Rassenmord und Klassenmord – vergleichbar?
Zusammenhang zwischen Holocaust und der großen Säuberung sowie der Singularität des Holocaust
Die mir vorliegenden Sekundärquellen wurden am 29.August bzw. 12.September 1986 in den deutschen Tageszeitungen „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) bzw. „DIE ZEIT“ von den Historikern Joachim Fest bzw. Eberhard Jäckel veröffentlicht. Beide Artikel beziehen sich auf den Artikel des Historikers Ernst Nolte, der am 6.Juni 1986 in der FAZ veröffentlicht wurde und der „Rassenmord“ des Nationalsozialismus mit dem „Klassenmord“ des Bolschewismus vergleicht und damit die Einzigartigkeit des Holocaust in Frage stellt. Der Historikerstreit von 1986 wurde in mehreren Publikationen, Reden und Zeitungen geführt und erreichte damit eine breite Öffentlichkeit.
Der Historiker und Publizist Joachim Fest wurde am 8.Dezember 1926 geboren und war in der Zeit des Historikerstreits Mitherausgeber der FAZ, die den Artikel „Vergangenheit die nie vergehen will“ von Ernst Nolte veröffentlichte. Fest verantwortete die Herausgabe des Artikels, distanzierte sich später jedoch von den Grundthesen Noltes, räumte ihm aber das Recht auf Diskussions- und Meinungsfreiheit ein. In seinem Artikel von 1986 unterstützt Joachim Fest den Vergleich von Nolte, indem er die These, dass die „Betreiber[…] [der] Endlösung[…], nicht nach […] Schuld und Unschuld fragten, sondern die rassische Zugehörigkeit zur […] Entscheidung über Leben und Tod machten“ (Z. 2-6 Artikel FAZ) mit einem Beispiel, dass die Bolschewiki in ihren Prozessen gegen Gegner des Bolschewismus im Zuge der Oktoberevolution und des russischen Bürgerkrieges, auch “ nicht mehr die Frage der Schuld, sondern der sozialen Zugehörigkeit“ (Z.10-11 Artikel FAZ) platzierte, gegenüberstellte und damit die „Massenliquidationen durch Genickschuss“ (Z.26-27 Artikel FAZ) in Russland mit dem „administrative[n] und mechanische[n] Massenmord“ (Z.23-24 Artikel FAZ)in Deutschland vergleicht. Die Schlussfrage, ob „bei allen Unterschieden, das Vergleichbare doch stärker“ (Z.29-30 Artikel FAZ) sei, unterstreicht seine Unterstützung für Nolte.
Der Historiker Eberhard Jäckel, der am 29.Juni 1929 geboren wurde, „behautet dagegen“ (Z.1 Artikel DIE ZEIT), dass eine „Singularität von Auschwitz“ (Z.22 Artikel FAZ) besteht, da „noch nie zuvor ein Staat mit der Autorität eines verantwortlichen Führers beschlossen und angekündigt hatte, eine bestimmte Menschengruppe […] restlos zu töten und diesen Beschluss mit allen […] staatlichen Machtmitteln […] umzusetzen (Z.3-8 Artikel DIE ZEIT). Er wiederlegt das Beispiel von Joachim Fest, indem er anzweifelt, dass die Aussagen eines Chefs der Tscheka, die allgemeine „Praxis“ war. Darauffolgend kritisiert er die These Noltes, ob „ Hitlers geheimste Handlungen nicht gerade auch dadurch zu erklären, dass er den “Rattenkäfig” nicht vergessen hatte?“ (Quelle: Ernst Nolte: Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 1986)., in Anspielung auf das Buch „1984“ von Georg Orwell, dass Hitler „viele Male gesagt hat, warum er die Juden zu entfernen und zu töten wünscht“ (Z.21-22 Artikel DIE ZEIT) und darin kamen „die Morde der Bolschewisten oder eine besondere Angst vor ihnen […] nicht vor(Z.25-27 Artikel DIE ZEIT).
