Auf in eine strahlende Zukunft

Die Bundestagswahlen sind vorbei und als Ergebnis steht nun eine Schwarz-Gelbe Koalition an der Spitze der Bundesrepublik. Was diese Koalition für die Zukunft unseres Landes, Europas und auch der Welt bedeutet mag noch reine Spekulation sein, eines kann man jedoch schon sagen: Es wird kalt!

Was zurzeit durch die Medien geistert, lässt mich persönlich nur zittern und lässt mich nur hoffen, dass diese Gerüchte auch Gerüchte bleiben. Es ist dort die Rede von der Abschaffung des Krankengeldes, von der Erhöhung des Eingangssteuersatzes, der Abschaffung der Pendlerpauschale, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Kürzung des Kindergeldes und Abschaffung der Pendlerpauschale und der Arbeitsagentur. Dies alles lässt eigentlich darauf schließen, dass die geistigen Urheber dieser Krise genauso, wenn nicht noch schlimmer weitermachen wollen wie bisher.

Ich möchte hier keine Apokalypse heraufbeschwören und auch keine Panik machen aber mich persönlich ängstigt die Vorstellung davon, dass der neoliberale Kurs der FDP bald Regierungsprogramm werden wird. Gleichzeitig schäme ich mich vor meinen Freunden im Ausland, dass sie bald Guido Westerwelle als Außenminister besuchen wird. Das die FDP wieder in Regierungsverantwortung ist, mit diesem Ergebnis und vor allem in dieser Zeit ist peinlich und eigentlich unverantwortlich.

Gleichzeitig hat die ehemalige Volkspartei SPD eine herbe Niederlage einstecken müssen. Die Quittung für 11 Jahre unsoziale Politik und einen farblosen wie machtgeilen Spitzenkandidaten ist hart und zeigt dass die SPD sich in diesen Krisenzeiten überflüssig gemacht hat! Die Frage lautet jetzt, wie sich die Sozialdemokraten in der Opposition aufstellen werden und welchen Kurs sie verfolgen. Rücken sie nach links und werden wieder Sozialdemokratisch dann könnten sie es vielleicht schaffen wieder eine ernstzunehmende Rolle einzunehmen. Verfolgen sie jedoch weiter den Kurs als Partei der “Mitte” zu fungieren und damit die rechteste Oppositionspartei zu sein, werden sie gnadenlos untergehen und irgendwann von der FDP überholt werden. Nach den Interviewpartnern von ARD und ZDF zu urteilen sehe ich eher die erste These. Fast nur Mitglieder des linken Flügels der SPD (“Demokratische Linke 21”) wurden nämlich heute in den Brennpunkten zu Wort gebeten.

Ein riesen Erfolg war diese Wahl jedoch für meine Partei. Die LINKE holte 11,9% und damit 76 Sitze im Deutschen Bundestag. Damit ist sie die 2 stärkste Partei in der Opposition mit einem deutlichen Vorsprung vor den Grünen. Dieses Ergebnis für DIE LINKE, gerade auch in den westlichen Bundesländern zeigt wie stark doch die Sehnsucht nach der alten SPD ist. DIE LINKE ist eine wirkliche Alternative geworden und hat sich vor allen in den ostdeutschen Bundesländern als Volkspartei etabliert. Jedoch muss sie aufpassen, dass sie gerade in Brandenburg und Thüringen nicht unter die sozialdemokratischen Räder des Sozialabbaus gerät wie in Berlin. Jedoch freue ich mich über das Ergebnis und bin gespannt wie es weiter geht!

Ein Satz noch zu den Piraten. Ihr Abschneiden mit 1,95% zeigt, dass viele Menschen um ihre persönlichen Freiheiten nicht nur im Internet fürchten. Es zeigt aber auch, dass die Piratenpartei inhaltlich noch zu schwach aufgestellt ist und zurzeit einem Überraschungsei gleicht. Für die Partei ist es jetzt wichtig den Wahlkampf zu analysieren und ihr Profil über die Netzpolitik hinaus zu schärfen und ihre Auffassung von dem  Begriff  Freiheit zu analysieren und zu diskutieren. Denn eine Partei, die der Jungen Freiheit Interviews gibt und homophobe Sätze twittert ist für mich nicht wählbar, ganz egal wie sie zu den Freiheitsrechten im Internet steht!

Zu demselben Thema hat übrigen Moritz vom Sockenblog unter dem Titel “Und alle so: “Heilige Kacke, was geht denn da ab?” auch eine Analyse mit einem herrlichen Interview veröffentlicht!

Der 1.Pirat im Bundestag

Jetzt sind sie drin! Und das noch vor den Bundestagswahlen. Mit Jörg Tauss sitzt nun der erste Abgeordnete der im September 2006 gegründeten Piratenpartei. Er trat am Sonnabend aus der SPD aus und in die Piratenpartei ein. Tauss kündigte an, ab sofort als “Pirat das Wort [zu]ergreifen”. In seinem Abschiedsbrief an die SPD schrieb er, dass er “zwar in einigen Punkten mit dem Programm” übereinstimmt aber er sieht eine “schlimme Fehlentwicklung” in der Innenpolitik.

Dass der ehemalige Experte für neue Medien in der SPD-Fraktion die Partei gewechselt hat ist nur konsequent und richtig. Tauss hat viele “Kompromisse” mittragen und dabei viele Kröten schlucken müsse. Zuletzt bei der Diskussion um Zensurula , wo die SPD-Fraktion für eine Internetsperre gestimmt hat. Gleichzeitig hat ihn die Partei hängen gelassen als es um die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornographie gegen ihn ging. Seitdem wird er öffentlich geschnitten, gemobbt und gedemütigt. 

Die Frage ist nur ob es klug von den Piraten war, Tauss aufzunehmen. Immerhin könnte sein Engagement gegen die Sperrung von Kinderpornoseiten als Engagement für die eigene Sache gelten und den PR-Schub, den die Piratenpartei durch seinen Beitritt bekommen hat, deutlich ins Negative wenden. Bisher tritt die Piratenpartei als Partei der Internetgemeinde auf und ist durch ihr Verhalten und ihr Engagement für die Bürgerrechte glaubwürdig. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie zu den Europawahlen stolze 0,9% holte. Durch die aktuellen Themen und den Gründerenthusiasmus kann sie viele mitreißen und wirklich zu einer 5%-Partei werden. Die Aufbruchsstimmung erinnert sehr an die Zeiten, als sich die WASG gründete.

Ich denke, dass die Chancen sich als Partei zu etablieren, mit den Ermittlungen des BKAs wachsen oder fallen werden. Die Piraten sind auf jedenfalls ein Risiko eingegangen Tauss in ihrer Partei aufzunehmen. Ob es ein Fehler war oder nicht, wird sich wahrscheinlich erst später zeigen…


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