haben vermeindlich Fremde innerhalb ihrer Traditions-Territoriums-Konstruktions nichts mehr zu suchen. Und dabei ist es bei den biologisch-deterministischen Argumentationsmustern Sarrazins und M. Broder auch egal, ob diese „Fremden“ einen Beitrag für die Gesellschaft leisten oder nicht. Sie werden von der verschworenen nationalen Gemeinschaft als „Parasiten am Volkskörper“ angesehen und müssen entfernt werden. Und genau hier sind wir wieder im Jahr 1933 angelangt, nur das es diesmal nicht explizit nur Juden sind, sondern Muslime (Hier mag auch wieder auf die FES verwiesen werden, die festegestellt hat, dass rund 15,8% der deutschen Staatsbürger_Innen antisemtische Einstellungen aufweisen). Die Ideologie der Nation ist immer auch eine Ideologie der Ungleichheit, mit der Ausgrenzung und Vertreibung einhergeht. Nationalismus bzw. die Ideologie des Nationalismus ist dabei in seiner Wurzel her rassitisch und sexistisch, da bestimmte Identitätsmuster propagiert und reproduziert werden, wobei es dabei unerheblich ist, ob sie durch biologisch-deterministische, kulturelle, ethnische oder ökonomische Argumente legitimiert werden. Innerhalb dieser Diskussion sind es Sarrazin und Co, die diese Ideologie salonfähig machen und legitimieren, um damit die gesellschaftliche Hegemonie der herrschenden Klasse zu sichern und nach Rechts zu verschieben.

Auf Fuchsjagt°

Heute nach meiner Einführungsveranstaltung ging ich aus der Mensa hinaus und wollte über die Lahnbrücke zum Hörsaalgebäude gehen, da bekam ich von einem normalen jungen Studenten einen Flyer in die Hand gedrückt. Vorne war groß eine Frau ohne Kopf im Dirndl abgebildet, die gerade ein Bier in der rechten Hand hielt. Auf der rechten Seite stand dann groß “Ersti-Freibier Party”. Cool dachte ich, das hört sich doch echt gut an. “Freibier für alle Erstis” rief mir der junge Mann noch hinterher und ich dachte, irgendwas stimmt doch hier nicht. Freibier für Erstis, das ist doch eher selten in diesen kapitalistischen Zeiten. Also drehte ich den Flyer um und wer stand dort als Veranstalter? Richtig! Es war eine Burschenschaft und zwar die “Katholische Deutsche Studentenverbindung Palatia Marburg”

Dies war nicht das erste Mal, dass ich auf Burschenschaften hier in Marburg gestoßen bin. Hier wimmelt es überall davon und fast nirgends bist du vor ihnen sicher. Sie locken mit, für Studenten attraktive Angebote wie ein Zimmer für 120€ oder eben diesen Freibier-Partys.  Was viele jedoch nicht wissen ist, dass diese Burschenschaften meist erzkonservative bis extrem rechte Ideologien vertreten. So laden diese regelmäßig Referenten ein, die aus einem extrem rechten Spektrum kommen, wie etwa Horst Mahler, Hajo Hermann oder Udo Voigt. Desweiteren haben diese “Verbindungen” meist ein sehr krauses und revisionistisches Weltbild. So wird oft behauptet, dass die Verbindungen sich 1936 auflösen mussten, weil sie vom “NS-Regime aus ideologischen Gründen  verfolgt wurden”. Das diese Verbindungen jedoch den Nationalsozialismus schon vor 1933 unterstützen und  sich teilweise freiwillig auflösten, wird meistens verschwiegen.

Auch noch auffällig für solche “Verbindungen” ist, dass sie ein festes Geschlechterbild haben d.h. das Frauen als “nettes Beiwerk” betrachtet, jedoch nie auf Augenhöhe behandelt werden. Deshalb dürfen Frauen auch nicht Mitglied in einer Burschenschaft werden!

Also den Flyer lieber wegwerfen und für das Bier 2 Euro bezahlen anstatt mit extrem rechten Spinnern über ein revisionistisches Geschichts- und kontrarevolutionäres Weltbild zu debattieren.  

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°= Warum Fuchsjagt? Da Studentenverbindungen durch eine starke Hierarchie geprägt sind bekommt man, sollte man in eine solche Burschenschaft eintreten, zu erst den Status des “Fuxes”. Dies ist die unterste Stufe im Machtgefüge einer solchen Verbindung. Um ein “richtiger Bursche” zu werden muss man etlichen Trinkgelagen, Fechtunieren und Demütigen aller Art bestehen. Wenn man das Studium abgeschlossen hat, wird man ein “alter Herr” und entscheidet über die Belange der Kooperation.