Die beiden Historiker beziehen sich auf die Zeit des deutschen Nationalsozialismus und seinen Verbrechen an der Menschlichkeit von 1933 bis 1945 sowie die Verbrechen der Bolschewiki von 1917 bis 1947. Nachdem die NSDAP 1933 stärkste Fraktion im deutschen Reichstag geworden ist und Hitler am 30.1. 1933 zum Reichskanzler der Weimarer Republik gewählt wurde, fingen die Repressionen gegen Juden, Sinti und Roma und anders Denkenden, wie Kommunisten, Sozialdemokraten und Liberale an. Schon 2 Monate nach der Amtsvereidigung Hitler als Reichskanzler kommt es im März 1933 zu Boykotten gegen jüdische Geschäfte, Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte. Gleichzeitig wird in Dachau, dass erste Konzentrationslager eröffnet um die Judenvernichtung sowie die „Umerziehung“ von politischen Gefangenen besser organisieren zu können. Insgesamt gab es 24 autonom arbeitende Konzentrationslager in den Jahren 1933 bis 1945. Kurze Zeit später wird im April 1933 das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentum“ herausgegeben, dass die Entlassung von jüdischen sowie für das NS-Regime politisch unbequeme Mitarbeiter vorsieht. Außerdem sieht dieses Gesetz im Paragraphen 3, den sogenannten „Arierparagraphen“ einen „Ariernachweis“ vor, dass die Menschen in „Ariern“ und „Nichtariern“ unterteilt. Dieser „Ariernachweis“ war schon 1920 im 25-Punkte-Plan der NSDAP vorhanden und beweist die starke antisemitische Ausrichtung der NSDAP vor ihrer Machtübernahme. Die Nürnberger Gesetzten vom 15.9.1935, verstärkten den Terror gegen die Juden. So wurden Eheschließungen zwischen Juden und Deutschen verboten und die „jüdische Rasse“ im “Reichsbürgergesetz” zu Staatsbürgern zweiter Klasse. Sie durften keine deutschen Hausangestellten haben und ihnen war das Hissen der Hakenkreuzfahne verwehrt. Letzteres zeigt eindeutig, dass es sich nicht nur um das Beseitigen von Andersdenkenden handelt, sondern um die Vernichtung eines ganzen Teils der Bevölkerung. Im Jahr 1938 begann eine neue Phase der Repression gegen die jüdische Bevölkerung. So wurde im Juni 1938 die Kennzeichnung von jüdischen Gewerbebetrieben Pflicht und im Juli und September des Jahres 1938 wurde ein Berufsverbot gegen jüdische Ärzte, Rechtsanwälte und Wissenschaftlern erlassen. Der Zwang für Juden mit nicht jüdischem Vornamen, sich Israel oder Sara nennen zu müssen trat am 17.August 1938 ein. Diese Diskriminierung gegen die Juden gipfelte am 9. bzw. 10. November 1938, in der sogenannten Reichskristallnacht. Der Anlass für diese Judenprognome war das Attentat auf den deutschen Botschaftsrat in Frankreich durch Herschel Grynszpan. Der „Volkszorn“, der rund 7500 jüdische Geschäfte und 190 Synagogen verwüstete und zerstörte, war von der NSDAP inszeniert und geplant. 30000 Juden wurden daraufhin verhaftet und in die Konzentrationslager gebracht. Der Druck auf die jüdische Bevölkerung nahm, je länger Hitler an der Macht war, immer deutlicher zu. So mussten ab 1939 im besetzten Polen und in Deutschland ab 1941 die Juden einen gelben Stern als Zwangskennzeichnung tragen. Damit waren sie auf der Straße erkennbar und bildet das Ende der öffentlichen Diskriminierung und den Anfang des organisierten, mechanischen Massenmordes, der am 20.Januar 1942 auf der Wannseekonferenz in Berlin beschlossen wurde. Dort wurde die „Endlösung“ besprochen, die einen organisatorischen Zeitplan für die Deportation und Vernichtung von bestimmten, in der Wannseekonferenz