Rettet die SPD

23% hat die Sozialdemokratische Partei Deutschland bei der Bundestagswahl bekommen und damit ihr schlechtestes Ergebnis in ihrer Geschichte eingefahren. Selbst 1893, kurz nach dem Ende der Sozialistengesetzte bekamen die Sozialdemokraten 0,3% mehr. Was soll nur aus einer Partei werden, die 12% innerhalb von vier Jahren verloren hat? Denn eigentlich weiß man doch gar nicht mehr wofür diese selbsternannte “Volkspartei” steht?

Früher, da wusste man noch was man wählte, wenn man sein Kreuzchen bei der SPD machte. Man wählte Sozialstaat, Abrüstung, Annährung an den Osten und vor allem wählte man Willy. 1998 wählte man die SPD, weil sie einen Politikwechsel versprach und um die verkrusteten Strukturen der Kohlregierung endlich aufzubrechen und 2005 dann um die Neoliberalen um den Heidelberger Professor Paul Kirchhof zu verhindern. Doch seit dieser Wahl war eigentlich nicht mehr so richtig klar was man wählt, wenn man SPD wählt. Eine “sozial orientierte” Partei, wie Moritz in seinem Sockenblog behauptet, ist die SPD schon seit Harz IV, Agenda 2010 und Rente mit 67 nicht mehr und somit der Unterschied zu Union eigentlich nicht erkennbar war. Auch Friedenspartei ist sie seit dem Völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien und der Intervention in Afghanistan nicht mehr.

Warum also noch SPD wählen? Nur um Schwarz-Gelb zu verhindern, wie Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf immer wieder betonte? Nein, dass ist zu wenig für eine Partei mit einer solchen Geschichte. Die einzige Chance der SPD wieder eine wirkliche gesellschaftliche Kraft zu werden ist es nach links zu rücken und zusammen mit der Partei DIE LINKE wirkliche Pläne für eine sozialere und gerechtere Welt zu entwickeln. Und warum nicht das Ziel Sozialismus wieder stärker ins Programm schreiben und sich an den Gründervätern der Partei orientieren.

Inwieweit dies jedoch eine Partei schaffen kann, die nun mit Sigmar Gabriel einen “Genossen” zum Parteivorsitzenden gewählt hat, der zum konservativen “Seeheimer Kreis” und zu den engen Vertrauten Gehard Schröders gehörte mag bezweifelt werden. Das erstes Indiz dafür, dass die SPD dabei ist dieselben Fehler zu wiederholen zeigt sich in Thüringen, wo der Landesparteivorsitzende Christoph Matschie das Angebot für eine Rot-Rot-Grüne Regierung ausgeschlagen hat und nun mit der CDU eine große Koalition bilden möchte.Das damit die Chance vergeben wird, Schwarz-Geld Gelb im Bundesrat auszubremsen wurde dabei wahrscheinlich nicht bedacht. Naja wahrscheinlich wie 1919, wo die Sozialdemokraten auch nicht bedacht haben, dass sie mit den Kommunisten, die sie gerade mit Hilfe rechter Freikorbs haben abschießen lassen, den Sozialismus hätten einführen können.

Kurt Tucholsky hatte damals schon gesagt:

Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 […] Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas -: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“

Übrigens gab es von der ZEIT im Jahre 2007 eine Initiative für die Rettung der SPD. Dort meldeten Reporter einen Stand in der Nähe des Reichstages an und verteilten als “Verein zu Rettung der SPD” folgendes Flugblatt. Ich hatte damals das Glück gerade ein Praktikum im Bundestag zu machen und eines Zuhause über meinem Schreibtisch hängen zu haben :-)

Übrigens-2: Meinen Austrittsbrief aus der SPD gibt es hier zu lesen. Er soll als Anregung für alle SPD-Mitglieder gesehen werden!

Ein erster Kommentar zur Wahl

Die Wahlen sind offiziell noch nicht beendet und alle Wahlkreise sind auch noch nicht ausgezählt. Jedoch kann man schon sagen, dass die Frage “Wer regiert Deutschland in den nächsten 4 Jahren” beantwortet ist! Es wird “Schwarz-Gelb” mit einem Außenminister Guido Westerwelle und einer Kanzlerin Angela Merkel. Die Zeit, die jetzt kommt wird sehr schwer und hart. Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird größer werden. Darauf muss und kann nur eine Radikalisierung der außerparlamentarischen wie parlamentarischen Opposition als Antwort geben.

Mein Kommentar zu dieser Bundestagswahl:

Morgen: DIE LINKE wählen

Am 27.September sind Bundestagswahlen und die Aussicht auf eine Schwarz-Gelbe Regierung lässt das Land erzittern. Um nicht den gleichen Fehler wie vor 12 Jahren zu machen und der Meinung von Frank-Walter Steinmeier zu sein, dass eine Rot-Grüne Koalition ganz anders regieren würde, rufe ich hiermit zur Wahl der Partei DIE LINKE auf.

