‘Wenn man sich die Bilanzen der verschiedenen Banken im letzten Quartal so anguckt mag man gar nicht glauben, dass wir uns wirklich in einer Wirtschaftskrise befinden. Man findet Gewinne in Milliardenhöhe und Dividendenausschüttungen mit astronomisch hohen Zahlen. Möglich macht es das Fair Value Konzept und ein geändertes Bilanzrecht. Das Fair Value Konzept ist erstmal relativ logisch. Hat ein Banker verschiedene Aktien in seinem Depot, die an Börsenwert gewinnen, also nachgefragt sind, so kann die Bank diesen Wert als Gewinn verbuchen, obwohl sie die Aktie nicht verkauft hat. Aber da sie ja die Aktien jederzeit verkaufen könnte, zu dem an der Börse gehandelten Preis, entsteht ein hypothetischer Gewinn, der auch in den Bilanzen mit verrechnet werden kann.

Doch jetzt kommt das Sinnlose an der Geschichte. Die deutsche Bundesregierung hat in einer Nacht- und Nebelaktion das deutsche Bilanzrecht, als Reaktion auf die Krise, geändert. So können zwar weiterhin hypothetische Gewinne verbucht werden, jedoch brauchen sinkenden Kursen, was ja logisch wäre, nicht als Verluste in den Quartalsbericht geschrieben werden. Dort wird dann einfach der Wert hineingeschrieben, den das Aktienpapier vor der Krise hatte. Und das wird solange gemacht bis die Aktien dann irgendwann einmal wieder gestiegen sind. Somit macht die Bank mit Aktiengeschäften in ihrem offiziellen Quartalsbericht keine Verluste mehr. So verwandelte die Deutsche Bank letztes Jahr aus einem Verlust von 431 Millionen Euro einen Gewinn von 414 Millionen Euro, was einer Bilanzveränderung von 845 Millionen Euro entspricht.

Und warum machen die Banken das? Eigentlich ganz einfach. Durch die guten Bilanzen wird das Unternehmen am Aktienmarkt höher bewertet und viele Ratingagenturen raten dazu diese Aktie zu kaufen. Diese steigt dadurch und erhöht den Börsenwert sowie die Kreditwürdigkeit und spült dem Unternehmen wieder frisches Geld in die Kasse. Und ein hoher Börsenwert schützt das Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme bzw. macht es so stark, dass es selbst andere Banken übernehmen kann. Die Deutsche Band beispielsweise konnte sich in den Jahren 2003 bis 2006 nur durch ihren hohen Börsenwert vor feindlichen Übernahmen schützen.

Und wer jetzt denkt, dass der Staat durch erhöhte Steuereinnahmen wenigstens von diesem Konzept profitiert, der irrt. Bei der Steuererklärung muss die „wahre“ Bilanz genommen werden und dort dürfen Verluste von der Steuer abgesetzt werden. Das ganze Konzept ist “Betrug und staatlich subventionierte Bilanzfälschung“, wie es ein Steuerberater auf der Wirtschaftsprüferkonferenz nannte.. Jeder kleine und mittelständige Betrieb muss vor den Banken eine 1a-Bilanz vorlegen, damit er einen Kredit bekommt. Falls er an dieser Bilanz etwas ändert wird er strafrechtlich verfolgt wegen Bilanzfälschung. Die Kreditgeber müssen das nicht!