bestimmten, Bevölkerungsgruppen wie bspw. die Sinti und Roma, Behinderte oder Juden. Vor allem aber sollte die Wannseekonferenz die“ Judenfrage“ lösen. Kurz danach beginnen die Massendeportationen und das unmenschliche Vernichten von Menschen aufgrund ihrer Abstammung oder ihrer Meinung. Insgesamt werden im Holocaust rund 6 Millionen Juden ermordet. In Russland dagegen gab es im Oktober 1917 die russische Revolution unter dem Führer der Bolschewiki, Wladimir Iljitsch Uljanow Lenin, die Russland in einen der blutigsten und grausamsten Bürgerkriege führte, der bis 1921 andauerte und fast 800 000 Menschen das Leben kostete. Einen großen Anteil an dem Sieg der „Roten Armee“ hatte die Militärische Geheimpolizei Tscheka, die am 20.Dezember 1917 durch Felix Dserschinski gegründet wurde. Sie wurde insbesondere gegen Oppositionelle und „Konterrevolutionäre“ eingesetzt und gründeten im August 1918 die ersten Gefangenlager, die sie selbst als Konzentrationslager bezeichneten. 1922 wurde die Tscheka, die der „Roten Armee“ unterstellt war, nach dem Sieg im russischen Bürgerkrieg aufgelöst und die Aufgaben wurden der staatlichen GPU übertragen. Die Strukturen der GPU blieben wie ihre Aufgaben gleich dem der Tscheka. Die GPU war auch federführend in der von Stalin initiierten „Großen Säuberung“, Bolschaja Tschistka, die von 1936 bis 1939 anhielt. In dieser Zeit fielen 1000 Menschen pro Tag den „Säuberungen“ zum Opfer und wurden in Schauprozessen zum Tode oder zu Lagerhaft verurteilt. Schätzungen sprechen von rund 1,5 Millionen Toten und mehr als 5 Millionen Menschen, die in die Arbeitslager in den Gulag deportiert wurden. Von den sieben ursprünglichen Mitgliedern des Politbüros der Bolschewiki in der Zeit der Oktoberrevolution von 1917, blieb nur noch Joseph Stalin, als Vorsitzender des Politbüros übrig. Die Säuberungen erreichten nicht nur die Mitglieder der Bolschewiki, sondern machten auch vor ausländischen Kommunisten, die vor Hitler in die Sowjetunion geflohen sind, nicht halt. Die stalinistischen Säuberungen gehen, wenn auch nicht mehr so radikal, nach 1939 weiter und enden abrupt mit dem Tod Stalins 1953. Die Säuberungen wurden damit begründet, dass es sich nur um die Beseitigung politischer Gegner handelte, die eine Gefahr für die Sowjetunion darstellte, da sie mit Hitlerdeutschland kooperierten.
Ernst Nolte provoziert mit seinem Artikel vom 6.Juni 1986 einen Historikerstreit, da er die Singularität des deutschen Massenmords an den Juden in Frage stellt und ihn im Vergleich mit den Säuberungen in der Sowjetunion sieht, auch wenn er die qualitative Vernichtungsmaschine des NS-Regimes außen vor lässt. Er geht sogar soweit, das er sagt, dass der „Klassenmord der Bolschewiki das logische und faktische Prius des Rassenmords der Nationalsozialisten“ ist (Quelle: Artikel von Ernst Nolte in der FAZ vom 6.6.1986). Gleichzeitig setzt Nolte den Kommunismus mit dem Faschismus gleich und versucht dadurch die Verbrechen des Nationalsozialismus mit denen des Kommunismus zu erklären. So fragt er in seinem Artikel vom 6.Juni 1986 ob nicht „Hitler eine „asiatische“ Tat […] nur deshalb [vollbrachte], weil [er][…] sich […] als potentielle[s] und wirkliche[s] Opfer einer „asiatischen“ Tat betrachtet?“. Ihm entgegnete der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas, der Noltes Ausführungen „apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung“(Artikel von Jürgen Habermas in DIE ZEIT vom 11.Juli 1986) nannte.
