Wir nennen es Imperialismus

70% der Bevölkerung Deutschlands fordert einen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan, da sie an der Effektivität des Einsatzes herbe Zweifel hat. Immerhin wurde das Mandat immer wieder damit begründet, dass Deutschland dort “Brunnen bohrt”, “Schulen baut” und versucht Mädchen zu emanzipieren. Das diese Ziele nicht wirklich erreicht worden sind, erkennt man mehr oder weniger auf den ersten Blick. Anstatt als Befreier und Aufbauer gesehen zu werden, mutierte die Bundeswehr in den Augen der Afghanen immer mehr zu Besatzern, die die Interessen ihres Landes durchsetzten und verteidigen. Als die Friedensbewegung der Bundesregierung dies vorwarf, wurde sie als vergraute Linke ausgelacht und ihnen wurde Orthodoxie vorgeworfen.

Wie aktuell jedoch die imperialismustheoretischen Überlegungen von Rosa Luxemburg und W.I. Lenin immer noch sind, erkennt man wahrscheinlich derzeit, wo sich ein Repräsentant der deutschen Bundesregierung zu den wahren Zielen des Einsatzes geäußert hat. Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat nämlich nun in einem Interview mit dem “Deutschlandradio” die Maske fallen gelassen. Ab Minute 2:49 redet der Bundespräsident tacheles und erklärt, dass ein

“Land unserer Größe, mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall, auch militärischer Einsatz notwendig ist um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen, negativ, durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen”

 

Heißt das am Ende, dass Deutschland wieder morden darf/muss um “deutsche Interessen” weltweit zu verteidigen? Ist es jetzt legitim Frauen und Kinder tod zu bomben, damit deutsche Arbeitsplätze gesichert und das Einkommen erhalten bleibt? Wenn man die “deutschen Interessen” als Maßstab für einen Krieg nimmt, so erkennt man warum Deutschland Afghanistan weiterhin besetzt hält, warum Bundeswehrsoldaten in Somalia Piraten jagen und warum Panzer auf dem Balkan herumfahren. Sie nennen es “humanitäre Hilfe”, wir nennen es Imperialismus!

PS: Das Interview wurde vom Deutschlandradio nachträglich gekürzt, daher findet ihr hier das ganze!
Download des Interviews!

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Konkurrenz = Wohlstand?

Letztens habe ich mit einem Freund darüber diskutiert, wie man eine bessere Welt schaffen bzw. erreichen kann und wie diese “bessere Welt” dann aussehen soll. Mein Freund war ziemlich davon überzeugt, dass Konkurrenz der Schlüssel zu Wohlstand und Freiheit ist und dass nur ein verbesserter Wettbewerb mit mehr Konkurrenz uns aus der Krise holen wird. Ohne Konkurrenz keine neuen Erfindungen, sogenannten Basisinnovationen und ohne Basisinnovationen keine Wachstum und ohne Wachstum, kein Wohlstand.

Und als er so über Wachstum und Konkurrenz redete fiel mir das Buch von Julia Friedrich, “Gestatten Elite!” ein. Ich stellte mir vor, wie ich irgendwann mein Kind, mit 2 Jahren in einen Elitekindergarten schicke, wo es lernt Englisch zu sprechen und über Platon zu philosophieren. Danach würde ich es in eine Privatschule stecken, damit es nicht nur sein Turboabitur in 12 Jahren schafft sondern nebenbei auch noch Altgriechisch beherrscht. Zu guter Letzt würde ich ihm/ihr dann noch einen Platz auf einer internationalen Privatuniversität bezahlen. In allen Stationen seiner Ausbildung würde ich ihm/ihr immer wieder einbläuen, dass er/sie besser sein muss als die anderen, dass er sich durchbeißen muss und dass er kämpfen muss in seinem Leben. Ich würde ihm sagen, dass die anderen keine “Freunde” seien, sondern Konkurrenten und das er deshalb nicht mit ihnen zusammenarbeiten soll.

Aber würde er/sie dann wirklich für das Leben vorbereitet sein? Wäre er dann glücklich? Oder würde diese, ja Tortur nicht aus meinem Kind einen eingebildeten gefühlslosen Zombie machen, der unfähig wäre, das Wort “Solidarität” auch nur zu buchstabieren? Ich fragte mich, worauf denn unsere Existenzberechtigung beruht? Beruht sie denn wirklich darauf, dass wir jeden Tag loshetzten, uns fertig machen, krank werden, unsere Umwelt zerstören und am Ende uns mit “Konsum” dafür belohnen? Oder liegt sie nicht vielmehr in unserer Hoffnung glücklich zu werden? Liegt sie nicht darin, dass wir versuchen ein klein wenig diese Welt besser zu verstehen, uns zu lieben und uns als Menschen verstehen?

Was hat es denn geschafft, dieses “beste aller Systeme”? Wenn ich mir die Welt anschaue, dann kann ich nur Elend und Zerstörung erkennen, Leid und Unglück. Während in den Industriestaaten, den Gewinnern im internationalen Konkurrenzdenken, die Menschen an Überfettung leiden, sterben in den Entwicklungsländern, den Verlierern, alle 6 Sekunden Menschen an extremer Armut. Gleichzeitig hat der ständige Zwang zu Wachstum dazu geführt, dass die Welt kurz vor dem Exitus steht. Die Klimaerwärmung schreitet unaufhörlich voran und die weltweite Umweltverschmutzung führt dazu, dass ca. 130 Tier und Pflanzenarten pro Tag aussterben. Im selben Moment führt der permanente Konkurrenzdruck innerhalb der Gesellschaft dazu, dass immer mehr Menschen psychisch krank werden, dass sie verrohen oder sich isolieren. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander und trennt die Gesellschaft in Gewinner und Verlierer.

Ist es nicht das, was dieses System hervorbringt? Es mag sein, dass wir ohne das Konkurrenzdenken wesentlich langsamer in mancher Entwicklungsform währen, auch wenn ich das bezweifel. Jedoch hätten wir das ein oder andere Unglück, egal wie groß oder klein es war, ob es die Gesellschaft oder das einzelne Individuum betroffen hat, verhindern können. Ich denke, dass es langsam an der Zeit ist umzudenken. Gerade mit Blick auf die derzeitige Bio- und Finanzkrise sollten wir uns vom Konkurrenz- und Wachstumsdenken verabschieden und zu anderen Formen der Produktion übergehen. Beim derzeitigen Produktionstand ist Wohlstand für alle genauso machbar wie die Ernährung der gesamten Welt.

(Inspiriert durch das Gedicht von Moritz)