DIE LINKE ist die einzige Partei im Deutschen Bundestag, die sich konsequent gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr, für den Mindestlohn, gegen die Rente mit 67, gegen die Vorratsdatenspeicherung, fürt die Bewahrung der Bürgerrechte, gegen eine höhere Belastung für mittlere und kleine Einkommen, für die Reichensteuer, gegen die Restistenzpflicht, für bessere und nachhaltige Umweltpolitik, gegen die G8 und für eine bessere und gerechtere Umverteilung des Reichtums in unserer Gesellschaft eingesetzt hat.

Ich wähle DIE LINKE, damit es gerechter in unserem Land zugeht und das den Nazis hier wirklich etwas entgegengesetzt wird und nicht nur Lichterketten!

AM 27.September 2009 WÄHLEN GEHEN! BEIDE STIMMEN FÜR DIE LINKE!

am 27.September - DEN SOZIALEN WECHSEL WÄHLEN

PS: Ich mache auch mit bei der Aktion: 100 Blogs für die Linke, wie auch der Sockenblog!

Ein Thema fehlt

Der Wahlkampf plätschert so vor sich hin, niemand tut dem anderen weh und eigentlich wissen alle Parteien das diese Wahl eigentlich nur auf eine Große Koalition hinauslaufen kann. Natürlich gibt es hier und dort auch ein paar Seitenstiche und so sagt Guido Westerwelle, dass er nur mit der Union will und Frank-Walter Steinmeier legt sich fest, dass er bestimmt nicht mit den LINKEN nach der Wahl koalieren wird. Nebenbei wird ein wenig über Mindestlöhne, Reichensteuer und Afghanistan diskutiert. Aber so richtig interessiert das die wenigsten Spitzenpolitiker.

Und bei diesem ganzen Rumgeplätscher fällt ein Thema unter den Tisch, dessen Behandlung eigentlich von enormer Wichtigkeit ist. Der Entwicklungshilfeetat für den Haushaltsplan 2010. Deutschland hat sich nämlich seit 1971, als die erste entwicklungspolitische Konzeption der Bundesregierung entwickelt wurde, zum Ziel gesetzt einen Entwicklungshilfeetat von 0,7% in den Haushaltsplan zu schreiben. Auf der UNO-Millenniumskonferenz legte man sich sogar auf einen Zeitplan fest und verpflichtete sich bis zum Jahr 2010 den Entwicklungshilfeetat auf 0,51% und bis 2015 auf 0,71% zu steigern. Heute stehen wir bei 0,35%. Die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder, die damals auf dem UNO-Millenniumsgipfel so lauthals getönt hatte, steigerte den Etat in ihrer ganzen Regierungszeit von 0,26% auf 0,30%. Frau Merkel schaffte in der Hälfte der Zeit eine Erhöhung von 0,05%.

Das alles ist nicht viel und zum Erreichen der UNO-Millenniumsziele viel zu wenig. Diese sehen nämlich die Halbierung der Armut bis 2015, die Abschaffung des weltweiten Hungers bis 2030, die Ausbreitung von Malaria und AIDS stoppen sowie die deutliche Verringerung der Kinder- und Muttersterblichkeit. Wer mehr über diese Ziele erfahren möchte sollte mal beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vorbeigucken.

Nach den Bundestagswahlen wird über den Haushalt 2010 verhandelt und bisher hat sich noch keine Partei öffentlich zu den Forderungen in ihren Wahlprogrammen geäußert, geschweige denn, dass darüber diskutiert wurde. Selbst im Kanzlerduell wurde über dieses Thema geschwiegen. Alle im Bundestag vertretenden Parteien verpflichten sich zwar in ihren Wahlprogrammen für die Einhaltung der 0,7% bis 2015, jedoch verspricht nur die SPD in ihrem Wahlprogramm das Zwischenziel von 0,5% bis 2010 zu erreichen.

Und genau da fängt es nämlich an, wenn nach den Wahlen über den Haushalt verhandelt wird. Anders als vor einem, als die Banken alle reihenweise in sich zusammenbrachen, wird kein Geld da sein um dieses Zwischenziel zu erreichen. Die große oder Schwarz-Gelbe Koalition wird auf die aktuelle Finanzkrise hinweisen und vielleicht ganz gutmütig den Etat auf 0,37% erhöhen.

Naja ich bleib dran an dem Thema!

Eine gute Übersicht über die verschiedenen entwicklungspolitischen Versprechen der Parteien findet ihr:

http://www.one.org/c/de/politische_analysen/3010/

http://www.deine-stimme-gegen-armut.de/fileadmin/BILDER/2009/Wahl/Sie-haben-die-Wahl_Parteienstudie-DSGA_A4.pdf

Man sollte sich erinnern können!

Am 27.September, also in 27 Tagen sind alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland aufgerufen, einen neuen “Deutschen Bundestag” zu wählen. Anders als der Sockenblog und die FINANCIAL TIMES werden wir jedoch  keine Wahlempfehlung aussprechen.

