Viel hat man in der letzten Zeit über die Finanzkrise gehört, gelesen und gesehen. Auch ich habe mich in zahlreichen Beiträgen an dieser Schlammschlacht beteiligt und versucht mit einfachen Worten die aktuelle Krise der Finanzmärkte zu beschreiben. Jetzt jedoch möchte ich versuchen, aus neokeynsianischer Sicht euch zwei “modern instruments of the capital market” zu erklären und damit eine kleine Serie anfangen. Heute also wollen wir uns mit den Instrumenten des modernen Kapitalmarktes beschäftigen.
1. Verbriefte Kredite ( sogn. Collateralized Debt Obligation): Früher finanzierten sich Banken durch Kreditvergabe, die sie in ihren Büchern verwalteten. Eine Bank hatte damals ein Interesse daran, dass es dem Kreditnehmer gut ging und er seinen Kredit bezahlen konnte, so dass die Bank ihren Kredit durch Zins und Zinseszins wiederbekam und einen kleinen aber langfristig sicheren Gewinn dadurch verdiente. Das Risiko, dass der Kreditnehmer irgendwann pleite gehen könnte und die Bank auf ihrem Kredit sitzen blieb war gegeben, wurde aber minimiert durch die Tatsache, dass es vorher ein Auswahlverfahren gab, wo die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens geprüft wurde.
Das reichte den Banken aber nicht mehr und vor allem US-amerikanische Investmentbanken aber auch deutsche Banken bündelten ihre Kredite und machten aus ihnen Wertpapiere (die sogenannte Verbriefung). Dieser Vorgang wird in der Fachsprache auch Collateralized Loan Obligation genannt und hat vor allem den Vorteil, dass die Bank das Restrisiko in ihren Bilanzen streichen kann und damit eine bessere Kreditwürdigkeit bzw. einen besseren Rate bekommt aber vor allem auch wieder frisches Geld in die Kassen fließt um wiederum wieder neue Risiken zu refinanzieren zu können. Das Risiko war nun erstmal aus den Büchern gestrichen, da es ja verkauft war, konnte aber jederzeit wieder ins Portofolio der Bank gelangen durch das Konzept des Collateralized Bond Obligation. Hier wurden die verbrieften Kredite gekauft, wiederum zusammengeschnürrt zu Paketen und wieder verkauft, so das am Ende niemand mehr wusste was in diesen Paketen wirklich drin war. Dadurch, dass die Pakete immer größer wurden, wurde zwar auch das Risiko größer aber vor allem auch die Gewinnspanne. Als jedoch während der US-Immobilienkrise die ersten Banken auf ihren CDO-Papieren sitzen blieben, weil es einfach zuviele Kreditausfälle gab und der Preis für diese Pakete ins Bodenlose viel stoppte der Markt. Keine Bank traute der anderen noch über den Weg. Zwar waren die meisten Banken durch das sogenannte Credit Default Swaps abgesichert, d.h. sie erhielten Ausgleichszahlungen wenn bestimmte CDOs zu schnell platzten, doch wenn die Investmentbanken kein Geld mehr haben, dann werden auch keine Credit Default Swaps mehr gezahlt. Der Staaten haben jetzt probiert, und genau das ist in meinen Augen das Falsche, dieses System, durch Aufkauf dieser “faulen Kredite” den Handel mit CDOs wieder abzukurbeln, da der CDO-Handel mehr als 1/5 des globalen Kapitalumlaufs entsprach. Dies hat bisher jedoch noch nicht funktioniert.
2.Derivate: Derivate zu erklären ist einfacher als der CDO-Handel. Roger Zantow definierte Derivate 2004 wie folgt:
Derivate sind Verträge, deren Preisbildung auf einer marktabhängigen Bezugsgröße (Basiswert oder Underlying) basiert
Derivate lassen sich wie an folgendem Beispiel erklären: Ein Bauer baut auf seinen Feldern jedes Jahr Zuckerrüben an und wenn er im Sommer die Ernte einfährt, dann muss er sich nach dem Preis, der auf dem Markt herrscht richten um seine Rüben zu verkaufen. Jetzt kam jedoch im Winter schon ein Zuckerrübenhändler auf den Bauern zu und sagte ihm, dass er seine ganze Zuckerrüben Ernte für das folgende Jahr jetzt schon kauft für den Preis, der derzeit an der Zuckerrübenbörse gehandelt wird. Sagen wir 100€ pro Tonne. Nun spekuliert der Zuckerrübenhändler und verspricht sich einen guten Gewinn. Wenn nämlich jetzt die allgemeine Zuckerrübenernte schlecht ist, dann kann der Händler die Rüben teurer verkaufen als er sie eingekauft hat. Steigt der nämlich der Preis, aufgrund des schlechten Angebots, auf 150€ die Tonne, so hat der Zuckerrübenhändler einen Gewinn von 50% gemacht. Wird die Zuckerrübenernte jedoch sehr gut, dann sinkt der Preis, aufgrund des guten Angebots, auf 50€ und der Zuckerrübenhändler macht einen Verlust von 50%. Das Risiko für beide Vertragspartner ist sehr hoch, auch wenn der Bauer mit einem festen Preis für seine Zuckerrüben rechnen kann.
Das Problem an diesem Derivatenhandel ist, dass es nicht nur mit Zuckerrüben geschehen ist, wo ein wirklicher Produktionswert dahinter steht sondern auch mit Wertpapieren oder den oben erklärten CDOs. So konnte beispielsweise die VW-Aktie so hochschellen und unglaubliche Gewinne einfahren. Aktienhändler hatten nämlich auf fallende Kurse spekuliert und Aktien von VW verkauft, obwohl sie diese noch gar nicht besassen und hofften darauf, am Tag der Lieferung dieser Aktien, diese günstiger zu bekommen als man sie verkauft hatte. Als jedoch Porsche von heute auf morgen sein Depot mit mehreren VW-Aktien aufstockte und damit den Preis in die Höhe trieb mussten die Derivathändler schnell handeln und kauften den Markt leer um nicht noch höhere Spekulationsverluste zu machen. Somit wurde der Preis immer höher getrieben und bescherte bspw. Porsche einen Gewinn von 2 Milliarden Euro. Und weil jetzt alle ungläubig im Fernsehen auf die Aktienkurse der Realwirtschaft gucken so sei ihnen gesagt, dass diese Unternehmen auch schön mitgezockt haben im Casino Derivatenhandel. Porsche machte mit seinen Finanzmarktspekulationen mehr Geld als mit dem Bau von Autos.
3. Arbitragegewinn: Auch hier wird Geld durch den Handel mit Geld gemacht. Ein Beispiel: Ich nehme mir bei der Deutschen Bank einen kurzfristigen Kredit von 50 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 5% auf eine Laufzeit von 14 Tagen. Meine Zinskosten lägen bei 2,5 Millionen Euro. Nun würde ich mein Geld in brasilianische Realis umtauschen und diese dort für den normalen Zinssatz von 15% für wenige Tage (also weniger als 14) verleihen. Mein Gewinn würde aufgrund der unterschiedlichen Zinsen bei 7,5 Millionen Euro liegen, abzüglich der 2,5 Millionen Euro die ich der deutschen Bank bezahlen müsste. Ich hätte also in 14 Tagen einen Gewinn von 5 Millionen Euro gemacht ohne dafür nur einen wirklichen Wert zu schaffen.