Anders kann man die geplante Erhöhung der Harz IV-Regelsätze nicht anders bezeichnen. Die erste Erhöhung seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II kann nicht mehr als eine Farce oder ein schlechter Scherz gewertet werden, sondern ist die blanke Verhöhnung all derjenigen Menschen, die auf diese Lebenssicherung angewiesen sind. 5 Euro sollen die ALG II-Empfänger_Innen nach den Plänen der Arbeitsministerin Von der Leyen nun mehr bekommen. Die Regelsätze für Kinder bleiben auf dem derzeitigen Niveau.
Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar dieses Jahres eine transparentere Berechnung der Sätze gefordert, weshalb die Regierung Merkel sich dieser nun angenommen hatte. Aus der, für normale Menschen, immer noch undurchsichtigen Berechnung geht nun hervor, dass Zigaretten und Alkohol nicht mehr in die Berechnung mit einfließen, dafür aber ein Internetanschluss. Summa Sumarum resultiert dann ein neuer Regelsatz von 364€. Woher aber nun genau die Preise für die Sachen kommen, ist bis heute noch ein Regierungsgeheimnis.
Letztendlich erkennt man aus dieser Sozialpolitik der Regierung Merkel ganz klar den Klassencharakter von Schwarz-Grün. Während für die Rettung der Banken, direkt im Jahr 2008 nach dem Crash der Finanzmärkte oder indirekt durch die Rettung des EU-Mitglieds Griechenlands, massenweise Geld da war, wird nun bei den Ärmsten gespart. Während etwa 200 Bankmanager, deren Banken mit Staatsgeldern gerettet wurden, wieder ein Jahreseinkommen von deutlich über 500 000€ vorweisen können, gibt’s für Harz IV-Empfänger einen lächerlichen Betrag von 5€ mehr, von dem sie sich nicht einmal eine Karte für das Kino kaufen können.
Temporär hätte diese Neuberechnung nicht stattfinden können. In einer Zeit, in der über „Judengene“ und „schmarotzende Muslime“ diskutiert wird, fällt diese erniedrigende Erhöhung des Regelsatzes gar nicht auf. Und wenn, dann richtet sich die Wut der meisten Regelsatzbezieher nicht auf die Vertreter_Innen der herrschenden Klasse oder auf das kapitalistische Wirtschaftssystem, sondern auf die, die am wenigsten etwas dafür können. Die Bösen sind doch im derzeitigen Diskurs sehr schnell ausfindig zu machen. Erzählen nicht die BILD und alle anderen Medien, von den Muslimen, die nichts leisten aber Leistungen des Staates beziehen? Würden wir nicht mehr ALG II bekommen, wenn die keines bekämen? Wie sonst ist zu erklären, dass 62% aller Bundesbürger den Thesen Sarrazins berechtigt finden?
Die Neuberechnung von Harz IV ändert nichts an der Tatsache, dass Harz IV-Empfänger_Innen von einer kulturellen Teilnahme an der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Harz IV ist nicht nur Armut per Gesetz sondern führt auch zu Isolation und ist letztendlich eine Demütigung. Oder um es mit den Worten von Renate Künast zu sagen: “Die Würde des Menschen ist mehr als fünf Euro wert.“
“Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.” – Franz Müntefering