“Fraktionszwang”

Dieser Begriff geistert durch die Bundesrepublik seit Anfang der 50er Jahre und seit dem Wahldebakel der Frau Lieberknecht in Thüringen (dazu sei auf den guten Artikel vom Sockenblog hingewiesen) ist dieses Wort nun wieder in aller Munde. So kann man bei News.de lesen, dass es bei den Grünen in Thüringen, anders als bei den anderen, keinen Fraktionszwang gab. Aber auch woanders wird der Begriff Fraktionszwang gerne benutzt. So erfährt man, dass der Bundestag das Gesetz zur staatlichen Heroinabgabe an Schwerstabhängige ganz “Fraktionszwang beschloss[en]” hat. Und selbst im “Tierischen Volksfreund” erfährt man, dass Herr Graef aus dem Eifelkreis “keinen Fraktionszwang” akzeptiert.

Wenn man sich diese Beispiele anschaut, so muss man auf den Schluss kommen, dass der “Fraktionszwang” ein ganz natürliches Instrument unserer parlamentarischen Demokratie ist. Doch was ist eigentlich “Fraktionszwang”? Als “Fraktionszwang” wird die Maßregelung und das auf “Linie bringen” von Abgeordneten einer Fraktion von dessen Führung genannt. Also “Fraktionszwang” wird die Disziplinierung zur Geschlossenheit und des gemeinsamen Auftretens und Abstimmens definiert. In der parlamentarischen Praxis ist es aufgrund der parteipolitischen Konkurrenz, auch innerhalb des Bundestages und der praktischen materiellen Ausschaltung der klassischen Gewaltenteilung in Deutschland kaum möglich ein reines “Sternstundenparlament” zu haben. Deshalb ist es auch für unsere Demokratie wichtig, dass Fraktionen im Bundestag sich einigermaßen homogen und berechnend verhalten. Aber kann man Bundestagsabgeordnete wirklich dazu zwingen, für etwas zu stimmen, von denen sie nicht überzeugt sind?

Nein eigentlich nicht! Da jeder Abgeordnete in Deutschland ein “freies Mandat” besitzt , “Vertreter des ganzen Volkes” und damit an “Aufträgen und Weisungen nicht gebunden und nur [seinem] Gewissen unterworfen” ist (Art.38 GG). Jeder Abgeordnete des Deutschen Bundestages kann selbst entscheiden wie er sich wo und wie entscheidet und wofür er stimmt. Deshalb ist der Begriff “Fraktionszwang” ein total übertriebener Begriff der “Fraktionsdisziplin”. Natürlich wollen die Spitzen der Fraktionen ein einheitliches Abstimmungsergebnis und natürlich wollen sie nach außen das Bild der Geschlossenheit vermitteln, weil in der Öffentlichkeit als Stärke interpretiert wird. Gerade die Regierungsmehrheit ist darauf bedacht keinerlei Schwäche zu zeigen. Da das Rekrutierungsmonopol von Parlamentariern bei den Parteien liegt, ist es für die Spitzen der Fraktion, die meistens identisch mit den Spitzen der Partei ist, relativ einfach sogenannte Abweichler "auf Kurs zu bringen”. Die Aussicht bei der nächsten Wahl nicht mehr von der Partei aufgestellt zu werden ist für viele Parlamentarier, vor allem welche nicht sofort wieder in ihren alten Beruf einsteigen können, ein gewichtiges Argument.  Ihr Mandat für die Legislaturperiode kann man ihnen aber nicht entziehen!

Was denkt ihr dazu? Gibt es einen Fraktionszwang?

Rettet die SPD

23% hat die Sozialdemokratische Partei Deutschland bei der Bundestagswahl bekommen und damit ihr schlechtestes Ergebnis in ihrer Geschichte eingefahren. Selbst 1893, kurz nach dem Ende der Sozialistengesetzte bekamen die Sozialdemokraten 0,3% mehr. Was soll nur aus einer Partei werden, die 12% innerhalb von vier Jahren verloren hat? Denn eigentlich weiß man doch gar nicht mehr wofür diese selbsternannte “Volkspartei” steht?