Der Historiker und FAZ-Herausgeber Joachim Fest stellt sich an die Seite Nolte, indem er die Frage der Gerechtigkeit in den beiden Diktaturen vergleicht und zu dem Ergebnis kommt, dass beide nicht über die Frage der Schuld richten, sondern ihre Ideologie richten lassen(Vgl. Z. 1-21 Artikel FAZ). Somit richten die einen nach der rassischen Herkunft und die anderen nach der sozialen Herkunft. Er unterstützt zwar nicht die These Noltes, dass der „Klassenmord der Bolschewiki das logische und faktische Prius des Rassenmords der Nationalsozialisten“ (Quelle: Artikel von Ernst Nolte in der FAZ vom 6.6.1986) sei, jedoch unterstützt er die These, dass es keine Singularität des Holocaust gibt, da „das Vergleichbare doch stärker[sei als die] Unterschiede“ (Z.29-30 Artikel FAZ).
Die Stellungnahme Joachim Fests kann ich nicht verstehen, da ich den Holocaust, nicht nur in seiner „administrative[n] und mechanische[n] Form“ (Z.23-24) als eine Einzigartigkeit des menschlichen Gräuels ansehe, sondern allein den Gedanken daran einzigartig in der Geschichte finde. Nolte spricht vom Völkermord an den Armeniern und von den Gräueltaten der „Roten Armee“ während des zweiten Weltkriegs. Nur alles zusammen entspricht nie dem unmenschlichen Ausmaß des Holocaust. Ich verstehe nicht, in welcher Situation sich Fest befunden haben muss, um sich vor die Äußerungen Noltes zu stellen. Immerhin stellt er das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte mit den Verbrechen der Bolschewiki im russischen Bürgerkrieg auf eine Stufe. Es mag sein, dass die Tscheka im Bürgerkrieg gefoltert und gemordet hat und diese Verbrechen sind auch nicht zu entschuldigen. Auch haben die geheimen Militärpolizisten Konzentrationslager gebaut um politische Gefangene dort zu ermorden. Jedoch verwehre ich mich einem Vergleich zwischen 6 Millionen Toten, die systematisch und maschinell umgebracht wurden und 20 000 Toten, die in während des russischen Bürgerkrieg von 1918 bis 1921 in den Konzentrationslagern der Roten Armee ermordet wurden. Ich denke Nolte, verwechselt ein wenig und möchte der Rechten eine Begründung für die Taten der Nationalsozialisten liefern. Mit der Angst vor der „asiatischen“ Tat und der „Rattenkäfigtheorie“ liefert er zwei wenig kräftige Argumente.
Es ist jedoch richtig, wenn Nolte einen moralischen Vergleich zwischen den stalinistischen Säuberungen in der Sowjetunion und dem nationalsozialistischen Terror gegen die jüdische Bevölkerung zieht. Ich denke, dass der Terror gegen die Juden nicht weniger unmenschlich war, wie der Terror gegen die sowjetische Bevölkerung unter Stalin, wenn man das einzelne Individuum, das einzelne Opfer sieht. Nur sehe ich keinen „kausale[n] Nexus“( Quelle: Artikel von Ernst Nolte in der FAZ vom 6.6.1986) wie Nolte, sondern zwei von sich aus autarke unmenschliche Verbrechen, die von zwei fanatischen Diktatoren verübt wurden. Joachim Fest fragt in seinem Artikel vom 29. August 1986, ob „das Vergleichbare doch“ (Z.30 Artikel FAZ) überwiegt. Ich denke Nein, weil beide Verbrechen ganz unterschiedlich von ihrer Art und von ihren Taten sind. Und wenn man vergleicht, was vergleicht man und vor allem wie vergleicht man? Ich denke nicht, dass man die Verbrechen der Tscheka im russischen Bürgerkrieg, so wie es Joachim Fest tut, mit den Verbrechen der Nazis vergleichen kann! Immerhin haben sich die Nazis nie in einem Bürgerkrieg gegen die Juden befunden. Wenn man die Verbrechen der Nazis mit denen Stalins vergleicht, so sollte man das nur moralisch tun. Stalin und Hitler haben unschuldige Menschen im großen Stil gefoltert und getötet. Aber beide haben es aus unterschiedlichen Gründen getan. So hat Stalin die „große Säuberungen“ befohlen, um Kritiker seines Regimes zu entfernen und um sich zum absoluten „Führer der Sowjetunion“ zu machen. Hitler brauchte nicht zum „Führer der Deutschen“ werden, indem er den Holocaust befahl. Er war es schon längst und dadurch mordete er aufgrund seines fanatischen Weltbildes. Eine logische und rationale Erklärung für einen solchen Massenmord kann es nicht geben. Das nun aber Nolte den Massenmord Hitlers an der jüdischen Bevölkerung Europas mit der Angst Hitlers vor dem Massenmord Stalins an seiner Bevölkerung rechtfertigt, ist nicht nur revisionistisch, sondern für mich auch eine Leugnung der deutschen Schuld.