Dennoch möchten wir daran erinnern, dass alle Parteien, die in den letzten 10 Jahren auf Bundesebene in Regierungsverantwortung waren, mit ihrer Politik der Deregulierung und Privatisierung dazu beigetragen haben, dass  die derzeitige internationale Finanzkrise entstehen konnte. So sollte daran erinnert werden, dass auf der einen Seite Hedge- und Private Equity Fonds als Heuschrecken gebrandmarkt und auf der anderen Seite Schranken für diese abgebaut wurden. Auch wurde eine Vermögenssteuer seit 1997 nicht mehr erhoben und stattdessen  2005 der Spitzensteuersatz von 53% auf 42% gesenkt.  Eine Tobinsteuer hat es jetzt erst, wenn auch in sehr abgespeckter Version, 11 Jahre nach dem Eintritt in die Bundesregierung, in das Wahlprogramm der SPD geschafft.

Allgemein ist die Reaktion von Seiten der Bundesregierung auf die aktuelle Finanzkrise verhalten geblieben. Zwar wurden Konjunkturpakete und sinnlose, antiökologische “Umweltprämien” geschnürrt, doch eine Regulierung der Wirtschaft fand nicht statt. Mehr das Gegenteil war der Fall. So wurden mehr als 1 Milliarde Euro in die HRE gepumpt und das Casino am Laufen gehalten bevor die Bundesregierung das Investmenthaus endlich übernahm.

Gleichzeitig wurden den mittleren und unteren Einkommen immer weitere und stärkere Einschnitte zugemutet. Entgegen der Wahlversprechen der SPD wurde die Mehrwertsteuer von 16% auf 19% erhöht und die Rente mit 67 auf den Weg gebracht. Die Abstufung des Arbeitslosengeldes auf Sozialhilfeniveau erhöhte den Angstfaktor und schwächte gleichzeitig die Gewerkschaften, die in den letzten Jahren einen Einbruch der Reallöhne hinnehmen mussten.  Außerdem wurden in vielen Bundesländern Studiengebühren erhoben, die dazu führen, dass viele Kinder aus unteren und mittleren Einkommensverhältnissen sich aus finanzieller Gründen gegen ein Studium entscheiden müssen. Die Wenigen, die dann noch studieren, sehen sich den Ergebnissen des Bologna Prozesses – enormen Leistungsdruck sowie einer Verschulung des Studiums – ausgesetzt.

Trotz oder gerade wegen diesen Ergebnissen der letzten 10 Jahre rufen wir all unsere Leser_Innen auf, am 27.September zur Wahl zu gehen und nicht denen die Stimme zu überlassen, die sie schon in der letzten Weltwirtschaftskrise missbrauchten. Geht wählen!

Ich möchte euch bei diesem Thema übrigens noch ein Video des Redblogs empfehlen:

Verbesserung: Beim Spitzensteuersatz habe ich mich leider verguckt und nur die Senkung in der 2.Legislaturperiode von Rot-Grün genannt. Bevor Gerhard Schröder die Regierungsverantwortung übernahm lag der Spitzensteuersatz bei 53%. Als er ging waren es nur noch 42. Eine Steuersenkung für die Besserverdiener von mehr als 11%

Neues von der Wahlurne

So, jetzt ist es vollbracht! Vor knapp 30 Minuten habe ich mein Kreuzchen gemacht, den Wahlzettel zur Sicherheit noch einmal gefaltet und dann ging’s ab damit in die Wahlurne. Ich war nicht der Erste, der das getan hat und so hoffe ich, auch nicht der Letzte. Denn als ich auf den Zettel guckte, wo die nette Dame als Wahlkampfhelferin bei jedem Wähler, der wählte, ein Häkchen machte, sah ich, dass nicht mal ein Drittel der Wahlberechtigten in meinem Wahlbezirk schon wählen waren!

Dieses Bild spiegelt auch die Stimmung gegenüber der EU wieder, die mir in den letzten Tagen vor der Wahl entgegen schwappte. “EU-Wahl?” “Nein Danke!” war ziemlich oft die Antwort. Auch Menschen, die mir ein Vorbild sind, weigern sich beharrlich zur Wahl zu gehen. Ich frage mich nur warum? Die Wahlen zum europäischen Parlament sind für den Bürger die zweitwichtigste Wahl nach der Bundestagswahl. Gesetze werden in Brüssel bzw. Straßbourg gemacht und nicht in Pompsbüttel oder Schweinebach. Warum ist dann die Wahlbeteiligung für die Kommunalwahlen dann meist genauso hoch wenn nicht sogar um einiges höher als die der Europawahl?

Letztens hat mir ein etwas älterer Herr auf diese Frage geantwortet, dass liege daran, dass wir mit den Kandidaten keine Verbindung haben, auch weil die Wahlbezirke so groß seien. Man kennt sie nicht und deshalb wäre die Motivation, wählen zu gehen nicht gegeben. Das bei der Europawahl jedoch nur Parteien gewählt werden und keine Personen lässt mich jedoch etwas an diesem Argument zweifeln.