Wer hat Angst vor der Deflation

Die Inflationsrate ist im Mai in Berlin und Brandenburg um rund 0,2 Prozent gesunken. Deutschlandweit liegt die Teuerungsrate bei genau 0 Prozent. Damit wird ein Wert erreicht, den es seit 1987 nicht mehr gegeben hat. Vor allem die Preise für Heizöl und Kraftstoff sind im Vergleich zu Vorjahr um mehr als 54 Prozent bzw.. mehr als 15 Prozent gesunken. Aber auch Lebensmittel sind deutlich günstiger geworden. Insbesondere Molkerei- und Eierprodukte sind bis zu 8 Prozent billiger im Preis.

Dieses Phänomen nennen Volkswirte Deflation. Anders als bei der Inflation, wo das Preisniveau kontinuierlich steigt, sinkt das Preisniveau bei einer Deflation über einen längeren Zeitraum signifikant. Doch warum schreibt der Felix darüber? Was soll daran schlimm sein, dass die Preise sinken und die Produkte günstiger zu haben sind? Das ist doch toll. Wie hieß es doch gleich? Geiz ist Geil! Also wo ist jetzt das Problem? Was ist so schlecht an einer Deflation?

Das Problem an der Deflation ist, um es einfach zu beschreiben, dass durch die Berichte über die Krise, durch die Nachrichten über OPEL und Acandor, sich eine allgemeine Kaufzurückhaltung entwickeln und durch die jetzt schon sinkenden Preise weiter verschlimmert werden könnte. Eine Deflation beginnt immer mit einer Erschütterung des Konsumklimas. Nach dem die Konsumenten verunsichert sind halten sie sich mit größeren Investitionen zurück. Das senkt die Nachfrage und damit auch die Preise, was teilweise durch Spekulanten,die auf weiterhin sinkende Preise agiotieren noch verstärkt wird. Durch die sinkende Nachfrage verringern sich auch die Produktionskapazitäten und es kommt zu massiven Entlassungen. Durch diese massiven Entlassungen sinkt die Bereitschaft in der Bevölkerung zu konsumieren noch mehr, was wiederum schlecht für die Produktion ist usw… Ein Teufelskreislauf, aus dem nur schwer wieder raus zukommen ist. Und auch wenn die GfK in ihrem Konsumklimaindex einen stabilen Wert von 2,5 Punkten und damit einen relativ positiven Wert für Juni 2009 prognostiziert, ist die Gefahr einer Deflation noch lange nicht gebannt. Die Krise scheint bei den Menschen noch lange nicht angekommen zu sein. Es ist jedoch erschreckend, dass wir jetzt schon eine relativ niedrige Teuerungsrate haben. Ich gehe davon aus, dass wir ohne weitere Interventionen von Seiten des Staates in die Nachfrage in rund 4 bis 5 Monaten eine Deflation von 0,5% bis 1% haben.

Was dagegen helfen würde wäre ein massives Investitionsprogramm in die Nachfrage. Also ein antizyklisches Programm nach der Lehre von John M. Keynes. Doch dies wird weiterhin von den Neoliberalen in der Schwarz-Roten Bundesregierung verhindert, die immer noch auf die Selbstheilungskräfte des Marktes vertrauen. Ein Rettungsschirm für die Menschen wäre jetzt wichtig…

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4 thoughts on “Wer hat Angst vor der Deflation

  1. Jetzt bleibt für mich allerdings die Frage, war zuerst die Henne da oder das Ei? Die Deflation ist in diesen Tagen vor allem durch die extrem gesunkenen Energiepreise entstanden. Die fielen allerdings nicht, weil die Konsumenten weniger Energie verbrauchen, das tun sie ja munter wie bisher. Der Verfall der Energiepreise hat ja  zweierlei Gründe: 1. Die Energiemarkt war sowieso extrem aufgeblasen durch Spekulationsgeschäfte. Die haben sich im Moment total erledigt, da kein Geld da ist.
    2. Die Industrie verbraucht im Moment weniger Energie, da sie ja ein “paar” Absatzprobleme haben ;)

    Dei Deflation ist diesmal irgendwie einer Art Energiekrise geschuldet. Aber das ist ja auch nur eine Meinung von vielen. Es gibt auch die Angst, dass zu massive Unterstützung durch den Staat, in Form von Steuergeschenen usw. das Deflationsrisiko noch mehr steigern würden. Andere sagen – wie du – es sei enorm wichtig, dass jetzt die Verbraucher gestärkt weren.

    Was mich eigentlich wirklich erschreckt ist die Uneinigkeit der Experten, was wollen die uns eigentlich erzählen? Die scheinen doch genauso viel Ahnung zu haben wie wir…

    (man ist das verwirrend hier mit dem linksbündigen Kommentarfeld)

  2. Naja das ist ja genau die Sache, die irgendwie seit Jahren die Volkswirtschaftler entzweit. Die einen sagen, mensch müsste die Nachfrage fördern (Keynes) und die anderen sagen, mensch müsste das Angebot fördern (Smith). Die ganzen Experten sind genauso auch getrennt. Die einen sind Anhänger des Keynianismus und sagen, wir bräuchten noch ein Konjunkturpaket, damit es nicht zu einer Deflation kommt, kalkulieren also eine steuerbare Deflation mit ein und die anderen sind Anhänger der Freiburger Theorie, die besagt, wenn wir irgendwie die Unternehmen retten, dann können die ein besseres Angebot geben und damit die Wirtschaft wieder ankurbeln.

    Ich persönlich sehe mich als Keynianist in der Frage, weil in den letzten Jahren gesehen habe, was passiert, wenn der Staat sich aus der Wirtschaft so gut wie möglich raushält. Außerdem bin ich überzeugt von der antizyklischen Globalsteuerung.

  3. (ach sorry wegen dem Kommentarfeld aber irgendwie ist das PlugIn beim Umzug kaputt gegangen.)

  4. Angebot und Nachfrage. Die alten Haudegen. Gar nicht so leicht mit den beiden, denn wenn der eine Hü sagt, sagt der andere Hott.

    Die Frage wie man den Teufelskreis unterbrechen könnte, welcher ja den Kern des Problems darstellt ist relativ einfach zu beantworten. Die Umsetzung stellt sich dann schon schwieriger dar, jedoch ist die Konsequenz lohnenswert.

    Meiner Meinung nach setzt der Teufelskreis schon vor der Krise ein, er war nur noch nicht so extrem am werken. Die lange betriebene Aufgabenverdichtung für Menschen, die die wegrationalisierten Arbeitsplätze kompensieren sollten, sind nicht unwesentlich an dieser Situation beteiligt.

    Abgesehen davon, dass diese Menschen immer mehr Stress ausgesetzt sind ist es klar, dass man sich damit den Teufelskreis selber schafft. Weniger Menschen für die gleiche oder bzw. mehr Arbeit. Folglich haben mehr Menschen weniger Geld.
    Die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise haben den Rest erledigt und somit nehmen sich immer mehr Menschen im Konsum zurück, was dann wieder Arbeitsplätze kostet um die Ausfälle auszugleichen.

    Das dieses Programm jetzt erst so richtig krachen geht, ist eigentlich ganz logisch…

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