Die Frage stellt sich nun, warum die Diskussion über die Singularität erst so spät, im Jahre 1986 in die Öffentlichkeit getragen wurde. Ich denke, dass liegt hauptsächlich an den politischen Ereignissen in der politischen Landschaft der BRD sowie deren moralische Instanzen. So fiel über die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft ein eiserner Vorhang des Schweigens, der erst von den Studenten der APO gebrochen werden konnte. Sie zwangen ihre Elterngeneration, sich mit der Nazizeit auseinanderzusetzen und vor allem mit ihrer Rolle in jener Zeit. Nach dieser Zeit überschattete der „rote Terror“ der RAF die Schlagzeilen der deutschen Presse und eine Diskussion über die dt. Schuld und über den Holocaust wurde im Keim erstickt. Erst 1986, mit einem wiedergewählten Bundeskanzler Helmuth Kohl und einer Beruhigung der politischen wie gesellschaftlichen Verhältnisse in der BRD sowie einem wirtschaftlichen Wohlstand, konnte ein intellektueller Historikerstreit über das ernste Thema „Holocaust“ und die deutsche Schuld geführt werden. Die Verhältnisse zwischen Rechts und Links waren relativ ausgeglichen und ein Wiedererstarken des deutschen Selbstbewusstseins war nicht nur an den Wahlerfolgen der rechten Parteien zu erkennen. In der DDR gab es keine derartigen Diskussionen.
Eine Singularität des Holocaust existiert für mich, da noch nie in der Geschichte der Menschheit, eine Bevölkerungsgruppe in einem solchen unmenschlichen, durchgeplanten und industriellen Umfang vernichtet wurde. Man kann keinen Vergleich der Größe mit anderen Völkermorden ziehen. Auschwitz steht für das größte Gräuel, das Menschen anderen Menschen antun können und ist mit keiner anderen Gräueltat vergleichbar. Auschwitz muss einzigartig bleiben, damit wir, wir Menschen, uns unserer Taten und ihren Folgen bewusst werden. Wir „Jungen sind nicht verantwortlich für das was damals geschah. Aber [wir][…] sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird!“(R.v. Weizäcker 1985) Das heißt, wir müssen gegen jede Art von Geschichtsrevision kämpfen. „Deutsche Täter sind keine Opfer“ ist ein beliebter Spruch der antifaschistischen Bewegung in der Bundesrepublik. Er muss dafür stehen, dass wir Deutsche, wir, die dieses Land anerkennen, auch dieses Land mit seiner Schuld anerkennen und einen stark antifaschistischen und pazifistischen Weg gehen müssen. Er muss Symbol dafür bleiben, dass wir, als die Zukunft dieser Welt, nicht zulassen dürfen, dass man den Holocaust leugnet bzw. verharmlost. Die deutsche Bevölkerung muss darüber wachen, dass es International wie national keine Veränderungen an der deutschen Schuld und damit keine Umdeutung der deutschen Geschichte gibt. Denn wenn sie das zulässt, dann machen sich selbst die schuldig, die eigentlich „nicht verantwortlich für das [sind], was damals geschah“(R.v. Weizäcker).