Früher, da wusste man noch was man wählte, wenn man sein Kreuzchen bei der SPD machte. Man wählte Sozialstaat, Abrüstung, Annährung an den Osten und vor allem wählte man Willy. 1998 wählte man die SPD, weil sie einen Politikwechsel versprach und um die verkrusteten Strukturen der Kohlregierung endlich aufzubrechen und 2005 dann um die Neoliberalen um den Heidelberger Professor Paul Kirchhof zu verhindern. Doch seit dieser Wahl war eigentlich nicht mehr so richtig klar was man wählt, wenn man SPD wählt. Eine “sozial orientierte” Partei, wie Moritz in seinem Sockenblog behauptet, ist die SPD schon seit Harz IV, Agenda 2010 und Rente mit 67 nicht mehr und somit der Unterschied zu Union eigentlich nicht erkennbar war. Auch Friedenspartei ist sie seit dem Völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien und der Intervention in Afghanistan nicht mehr.

Warum also noch SPD wählen? Nur um Schwarz-Gelb zu verhindern, wie Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf immer wieder betonte? Nein, dass ist zu wenig für eine Partei mit einer solchen Geschichte. Die einzige Chance der SPD wieder eine wirkliche gesellschaftliche Kraft zu werden ist es nach links zu rücken und zusammen mit der Partei DIE LINKE wirkliche Pläne für eine sozialere und gerechtere Welt zu entwickeln. Und warum nicht das Ziel Sozialismus wieder stärker ins Programm schreiben und sich an den Gründervätern der Partei orientieren.

Inwieweit dies jedoch eine Partei schaffen kann, die nun mit Sigmar Gabriel einen “Genossen” zum Parteivorsitzenden gewählt hat, der zum konservativen “Seeheimer Kreis” und zu den engen Vertrauten Gehard Schröders gehörte mag bezweifelt werden. Das erstes Indiz dafür, dass die SPD dabei ist dieselben Fehler zu wiederholen zeigt sich in Thüringen, wo der Landesparteivorsitzende Christoph Matschie das Angebot für eine Rot-Rot-Grüne Regierung ausgeschlagen hat und nun mit der CDU eine große Koalition bilden möchte.Das damit die Chance vergeben wird, Schwarz-Geld Gelb im Bundesrat auszubremsen wurde dabei wahrscheinlich nicht bedacht. Naja wahrscheinlich wie 1919, wo die Sozialdemokraten auch nicht bedacht haben, dass sie mit den Kommunisten, die sie gerade mit Hilfe rechter Freikorbs haben abschießen lassen, den Sozialismus hätten einführen können.

Kurt Tucholsky hatte damals schon gesagt:

Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 […] Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas -: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“

Übrigens gab es von der ZEIT im Jahre 2007 eine Initiative für die Rettung der SPD. Dort meldeten Reporter einen Stand in der Nähe des Reichstages an und verteilten als “Verein zu Rettung der SPD” folgendes Flugblatt. Ich hatte damals das Glück gerade ein Praktikum im Bundestag zu machen und eines Zuhause über meinem Schreibtisch hängen zu haben :-)

Übrigens-2: Meinen Austrittsbrief aus der SPD gibt es hier zu lesen. Er soll als Anregung für alle SPD-Mitglieder gesehen werden!

Morgen: DIE LINKE wählen

Am 27.September sind Bundestagswahlen und die Aussicht auf eine Schwarz-Gelbe Regierung lässt das Land erzittern. Um nicht den gleichen Fehler wie vor 12 Jahren zu machen und der Meinung von Frank-Walter Steinmeier zu sein, dass eine Rot-Grüne Koalition ganz anders regieren würde, rufe ich hiermit zur Wahl der Partei DIE LINKE auf.

DIE LINKE ist die einzige Partei im Deutschen Bundestag, die sich konsequent gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr, für den Mindestlohn, gegen die Rente mit 67, gegen die Vorratsdatenspeicherung, fürt die Bewahrung der Bürgerrechte, gegen eine höhere Belastung für mittlere und kleine Einkommen, für die Reichensteuer, gegen die Restistenzpflicht, für bessere und nachhaltige Umweltpolitik, gegen die G8 und für eine bessere und gerechtere Umverteilung des Reichtums in unserer Gesellschaft eingesetzt hat.

