Kein Mensch ist illegal!
In Sambia ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes auf unter 33 Jahren gesunken, in Simbabwe auf 35 Jahren. In Südafrika wird die die durchschnittliche Lebenserwartung von heute 55 Jahren in den nächsten 10 Jahren auf rund 35 Jahren sinken. Indikatoren dafür sind nicht nur Aids und andere Krankheiten wie Malaria. Nein, es sind vor allem fehlende medizinische Versorgung, schlechte Zugang zum Trinkwasser und Unterernährung. Die Anzeichen für die typische Armut. Nach der Definition der WTO, also der Weltbank, ist arm, , wer weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens seines Heimatlandes zur Verfügung hat. Darunter fallen mehr 4 Milliarden Menschen. Also die Hälfte der Welt. Und während in den europäischen bzw. westlichen Ländern mehr als eine Milliarde Menschen an Überfettung leiden, stirbt alle 3 Sekunden ein Kind an akuter Unterernährung. Schon allein der Fakt, dass in der Europäischen Union, eine Milchkuh mit 2€ pro Tag subventioniert wird, aber mehr als 1 Milliarden Menschen von weniger als 1€ pro Tag leben, zeigt den Wahnsinns unserem „besten aller Systeme“. Die Frage stellt sich nun, können wir diese Armut bekämpfen. Geht das den überhaupt oder ist der Kampf gegen die Armut nicht auch ein Kampf gegen unseren Wohlstand? Immerhin kommt ja jeder Euro, den wir als “Entwicklungshilfe” durch Knebelverträge über die Weltbank in die Entwicklungsländer schicken, doppelt wieder zu uns zurück und ernährt somit unseren Wohlstand. Müssten wir nicht statt einen Kampf gegen die Armut, einen Kampf gegen die Armen führen, so wie es uns die USA seit dem 11.September 2001 vorspielt?
Ich denke nicht. Den Kampf, den die USA gegen ihren südamerikanischen “Hinterhof” spielt ist so inhuman wie die ganze Rüstungspolitik von George Walker Bush. Das man mit einer Mauer, nicht auf Dauer, Menschen ihrer Freiheit und ihren Wünschen berauben kann, dass wissen wir spätestens seit 1989/90, als der eiserne Vorhang gefallen ist. Aber diese Mauerpolitik scheint gerade in Mode gekommen zu sein. Nicht nur der Zaun, der die USA von Mexiko trennt, sondern auch die Mauer von Jerusalem, die Selbstmordattentäter abhalten soll oder erst jüngst der Zaun von Heiligendamm, der die Führer der reichsten Nationen, von den Demonstranten schützen sollte. Nun kam auch Frontex, die Abschiebeorganisation der EU, auf die Idee eine Mauer an den Küsten von, nein nicht Europa, sondern an den Küsten von Afrika zu errichten, um potenzielle Flüchtlinge daran zu hindern, den afrikanischen Kontinent zu verlassen. Diese Politik der Abschottung, den die „Festung Europa“ seit einigen Jahren betreibt ist eine Politik der Kurzsichtigkeit. Sie sieht nicht die Lebensbedingungen in Afrika als ein Problem, der die Menschen zur Massenflucht bewegt sondern die Flüchtlinge. Menschen werden für illegal erklärt und ohne über die Gründe ihrer Flucht aus ihrer Heimat nachzudenken, abgeschoben. Denn würde man mit diesen Menschen sprechen, so würde man mit unglaublichem Leid und unglaublicher Armut konfrontiert werden und feststellen, dass der Kampf gegen die Armen nur noch mehr Armut produziert und dass das Geld, dass für elektronische Überwachungsanlagen und Küstenzäune ausgegeben wird, besser für einen Kampf gegen die Armut genutzt werden kann. Was wir brauchen ist ein globaler „Marschallplan“ für Afrika, indem wir uns, unserer Verantwortung für den ehemaligen Kolonialkontinent Europas bewusst werden.
Doch wie könnte man nun diesen “Marschallplan für Afrika” bezahlen?? Die USA gibt in 32 Stunden soviel Geld für Rüstung aus, als der gesamten UNO insgesamt im einem Jahr zu Verfügung steht. Weltweit wurden 1000 Milliarden Euro im Jahr 2005 für das Militär ausgegeben. Das Worldwatch Institut hat herausgefunden, dass nur 7,4% dieser Summe ausreichen würde um die UN-Ziele zur Halbierung der Armut bis 2015 zu erreichen. Die Frage, warum jetzt nicht jedes Land einfach 7,4% weniger für Rüstung ausgibt beantwortet sich mehr oder weniger von selbst. Bertold Brecht sagte einmal: „Krieg wird sein, solange auch nur ein Mensch am Krieg verdient“. Und noch zu viele verdienen an Armut und Krieg. Doch nicht Kriegsgewinnlern würde etwas fehlen. Auch vielen europäischen und amerikanischen Staats-und Regierungschefs würde auf einmal ein Feindbild abhanden kommen. Denn was würde passieren, wenn man von heut auf morgen die Armut halbieren würde? Würde man damit nicht der “Achse des Bösen”, dem internationalen Terrorismus das Wasser abzugraben, den Nachschub zu nehmen? Wie sollte man dann noch den Menschen Bürgerrechts- und Freiheitsbeschneidungen erklären?
attac hatte vor 2 Jahren mal eine Aktion, in der ein Spruch auf einem Plakat lautete: “An hungry men is an angry men”! Davon wollen die Regierungen und die Bevölkerung nichts wissen. Wir rüsten lieber auf und bauen unsere Freiheitsrechte ab. Wir beschneiden lieber den Datenschutz und kämpfen weiter gegen die Armen anstatt gegen die Armut zu kämpfen. Und dabei wird der größte Teil der Bevölkerung vom Fernsehen verdummt und verblödet, damit er gar nicht mehr das intellektuelle Interesse daran hat sich dagegen zu wehren. Doch wenn wir es jetzt nicht in die Hand nehmen und den Menschen in Afrika eine Perspektive geben, sie nicht mit Almosen abspeisen sondern ihnen wirklich gute und wichtige Hilfe beim Selbsthelfen geben, dann haben wir etwas geschafft, was in Zukunft ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen eine ökologischen Katastrophe sein wird. Nur wird es schwierig sich gegen den neoliberalen Geist durchzusetzen oder ihn gar zu überwinden.


