Ich wähle DIE LINKE, damit es gerechter in unserem Land zugeht und das den Nazis hier wirklich etwas entgegengesetzt wird und nicht nur Lichterketten!

AM 27.September 2009 WÄHLEN GEHEN! BEIDE STIMMEN FÜR DIE LINKE!

am 27.September - DEN SOZIALEN WECHSEL WÄHLEN

PS: Ich mache auch mit bei der Aktion: 100 Blogs für die Linke, wie auch der Sockenblog!

Man sollte sich erinnern können!

Am 27.September, also in 27 Tagen sind alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen, einen neuen “Deutschen Bundestag” zu wählen. Anders als der Sockenblog und die FINANCIAL TIMES werden wir jedoch  keine Wahlempfehlung aussprechen.

Dennoch möchten wir daran erinnern, dass alle Parteien, die in den letzten 10 Jahren auf Bundesebene in Regierungsverantwortung waren, mit ihrer Politik der Deregulierung und Privatisierung dazu beigetragen haben, dass  die derzeitige internationale Finanzkrise entstehen konnte. So sollte daran erinnert werden, dass auf der einen Seite Hedge- und Private Equity Fonds als Heuschrecken gebrandmarkt und auf der anderen Seite Schranken für diese abgebaut wurden. Auch wurde eine Vermögenssteuer seit 1997 nicht mehr erhoben und stattdessen  2005 der Spitzensteuersatz von 53% auf 42% gesenkt.  Eine Tobinsteuer hat es jetzt erst, wenn auch in sehr abgespeckter Version, 11 Jahre nach dem Eintritt in die Bundesregierung, in das Wahlprogramm der SPD geschafft.

Allgemein ist die Reaktion von Seiten der Bundesregierung auf die aktuelle Finanzkrise verhalten geblieben. Zwar wurden Konjunkturpakete und sinnlose, antiökologische “Umweltprämien” geschnürrt, doch eine Regulierung der Wirtschaft fand nicht statt. Mehr das Gegenteil war der Fall. So wurden mehr als 1 Milliarde Euro in die HRE gepumpt und das Casino am Laufen gehalten bevor die Bundesregierung das Investmenthaus endlich übernahm.

Gleichzeitig wurden den mittleren und unteren Einkommen immer weitere und stärkere Einschnitte zugemutet. Entgegen der Wahlversprechen der SPD wurde die Mehrwertsteuer von 16% auf 19% erhöht und die Rente mit 67 auf den Weg gebracht. Die Abstufung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau erhöhte den Angstfaktor und schwächte gleichzeitig die Gewerkschaften, die in den letzten Jahren einen Einbruch der Reallöhne hinnehmen mussten.  Außerdem wurden in vielen Bundesländern Studiengebühren erhoben, die dazu führen, dass viele Kinder aus unteren und mittleren Einkommensverhältnissen sich aus finanzieller Gründen gegen ein Studium entscheiden müssen. Die Wenigen, die dann noch studieren, sehen sich den Ergebnissen des Bologna Prozesses – enormen Leistungsdruck sowie einer Verschulung des Studiums – ausgesetzt.

Trotz oder gerade wegen diesen Ergebnissen der letzten 10 Jahre rufen wir all unsere Leser_Innen auf, am 27.September zur Wahl zu gehen und nicht denen die Stimme zu überlassen, die sie schon in der letzten Weltwirtschaftskrise missbrauchten. Geht wählen!

Ich möchte euch bei diesem Thema übrigens noch ein Video des Redblogs empfehlen:

Verbesserung: Beim Spitzensteuersatz habe ich mich leider verguckt und nur die Senkung in der 2.Legislaturperiode von Rot-Grün genannt. Bevor Gerhard Schröder die Regierungsverantwortung übernahm lag der Spitzensteuersatz bei 53%. Als er ging waren es nur noch 42. Eine Steuersenkung für die Besserverdiener von mehr als 11%